Eine Arthroskopie ist kein Kindergeburtstag

Vor einigen Tagen habe ich einen verzweifelten Anruf einer Leserin unseres Buches ‚Mut zur neuen Hüfte!‚ erhalten, da man Ihr jetzt mit erst 58 Jahren zu einer Hüft-TEP geraten hat. Ihre Ausgangslage stellte sich wie folgt dar: Sie hatte seit einiger Zeit zunehmende Beschwerden in der Hüfte, die aber noch nicht wirklich sehr groß waren und sie auch in ihrer Beweglichkeit nicht massiv eingeschränkt haben. Mit einer Freundin, die ebenfalls leichte Hüft-Beschwerden hatte, ging sie zu einem Vortrag eines Spezialisten über Hüftgelenke, Hüftgelenksarthrose und deren Behandlungsmöglichkeiten. Dieser Arzt pries die Hüft-Arthroskopie als perfekte Möglichkeit an, die Probleme wegzuzaubern. Meine erste spontane Frage war: „Das haben Sie doch hoffentlich nicht machen lassen, oder?“ Doch, sie hatte und ihre Freundin gleich mit. Mit dem Ergebnis, dass Beide seitdem kaum noch laufen können und unter extremen Schmerzen leiden.
Somit scheint jetzt tatsächlich der Einsatz eines künstlichen Gelenkes die einzige Möglichkeit zu sein, der Leserin und ihrer Freundin zu helfen.
Problematisch ist dabei aus meiner Sicht, dass Arthroskopie für den Laien so niedlich klingt und leider von einigen Ärzten auch so vermittelt wird. Da schaut man ja bloß mit einem kleinen Endoskop in das Gelenk und kann dann ggf. den Knorpel glätten oder was da sonst noch so störendes herumliegt oder gewachsen ist, einfach abtragen. Das alles praktisch fast ambulant und nach ein paar Tagen ist alles vergessen. Dies ist leider keineswegs so. Eine Arthroskopie der Hüfte ist ein komplexer chirurgischer Eingriff, bei dem zudem das Gelenk distrahiert werden muss, um es überhaupt arthroskopisch behandeln zu können. Dies geschieht mit einem speziellen Extensionstisch, auf dem der Patient gelagert wird. Es ist zudem eine sehr genaue und intensive Diagnose notwendig, um die Indikation für eine Hüftarthroskopie abzusichern. Bei fortgeschrittener Arthrose ist eine Gelenkspiegelung z.B. absoluter Unsinn. Bei einem Impingement-Syndrom dagegen, kann eine fachmännisch ausgeführte Arthroskopie tatsächlich helfen. Und wie bei allen Operationen, sollte man diese nur von wirklich anerkannten Spezialisten durchführen lassen. Im Gegensatz zu früher ist es heute wirklich einfach, sich umfassend zu informieren: Internetseiten der Krankenkassen, Blogs und Webseiten wie diese, Erfahrungs-Gruppen in Facebook oder die Weisse Liste, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.

Mein dringender Appell an alle Betroffenen: Stimmen Sie einer Arthroskopie nur zu, wenn Ihnen der Arzt plausibel erklärt hat, wieso diese sinnvoll ist. Holen Sie unbedingt eine Zweitmeinung ein und informieren Sie vorher sich umfassend. Gehen Sie zudem nur zu absoluten Spezialisten auf diesem Gebiet. Ihr Gelenk wird es Ihnen danken.

Nachfolgender Link mit einem Video der Gelenk-Klinik in englischer Sprache vermittelt einen ganz guten Eindruck von der Komplexität des Eingriffes.

  1. G.L.
    Mo, 22. Februar 2016 um 19:26

    Hallo,
    ich war die Anruferin , bei dem Autor Herrn Peter Herrchen.
    Es ist leider so passiert 😟
    Bei uns beiden wurde die Hüftarthroskopie Ende Novemer 2015 durchgeführt. Nach 6 Wochen Teilbelastung mit Krücken durften wir wieder voll belasten.
    Da ging es richtig los. Ständig Schmerzen, auch in Ruhephasen.
    Meine Freundin und ich tauschen uns ständig aus, wir haben seit wir voll belasten dürfen wesentlich mehr Schmerzen als vor der Hüftarthroskopie 🙁
    Wir müssen uns jetzt ein künstliches Gelenk einsetzen lassen weil wir beide nicht mehr gehen können. 😟
    Wir warten nun auf den OP Termin für die neue Hüfte.
    Bei der Hüftarthroskopie waren wir beide in der gleichen Klinik. Nun gehen wir verschiedene Wege, jeder in ein anderes Klinikum.
    Ich habe mir eine Endoprothetik führende Klinik herausgesucht, die zertifiziert ist.
    Dazu hat mich das Buch ..Mut zur neuen Hüfte… und das Telefonat mit Herrn Herrchen bewegt.

    Die Reha nach unserer Hüft OP wollen wir wenn es möglich ist zusammen machen.🙋

  1. Do, 20. April 2017 um 18:47

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