Sonntagslauf vor dem Aufstehen – unfreiwilliger Selbstversuch

So, 26. Juli 2015 1 Kommentar

… oder was meine neue Garmin Fenix 3 damit zu tun hat.

Der 26.7.2015 sollte ein besonderer Sonntag werden. Nicht nur weil meine beiden Liebsten mich heute in Richtung Oberbayern für einige Wochen verlassen haben, sondern weil ich zum ersten Mal in meinem Leben Sonntags um kurz nach 8:30 Uhr bereits das zweite Mal geduscht bin. Doch wie konnte es dazu kommen?
Um dem Ferienverkehr zu entgehen, beschlossen meine Frau und meine Tochter heute ganz früh loszufahren, um 5:30 Uhr.
Als guter Ehemann und Vater wollte ich die Beiden natürlich noch persönlich verabschieden. So stand ich halbnackt um 5:31 Uhr auf der Terrasse bei nur 10 Grad (immerhin plus) und mit Morgentau auf der hohen Stirn, um eifrig Beiden hinterher zu winken. Kaum außer Sichtweite, standen komplizierte Entscheidungen an: Wieder hinlegen und weiterschlafen, mit einer Tasse Kaffee hinlegen und Zeitung lesen oder etwa sogar auf bleiben? Ich entschloss mich für die mittlere Option. Dank modernster Technik kann man ja auch die WAMS vor dem Aufstehen kaufen und lesen. Und was schlägt mir da heute wie zum Hohn als Titelthema ins Gesicht: ‘Schlaflos – warum wir nicht mehr zur Ruhe kommen‘.
Neben Kaffee trinken und Lesen quälte mich aber auch der zarte Gedanke, ich könnte ja mal ganz früh laufen gehen. Bisher habe ich diesem Versuch seit meiner Geburt erfolgreich widerstanden, trotz permanenter Artikel in den einschlägigen Laufmagazinen, wie toll, inspirierend und gesund der frühe Lauf sei. Wäre da nicht zusätzlich mein neues Trainingsspielzeug. Seit zwei Wochen nenne ich die Fenix 3 von Garmin mein Eigen und die muss ja schließlich auch bewegt werden. Dazu kommt der zusätzliche soziale Druck durch Garmin Connect und die sog. ‘Garmin Freunde’ (Wie können das Freunde sein, wenn ich wegen denen Sonntags vor dem Aufstehen laufen muss?). Wer läuft am frühesten, am längsten, am schnellsten? Wer hat den höchsten VO2 max, wie immer den der neue Trainingscomputer am Handgelenk auch misst? Zum Glück lässt sich dieser Wert auch manuell eintragen, aber Vorsicht für alle ‘Faker': Erst mal schnell ‘googlen’ auf welchen Wert die Spitzenausdauerathleten so kommen. Ein eigener 3-stelliger Wert kann da schnell unglaubwürdig werden. So stehe ich tatsächlich um 7:00 Uhr vollständig auf und beschließe, meine Laufsachen nicht nur zu suchen sondern sogar anzuziehen, wenngleich die sich um diese Zeit Sonntags naturgemäß noch sehr versteckt halten. Jetzt noch schnell rasieren – das macht bestimmt einige Millisekunden in der Zeit aus – und allen unnötigen sonstigen Körper-Ballast abwerfen, sofern das so früh schon geht. So stehe ich dann tatsächlich leicht fröstelnd, inzwischen sind es 12 Grad, um 7:45 Uhr am Sonntag morgen komplett ausgerüstet mit Pulsgurt, Trainingscomputer, Laufklamotten und immer noch müden Augen mutterseelenallein vor unserer Haustüre auf 180 Meter Meereshöhe (weiss die Garmin). Nun noch die Aktivität Laufen auf der Fenix 3 starten – diese meldet Puls gefunden (welch ein Glück), Satelliten alle vorhanden (die sind auch schon so früh wach) – und los gehts, ganz langsam den morgendlichen wärmenden Sonnenstrahlen entgegen.
Schlafender Frosch

Vorbei an ausnahmslos geschlossenen Rollläden in Richtung Pfingstborn, unserer wunderschönen Freizeitanlage am Feld- und Tanuswaldrand direkt vor der Haustüre. Einziger Nachteil: Es sind einige Höhenmeter auf recht kurzer Distanz zu überwinden, nämlich 148 auf 6,4 km (weiss alles die Fenix 3).
Völlig davon überzeugt, dass ich um diese Zeit beim Laufen ganz alleine bin, werde ich eines Besseren belehrt. Nordic Walker mit und ohne Hunde, normale Gassi-Geher, Rehe am Waldrand, Feldhasen am Feldrand, Bussarde und sonstiges Gefieder über mir und ein noch nicht wachgeküsster Frosch mitten auf dem Weg – oder wurde der von einem noch früheren Läufer einfach plattgerannt? Kann ich so früh noch nicht zweifelsfrei erkennen. Jetzt muss doch endlich mal der Aha-Effekt des frühen Laufens kommen, denke ich. Aber er bleibt ebenso aus wie das berühmte ‘Runner’s high’. Immer noch nicht richtig wach, geht meine Morgenrunde langsam zu Ende. Die Rollläden in unserer Straße sind immer noch alle unten. Zur Erinnerung: Es ist Sonntag! Um ein paar Stunden Schlaf ärmer aber dafür um eine Morgenlauferfahrung reicher bin ich mir ganz sicher: Der Frühsport und ich werden nie wirkliche Freunde werden. Das ist übrigens auch den einzige wahre Grund – nicht etwa mangelnde Fitness – warum meine wenigen Triathlon-Wettkämpfe immer nur über die Sprintdistanzen gingen. Der Rohentwurf zu diesem Beitrag ist allerdings tatsächlich während des heutigen ‘Nachtlaufs’ in meinem schläfrigen Hirn entstanden. Ob das hätte sein müssen, mag der ausgeschlafene Leser bitte selbst beurteilen.
Ach so, hier ein Auszug aus dem, was meine Garmin noch so alles gemessen hat, für was und für wen auch immer:
Durchschn. Trittfrequenz: 136 spm (Schritte pro Minute), maximale Trittfrequenz: 168 spm (vor wem bin ich da geflohen?)
Durchschn. vertikale Bewegung: 8,2 cm (das Auf und Ab des Rumpfes bei jedem Schritt, ob das die Teufelsuhr auch bei anderen Rumpfaktivitäten misst?)
Durchschn. Bodenkontaktzeit: 359 Millisekunden
Durchschn. Schrittlänge: 0,91 cm
Das Wichtigste zum Schuss: Kommentare bitte erst später, ich muss mich erst mal hinlegen!

Operationen: Klasse durch Masse?

Operationen: Klasse durch Masse?
Nachfolgend ein interessanter Artikel aus der Apotheken-Umschau zu dem Thema Mindestmengen / Quotenregelungen bei TEP-OPs. Die geltende Regelung scheint vor diesem Hintergrund als unsinnig.

Bestimmte Operationen dürfen nur Kliniken durchführen, die viel Erfahrung damit haben. Aber verbessert das die Ergebnisse?
– von Michael Aust, 20.07.2015 …mehr

150.000 Zugriffe, 150 TEPFITte, viel Klärungsbedarf, Halbmarathon-Finisher und endogroup

150.000 Seitenzugriffe

Zunächst freue ich mich, dass dieser Blog seit einigen Tagen 150.000 Seiten-Zugriffe überschritten hat. Dies zeigt, dass die Informationen die hier zusammengetragen werden und wurden innerhalb der Gruppe der Betroffenen eine hohe Relevanz haben. Um eine noch größere Anzahl von Arthrosegeplagten zu erreichen, wurde vor gut sieben Wochen zusätzlich die Facebook-Gruppe TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie) ins Leben gerufen. Auch wenn hier im Blog Kommentare hinterlassen kann, was auch rege genutzt wird, so ist eine Interkommunikation im Social Media einfach besser abzubilden.

Knapp 150 Mitglieder

Was lag da also näher, als Facebook mit seinen 1,5 Milliarden Nutzern weltweit und 30 Millionen in Deutschland dafür zu nutzen.
Durchaus überrascht hat uns, dass unsere Gruppe in der kurzen Zeit fast 150 Mitglieder zählt. Dies entspricht ca. 20 Neuanmeldungen pro Woche. Ebenfalls überrascht sind wir von dem großen Anteil an sehr jungen Mitgliedern, die bereits künstliche Gelenke haben oder kurz davor stehen.

Viel Klärungsbedarf

Regelrecht entsetzt sind wir darüber, wie groß immer noch die Informationsdefizite und Verunsicherungen bei dem Thema künstliche Gelenke sind. Trotz einer Fülle von Informationen, die über unterschiedliche Quellen verfügbar sind, stehen sehr viele unbeantwortete Fragen im Raum. Eine große Verunsicherung entsteht dadurch, dass unsere Gruppenmitglieder bei Ihren Ärzten, im Krankenhaus oder bei Reha-Aufenthalten sehr vielstimmige Handlungsempfehlungen erhalten. Diese reichen von ‘Nie wieder auf der operierten Seite schlafen’ über ‘Bis zu 12 Monaten nach der OP kein Fahrrad fahren’ bis hin zu ‘Nach 3-4 Monaten können Sie ruhig mit dem Joggen anfangen’. Da bleibt es schwierig für den Einzelnen, sich zu orientieren. Genau hier setzt unsere Gruppe an. Alle diese Fragen und Unsicherheiten können gepostet werden und werden meist in wenigen Minuten von den anderen Mitgliedern beantwortet. Da auch einige Orthopäden und Physiotherapeuten mit von der Partie sind, sind die Antworten sehr oft entsprechend fachlich untermauert.

Dirk Reidenbach

Dirk Reidenbach (li) mit Peter Herrchen

Gutenberg-Halbmarathon 9 Monate nach Hüft-TEP

Gratulieren möchten wir an dieser Stelle dem TEPFIT-Mitglied Dirk Reidenbach, der exakt 9 Monate nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes am 10. Mai 2015 in Mainz den Halbmarathon in einer hervorragenden Zeit von 2:11:06 gefinished hat. Fünf Monate zuvor hatte er erst wieder mit dem Laufen begonnen (vier Monate nach der OP).

Dirk ist ein Beispiel dafür, was alles mit einem künstlichen Gelenk möglich ist und das, obwohl die Voraussetzungen alles andere als günstig waren: Hatte er doch auf Grund eines sechs Monate zuvor erlittenen Unfalls und eines damit verbundenem unentdeckten Risses im Hüftkopf ein künstliches Gelenk erhalten müssen. Gut, dass er einen Operateur hatte, der sportliche Aktivitäten trotzdem für gut befand.

Peter Herrchen, Betreiber dieses Blogs und der TEPFIT-Gruppe, ließ es sich nicht nehmen, Dirk persönlich anzufeuern und zu gratulieren.

endgroup

Dr. Christian Fulghum, Chefarzt der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen und auch Mitglied der TEPFIT-Gruppe, hat zusammen mit vier anderen Endoprothetik-Zentren in Deutschland die endogroup ins Leben gerufen.
‘Fünf auf dem Gebiet der Endoprothetik führenden Kliniken bilden endogroup. Durch die Kooperation soll ein Zugewinn in der Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung, der Mitarbeiterzufriedenheit und der Organisation unserer Abteilungen erreicht werden’, erläutern die Betreiber auf ihrer Seite.
Umfassend und anschaulich wird über die Hüft- und Knie-Endoprothetik informiert, sowohl was die OP selbst als auch die möglichen Implantat-Varianten (Gleitpaarungen) betrifft. In der Rubrik ‘Knowledge-Center’ werde alle Begriffe rund um die OP alphabetisch erläutert und die häufigsten Fragestellungen beantwortet.
Selbstverständlich gelangt man über endogroup-Seite auch zu den jeweiligen Klinik-Webseiten und deren Chefärzte!

TEPFIT, Cross-Shaping und junge TEP-Träger

Mitte März haben wir unsere Facebook-Gruppe ‘TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken’ gegründet mit dem Ziel, ein seriöses Forum für Arthrose-Betroffene, die vor der Entscheidung für ein künstliches Gelenk stehen oder bereits eines erhalten haben, zu bieten. Unsere Erwartungen wurden bisher weit übertroffen: Nach exakt fünf Wochen hat unsere Gruppe schon 84 Mitglieder! Darunter aktuell fünf Ärzte, die uns als Experten mit Rat und Tat zur Seite stehen und die wir ggf. auch außerhalb der Gruppe bei speziellen Fragen kontaktieren können. Dafür herzlichen Dank!

csIch hatte schon einige Male hier in meinem Blog auf die gelenkschonende aber doch noch recht unbekannte Sportart Cross-Shaping hingewiesen. Über unsere TEPFIT-Gruppe haben wir jetzt zusammen mit dem Hersteller eine Möglichkeit gefunden, den CrossShaper vergünstigt zu beziehen. Wer Interesse an einem Kauf hat, sendet mir bitte eine eMail mit vollständigem Namen an nachfolgende Cross-Shaper-Adresse.
Der- oder diejenige erhält von mir einen persönlichen Gutschein-Code, der bis 30.06.2015 gültig ist, sowie eine Liste mit allen derzeitigen Trainern und Ansprechpartnern für den CrossShaper in Deutschland. Dort können Sie den CrossShaper nach Rücksprache auch vor dem Kauf ausprobieren. Der Gutschein-Code kann im Online-Shop eingelöst werden und berechtigt zu einem 20%-igen Rabatt.

Mit Überraschung haben wir festgestellt, dass es scheinbar zunehmend sehr junge Patienten gibt, die ein künstliches Gelenk benötigen oder bereits eines haben. In unserer TEPFIT-Gruppe sind einige unter 30 Jahren dabei. Der Grund ist allerdings meist entweder ein Unfall oder eine nicht optimal verlaufene Umstellungs-Osteotomie in ganz jungen Jahren. Dies zeigt aber auch, dass man in der Sturm- und Drangzeit nicht mehr zur Bewegungsunfähigkeit verdammt sein muss, sondern durch immer bessere Implantate mit längerer Haltbarkeit, sowie durch schonende OP-Techniken, die Operationen heute schon viel früher durchgeführt werden können.

Wie Ärzte und Patienten Qualitätsberichte besser nutzen können

Ein guter und richtiger Ansatz, die Qualitätsberichte der Kliniken auch ohne Hochschulstudium lesen zu können!
Beitrag aus dem Deutschen Ärzteblatt vom 8.4.2015

Köln – Wie Ärzte und Patienten die Qualitätsberichte der Krankenhäuser sinnvoll nutzen können, hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem Infopaket dargestellt. Das Institut zeigt darin, welche Daten für die Suche nach einem passenden Krankenhaus hilfreich sein können und wie sie sich erschließen lassen … mehr

TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken

TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken – Neues, noch kleines aber schon sehr feines Austauschforum

Dieser Blog besteht nun seit über fünf Jahren und steht kurz vor dem 150.000-sten Seitenabruf. Es sind daraus inzwischen zusammen mit Heidi Rauch zwei Bücher (‘Mut zur neuen Hüfte!’ und ‘Mut zum neuen Knie!’) entstanden, ich habe zu ganz vielen Betroffenen Kontakt über meinen Blog erhalten und es sind hunderte von eMails außerhalb dieses Blogs mit Betroffenen ausgetauscht worden. Das Wesen dieses Blogs ist es, Informationen bereit zu stellen, die zwar kommentiert werden können, aber nicht für einen schnellen und zügigen Erfahrungsaustausch der Blog-Leser untereinander geeignet sind. Aus diesem Grund haben Ulrike Steyer, die ich auch über diesen Blog und unsere Bücher kennengelernt habe, und meine Wenigkeit nach Wegen gesucht, einen permanenten Austausch von Betroffenen untereinander zu etablieren.

Dr. Christian Fulghum

Dr. Christian Fulghum

Nach kurzer Überlegung haben wir uns für eine geschlossene Facebook-Gruppe entschieden, wohl wissend, dass wir damit nicht alle erreichen können – und zwar aus folgenden Gründen: Diese kann schnell von überall von uns moderiert und begleitet werden, worauf wir großen Wert legen. Facebook ist auf jedem Smartphone, Tablet/Pad und PC gleichermaßen verfügbar und die Gruppenmitglieder können damit zeitnah interagieren.

Eventuelle Nachteile, wie den Ausschluss von ‘Facebook-Verweigerern’, zu denen leider auch meine liebe Mitautorin Heidi Rauch gehört, keine Möglichkeit nach Themen zu strukturieren oder auch das Risiko, dass unsachliche oder beleidigende Beiträge zunächst online gehen, nehmen wir dabei in Kauf. Letzteres versuchen Ulrike und ich allerdings zu verhindern, indem wir die Gruppe so zeitnah wie möglich begleiten und moderieren und dabei ggf. Beiträge wieder entfernen oder im Extremfall auch Gruppenmitglieder ausschließen. Bisher war dies in unserer exakt acht Tage alten Gruppe noch nicht nötig.

Dr. Georg Kaupe

Dr. Georg Kaupe

Im Gegenteil: Unser Anspruch, das Niveau dieser Gruppe möglichst hoch zu halten, nur sachliche und kompetente Beiträge, Fragen und Antworten zu ‘posten’ und vor allen Dingen neben den Betroffenen auch wirkliche Experten ins Boot zu holen, ist bis jetzt voll aufgegangen. Stand heute hat die Gruppe bereits knapp 30 Mitglieder und darunter mit Dr. Georg Kaupe und Dr. Christian Fulghum zwei renommierte Orthopäden, deren Spezialgebiet im Falle von Dr. Christian Fulghum, die Endoprothetik in Verbindung mit entsprechender sportlicher Betätigung ist und im Falle von Dr. Georg Kaupe die Sportmedizin. Letzterer hat dazu ein spezielles Trainingsgerät, den Cross-Shaper, entwickelt und Dr. Christian Fulghum hat das ENDOFIT-Programm in seiner Klinik aufgelegt. Eine Ernährungsexpertin, Barbara Konitzer,

Barbara Konitzer

Barbara Konitzer

die sich neben allgemeiner gesunder Ernährung im speziellen auch mit einer Ernährung zur Arthrose-Verbeugung oder bei bereits
bestehender Arthrose beschäftigt, ist auch schon an Bord. Natürlich sind wir bestrebt noch weitere Fachleute, wie z.B.: Physiotherapeuten, medizinische Fachjournalisten oder auch Trainer bestimmter gelenkschonender Sportarten für uns zu gewinnen. Wir sind selbst sehr gespannt, wie sich die Gruppe weiterentwickelt und hoffen, dass auch viele Leser dieses Beitrags einen Beitritt zur Gruppe beantragen.

 

AMIS – Alter Wein in neuen Schläuchen?

Fr, 27. Februar 2015 2 Kommentare

In letzter Zeit ist in der Presse und auf Klinik- und Ärzteseiten häufiger von der neuen AMIS-Methode bei Hüft-OPs die Rede (siehe z.B.: TZ oder auch WAZ). AMIS steht dabei für ‘Anterior Minimal Invasive Surgery’ und bedeutet nicht wörtlich übersetzt: ‘Die minmal-invasive Durchführung einer Hüft-OP über einen vorderen Zugang’. Bei dieser Operationsmethode wird immer nur von Vorteilen gegenüber allen anderen Methoden berichtet (schnellere Rehabilitation, Vollbelastung direkt nach der OP, weniger bis keine Schäden an Muskeln und Nerven, geringe Luxationsgefahr, weniger Schmerzen, weniger Blutverlust, kleine Narbe). Anlass genug mal zu hinterfragen, warum diese Methode in Deutschland noch immer sehr wenig verbreitet und ob diese wirklich neu ist?

Bei der Recherche stellt sich schnell heraus, dass dieser Zugangsweg zum Hüftgelenk schon lange – wenn auch ohne marketingfähigen Namen – vor allen Dingen in Frankreich (seit den 90er Jahren), aber auch in Österreich und in der Schweiz angewandt wurde, bzw. wird. Seinen Ursprung hatte dieser Zugangsweg übrigens bereits 1870 in Deutschland! Carl Hueter hat damals bereits diese Methode beschrieben. Sie verschwand von der Bildfläche bis in den 90er Jahren Dr. F. Laude aus Paris diesen wiederbelebte. In einem Artikel aus dem Jahre 2010 ist von bisher 30000 Operationen insgesamt nach dieser Methode die Rede. Setzt man die Zahl ins Verhältnis zu den jährlich ca. 200.000 Hüftgelenksersatz-Operationen in Deutschland, so relativiert sich diese sehr schnell. Aktuellere Zahlen liegen mir leider nicht vor.

Alles Grund genug. unseren Spezialisten Dr. Christian Fulghum, den Cherfarzt der endogap – Klinik für Gelenkersatz, zu diesem Thema zu befragen.
Lesen Sie nachfolgend die ausführliche Antwort zu unseren Fragen an Dr. Fulghum:

Endoprothese und Sport
Wenn AMIS nur Vorteile hat, warum ist diese Methode in unserer Wahrnehmung in Deutschland so wenig verbreitet?
Wo liegen die Probleme in dieser Operationsmethode?
Was sind die Nachteile?

Dr. Christian Fulghum

  1. AMIS ist eine sehr guter Zugangsweg/Methode, wenn sie beherrscht wird.
  2. AMIS ist nichts Neues – es ist der altbekannte vordere Hüftzugang, schon vor vielen Jahren beschrieben, jetzt mit neuem, marketingfähigen Namen.
  3. Es gibt 5 natürliche Hüftlücken, die den Zugang zum Gelenk ermöglichen. Durch alle kann man operativ tätig werden, mal mit etwas mehr Muskelschonung, mal mit etwas weniger.
  4. Die Benutzung aller 5 Zugangswege bedingt bei der Implantation eines künstlichen Hüftgelenks Muskelschäden, sei es durch Durchtrennung, durch Dehnung oder Quetschung des Gewebes. Welcher Schaden da vorzuziehen ist, bleibt völlig offen!
  5. Bestimmte Zugänge zeigen in den ersten 6 Wochen eine etwas schnellere Rehabilitation (u.a. AMIS), nach 3 Monaten sind absolut keine Unterschiede mehr nachweisbar (der Körper regeneriert sich).
  6. Signifikante Unterschiede haben sich in kontrollierten Studien nicht nachweisen lassen.
  7. Leider wird mit AMIS geworben, das alleine ist schon nicht OK, denn alle Hüftzugänge führen, bei korrekter, schonender Ausführung, zu sehr guten Ergebnissen.
  8. AMIS ist bei Komplikationen nicht erweiterbar – im Gegensatz zu den seitlichen und hinteren Zugängen; Und niemand ist gegen Komplikationen gefeit.
  9. Unter anderem deshalb hat sich AMIS auch bisher nicht wirklich durchgesetzt. Was sollte uns daran hindern einen überlegenen Zugang zu verwenden (wenn er denn überlegen wäre ….)?
  10. Es gibt eben bei keinem Zugang nur Vorteile, es kommt immer auf die Erfahrung des Operateurs an und den individuellen Patienten.

Dr. Fulghums Fazit: Das Wichtigste ist die Erfahrung und das Können des Operateurs und zwar unabhängig davon, welche der 5 möglichen Zugangswege gewählt werden.

Spätestens dieses Werbevideo sollte im Bezug auf AMIS nachdenklich stimmen!

 

 

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