AMIS – Alter Wein in neuen Schläuchen?

Fr, 27. Februar 2015 2 Kommentare

In letzter Zeit ist in der Presse und auf Klinik- und Ärzteseiten häufiger von der neuen AMIS-Methode bei Hüft-OPs die Rede (siehe z.B.: TZ oder auch WAZ). AMIS steht dabei für ‘Anterior Minimal Invasive Surgery’ und bedeutet nicht wörtlich übersetzt: ‘Die minmal-invasive Durchführung einer Hüft-OP über einen vorderen Zugang’. Bei dieser Operationsmethode wird immer nur von Vorteilen gegenüber allen anderen Methoden berichtet (schnellere Rehabilitation, Vollbelastung direkt nach der OP, weniger bis keine Schäden an Muskeln und Nerven, geringe Luxationsgefahr, weniger Schmerzen, weniger Blutverlust, kleine Narbe). Anlass genug mal zu hinterfragen, warum diese Methode in Deutschland noch immer sehr wenig verbreitet und ob diese wirklich neu ist?

Bei der Recherche stellt sich schnell heraus, dass dieser Zugangsweg zum Hüftgelenk schon lange – wenn auch ohne marketingfähigen Namen – vor allen Dingen in Frankreich (seit den 90er Jahren), aber auch in Österreich und in der Schweiz angewandt wurde, bzw. wird. Seinen Ursprung hatte dieser Zugangsweg übrigens bereits 1870 in Deutschland! Carl Hueter hat damals bereits diese Methode beschrieben. Sie verschwand von der Bildfläche bis in den 90er Jahren Dr. F. Laude aus Paris diesen wiederbelebte. In einem Artikel aus dem Jahre 2010 ist von bisher 30000 Operationen insgesamt nach dieser Methode die Rede. Setzt man die Zahl ins Verhältnis zu den jährlich ca. 200.000 Hüftgelenksersatz-Operationen in Deutschland, so relativiert sich diese sehr schnell. Aktuellere Zahlen liegen mir leider nicht vor.

Alles Grund genug. unseren Spezialisten Dr. Christian Fulghum, den Cherfarzt der endogap – Klinik für Gelenkersatz, zu diesem Thema zu befragen.
Lesen Sie nachfolgend die ausführliche Antwort zu unseren Fragen an Dr. Fulghum:

Endoprothese und Sport
Wenn AMIS nur Vorteile hat, warum ist diese Methode in unserer Wahrnehmung in Deutschland so wenig verbreitet?
Wo liegen die Probleme in dieser Operationsmethode?
Was sind die Nachteile?

Dr. Christian Fulghum

  1. AMIS ist eine sehr guter Zugangsweg/Methode, wenn sie beherrscht wird.
  2. AMIS ist nichts Neues – es ist der altbekannte vordere Hüftzugang, schon vor vielen Jahren beschrieben, jetzt mit neuem, marketingfähigen Namen.
  3. Es gibt 5 natürliche Hüftlücken, die den Zugang zum Gelenk ermöglichen. Durch alle kann man operativ tätig werden, mal mit etwas mehr Muskelschonung, mal mit etwas weniger.
  4. Die Benutzung aller 5 Zugangswege bedingt bei der Implantation eines künstlichen Hüftgelenks Muskelschäden, sei es durch Durchtrennung, durch Dehnung oder Quetschung des Gewebes. Welcher Schaden da vorzuziehen ist, bleibt völlig offen!
  5. Bestimmte Zugänge zeigen in den ersten 6 Wochen eine etwas schnellere Rehabilitation (u.a. AMIS), nach 3 Monaten sind absolut keine Unterschiede mehr nachweisbar (der Körper regeneriert sich).
  6. Signifikante Unterschiede haben sich in kontrollierten Studien nicht nachweisen lassen.
  7. Leider wird mit AMIS geworben, das alleine ist schon nicht OK, denn alle Hüftzugänge führen, bei korrekter, schonender Ausführung, zu sehr guten Ergebnissen.
  8. AMIS ist bei Komplikationen nicht erweiterbar – im Gegensatz zu den seitlichen und hinteren Zugängen; Und niemand ist gegen Komplikationen gefeit.
  9. Unter anderem deshalb hat sich AMIS auch bisher nicht wirklich durchgesetzt. Was sollte uns daran hindern einen überlegenen Zugang zu verwenden (wenn er denn überlegen wäre ….)?
  10. Es gibt eben bei keinem Zugang nur Vorteile, es kommt immer auf die Erfahrung des Operateurs an und den individuellen Patienten.

Dr. Fulghums Fazit: Das Wichtigste ist die Erfahrung und das Können des Operateurs und zwar unabhängig davon, welche der 5 möglichen Zugangswege gewählt werden.

Spätestens dieses Werbevideo sollte im Bezug auf AMIS nachdenklich stimmen!

 

 

Skilanglauf – gesund, anstrengend und gelenkschonend

So, 15. Februar 2015 2 Kommentare

Sonneloipe Scharling - KreuthIch hatte schon fast vergessen, wie schön Skilanglauf bei traumhaftem Winterwetter sein kann. Bin ich doch die letzten Jahre überwiegend gejoggt und bei meinen Winteraufenthalten am Tegernsee – hauptsächlich Weihnachten und Silvester – war meist zu wenig Schnee. Ganz anders jetzt im Februar. Herrliche Schneeverhältnisse, sehr gut gespurte Loipen und traumhafter Sonnenschein.
Zudem ist das Skilangläufen nicht nur anstrengend und anspruchsvoll, sondern auch gesund für Körper und Kreislauf und sehr gelenkschonend, zumindest im klassischen Stil. Damit ist Skilanglauf bestens für Endoprothesenträger geeignet. Etwas Vorsicht sollte man auf schwierigeren Strecken walten lassen wenn man kein perfekter Techniker ist, um nicht unglücklich zu stürzen. Vom heute sehr verbreitet und besonders elegant aussehenden Skating ist für Hüft-TEP-Träger ehSonnenloipe Starter abzuraten. Hier kann es ungewollt durch den Schlittschuhschritt zu stärkeren Spreizungen der Beine kommen, als dem künstlichen Gelenk lieb ist. Wobei ich gestehe, dass ich auch schon mit dem Gedanken gespielt habe, mir Skating-Ski zuzulegen. Das klassische Skilanglaufen ist dem kürzlich von mir getesteten Cross-Shaping übrigens sehr ähnlich, es fehlen nur die Gewichte für den Oberarm und der Oberkörper ist nicht ganz so aufrecht. Wer die Gelegenheit hat diesen schönen Wintersport auszuüben, sollte es tun. Wie viele Muskeln dabei angesprochen werden, habe ich jetzt aktuell nach meiner längeren Skilanglaufpause auch prompt mit einem ausgeprägten Muskelkater an den unmöglichsten Stellen gespürt. Noch ein kleiner Hinweis für alle, die nach einer Gelenks-Operation vielleicht vom alpinen Skifahren auf Langlauf umsteigen möchten. Auch wenn es einfach aussieht, ist die Sportart doch technisch anspruchsvoll, zumindest dann, wenn man Steigungen gut, sicher und elegant hinauf und auch wieder hinunter kommen und beim gewollten oder ungewollten Spurwechsel nicht für Gelächter sorgen möchte. Neueinsteiger sollten in jedem Fall einige Stunden in einen Grundkurs oder Langlauftrainer investieren.

Studie: Zu viel Joggen ist lebensgefährlich

Do, 5. Februar 2015 1 Kommentar

Studie: Zu viel Joggen ist lebensgefährlich – Artikel aus dem Ärzteblatt vom 5.2.2015

Sport in Maßen ist gesund, wer es allerdings mit der körperlichen Fitness übertreibt, lebt gefährlich. So lautet das Fazit einer Analyse der Copenhagen City Heart Study. Peter Schnohr vom  … mehr

Kategorien:Bewegung, Joggen, Sport Schlagworte: , ,

Antibiotika-Einsatz nach Knie- oder Hüft-TEPs

Immer wieder kommt die Frage auf, wie man sich als Hüft- oder Knie-TEP-Träger vor einer Infektion der Prothese schützen kann/soll. Muss man gleich bei jedem grippalen Infekt oder bei jedem Zahnarztbesuch mit dem Antibiotika-Hammer vorbeugen? Nein, ist die eindeutige Antwort von Dr. Christian Fulghum, Chefarzt der Endogap-Klinik in Garmisch-Partenkirchen. Wohl aber bei großen bakteriellen Infektionen – ausgehend von Zahn oder Zeh. Hier seine ausführliche und klare Antwort … mehr

Jede TEP braucht eine APP

Jede TEP braucht eine APP

Das war ja nur eine Frage der Zeit bis es eine App für Totalendoprothesen (TEPs) gibt. Aktuell kann man diese bereits im App-Store (für Android und IOS – Suche nach “TEP-App”) herunterladen. Den jeweiligen Link dazu finden Sie im nachfolgenden Artikel des Ärzteblatts.
Wer Spektakuläres – Live-OP-Videos, interaktive OPs oder Ähnliches – von dieser App erwartet wird vielleicht enttäuscht. Aber nach meinem ersten Test liefert sie doch sehr zielgerichtete Informationen, eine Art Leitfaden, zu den notwendigen Vorbereitungen für die OP und die Rehabilitation danach inkl. Check- und Packlisten für den Aufenthalt in den jeweiligen Einrichtungen. Wer sich also nicht durch die Wirren des Internets wühlen möchte oder diesen Blog nicht kennt, findet schnell und unkompliziert gesammelte Informationen über die Hüft- und Knie-TEP und den sog. Behandlungspfad.
Erst wenn man seinen OP-, bzw. Aufnahmetermin in der jeweiligen Einrichtung in der App eingibt, wird es ein zusätzliches Übersichtsmenü, der Behandlungspfad, sichtbar. Hier werden dann mögliche erste Übungen nach der OP angezeigt, kann ein Patiententagebuch geführt und können Notizen oder Fragen an die Ärzte eingegeben werden. Diese App begleitet den Patienten dann täglich vom Tag der Aufnahme im Krankenhaus bis zur Entlassung aus der Reha. Alle erfassten Daten kann man sich von der App als eMail im Excel (csv-Format) zusenden lassen. Die zusätzlich in der App hinterlegten Broschüren/Ratgeber sind die des Annastiftes (Mitentwickler dieser App), was aber den reinen Informationsgehalt nicht schmälert. Man merkt dieser recht unscheinbar wirkenden App schnell an, dass sie von Profis für Endoprothesen entwickelt und ohne “Schnickschnack” umgesetzt wurde. Allerdings hat diese App ein großes Manko: Alle “Best-Ager”, die vor 1920 geboren sind, können diese App nicht nutzen. Das älteste auswählbare Geburtsjahr ist 1920. Da hat mein 91-jähriger Vater gerade noch mal Glück gehabt!

Hier der Artikel/Teaser aus dem Ärzteblatt
Künstliche Gelenke: Qualitätssicherung per App

Hannover – Einen sektorenübergreifenden Behandlungspfad für Patienten, die ein neues Hüft- oder Kniegelenk erhalten, haben die Ärztekammer Niedersachsen und das Diakoniekrankenhaus Annastift vorgestellt. Das Annastift ist die Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) … mehr

Eigene Klinik-Recherche ist ein Muss

Wie finde ich die richtige Klinik?: “Eigene Klinik-Recherche ist ein Muss”

Nachfolgend ein interessanter Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 6.1.2015, der sich absolut mit meiner eigenen Auffassung und Erfahrung deckt:

Ein Beispiel ist die Knie-TEP, also das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks. Dazu hat das wissenschaftliche Institut der Krankenkasse AOK in …mehr

Danke für 35.000 Seitenaufrufe 2014

Do, 25. Dezember 2014 1 Kommentar

Auch dieses Jahr ein ganz herzliches Dankeschön an meine Blog-Leser, Follower, Kommentatoren und Abonnenten für die Treue, verbunden mit einem kleinen persönlichen Jahresrückblick.

Wer sich an meinen Jahresrückblick 2013 noch erinnert (und wer tut das nicht?) hat mein Klagen ob der Zeitverschwendung durch die permanente und dauerhafte Erreichbarkeit in Zusammenhang mit eMails, Posts und Social Media Aufwand im Ohr. Zumindest ist es mir im diesen Jahr gelungen die Anzahl der privaten empfangen und geschriebenen Mails um fast 40 % zu reduzieren. Die Anzahl meiner Blog-Beiträge und die Aufrufe durch Sie, meine geschätzten Leser, sind dagegen erfreulicherweise konstant geblieben.

Winterstimmung am schönen Tegernsee

Winterstimmung am schönen Tegernsee

Sportlich ist es mir gelungen das Pensum aus 2013 aufrecht zu erhalten, auch wenn es bei der letzten jährlichen Untersuchung meiner Hüftgelenke im Bezug auf die etwas in die Jahre (fast 18) gekommene linke Seite röntgentechnisch erste Anzeichen einer Lockerung zu geben scheint. Mein linker Oberschenkel hat dies bisher mit drei, bis zu vier Tagen dauernden Schmerzphasen, im abgelaufenen Jahr scheinbar bestätigt, wenn auch seit nunmehr drei Monaten wieder ‘alles’ ruhig ist. Sollte tatsächlich 2015, 2016 oder 2017 ein Wechsel notwendig werden, so hat das gute, alte Stück doch sensationell über dann fast 20 Jahre seinen bei mir recht anstrengenden Dienst klaglos versehen.
Ganz im Sinne meines Blogs, Endoprothese und Sport, verkauft sich unser 2014 erschienenes neues Buch ‘Mut zum neuen Knie!’ erfreulicherweise genauso gut und konstant wie das Ende 2012 erschienene Buch ‘Mut zur neuen Hüfte!’. Spätestens 2016 wird für letzteres wohl eine zweite Auflage notwendig werden. Ein herzliches Dankeschön auch an meine liebe Mitautorin Heidi Rauch, ohne die der Erfolg der Bücher nicht möglich gewesen wäre.
Ein neues Sportgerät namens ‘Cross-Shaper‘ konnte ich in diesem Jahr ebenfalls testen. Dank des Erfinders Dr. med. Georg Kaupe, der mir über die Herstellerfirma ein Exemplar zur Verfügung gestellt hat, hatte ich die Gelegenheit, mich von dem für ‘Gelenk- und Arthrosegeschädigte’ hervorragend geeigneten und sehr effektiven Sportgerät zu überzeugen. Sollte ich vor einer eventuell notwendigen Wechsel-OP tatsächlich zeitweise nicht mehr joggen können, werde ich mich noch intensiver dem Cross-Shaping widmen.
Ein Dankeschön auch an Dr. med. Christian Fulghum und die endogap-Klinik in Garmisch-Partenkirchen, die auf ihren neu gestalteten Web-Seiten sowohl auf meinen Blog, wie auch auf unsere beiden Bücher verweisen!
Bleiben Sie mir wenn möglich auch 2015 treu, schreiben Sie mir, kommentieren Sie meine Beiträge und stellen Sie mir Ihre Fragen. Ich werde wie die vergangenen Jahre versuchen, sehr zeitnah darauf zu reagieren!

In diesem Sinne: Allen noch einen geruhsamen 2. Weihnachtstag, einen perfekten Start ins Jahr 2015 und bleiben Sie sportlich!

Herzlichst Ihr
Endo-Blogger Peter Herrchen

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