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Laufstilanpassungen bei Endoprothesenträgern

Eigener Erfahrungsbericht – was gibt es zu beachten?

Zunächst habe ich zu Beginn meiner Joggingaktivität nach der Operation 2008 den typischen Anfängerfehler gemacht, mir einfach ein paar gedämpfte Laufschuhe zu kaufen und los zu rennen. Da ich anfangs sowieso kaum mehr als 15-20 Minuten am Stück laufen konnte, war dies auch kein Problem. Mit steigender Lauffitness und längeren Laufeinheiten habe ich allerdings massive Probleme bekommen; und zwar nicht etwa an der Hüfte sondern unterhalb des rechten Knies im Bereich der oberen Schienbeininnenseite. Nach MRT und orthopädischer Untersuchung wurde eine massive Überreizung festgestellt. Mein Orthopäde hat mir empfohlen, mich an ein Sportgeschäft zu wenden, welches orthopädische Expertise hat und Laufmessungen auch richtig auswerten kann. Zum Glück gibt es mit der Firma Ehrl Sport und Orthopädie in Bad Soden am Taunus ein solches Geschäft in meiner Nähe. Dort wurde der Laufstil videotechnisch analysiert und festgestellt, dass ich mit dem rechten Bein bei jedem Schritt leicht nach innen einknicke. Durch eine minimale Korrektur unterhalb der Schuh-Innensohle im betreffenden Bereich wurde dies perfekt ausgeglichen. Seit dem habe ich nie mehr auch nur einen Hauch von Schmerzen gespürt. Bei jedem neuen Schuh wird immer genau diese Ausgleichsmaßnahme getroffen.

Parallel dazu habe ich mich dann natürlich mehr und mehr mit dem Thema Laufstil und Laufökonomie beschäftigt und sowohl bewußt den Vorfuß– wie den Mittelfuß-Laufstil ausprobiert. Bei letzterem bin ich geblieben. Zusätzlich laufe ich trotz meiner Größe von 186 cm mit einer relativ kurzen Schrittlänge, versuche dabei nicht allzu weit vom Boden abzuheben und verlagere den Körperschwerpunkt nach vorne (Siehe hierzu auch ‚Die Umstellung zum natürlichen Laufstil‘). Bei längeren Bergabpassagen drossele ich ganz bewußt das Tempo, um die Stoßbelastungen zu minimieren, was sich natürlich nagativ auf die Laufgeschwindigkeit auswirkt. Diese sollte allerdings ohnehin bei einem Prothesenträger – auch wenn wie in meinem Fall Wettkämpfe bestritten werden – nicht an erster Stelle stehen. Ich persönlich komme mit der Summe der Maßnahmen ganz hervorragend ohne jegliche Probleme zurecht und bin mir sicher, dass mir mein gedämpfter Laufschuh dabei zusätzlich gute Dienste leistet. Ich merke dies besonders dann, wenn ich mal barfuß oder mit ganz leichten Hallenturnschuhen ein paar Joggingrunden drehe. Dabei habe ich direkt dass Gefühl, dass die Hüfte belastet wird.
Um immer wieder neue Anreize für Muskeln, Sehnen und Bänder zu schaffen, laufe ich außerdem häufig auf wechselndem Untergrund, unebenem Gelände und auf schmalen Pfaden oder quer durch den Wald. Im Prinzip Trail-Running ohne jedoch unbedingt durch Bäche und Schlammwüsten zu laufen.

Mein Fazit:
Ja, man sollte sich als Endoprothesenträger bewußt um den Laufstil kümmern und sich dabei jeweils auf das eigene Lauf-, Körper- und Wohlfühlgefühl verlassen, ggf. auch entgegen anders lautender Ratschläge. In jedem Fall sollte man seinen Laufstil vor dem ersten Schuhkauf fachmännisch/orthopädisch analysieren lassen und eventuelle Fehlstellungen im Laufschuh ausgleichen, falls notwendig und sinnvoll auch mit orthopädischen Einlagen.

  1. Adrian
    So, 20. November 2016 um 11:24

    Vielen Dank für die wertvollen Hinweise. Ich bin bis zu meiner Hüft-OP (Nov. 2010) regelmässig 3-4x/Woche 10 km locker gelaufen. Nach der OP konnte ich bereits Mitte März wieder Ski und Snowboard fahren, im Sommer dann auch wieder Windsurfen – ALLES ohne die geringsten Probleme bis heute ! Irgendwie fehlte mir aber immer wieder mal das Joggen – nicht zuletzt auch darum, weil ich inzwischen wieder so um die 8 kg zugenommen habe…
    Leider ist jeder Einstiegsversuch i.d. letzten Jahren an Schmerzen nach 10 Min. Laufzeit i.d. Pobacke (Muskulatur, nicht Gelenk) gescheitert. Im besten Fall ging der Schmerz nach Lockerungsübungen sofort wieder weg, manchmal hatte ich aber 2-3 Tage leichte Beschwerden, die mir allmählich jeden Mut zum Wiedereinstig nahmen. Dass es rein Muskulär ist, bestätigte meine Physiotherapeutin, die ich alle -2- Wochen mal aufsuche
    um es mir einfach gut gehen zu lassen.

    Jetzt hab ich’s neulich doch wieder mal probiert….. gaaaannz langsam, mit kleinen Schritten, möglichst auf dem Forder- und Mittelfuss. Hab mir eine Strecke ausgesucht, wo’s nach 2km bergauf geht (erleichtert das Forderfusslaufen) – und siehe da – es geht ! Ich schaffe 4-5km ohne Schmerzen – allerdings, ohne sportliche „Bestleistung“ – aber darum geht’s mir ja nicht mehr, bin 60 Jahre alt und könnte heulen vor Freude. Ich muss nur darauf achten, dass ich meinen früheren Ehrgeiz in Zaumhalten kann. Wandern, spazieren und die anderen erwähnten Sportarten kann ich ohne Limit und ohne die geringsten Beschwerden weiter betreiben.

    • So, 20. November 2016 um 18:41

      Freut mich sehr und der Satz ‚ohne sportliche Bestleistung‘ ist ganz wichtig!

  2. Elfriede B.
    So, 15. Mai 2016 um 18:11

    Vielen Dank für diesen informativen Beitrag. Meine beidseitige Hüft-TEP ist jetzt 20 Monate her und ich habe wieder angefangen zu joggen. Tennis spiele ich ja schon lange wieder einschließlich Turniere und Verbandsspiele, aber zu joggen habe ich mich erst jetzt getraut. Bin auf der Suche nach dem richtigen Laufstil, beim Fersenlauf habe ich das Gefühl ich stampfe. Werde jetzt, angeregt durch den Artikel, den Vorfuß- und Mittelfuß-Laufstil ausprobieren und hoffentlich den Stil finden, bei dem ich mich wohl fühle. Vielen Dank nochmal für all die hilfreichen Blogeinträge und liebe Grüße aus Berlin

    • So, 15. Mai 2016 um 18:23

      Danke für den freundlichen Kommentar! Freut mich, wenn mein Blog dem einen oder anderen Leser bei seinen Entscheidungen hilft.

  3. Hannelore
    Sa, 1. August 2015 um 11:55

    halllo Peter, ich bin eine „alte“ Marathoni und habe am 13,04.2015 meine huftprothetik bekommen. Ich war so wütend auf meinen Koerper, zumal meine OP sogar notfallmaessig erfolgte.
    3 wo Reha, Mein Mann joggt weiter. Ich nach 6 wo Wut habe mir meine Nirdic Walking Stöcke geschnappt (binTrainer) und gehe mit strammem Schritt 10 km. Ich werde das noch bis zum Frühjahr so weitermachen und mit den NW-Stoecken joggen!
    Also Fazit ich habe ein super Gangbild, treibe tgl Sport und fühle mich wieder ok. Nehme auch nicht zu.
    Dein Block ist hervorragend
    Liebe Gruesse hannelore

  4. Rolf W.
    Do, 7. August 2014 um 10:24

    Beim Mittel-/Vorfuss- bzw. Nicht-Fersen-Lauf ist die Dämpfung durch die Schuhsohle praktisch irrelevant, weil die Stossbelastungen durch die Beinmuskulatur aufgefangen werden. Die meisten Sportschuhe sind ja ohnehin nur im Fersenbereich gut gedämpft.

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