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Auf die Bremse, um dann wieder Gas zu geben

Pacemaker beim Slowjogging

Als Sportler seit Kindesbeinen kannte ich eigentlich immer nur eine Maxime: Vollgas geben, um sportlich weiter zu kommen und dabei stets alle sportlichen und körperlichen Reserven zu mobilisieren. Wer braucht als 20- oder 30-jähriger schon Regeneration? Ich hatte zudem das große Glück, mal von meinen allseits bekannten angeborenen Hüftproblemen abgesehen, von Verletzungen komplett verschont geblieben zu sein. So hatte mich zwar die erste Hüft-OP im Alter von 39 etwas ausgebremst, aber nicht lange. Nach der zweiten mit 51 kam es noch besser. Hüftseitig komplett wieder hergestellt mit zwei gleichlangen Beinen und perfekt arbeitenden künstlichen Gelenken ausgestattet, fühlte ich mich wieder wie in der alten Zeit und konnte dann nochmals sportlich richtig durchstarten für knapp 8 Jahre. Triathlon, Halbmarathon, 25-35 Laufkilometer die Woche, MTB, Ski-Langlauf im Winter und Tischtennis sowieso. Klar war, dass würde nicht ewig so weiter gehen. Zum einen wegen des fortschreitenden Alters zum anderen wegen nicht unendlich haltbarer künstlicher Gelenke. So kam es dann im April 2018 zu der erwarteten Zäsur: Komplett-Austausch des 21 Jahre alten künstlichen Gelenkes auf der linken Seite. Details hierzu gibt es sehr ausführlich unter der Rubrik Revision.
Mal von den ersten postoperativen Tagen abgesehen, in denen wenig bis sehr wenig ging, reifte zügig mein Plan, direkt mit der erlaubten Vollbelastung in der Reha natürlich wieder Vollgas zu geben. Aber hier hatte ich die Rechnung dann doch ohne den Wirt, bzw. in meinem Fall ohne Physiotherapeuten und ohne meinen Körper gemacht. Ich lernte sehr schnell: Viel hilft jetzt in dieser Situation nicht viel. So startet ich ab Juni 2018 meinen Bremsvorgang, hörte auf die Fachleute und arbeitete mich ganz langsam Schritt für Schritt nach vorne; konnte nach einem Jahr erstmals ohne Walking-Stock-Unterstützung eine kleine Strecke Laufen im Sinne von ganz langsam Joggen. Neben sehr vorsichtigem kleinen und langsamen Laufeinheiten, maximal zwei- bis dreimal pro Woche und maximal 3 – 4 Kilometer, habe ich stetig Muskelaufbau- und Stabi-Übungen eingebaut.

Midsummerrun 2020 in Wiesbaden

Selbst Hobby-Läufer werden nur müde lächeln, wenn ich meine 9-10 Minuten pro Laufkilometer hier postuliere. Aber wie heißt es so schön: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.
Wichtig war mir vor allen Dingen währen der sehr langen Aufbauphase eines: Auf keinen Fall etwas riskieren und keine meiner Aktivitäten sollte während oder danach irgendwelche Schmerzen oder auch nur ein kleines Zwicken erzeugen.
Ich hatte mir dann schon fast leicht übermütig vorgenommen, am zweiten Jahrestag meiner Revision, quasi als Belohnung für meine ungewohnte Zurückhaltung, einen kleinen Sprinttriathlon zu absolvieren ohne dabei das Lauftempo besonders steigern zu wollen. Hier machte dann Corona einen Strich durch die Rechnung. Da traf es sich gut, dass mit einem speziellen Konzept der Midsummerrun im Juni in Wiesbaden für einen guten Zweck stattfinden konnte.
Und siehe da, ich konnte dort, trotz der sehr moderaten und stets langsamen Trainingsläufe unerwartet, zumindest für meine Verhältnisse, Gas geben. Mein kleines Ziel, 5 Kilometer unter 45 Minuten zu laufen, konnte ich mit 39,20 Minuten sehr locker unterbieten. Das bedeutete eine Kilometerzeit von 8:11, auf dem letzten Kilometer sogar 7:15 Minuten pro Kilometer und ich hatte noch etwas Luft oben und war keineswegs ausgepowert im Zieleinlauf.
Mein Fazit: Bei mir hat sich meine Langsamkeit, mein Bremspedal, für mehr als zwei Jahre sehr positiv ausgewirkt. Viel hilft unter bestimmten Voraussetzungen eben nicht viel, wie mein Physio Marius Topf, dabei stets unterstützt von den Fachärzten, während meiner Reha immer wieder gebetsmühlenartig gepredigt hat. Heute bin ich ihm sehr dankbar dafür.

Laufeinstieg nach Hüft-TEP OP

So, 7. Juni 2020 2 Kommentare

Chefarzt Dr. Christian Fulghum – endogap Garmisch-Partenkirchen

Die Frage, ab wann darf und kann man nach einem Ersatz des Hüftgelenkes (Hüft-TEP) wieder in den Sport und ganz besonders mit dem Laufen einsteigen, wird oft gestellt und auch von Fachleuten hin und wieder unterschiedlich beantwortet. Auch in diesem Blog wurde das schon thematisiert.

Ich möchte daher die Frage eines Mitglieds unserer TEPFIT-Gruppe zum Anlass nehmen, die eindeutige und klare Antwort des Chefarztes Dr. Christian Fulghum der endogap in Garmisch-Partenkirchen, eine der Kliniken für Gelenkersatz in Deutschland, hier zu präsentieren.

Ein TEPFIT-Mitglied hat gefragt, ob er 13 Wochen nach dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes wieder mit dem Laufen anfangen kann.
Nachfolgend die Original-Antwort von Dr. Christian Fulghum:

Die (nehme ich an) zementfreie Hüfte ist durch den Operateur zunächst nur im Knochen „verklemmt“ – zwar primär stabil, aber nicht eingewachsen. Über den Zeitraum mehrerer Monate nach der Operation wird aus der Verklemmung durch Anwachsen von Knochenzellen ein fester Verbund, der dann in der Regel dauerhaft besteht. Wird durch ständige größere Krafteinwirkung, z.B. Joggen, in dem sensiblen Zeitraum des Einwachsens dieser wichtige Prozess gestört, kommt es anstatt zur Knochenbildung zur Bildung von Bindegewebe zwischen Implantat und Knochen, da dieses den einwirkenden hohen Kräften besser widerstehen kann. Das Implantat bleibt dann dauerhaft von Bindegewebe ummantelt – und das entspricht einer Frühlockerung, die sich auch später nicht mehr umbilden kann. Also: Auch wenn’s frühzeitig so gut geht, nicht die Geduld verlieren sich über die guten Fortschritte freuen und sechs Monate mit dem Joggen warten. Dann wird es umso schöner und das dann auch auf lange Zeit ….

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Der Heilungsprozess sollte also tunlichst nicht gestört werden durch zu großen dauerhaften Impact auf das neue künstliche Gelenk in den ersten 6 Monaten. Das gilt natürlich auch für alle andere Sportarten, die im Hüftgelenk für dauerhafte Erschütterung sorgen, wie Tennis, Tischtennis, Badminton, Squash, Reiten, MTB-Downhill, etc. Eine Frühlockerung sollte keinesfalls riskiert werden.

Das nachfolgende Video, auch wenn es von einem Implantat-Hersteller erstellt wurde, zeigt die Einheilungsphasen (Primär- und Sekundärstabilität) ebenfalls sehr anschaulich. Darin ist zwar die Rede davon, dass bereits nach 3 Monaten die Sekundärstabilität erreicht ist, aber ich vertraue hier eher auf die Aussage eines absoluten Spezialisten auf dem Gebiet der Endoprothetik, als den Versprechen eines Herstellers – zumal die Einheilungsdauer auch von der Vitalität des Knochens abhängig ist und durchaus variieren kann. Mit sechs Monaten ist man daher auf der sichern Seite.

Kein Verschleiß von Gelenken durch strapaziöse Sportarten

Studie über zehn Jahre – Joggen und Aerobic lässt Kniegelenke nicht verschleißen
Ärztezeitung, 11.05.2020, von Dr. Elke Oberhofer

Quelle: Klicker / pixelio.de

Es wird oft kontrovers diskutiert, ob gelenkbelastende Sportarten wie Laufen (Joggen), Tennis oder auch Aerobic Gelenke früher verschleißen lassen. Diese Diskussion kommt auch regelmäßig bei künstlichen Gelenken auf, die aber nicht Gegenstand dieser Studie waren.

Die US-Forscher kommen darin vielleicht etwas überraschend zu dem Schluss (Zitat):

„Es sei ermutigend zu sehen, dass sich auch ältere Menschen mit hohem Arthroserisiko belasten könnten, ohne dass es langfristig zu nachweisbaren Gelenkabnutzungen komme.“

Den kompletten Artikel und den Aufbau der Studie mit fast 1200 Teilnehmern gibt es hier…

Zweiter Jahrestag der Komplett-Revision – Dankbarkeit und Freude pur

Sa, 18. April 2020 1 Kommentar

Freude pur – Laufen durch Raps-Feldern

Zweiter Jahrestag
Am Samstag, den 25.04.2020, jährt sich meine Komplett-Revisions-OP zum zweiten Mal. Wer mein Revisions-Tagebuch kennt, kennt auch meinen langen Weg und meinen Optimismus, dass alles danach wieder fast so werden würde wie vorher. Natürlich war ich mir trotzdem weder am 25.04.2018, meinem OP-Tag, noch die Tage und Wochen danach wirklich sicher, dass es auch so funktionieren würde. Trotz des sehr großen Vertrauens in meine Operateure und in meine eigene Konstitution, war der Ausgang anfangs mehr als ungewiß. Dafür war die auf keinen Fall alltägliche Revisions-OP einfach zu komliziert und der optimale Ausgang sehr stark von der großen Erfahrung des OP-Teams und bestimmt auch von einem Quäntchen Glück abhängig.
Aber als mir am Tag nach der OP der Chefarzt der endogap – Garmisch-Partenkirchen, Dr. Christian Fulghum und kurze Zeit später auch mein Hauptoperateur, Dr. Rolf Schipp, erklärten, dass alles nach Plan gelaufen sei, gewann bei mir sofort die große Zuversicht Oberhand. Wohl wissend, dass einerseits der Weg lang und steinig werden, andererseits aber auch (fast) nur noch von meiner eigenen Einstellung und meiner Vernunft, keinesfalls zu früh zu übertreiben, abhängig sein würde.

Mit dieser Maxime begann ich meinen Rekonvaleszenz-Marathon und kann heute, exakt zwei Jahre nach meiner letzten Narkose freudig und sehr dankbar sagen: „Es hat sich wirklich gelohnt!“

7,11 km langsam aber mit 220 Höhenmetern

Ca. 4 Monate Post-OP begann ich wieder ganz vorsichtig mit Mountainbiken auf flachen und einfachen Strecken. Walken, Wandern und längere Strecken Gehen waren nach 5 Monaten schmerzfrei möglich. Ohne Walkingstöcke und mit einem runden Gangbild allerdings erst nach fast einem Jahr. Nicht vergessen werde ich dabei meinen ersten richtigen Lauf (Joggen) im November 2018 – noch mit Walkingstock-Unterstützung – und nach gut 10 Monaten, im Februar 2019, meinen ersten kurzen Lauf ohne Stöcke.

Freude pur
In exakt einer Woche, zwei Jahre Post-OP, wäre jetzt um diese Uhrzeit gleich der Start zu meinem ingesamt dritten Neroman (Cross-Sprinttriathlon) gewesen, der natürlich in Corona-Zeiten abgesagt wurde. Aber wer weiß wozu es gut ist. Vielleicht hätte ich mich trotz der sehr überschaubaren Streckenlängen doch (noch) überlastet. Stattdessen habe ich mir dafür meinen längsten Lauf seit meiner OP und vermutlich langsamsten Lauf ever geschenkt: 7,11 Km mit 220 Höhenmetern in 1 Stunde und 10 Minuten.
Ich bin einfach nur glücklich und meinen Medizinern unendlich dankbar. Freude pur eben!

Fazit
Auch jenseits von 60 Jahren ist es möglich, nach einer komplizierten TEP-Revisions-Operation den Alltag in allen Lagen problemlos zu meistern und wieder völlig schmerzfrei, nahezu ohne Einschränkungen, seinem Sport nachzugehen (Laufen, MTB, Schwimmen, Tischtennis, Wandern, Ski-Langlauf). Alles sicher etwas langsamer, ohne Höchstleistungen und dafür wertschätzender als in jungen Jahren.
Garantien gibt es für das Gesamtergebnis leider keine. Aber sehr erfahrene Operateure, gute Physiotherapeuten, ein intaktes privates Umfeld und eine gehörige Portion Selbstdisziplin, gepaart mit ein paar Prozent Glück, machen es möglich, 100% Gesamtzufriedenheit zu erreichen.

Entschleunigen um zu beschleunigen – was wir aus der Corona-Krise lernen könn(t)en

Mo, 13. April 2020 1 Kommentar

Die Welt steht still. Privat und gesellschaftlich. Die Wirtschaft legt eine heftige Rezessions-Pause ein und die Umwelt atmet dafür richtig auf – wer hat z.B. im Rhein-Main-Gebiet in den letzten Jahrzehnten je so einen klaren blauen Himmel gesehen?
Die Corona-Krise führt uns weltweit vor Augen, wie verletzlich wir und unser globales Wirtschaftssystem sind. Ein unsichtbares Etwas verändert unser Leben radikal von jetzt auf gleich. Ob alle aktuellen Maßnahmen richtig oder falsch sind, ist zumindest hier in meinem Blog nicht Thema und wird sich vermutlich auch erst in einigen Monaten oder gar Jahren in der Nachbetrachtung herausstellen.
Aber was zeigt uns die aktuelle Situation?
Sollten wir nicht alle hier in Deutschland jetzt wirklich zu schätzen wissen, was Freiheit bedeutet? Zu fahren und zu reisen wohin man will! Zu treffen und zu besuchen wen man will! Sich zu bewegen und zu feiern mit wem, wann und wo man will! Kaum einer von uns kennt es anders.
Jahrzehnte gab es nur eine Richtung: Schneller, höher, weiter, mehr Geld, mehr Wohlstand, mehr Egoismen.
Und was sehen wir nun? Berufe, die viel zu schlecht bezahlt und immer belächelt wurden, sind plötzlich systemrelevant. Andere, hoch angesehene und hoch dotierte Berufsgruppen, wie beispielsweise Piloten, sind aktuell völlig überflüssig.

Walking am Ostersonntag im Taunus

Und was hat das jetzt alles mit Endoprothese und Sport zu tun?
Ich bin nun seit fast 10 Jahren in Sachen Endoprothetik und Sport aktiv und stelle dabei zunehmend fest: Es geht nach einer Hüft- oder Knie-OP oft auch nur um schneller, höher und weiter. Statt Dankbarkeit und Demut an den Tag zu legen, dass die Ärzte etwas Wunderbares mit dem neuen künstlichen Gelenk geschaffen haben, wollen einige damit glänzen, dass sie nach wenigen Tagen bereits ohne Gehhilfen das Krankenhaus zehnmal umrundet haben. Ich nehme mich da selbst nicht ganz aus, habe ich doch nach meiner zweiten Hüft-TEP 2008 ähnlich Gas gegeben, was zum Glück funktioniert hat, aber mit dem Wissen von heute vielleicht eher fahrlässig war.
Ich selbst habe auch erst nach meiner Komplett-Revision 2018 gelernt etwas zu entschleunigen. Alles was vorher problemlos möglich war, war plötzlich extrem mühsam und oft schmerzhaft. Nur sehr langsam haben sich meine persönlichen Einschränkungen nach und nach sprichwörtlich „gelockert“ und wurden von mir auf einmal ganz anders wahrgenommen. Ein schmerzfreier Spaziergang wurde zum Tages-Highlight. Darüber hätte ich einige Jahre zuvor nach einem Halbmarathon-Finish nur gelächelt. Meinen ersten „runden“ Lauf (Joggen) ohne Walking-Stöcke nach ca. einem Jahr werde ich auch so schnell nicht vergessen.
Und nun in Corona-Zeiten weiß ich die aktuell wenige Freiheit zu schätzen und genieße es, in der Natur alleine oder mit meiner Liebsten zu Laufen, zu Walken und mit dem MTB unterwegs zu sein. Ganz ohne Wettkampfanspruch, einfach nur so, auch wenn ich mich für den inzwischen abgesagten Neroman angemeldet hatte – manchmal juckt es mich halt doch noch in den Fingern, respektive Füßen.
Bewegung ist Leben und eine gesunde Umgebung in frischer Luft gehört dazu.
Es benötigt wohl ab und an eine Erdung, um nicht übermütig zu werden und das zu genießen, was man hat. Das gilt in allen Lebensbereichen wie Familie, Beruf, Gesundheit, Sport, Bewegung, Verein, Freunde und Bekannte.
Manchmal müssen wir einfach entschleunigen, um danach wieder moderat und vor allen Dingen wertschätzend zu beschleunigen – aber vielleicht und hoffentlich um Einiges langsamer, reflektierter und dankbarer als vorher.

Corona – kein verfrühter Aprilscherz

Eigentlich hatte ich vor, erneut einen realistischen anmutenden Scherzartikel wie 2018 zum 1. April zu publizieren. Ein Thema hatte ich mir dafür schon ausgedacht. Aber in der aktuellen Corona-Krise scheint mir das einfach nicht opportun. Deshalb mein nachfolgender Appell und Aufruf an Euch bereits heute, wohl wissend, dass einiges davon am 1. April längst von den aktuellen Ereignissen überholt sein wird.
Trotz der dauerhaften und allgegenwärtigen Krisennachrichten, gibt es für diejenigen, die mit künstlichen Gelenken gesegnet sind, eine gute Nachricht: Sofern keine sonstigen chronischen oder Grunderkrankungen dazu kommen, gilt dieser Personenkreis nicht als Risikopatient. Dies wird auf der Webseite der endogap auch entsprechend erläutert. Dort steht unter anderem:

Als Träger einer Endoprothese sind Sie bezüglich des Corona-Virus kein Risikopatient! Die Infektion wird durch einen Virus hervorgerufen und Ihre Endoprothese ist damit nicht infektionsgefährdet.

Gesundheitssystem wird überfordert 
Dass eine große Anzahl von an Covid-19 Erkrankten wenig bis kaum Symptome verspüren, mag zunächst wie ein gute Nachricht klingen. Das eigentliche Problem ist, dass durch das exponentielle Wachstum der Infizierungen, die große Zahl der sehr schwereren Verläufe (Notwendigkeit zur Beatmung), die prozentual zwar je nach Schätzung vermutlich nur bei 1-2 % liegen, unsere medizinischen Versorgungsmöglichkeiten hoffnungslos überfordert. Das Rechenbeispiel ist einfach: Wenn sich von 80 Millionen Einwohner nur die Hälfte bis Jahresende infizieren – davon gehen einige Mediziner und Wissenschaftler aus – sind das 40 Millionen Bundesbürger. Nur ein Prozent sehr schwere Verläufe angenommen, sprechen wir von 400.000 potenzielle Beatmungspatienten – bei aktuell 28.000 Intensivbetten, die jedoch logischerweise nicht unbelegt sind. Nehmen wir mal pro Fall 5 – 7 Tage Intensivstation an, dann könnte man das bei einem linearen Krankheitsverlauf in den restlichen 37 Wochen bis zum Jahresende mit größter Anstrengung vielleicht gerade so schaffen (ca. 8.500 – 11.000 Fälle Woche für Woche). Leider sind wir aber von einem linearen Verlauf aktuell sehr weit entfernt. Deshalb gilt: flatten The Curve!
Ein Blick ins Nachbarland Italien sollte uns alle sehr besorgt, aber vor allen Dingen vernünftig und einsichtig machen.
Zur Vernunft gehört auch: Keine Hamsterkäufe – auch nicht von Klopapier. Wie hat der Niederländische Ministerpräsident Mark Rutte vor zwei Tagen sehr drastisch über ausreichend Klopapier gesagt: „Wir haben soviel, wir können zehn Jahre kacken“.

Flatten The Curve
Das oberste Gebot ist, das rasante Wachstum der Infizierungen einzudämmen, die Infizierungskurve abzuflachen. Das kann nur gelingen, wenn alle, auch diejenigen, die sich gesund und fit fühlen, soziale Kontakte vermeiden, um, ohne es zu wissen, Überträger des Virus zu werden.
Und wie kann man sich selbst schützen, bzw. die Krankheit gut überstehen?
Neben den allgemeinen Hygieneregeln, die ja grundsätzlich gelten sollten, gibt es Stand heute leider keinen wirklichen effektiven Schutz vor dieser Krankheit, außer häuslicher Isolierung bevor man infiziert wurde, zumindest solange noch kein Impfstoff zur Verfügung steht. Aber da allgemeiner Konsens darin besteht, dass diese Isolierung so nicht möglich ist und selbst wenn, auch nicht beliebig lange aufrecht erhalten werden kann, sowohl aus rein ökonomischen wie auch soziologischen Gründen, wird das Virus auf lange Sicht nahezu jeden treffen. Die Virologen haben dafür den dramatisch klingenden Fachbegriff  „Durchseuchung der Bevölkerung“. Das bedeutet aber auch, dass ganz am Ende darum geht, die Infektion gut zu überstehen.

Immunsystem stärken
Daher gilt für alle, möglichst das Immunsystem zu stärken mit Sport im Freien – solange das noch erlaubt ist. Dabei reichen auch regelmäßige ausführliche Spaziergänge aus – es müssen keine Höchstleistungen sein. Neben den positiven Effekten für das Herz-Kreislaufsystem ist auch ausreichend Vitamin D für das Immunsystem wichtig, welches unter Einwirkung das Sonnenlichtes vom Körper selbst hergestellt wird.
Beim Sport im Freien aber unbedingt beachten, dass dies auf keinen Fall in Gruppen geschehen soll und darf. D.h. für Euch: Geht alleine, mit Eurem Hund und/oder Partner und Euren Kindern, mit denen Ihr ohnehin zusammenlebt, ins Freie, abseits von sonstigen Menschenansammlungen. Das ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung diese Artikels noch erlaubt – ob es so bleibt, weiß niemand so genau.
Eine weitere eindringliche Bitte ist: Weißt die Verschwörungstheoretiker und Fake-News-Verbreiter in die Schranken. Informiert Euch ausschließlich über seriöse und nachprüfbare Quellen. Wie man das prüfen kann, habe ich in einem anderen früheren Artikel Faktencheck hier veröffentlicht.
Neben den öffentlich rechtlichen Medien, sind dies u.a. das Robert-Koch-Institut, die WHO oder auch die Informationen des Virologen Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité in Berlin, der sich täglich in einem Podcast des NDR ruhig und unaufgeregt vielen Fragen stellt, ohne die Dramatik des aktuellen Geschehens irgendwie zu verharmlosen.

In diesem Sinne:
– Bleibt gesund
– Bleibt zuhause, bis auf Solosport im Freien
– Keine Partys, keine Feiern
– Haltet Euch trotzdem fit
– Haltet zusammen und helft Euch gegenseitig
– Seid solidarisch
– Keine Hamsterkäufe

 

 

Alter und Revision-TEPs schützen vor Torheiten nicht

Mi, 5. Februar 2020 4 Kommentare

Schon Anfang 2018 hatte ich vor meiner Revisons-OP den zarten Gedanken, vielleicht nach der OP, wenn genug Zeit verstrichen ist, zum 3. Mal am Neroman in Wiesbaden teilzunehmen. Hatte ich die Premiere doch ziemlich exakt ein Jahr nach meiner letzten Hüft-TEP Operation (rechts) im Jahr 2009. Diesen Gedanken hatte ich aber dann bereits am 26.4.2018 – einen Tag nach der Revision-OP – schnell ad acta gelegt. Beim betrachten des Röntgenbildes und dem Anblick der Metall-Konstruktionen in meinem linken Oberschenkel, schien die Idee verrückt und unrealistisch. Wer mein Revisions-Tagebuch verfolgt hat, weiß wie langwierig und schwierig die vollständige Genesung und der langsame Aufbau meiner körperlichen Fitness war. Es hat gut ein Jahr gedauert, bis ich ohne Walking-Stöcke völlig problemlos lange Strecken ohne ein gefühltes und sichtbares leichtes Einknicken auf der operierten Seite gehen konnte. Ab dieser Zeit habe ich dann wieder – sehr besonnen und ganz langsam – mit kurzen vorsichtigen Laufeinheiten begonnen. Innerhalb der letzten 12 Monate kamen somit durchschnittlich sehr moderate 5,5 Laufkilometer pro Woche, immer in langsamen Tempo und mit kurzen Schrittlängen, zusammen. Ich war einfach nur froh, mich wieder absolut schmerzfrei laufend in der Natur bewegt zu können. Ich ertappte mich allerdings das eine oder andere Mal dabei, dass ich mich erneut in den ersten Wochen dieses Jahres mit dem Gedanken Neroman in Wiesbaden beschäftigte. Am 23.01.2020 habe ich mich dann tatsächlich auch angemeldet und werde, wenn alles nach Plan läuft, auf den Tag genau zwei Jahre nach meiner Revisions-OP meinen 3. Neroman absolvieren. Ich werde aber nichts erzwingen und auf gar keinen Fall meine Laufumfänge erhöhen oder versuchen schnell(er) zu laufen. Das gelenkschonende Schwimm- und Radtraining werde ich natürlich etwas intensivieren.
Allerdings kämpfe ich, während ich diese Zeilen schreibe mit Schmerzen im ISG links, die bis in den Oberschenkel ziehen. Diese kamen aus heiterem Himmel und hatte ich tatsächlich noch nie in meinem ganzen Leben, trotz dreier Hüft-TEP OPs und dauerhafter sportlicher Betätigung.
Sollte ich das nicht zeitnah in den Griff bekommen, wird es schwierig mit meinem oben beschrieben Ziel.
Neben dieser kleinen sportlichen und ungeplanten ISG-Herausforderung, plane ich 2020 mein TEPFIT- und Endoprothesen-Netzwerk zu vergrößern und mit einem eigenen Podcast-Kanal für meine aktuellen Leser, neuen Zuhörer und hoffentlich vielen neuen Interessierten an den Start zu gehen. Neben unserem TEPFIT-YouTube-Kanal wird dies eine weitere Informations-Quelle für Betroffene sein, sich rund um Arthrose, Gelenk-Probleme, OP-Vermeidung, Tipps vor und nach einer OP und aktuellen Fragen, die mir täglich begegnen, bequem im Auto, auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder wo auch immer sonst, rein auditiv zu informieren. Das Intro so oder so ähnlich gibt es schon mal hier zum reinhören.

KnorpelKompetenzNetzwerk e.V.
Vor gut eineinhalb Jahren wurde unter Federführung des GK-Bonn und deren Chefärzte Dr. Holger Haas und Dr. Jochen Müller-Stromberg der Verein KnorpelKompetenzNetzwerk e.V. gegründet, der sich als Bindeglied zwischen optimaler Behandlung und Patient versteht.

Dr. Müller-Stromberg führt dazu aus:

Im KnorpelKompetenzNetzwerk ist eine Gruppe von erfahrenen, besonders geschulten Ärzten und Therapeuten zusammengeführt, die untereinander abgestimmt agieren, eine optimierte Kommunikation führen und sich dabei dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis sowie den geltenden Leitlinien verpflichtet sehen.
Durch die enge Verzahnung der Mitglieder haben die Patienten kurzfristig Zugriff auf fundierte Beurteilungen ihrer Gesundheitssituation im Sinne einer Zweitmeinung.
Durch das Netzwerk erhält der Patient neben einer objektiven Beratung kurzfristig die notwendige, wissenschaftlich anerkannte Therapie, um die oft schwerwiegenden Folgen einer im Frühstadium verzögerten Therapie zu vermeiden.
Das Netzwerk steht offen für verschiedene Berufsgruppen, um alle notwendigen Kompetenzen zu bündeln. Neben Orthopäden und Unfallchirurgen sollen weitere Ärzte mit spezieller Qualifikation einbezogen werden. Dabei muss auch eine ernährungs- und sportmedizinische Beratung erfolgen. Mit der Einbindung von Physiotherapeuten und Sportmedizinern wird der zentrale Aspekt einer gezielten körperlichen Aktivität für die Behandlung und Prävention von Erkrankungen des Gelenkknorpels betont.
Die Beratung und Behandlung eines Patienten mit Knorpelschaden bzw. beginnender Arthrose ist trotz aller vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse stets individuell auf diesen Patienten abzustimmen.

Die Satzung des Vereines kann hier heruntergeladen werden.
Der Verein finanziert sich größtenteils aus Spenden. Mit einem schriftlichen Antrag an den Vorstand können auch Nicht-Mediziner Mitglied werden. Diese Chance habe ich wahrgenommen und bin hocherfreut, dass meine Mitgliedschaft ab 1. Februar 2020 bestätigt wurde. Ich werde versuchen, im Rahmen meiner „nichtmedizinischen“ Möglichkeiten und aus Sicht der Betroffenen, aktiv mitzuwirken und auch die eine oder andere Spende zu akquirieren. Ausführliche Informationen gibt es auf der Vereins-Webseite.
Ich finde diese Initiative ganz hervorragend. Bietet sie doch aus meiner Sicht Möglichkeiten, Kompetenzen zur Erforschung der Knorpelzüchtung und Knorpelregeneration zu bündeln, um in absehbarer Zeit hier neue Behandlungsmöglichkeiten für Arthrose-Betroffene zu schaffen und bereits heute, den oft vernachlässigten Ansatz einer ganzheitlichen Therapie anzubieten.

Zurück im wohldosierten Sportlerleben – mein ganz persönlicher Rückblick 2019

Hiking zum Wasserfall im Jonkershoek Nature Reserve

Meine regelmäßigen Leser wissen, dass mein Revisions-Jahr 2018 ein schwieriges Jahr war, mit zumindest im April noch ungewissem Ausgang. Ein Jahr später, im April 2019 war das so gut wie vergessen. Seit Frühjahr diesen Jahres ist es mir wieder völlig schmerzfrei und problemlos möglich, meine sportlichen Aktivitäten wie Biken, Laufen, Wandern, Tischtennis und kurz vor der Schneeschmelze im Frühjahr noch eine Ski-Langlaufeinheit zu absolvieren. Alles wohl dosiert und besonders beim Laufen mit kurzen (max. 5 km) und sehr langsamen Einheiten.

So kamen 2019 immerhin 1,8 Mio Schritte mit einer Distanz von 1.600 Kilometern zusammen, von denen ich 2018 bei meinen Crutch-Walking-Versuchen nur träumen konnte. Auf das Laufen entfielen davon zwar nur knapp 280 km – waren es in den Jahren 2010-2012 doch jeweils noch über 1000 Laufkilometer – aber das ist Geschichte und ich bin glücklich, dass ich überhaupt wieder absolut schmerzfrei und ohne jegliche Beschwerden laufen kann. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich im Sommer dieses Jahres auch ein eMTB getestet und war doch sehr angenehm überrascht. Die Dokumentation meines Selbstversuches lest Ihr hier.

Sport und Bewegung, sogar mit Tochter bei Traumwetter

Eine schöne Abwechslung war auch der nunmehr fünfte Südafrika-Urlaub Anfang des Jahres mit meiner Liebsten und besten Freuden. Es ist einfach gut für Körper und Geist, wenn man statt eines meist grauen und dunklen Januars in unseren Breitengraden, den Hochsommer mit Licht und Wärme an der südlichen Spitze Afrikas genießen kann. Dort war ich übrigens auch 80 Kilometer zu Fuß unterwegs.

Genauso schön – zumindest bei bayerisch blau-weißem Wetter – wenn auch meist zu kurz, waren die Auftank-Tage am Tegernsee, die ich mir dieses Jahr auch einige Male nur über das Wochenende mit einer hohen Aktivitätsdichte gegönnt habe. Praktisch auch, dass ein alter Bekannter, der bereits in der Erstauflage unseres Buches „Mut zur neuen Hüfte!“ mitgewirkt hat, seinen Lebensmittelpunkt an den Tegernsee verlegt hat. Der Diplom-Sportlehrer, Certified RolferTM und Faszienexperte Markus Roßmann betreibt in Bad Wiessee zusammen mit seiner lieben Frau Sylke eine Gesundheits- und Friseur-Lounge. Wir haben uns dieses Jahr bereits mehrere Male getroffen und auch zusammen ein Video „TEPFIT trifft Faszie“ gedreht.

Unsere Facebook-TEPFIT Gruppe ist 2019 erneut um knapp über 800 Mitglieder gewachsen, fast 6000 Beiträge und 120.000 Kommentare wurden hinterlassen und die ‚Views‘ dieses Blogs haben die 300.000er Marke überschritten. Außerdem wurden dieses Jahr 12 neue Video-Clips zusammen mit meiner lieben Mitautorin Heidi Rauch für unseren TEPFIT-Youtube-Kanal produziert.

In Kapstadt mit meiner Liebsten im Januar 2019

Die Weihnachtstage, Silvester und Neujahr verbringen wir wie jedes Jahr traditionsgemäß mit vielen Freunden am traumhaften Tegernsee. Bisher leider noch weitestgehend schneelos, aber das wird schon noch – schließlich sind für die Weihnachtstage Schneefälle angesagt.

Und was steht 2020 auf meinem Plan?
Zum einen unterstütze ich gerade ein spannendes Projekt eines Startups im Bereich „Digital Health“ für Betroffene mit Hüftarthrose – dazu gibt es hier Anfang Januar weitere Details. Zum anderen spiele ich mit dem zugegebenermaßen leicht verrückten Gedanken, Ende April 2020 zum dritten Mal am Neroman in Wiesbaden teilzunehmen, den ich zum ersten Mal 2009 absolviert habe. Mal schauen, ob es was wird. Ansonsten werde ich auch 2020 meine Freizeit nach wie vor mit meiner Liebsten, meinen Freunden, mit viel Bewegung und Sport, ab und an mit einem guten Glas Wein und hoffentlich gesund verbringen.

In diesem Sinne Euch allen ein paar friedliche, geruhsame oder noch besser bewegungsreiche Weihnachtstage und einen guten und vor allen Dingen gesunden Start ins Jahr 2020.

 

Bewegung und Sport mit Arthrose – das Vivea-Hotel im Ötztal macht’s möglich

Er scheint ein Teufelskreislauf zu sein. Gelenke wollen und müssen bewegt werden, damit diese funktionieren und der Knorpel mit genug Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) versorgt wird. Der Gelenkverschleiß ist ein normaler Prozess, der heute mehr Menschen betrifft als früher auf Grund der höheren Lebenserwartung. Aber nicht jeder natürliche Gelenkverschleiß macht sich mit Schmerzen bemerkbar. Wenn dies jedoch der Fall ist, versuchen die meisten Betroffenen das Gelenk zu schonen.

Vivea Gesundheitshotel Umhausen – Ötztal

Aber genau hier beginnt die Krux: Gerade mit Arthrose ist es extrem wichtig, dass das Gelenk nicht geschont, sondern stetig und moderat bewegt wird. Mit Schmerzen ist das allerdings dauerhaft schwierig. Und so kam meine Blogger-Freundin Barbara Egger, die das Arthroseforum Austria sowie ihren Blog Tirolturtle betreibt, letztes Jahr auf die Idee, eine Arthrose-Urlaubswoche in sehr schöner und angenehmer Umgebung mit verschiedenen Therapien für die geschundenen Gelenke und vor allen Dingen auch mit sportlichen, bzw. bewegungsreichen Einheiten ins Leben zu rufen. Jetzt musste nur noch ein Hotel mit passender Ausstattung gefunden werden, welches diese Idee auch unterstützt. Und hier kommt das vier Sterne-Hotel Vivea Gesundheitshotel Umhausen im Ötztal ins Spiel. Der emphatische und aufgeschlossene Hotelmanager Michael Rupp war sofort Feuer und Flamme. So gab es im April 2018 die erste Arthrose Gesundheitswoche in Umhausen, quasi als Testlauf. Neben der Initiatorin Barbara Egger, durfte auch ich, zusammen mit meiner Mitautorin Heidi Rauch, einige Tage in dieses innovative Programm eintauchen. Zudem hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, Heidi und mich – im Rahmen unserer Buchvorstellungen „Mut zur neuen Hüfte!!“ und „Mut zum neuen Knie!“ – nach unseren Erfahrungen mit insgesamt vier Hüft-TEPs zu befragen. Nach dem großen Erfolg im April 2018 und den durchweg positiven Reaktionen der Teilnehmer, folgten weitere dieser erfolgreichen Arthrose-Wochen in 2018 und 2019.
So war es nur die logische Folge, dass nun ab 2020 die Arthrose-Woche ganzjährig zu einem sehr attraktiven Preis inkl. aller therapeutischen Leistungen (ärztliches Beratungsgespräch, Einzel- und Gruppen-Therapien, geführte Wanderungen, sanftes Yoga und vieles mehr), Vollpension, Wellness und Beauty (Hallenbad, Außenschwimmbad, Whirlpool, Sauna) und weiteren sehr attraktiven Angeboten im Programm ist. Alle Details und Preise finden Sie hier.
Somit haben alle Betroffenen jetzt jederzeit die hervorragende Gelegenheit in wunderschöner Umgebung im Winter wie im Sommer, etwas für die eigene Gesundheit, das Wohlbefinden und die Linderung der Arthroseschmerzen zu tun.

Für das Video einfach das Bild anklicken

Zudem können sich alle untereinander in schöner Atmosphäre rege austauschen und etwas für die Stärkung des persönlichen Arthrose Selbstmanagements tun. Ich bin sicher, dass das bisher einzigartige Angebot, bestens angenommen wird und werde selbst versuchen, in 2020 auch ein paar Tage dabei sein zu können.
Den Informationsflyer können Sie hier herunterladen.
Wer schon mal einen eindrucksvollen Vorgeschmack aus seinen nächsten Urlaub haben möchte, dem empfehle ich nebenstehendes kurzes Video.

Kellertreppeneffekt – Perversion des Kostendrucks bei Implantaten

So, 24. November 2019 1 Kommentar

Der gesunde Menschenverstand geht logischerweise davon aus, dass die zertifizierten Endoprothetikzentren neben qualifizierten und erfahrenen Operateuren, sowie optimierten Abläufen, auch die jeweils aktuell besten Implantate für die Patienten bereit halten. Dabei sollten sie aus einer Vielzahl von Modellen das jeweils für den Patienten optimale Implantat auswählen können. Schließlich gibt es Unterschiede bei den Gleitpaarungen, Legierungen und Längen, die je nach Alter, Lebenserwartung und Aktivität des Patienten ausgewählt und zum Einsatz kommen sollten. Der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller erläutert: „Der Preisunterschied zwischen der Standardversorgung und der abrieb­festeren Lösung könne bis zu 1.000 Euro betragen.“ (Den vollständigen Artikel aus dem Ärzteblatt gibt es hier)
„Die Fallpauschalen für Hüft- und Knieprothesen unterscheiden nicht nach hochwertigen oder weniger hochwertigen Materialien, modernen oder länger auf dem Markt befindli­chen Implantaten, ebenso wenig wie nach jungen und alten Patienten“, so der Orthopäde und Unfallchirurg weiter.

Fabrikneu aussehender Schaft mit Keramik-Kopf nach 21 Dienstjahren

Der Erstattungsbetrag orientiere sich vielmehr am Mittelwert der Kosten aller einkaufen­den Kliniken. „Dies führt langfristig dazu, dass man eine schwarze Null nur erwirtschaften kann, wenn man weniger Sachkosten einsetzt als im Durchschnitt. Ein gefährlicher Keller­treppeneffekt“, warnt Heller in dem Artikel.
Das Problem dabei ist, dass gerade die auf Endoprothetik spezialisierten Fachkliniken die Unterfinanzierung für hochwertige Implantate nicht anderweitig ausgleichen können.
Ich halte das für einen unhaltbaren Zustand. Auf das Problem hatte bereits vor fast drei Jahren Dr. Holger Haas, Chefarzt Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie am GK in Bonn anlässlich seines Vortrages zum Thema „Gelenkersatz: Extrem erfolgreich aber nicht ohne Risiken“ (letzter Absatz) hingewiesen, nicht ohne zu betonen, dass die anerkannten Versorgungseinrichtungen trotzdem zumindest bisher das hochwertige Material einsetzen.
Geändert hat sich bis heute nichts. Hier ist dringend die Politik gefragt. Patienten, Ärzte, Ärztekammern und alle sonstigen Interessenvertreter sollten sich zusammentun, um auf den Zustand intensiv medial aufmerksam und dem Gesundheitsministerium Druck zu machen – zumal dies von den Kostenträgern absolut zu kurz gedacht ist.
Die vermeintliche Kostenersparnis ist durch früher notwendige Revisions-OPs volkswirtschaftlicher Unsinn.

Beide oben genannten Ärzte (Haas und Heller) haben übrigens einen weiteren interessanten Presse-Artikel bei der DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie) veröffentlicht. Dabei geht es um die Eigentumsrechte an explantierten Medizinprodukten. Wussten Sie, dass Sie als Patient das Recht haben, sich die ausgebauten Implantate aushändigen zu lassen? Die Hintergründe und warum das wichtig sein kann, erfahren Sie im hier verlinkten Presseartikel.
Ich habe selbstverständlich bei meiner Revision-OP im April letzten Jahres die „antiken Stücke“, die mich 21 Jahre sehr gut begleitet haben, ausgehändigt bekommen. (Siehe auch hier Kapitel 2 meines Revisionstagebuches inkl. Fotos vom „Altmetall mit Keramik„).

Dem Winterblues entkommen

Fr, 1. November 2019 1 Kommentar

Wissenschaftlich betrachtet ist der Winterblues eine „saisonal abhängige Depression“, kurz SAD oder auch Winterdepression genannt. Die einfache Ursache: Fehlendes Tageslicht.
Es ist November, passend und pünktlich begrüßt einem der Blick nach draußen, zumindest in Deutschland, meist mit Nieselregen, Nebel oder Hochnebel und nasser Kälte – trotz Klimawandel. Für einen Großteil der werktätigen Bevölkerung gibt es in der Woche für gut drei Monate keine arbeitsfreie Zeit mit Tageslicht.

Immer noch mehr Tageslicht als zuhause

Da fällt Sport und Bewegung im Freien naturgemäß schwer und meist etwas reduzierter aus. Die Motivation lässt bei vielen nach. Zu verlockend ist es ist doch, es sich zuhause auf der Couch gemütlich zu machen. Im Vorteil ist derjenige, der wie ich, noch einen Mannschaftssport in der Halle betreibt. Da gibt es keine Ausreden, schließlich warten ja die Team-Kollegen. Und natürlich, wie immer in der Winterjahreszeit, nimmt man sich vor, wieder verstärkt ins Fitness-Studio zu gehen und/oder gar mal eben schnell einen Vertrag für selbigen zu unterzeichnen, der meist zu teuer ist und viel zu wenig genutzt wird. Die Motivation sinkt schnell und geht zunehmend gegen null.
Aber wir kommt man raus aus der Motivationsfalle und bekämpft dem Winterblues? Hier spreche ich nicht diejenigen an, die ohnehin ganzjährig für Wettkämpfe trainieren und bei jedem Wetter, egal ob dunkel, kalt, regnerisch oder schneiend mit mehrstrahligen Halogen-Stirnlampen in Wald, Feld und Flur zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, sondern alle anderen, die ihren Sport und ihre Bewegung nur als Hobby ohne feste Trainingszeiten betreiben.
Als erstes sollte man sich keinen Stress machen. Wenn man mal keine Lust hat, dann einfach ohne Reue nichts tun und sich einen festen Vorsatz für den nächsten Tag fassen.
Allgemein werden mindestens 150 Minuten Sport und Bewegung pro Woche empfohlen – mehr ist natürlich besser. Zweieinhalb Stunden hat man aber mit Sicherheit am Wochenende Zeit, um sich bei Tageslicht in Freien zu bewegen. Auch ein strammer Spaziergang oder leichter und lockerer Lauf im Nebel kann seine Reize haben. Tageslicht ist besonders wichtig für Körper und Geist und der Bekämpfung der SAD – das weiß auch die Apotheken-Umschau. Auch eine Mittagspause kann man statt in der Kantine für einen Gang ins Freien nutzen. Suchen Sie sich Gleichgesinnte. Verabreden Sie sich. Zu zweit oder in einer Gruppe macht alles viel mehr Spaß und ein gewisser Gruppenzwang schadet in diesem Fall überhaupt nichts.
Bei einem Spaziergang in der Natur liefert auch ein bedeckter Wintertag eine Tageslicht-Dosis von bis zu 4.000 Lux. Wer im Winter zuhause bleibt und dadurch zu wenig Tageslicht erhält, hat eine sehr viel geringere Vitamin-D-Konzentration im Blut als Menschen, die sich viel im Freien aufhalten. Tageslicht regt die Atmung und den Kreislauf an und die Lichteinwirkung fördert die Durchblutung und den Stoffwechsel. D.h.: Auch alle, die sich als Hallensportler in der Woche genug bewegen, sollten trotzdem spätestens am Wochenende raus. Aber natürlich ist Sport, Bewegung oder Krafttraining „Inhouse“ immer noch viel besser, als überhaupt nichts zu machen. Auch wenn dabei kein Vitamin D an die Haut kommt, fühlt man sich nach einer Sporteinheit einfach besser. Es werden die müden Geister geweckt und das psychische Wohlbefinden gesteigert, weil der Körper Hormone wie Endorphin, Serotonin und Dopamin ausschüttet. Das macht uns glücklicher. Übrigens lassen sich auch aus profanen Alltagstätigkeiten kleine Bewegungs- und Kraft-Workouts gestalten. Der Sportorthopäde Dr. Georg Kaupe beschreibt das ganz gut in seinem Blog-Beitrag „Wechsel-Strom“, der mit folgendem Zitat endet:
„Egal was Sie tun, tun sie es bewusst und mit Phantasie! Gestern ist vorbei. Was morgen passiert wissen wir nicht! Heute haben Sie es in der Hand!“
Im diesem Sinne: Haltet gemeinsam mit mir durch, der nächste Frühling kommt bestimmt!

Physiotherapie – die oft unterschätzte Kraft des Heilens

So, 20. Oktober 2019 2 Kommentare

In Deutschland ist seit geraumer Zeit endlich eine Diskussion in Gang gekommen, die den Direktzugang zum Physiotherapeuten fordert, also ohne ärztliches Rezept. Dies ist bereits in 40 Ländern weltweit möglich. Siehe Artikel aus der Apotheken-Umschau von vor einem Jahr. Geändert hat sich seitdem leider nichts.
Aus meiner Sicht liegen die Vorteile für Patienten auf der Hand: reduzierte Wartezeiten und weniger Verordnungen von Medikamenten. Außerdem würden Ärzte entlastet und insgesamt die gesamtgesellschaftlichen Kosten, durch Verringerung von aufwendiger Diagnostik und bildgebenden Verfahren, reduziert – so zumindest die Erfahrung aus anderen Ländern.
Unbestritten ist natürlich, dass dabei Budget- und Haftungsfragen geklärt werden müssen, etwa wenn eine Falschbehandlung erfolgt.
Die weiteren Gegenargumente, dass Physiotherapeuten zu wenig diagnostische Kompetenz haben und daher Fehldiagnosen getroffen werden könnten, kann ich zwar teilweise nachvollziehen, aber Fehldiagnosen von Ärzten sind beileibe auch keine Seltenheit.
Mit politischem Willen und konstruktiver Zusammenarbeit aller beteiligten Verbände und Krankenkassen, sollte es auch in Deutschland möglich sein, einen einfachen Zugang zur Physiotherapie zu etablieren.

Physiotherapeutin Julia Geidner – Behandlung 2018

Ich selbst kann bis auf ganz wenige Ausnahmen nur von positiven Erfahrungen mit Physiotherapeuten berichten. Durch meine sportlichen Aktivitäten und ingesamt drei Hüft-Operationen habe ich über lange Jahre viele Physiotherapeuten (weibliche und männliche) kennengelernt in verschiedenen Bundesländern (NRW, Bayern, Hessen). Allen war eines gemein: Sehr engagiert, kompetent und auf den Patienten eingehend. Stellvertretend für alle sei Julia (Foto) genannt, die mich in meiner schwierigen Situation nach der Revisions-OP 2018 in der 6-wöchigen Warte- und Teilbelastungszeit bis zu stationären Reha perfekt behandelt hat – mit viel Empathie und großer Expertise.
Und wenn ich mal wirklich nicht zufrieden war mit meinem Therapeuten, was auch einige wenige Male vorgekommen ist, habe ich diesen gewechselt – genauso, wie ich mich auch nicht scheue, bei Unzufriedenheit einen anderen Arzt aufzusuchen.

Zum Schluss noch einen Hinweis aus eigener Erfahrung: Physiotherapie kann nicht immer nur sanft erfolgen. Es kann durchaus auch mal schmerzhaft und anstrengend sein, wenn sich der Behandler im Abstimmung mit dem Patienten an Bewegungsgrenzen herantastet oder versucht, besonders tief liegende Muskeln zu lockern. Hier ist mitunter soviel Druck notwendig, dass dabei auch schon mal ein blauer Fleck nach der Behandlung entstehen kann. Ich erwähne das deshalb, weil in meiner Facebook-Gruppe „TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)“ genau diese Diskussion vor kurzem stattfand und sich darüber ausgelassen wurde, was das für unmögliche Physiotherapeuten seinen, die den Patienten ja geradezu verletzen. Im Übrigen steht es jedem Patienten frei, die Behandlung abbrechen zu lassen, wenn es zu unangenehm wird.

Physiotherapeuten leisten einen wirklich wertvollen Beitrag zur vollständigen Genesung nach operativen Eingriffen, sowie bei allgemeinen Beschwerden des Bewegungsapparates, der leider zu oft unterschätzt wird.

Die Komplett-Revision der Hüfte in 12 Kapiteln

Sa, 5. Oktober 2019 6 Kommentare

Nachdem ich knapp 10 Jahre lang mit meinen beiden künstlichen Hüftgelenken sportlich richtig Gas geben konnte, stand im April 2018 die notwendige Komplett-Revision der 21 Jahre alten TEP auf dem OP-Plan. Komplett hieß in meinem Fall, alle zementierten Komponenten entfernen (Pfanne und Schaft) und versuchen, eine natürlich größere, aber dafür nicht einzementierte Revisionsprothese einzusetzen. Wie schon bei der letzten OP (rechte Seite in 2008) vertraute ich hier auf das bewährte und hervorragende Team der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen. Die nachfolgenden Kapitel zeigen den langen und teils auch beschwerlichen Weg zurück zur Normalität und auch zum Sport.

Das komplette Tagebuch (41 Seiten) kann auch hier als ePDF mit allen Links und Videos heruntergeladen und somit ganz bequem auf einem Tablet oder PC offline gelesen werden.

Ärztefreuden über glücklichen Revisions-Patienten

Sa, 5. Oktober 2019 6 Kommentare

Oftmals wird erfolgreichen Operateuren nachgesagt, dass sie zwar ihr Fach verstehen, es Ihnen aber an Empathie mangelt. Dass sich Empathie und Können nicht ausschließen, dafür stehen bisher alle Ärzte, die ich persönlich in der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen kennengelernt habe.
Vor wenigen Tagen hatte ich 17 Monate nach meiner Komplett-Revision links quasi den TÜV-Termin bei meinem Operateur. Mein eigenes positives Gefühl, dass alles top verheilt und sportlich belastbar ist, sollte hoffentlich radiologisch und durch Untersuchung meiner Ärzte in der endogap bestätigt werden. Dr. Andreas Berger und mein Operateur Dr. Rolf Schipp haben sich beide hocherfreut und zugleich leicht überrascht mein Röntgenbild angeschaut. Die Revision-TEP habe sich keinen Millimeter bewegt und sei bombenfest eingewachsen, so die sehr gute Nachricht.

Links sechs Monate vor der Revision – Mitte vier Wochen Post-OP – Rechts siebzehn Monate Post-OP (zum Vergrößern auf das Bild klicken) – Auch wenn die Maßstäbe nicht identisch sind, spiegelt das mittlere Bild die Länge im Vergleich zur Erst-TEP links wieder – Veröffentlichung der Röntgenbilder mit freundlicher Genehmigung der endogap

Besonders gut kann man das am nebenstehendem Röntgenbildvergleich sehen. Auf dem linken Bild, vor der Revision, sind sehr deutlich die Osteolysen (Knochendefekte, schwarze Regionen) am und um den lockeren Schaft zu sehen. Rechts kann man einerseits erkennen, dass der offene Spalt (mittleres Bild vor der 4. Cerclage) jetzt komplett vom neu gebildeten Knochengewebe, dem sog. Kallus wieder verschlossen (überbaut) wurde. Zudem ist deutlich zu erkennen, wie der Knochen wieder sehr kräftig geworden ist und die ’schwarzen Löcher‘ verschwunden sind (zum Vergrößern auf das Bild klicken). „Der ist ja doppelt so stark wie vor der Revision“, so Dr. Schipp. Auf meine Frage, ob das ein normaler Prozess sei oder ggf. auch genetisch bedingt sein könnte, haben sich die Docs wie folgt geäußert: „Eine gute Muskulatur und moderates stetiges Training sind notwendig, um dem Knochen genügend Anreize zu geben, sich zu regenerieren und zu kräftigen“. Eine sehr gut ausgebildete Muskulatur an beiden Oberschenkeln und Gesäßseiten wurde mir dabei direkt ärztlich bestätigt.
Ich kann meinem Glücksgefühl kaum Ausdruck verleihen, dass nach dem langen Prozess letztlich alles so optimal verlaufen ist und sich über ein Jahr stetiges Arbeiten an meiner vollständigen Wiederherstellung mehr als gelohnt haben. Neben meinem Hauptoperateur Dr. Rolf Schipp, ohne dessen hervorragende Arbeit meine eigenen Bemühungen wesentlich weniger erfolgreich gewesen wären, haben auch alle mich begleitenden Physiotherapeuten über den Zeitraum (endogap, zu Hause, Reha) einen großen Anteil daran. Besonders mein Haupt-Physio Marius Topf im Medical Park St. Hubertus hat mich völlig zu Recht anfangs stets eingebremst, es bloß nicht zu übertreiben. Ihnen allen gilt mein Dank.
Besonders schön auch, dass ich bei dem Kontroll-Termin meinen Physiotherapeuten und Triathleten Nico Ben Kartes getroffen habe, mit dem ich im April 2018 die ersten mühsamen Schritte im endogap-Krankenhausflur absolviert habe, während wir uns dabei über den Triathlon-Sport unterhielten.
Meinen eigenen sportlichen Aktivitäten steht nun auch ‚amtlich‘ nichts mehr im Wege, lediglich das Laufen werde ich vernünftigerweise stark reduziert, sehr langsam und mit kurzen Schrittlängen so gelenkschonend wie möglich betreiben. Ich genieße es einfach nur, in herrlicher Natur wieder leicht und locker joggen zu können, ohne jeden Wettkampfgedanken.

Herrliche Wanderung über Kühzagl – Bodenschneidhaus – Freudenreich-Alm und zurück

Ob der mehr als guten Nachrichten, habe ich mich dann selbst mit einer neuen Multisportuhr (Garmin Fenix 5x) belohnt. Bereits gut eine Woche nach dem Kontrolltermin hat dieser Mini-Computer insgesamt 25 MTB-Kilometer und knapp 80 km zu Fuß (Laufen, Gehen, Wandern) mit über 1800 Tegernseer-Tal-Höhenmetern in der Aktivitätsübersicht angezeigt. Alles ohne auch nur ein Hauch von Zwicken oder Zwacken der künstlichen Gelenken. Es ist einfach herrlich.

Übrigens hatte ich mich bereits im Vorfeld des Kontroll-Termins bei einem Laufladen mit schuhorthopädischer Expertise komplett neu auf dem Laufband barfuß vermessen lassen. Das für mich sehr überraschende Resultat: Die Beinachse des ‚Revisionsbeins‘ ist absolut perfekt. Auf der rechten TEP-Seite ist ein minimales, kaum wahrnehmbares leichtes Einknicken des Fußes nach innen zu beobachten, welches aber keine extra angefertigte Innen-Sohlenunterfütterung von wenigen Millimetern mehr rechtfertigt, wie ich diese bis dato immer hatte (Siehe meinen Artikel aus dem Jahre 2011 – Laufstilanpassungen bei Endoprothesenträgern). Meine beiden neuen Schuhe, ein Laufschuh mit sehr niedriger Sprengung (5 mm) und ein Trail-Running-Schuh, den ich auch zum Wandern benutze, haben dies nach den oben genannten zurückgelegten Kilometern auch im Live-Test eindrucksvoll bestätigt.

Mit vorstehendem Beitrag schließe ich das Revisionstagebuch nun endgültig ab.
Wenngleich: Nach der Revision ist vor der Revision. Meine rechte Hüft-TEP geht nun auch ins zwölfte Jahr. Meine Docs haben zumindest mal vorsichtig anklingen lassen, dass es ggf. sinnvoll sein könnte, die Gleitpaarung in einigen – vielleicht 8-10 Jahren – ‚prophylaktisch‘ auszutauschen, bevor der unvermeidbare Abrieb soviel Schaden angerichtet hat, dass der Schaft locker wird und wieder eine Komplett-Revision nötig wäre. Den exakt richtigen Zeitpunkt gemeinsam zu finden, dürfte dabei die größte Herausforderung sein. Klar ist aber, dass dazu eine engmaschige, also jährliche Röntgenkontrolle notwendig ist. Aber dies habe ich ja bisher ohnehin immer so gehandhabt.

 

Manuelle Medizin versus Apparatemedizin

Mo, 2. September 2019 2 Kommentare

Leider ist heute die allgemeine Neigung jegliche Art von Beschwerden – und ganz besonders Gelenkbeschwerden, bzw. Probleme mit dem Bewegungsapparat – statt mit manueller Medizin (ausführliche Anamnese, Untersuchung und Diagnose), mit Technik zu erschlagen. Es wird geröntgt und ultrageschallt, es werden MRTs und/oder CTs verschrieben und wenn dies noch nicht reicht, das ganze nochmal von vorne mit Kontrastmitteln. Woran das liegt ist klar: Es werden diese Untersuchungen von den Krankenkassen prima und wesentlich besser vergütet, als wenn sich ein Arzt Zeit nimmt für eine manuelle Untersuchung. Aktuell hat die Presse gerade über die einfache Zusatzeinnahme-Quelle Kontrastmittel berichtet.
Meiner Ansicht nach muss in Bezug auf die Geräte-Medizin in einigen medizinischen Fachbereichen endlich ein Umdenken stattfinden.
Natürlich gibt es Krankheitsbilder, die zwingend eine radiologische Untersuchung nötig machen und es ist gut, dass es diese Möglichkeiten gibt und jedem zur Verfügung stehen. Aber es ist schlecht, dass sich viele Ärzte immer mehr auf diese Diagnostik verlasen, statt den Menschen in seiner Gesamtheit zu betrachten. Vermutlich werden bereits im Studium und im praktischen Jahr die Weichen falsch gestellt, ohne dass ich das belegen kann.

Wie effektiv der Ansatz der manuellen Medizin in den richtigen Händen sein kann, möchte ich mit einem persönlichen Beispiel belegen.

Dr. Georg Kaupe – Bonn

Die Ausgangslage
Eine sportliche und jung gebliebene Sechzigjährige – nämlich meine liebe Frau – hat seit ein bis zwei Jahren mal mehr und mal weniger leichte Beschwerden im Hüftbereich und im ISG. Im Frühjahr dieses Jahres wurden diese allerdings so stark, dass teilweise nur noch wenige Meter schmerzfreies Gehen möglich waren. Die Schmerzen breiteten sich von der Hüfte bis weit in den Oberschenkel hinein aus.
Dies zog sich über einige Wochen, teilweise mit der Einnahme von Schmerzmitteln, hin, bis ein kleiner Ärzte-Marathon gestartet wurde. Es wurden die Hüften und die Wirbelsäule geröntgt ohne wirklichen Befund, bis auf die altersgemäßen Abnutzungserscheinungen. Es wurde Physiotherapie verschrieben, was ich per se schon mal sehr gut finde, aber in ihrem Fall leider nicht geholfen hat.
Ich bin ein vehementer Verfechter von physiotherapeutischen Behandlungen. Habe ich diese doch nach meinen Gelenk-OPs immer selbst gerne und stets erfolgreich in Anspruch genommen.
Da einer meine Frau behandelnden Orthopäden meinte, leichte Arthroseanzeichen auf einem der Hüft-Röntgenbilder gesehen zu haben, wollte er dies noch mit einem Arthro-MRT (MRT mit Kontrastmittel ins Hüftgelenk) absichern. Ich habe in meinem Leben nun wirklich viele Hüft-Röntgenbilder gesehen auf Grund meiner eigenen Gelenkprobleme, durch meine Aktivitäten hier in diesem Blog, in der TEPFIT-Gruppe und im Rahmen der Recherchen für unsere Mutmach-Bücher „Mut zur neuen Hüfte!!“ und „Mut zum neuen Knie!“
Auch als Nicht-Mediziner ist für mich zu erkennen, dass die radiologisch sichtbaren minimal vorhandenen Abnutzungserscheinungen, eigentlich nicht diese massiven Schmerzen verursachen können und deshalb ein Arthro-MRT, bei dem in ein gesundes Gelenk Kontrastmittel gespritzt wird, wenig sinnvoll ist. Meine Liebste entscheidet sich nach einigen Überlegungen gegen diese Untersuchung. Doch wie kann das Problem angegangen und gelöst werden?
Ich nehme Kontakt zu meinem befreundeten Facharzt der Orthopädie Dr. Georg Kaupe in Bonn auf, der seine Behandlungsmethoden auf seiner Praxisseite wie folgt beschreibt:

Als Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin kombiniere ich klassische und alternative Therapiemethoden. Die ganzheitliche Sichtweise ist die Basis meines Behandlungskonzeptes.
Meine anerkannten Zusatzbezeichnungen sind Akupunktur, Chirotherapie und Sportmedizin. Zu einem gründlichen Behandlungskonzept gehört auch die Analyse Ihrer Lebensumstände.
Ich versuche allen Patienten und gerade Kindern mehr Freude an gesunder Bewegung zu vermitteln. Sinnvolle Bewegungskonzepte können das Körperbewußtsein enorm steigern und viele Beschwerden in Vorfeld minimieren.
Neben der Therapie mit unseren Patienten ist die Physiotherapie eine weitere wesentliche Säule zum dauerhaften Behandlungserfolg. Deshalb arbeite ich eng mit diversen Sportwissenschaftlern und Physiotherapeuten zusammen.

Wir vereinbaren einen Termin in seiner Praxis. Vorher gibt er noch den Tipp, meine Frau sollte eine Knochendichtemessung durchführen lassen, da Osteoporose auch oft für diese unspezifischen Beschwerden verantwortlich sein können.

Der Untersuchungstag
Mit diesem Messergebnis kommen wir Anfang August nun in Bonn an. Dr. Georg Kaupe möchte keine Röntgenbilder sehen und kommentiert das Messergebnis der Knochendichtemessung meiner Frau mit den Worten: „Du hast ja Knochen wie ein Bär!“.
Er beginnt nun mit einer eingehenden ‚Ganzkörper‘-Untersuchung durch sichten, bewegen und bestimmte Druckpunkte ertasten und setzen.
Danach schließt sich eine Ganganalyse an. Diese wird natürlich auch durch Technik unterstützt. Die Bodenplatten, über die meine Frau barfuß gehen soll, zeichnen das Gangbild auf (3D-Ganganalyse). Dr. Kaupe kann damit direkt Fehlstellungen der Füße und Dysbalancen im Bewegungsablauf erkennen. Dies ist auch hier der Fall: Meine Frau hat Fußfehlstellungen, so seine Diagnose.
Doch was wird er nun empfehlen, bzw. was sind seine Therapiemaßnahmen?
Er nimmt ein paar Perlotten (kleine Schaumstoffkissen, nur wenige Millimeter dick) aus seinem Fundus und klebt diese als Akutmaßnahme an einer bestimmten Stelle unter beide Füße. Meine Frau ist zunächst sehr skeptisch: Diese wenigen Millimeter sollen die Schmerzen eines halben Jahres einfach beseitigen?
Ich konnte mir das schon eher vorstellen, schließlich hatte ich Jahre zuvor eine ähnliche Erfahrung mit wenigen Millimetern Ausgleich in meinen Laufschuhen gemacht.
Da danach ein Wochenende bei Freunden mit vielen Gehkilometern anstand, war die Bewährungsprobe bereits in Sichtweite. Zusätzlich wurden dann noch entsprechende Einlagen verschrieben, die in normalen Schuhen getragen werden sollen.

Das Ergebnis
Hier das verblüffende Ergebnis: Meine Frau konnte mit diesen kleinen geklebten Schaumstoffkissen unter den Fußsohlen über 10 Stadt-Kilometer in zwei Tagen absolut schmerzfrei zu Fuß bewältigen. Statt aufwendiger und teurer Apparatemedizin, haben hier ein geschultes Auge und jahrelange Erfahrung, gepaart mit entsprechender exzellenter Ausbildung, sowie ein 6,00 EUR teures Paar Perlotten ein Problem behoben, welches vorher ein halbes Jahr lang durch aufwendige technische Untersuchungen und mehrere Stunden bei diversen Fachärzten nicht einmal ansatzweise diagnostiziert wurde.
Inzwischen sind vier Wochen vergangen, meine Frau trägt sowohl die Einlagen regelmäßig, wie auch zu Hause barfuß die Perlotten. Die massiven Schmerzen in der Hüfte und im Oberschenkel sind seitdem einfach dauerhaft verschwunden und meine Frau kann wieder mit Freude an Bewegung und Sport denken.

Was ist das Fazit?
Als Patient mit Problemen am Bewegungsapparat sollte man eine erste Geräte-Diagnose zunächst hinterfragen und ggf. eine Arzt aufsuchen, der das Fach der manuellen Medizin beherrscht. Diese findet man eher unter Sportmedizinern. Wer im Raum Köln-Bonn wohnt, kennt ja nun bereits einen.
Einige gute Sportmediziner bieten Ihre Leistungen nur privatärztlich an. Sofern man gesetzlich versichert ist und es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, sollte einem eine gründliche manuelle Untersuchung ggf. ein paar Euro Wert sein. Es kann eine sehr gute Investition in die eigene Gesundheit und Schmerzfreiheit sein.