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Archive for the ‘Bewegung’ Category

Hüft-Fitness mit Carina – Bauchmuskel aktivieren

Das zweite Video der losen und aufeinander aufbauenden Trainings-Reihe mit Carina ist in unserem TEPFIT-Youtube-Kanal jetzt live. Dieses Mal geht es nach der „Gluteale Amnesie“ um die Aktivierung der „Bauchmuskulatur“.

Carina Weidler
Carina Weidler

Um was geht es genau?
Carina erklärt das wie folgt:

„Die meisten Menschen haben vor allem Übungen in Rückenlage im Kopf, wenn sie an Bauchmuskeltraining  denken. Übungen, bei denen man den Oberkörper einrollt, die Hüfte anhebt oder die Beine absenkt. Vor allem der letzte Punkt ist kritisch: Fast niemandem ist bewusst, dass die meisten dieser Übungen gar kein Bauchmuskeltraining sind, sondern Training der hüftbeugenden Muskulatur. Wenn das jemand gezielt machen möchte, weil es in seiner speziellen Situation Sinn ergibt – prima. Die meisten denken allerdings, dass sie ihre Bauchmuskulatur trainieren – vielleicht, weil sie Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulen-Bereich haben und die Bauchmuskulatur ihrem Rücken zu Liebe kräftigen möchten. In den allermeisten Fällen tun diese Menschen sich nichts Gutes, wenn sie – versehentlich – den Hüftbeuger kräftigen, denn der ist ja sowieso schon bei den meisten verkürzt (wer mag, kann das gerne im Beitrag zur Glutealen Amnesie nochmal nachlesen). 

Und selbst dann, wenn richtige Bauchmuskelübungen sauber ausgeführt werden, würde ich mir wünschen, dass Bauchmuskeltraining mindestens überwiegend anders gemacht wird. Und zwar aus folgendem Grund: 

Die Bauchmuskulatur geht vom Brustbein bis zum Schambein. Klar, wenn man diese Muskulatur kontrahiert, also anspannt und zusammenzieht, bring man Brustbein und Schambein näher zusammen und rollt den Oberkörper ein. 

Aber jetzt mal ehrlich – im Alltag ist das nicht das, was wir von unseren Bauchmuskeln erwarten, oder? Und auch beim Sport ist nur in ausgewählte Situationen das aktive Einrollen gewünscht. Meist soll die Bauchmuskulatur (gemeinsam mit der Rückenmuskulatur) die Aufgabe erfüllen, die Wirbelsäule in ihrer physiologischen Position zu stabilisieren. Konkret bedeutet das, die Bauchmuskulatur ermöglicht uns eine stabile, aufrechte Körperhaltung in den unterschiedlichsten Situationen: Zum Beispiel beim Gehen, Stehen, Sitzen, Laufen, Springen, Toben, Heben etc. Gleichzeitig übernimmt die Bauchmuskulatur eine sehr wichtige Rolle für die Position des Beckens. 

Eine stabile, aufrechte Körperhaltung und eine gesunde Beckenposition sind für alle essentiell wichtig. Insbesondere für alle mit Hüftschmerzen oder künstlichen Gelenken wünsche ich mir, dass sie ihre Bauchmuskulatur sehr gut ansteuern können. Deshalb zeige ich dir im zweiten Trainingsvideo einen (vielleicht für dich noch neuen) Ansatz, mit dem dir das gelingt. Viel Spaß dabei! Für Muskelkater übernehme ich keine Haftung“

WICHTIGER HINWEIS 

Für alle Videos der Reihe gilt:
Es ist ein konservatives Training für die OP-Vorbereitung und ab der 6. Woche Post-OP. Die gezeigten Übungen nur durchführen, wenn es die körperliche Fitness und der Gesundheitszustand zulassen und vorher mit dem Operateur / Physiotherapeuten abgestimmt ist, dass dies in Eurem speziellen individuellen Fall bereits so möglich ist. Die Übung-Videos bauen aufeinander auf. Daher nachfolgende Übung erst dann durchführen, wenn die Vorhergehende absolviert wurde.

Hier geht’s direkt zum Übungs-Video.

20 km Rheinsteig – Geht nicht? Gibt’s nicht!

So, 5. September 2021 1 Kommentar

Das letzte Mal, dass ich 20 km am Stück zu Fuß zurückgelegt habe, ist eine Weile her. Es war der Halbmarathon am Tegernsee im Jahre 2013, lange vor meiner Hüft-TEP-Revision in 2018. Dieses Wochenende war es aber erneut soweit, übrigens zusammen mit zwei der drei Freunde von 2013, wenn auch nicht laufend sondern wandernd.

Drei Freunde
Drei Freunde nach ca. 2 von 20 Kilometern auf dem Rheinsteig (Im Hintergrund links die Marksburg)

Der Rheinsteig ist ein teilweise sehr anspruchsvoller Fernwanderweg auf meist sehr engen Pfaden oder Steigen (daher der Name) mit vielen Höhenmetern entlang des Rheins von Wiesbaden nach Bonn mit einer Gesamt-Länge von 320 km. Wir hatten uns gleich zwei sehr anspruchsvolle Etappen auf einmal vorgenommen, nämlich von Braubach nach Lahnstein (ca. 8 km) und dann weiter nach Koblenz über die sehr beeindruckende Ruppertsklamm nochmals weitere 12 km. Insgesamt waren dabei 720 Höhenmeter zurückzulegen und zwar rauf wie runter, da Ausgangs- und Endpunkt immer der Rhein ist. Das steilste Stück ist dabei die wirklich atemberaubende Ruppertsklamm mit 235 Hm auf 1,5 km. Hier wähnt man sicher eher im Alpenraum als im Rheinischen Schiefergebirge.

Hinweis: Der Rheinsteig ist generell kein Spazierweg, sondern erfordert eine gewisse Grundfitness, gutes Schuhwerk (Wander- oder Trekkingschuhe), Wanderstöcke, Verpflegung, Rucksack, angemessene Kleidung und ist in Teilpassagen nur bei längerem trockenen Wetter zu empfehlen. Für die Rupperstklamm wird in einigen Wanderführern ‚alpine Erfahrung‘ vorausgesetzt und man sollte trittsicher und schwindelfrei sein. Die teils sehr steilen Passagen sollten auch auf keinen Fall unterschätzt werden. Es gibt zudem, wenn man sich für eine Etappe entschieden hat, meist keine Möglichkeit abzukürzen oder auszusteigen.

Die erste Etappe von Braubach nach Lahnstein ist mit ca. 250 Hm noch ganz human, wenngleich derjenige, der die Strecke nicht kennt, gleich nach dem ersten Aufstieg flucht. Geht es doch nach ein paar Metern geradeaus fast direkt wieder komplett auf Meereshöhe zurück um dann sofort wieder auf die gerade verlassene Höhe aufzusteigen (siehe nachfolgendes Höhenprofil).

Höhenprofile Rheinsteig Braubach - Koblenz
Höhenprofil Rheinsteig Braubach – Koblenz

Diese Etappe ist allerdings von den beiden (abgesehen von der Ruppertsklamm) die schönere, bietet sie doch tolle Ausblicke aufs Rheintal, umliegende Burgen und die Lahn.

Hat man nach 8 km die Lahn bei Lahnstein erreicht, kommt man an der einzigen Einkehrmöglickeit der 20 km Strecke, dem Schleusenhäuschen, vorbei. Natürlich haben wir das genutzt, um in einer kurzen Pause ein nicht alkoholisches eiskaltes Getränk zu uns zu nehmen.

Danach sollte nun der spektakuläre Teil der Wanderung kommen. Von Schleusenhäuschen erreicht man nach ca. einem km den Eingang zur Ruppertsklamm. Schon dort weht einem ein herrlich frischer ‚Klammwind‘ entgegen, hatten wir doch bei 25 Grad und blauem Himmel einen recht warmen Spätsommertag erwischt. Ab jetzt hieß es, alle Sinne zusammennehmen, bei jedem Schritt konzentrieren und abseits der Seilsicherungsstellen die Wanderstöcke gut einsetzen. Der 1,5 Kilometer lange Aufstieg durch die Klamm wird auf einem Schild mit einer Stunde angegeben. Aber selbst bei unserem sehr bedächtigem konzentrierten Aufstieg benötigten wir nur ca. 40 Minuten.

Wer sich nicht tagtäglich in hochalpinem Gelände aufhält, sollte zwei Dinge für die Klamm beherzigen:
1. Nur bei seit länger Zeit trockenerem Wetter gehen.
2. Immer den Aufstieg statt den Abstieg wählen.
Die Felsen sind sehr feucht und rutschig und man durchquert ständig den Bachlauf, um sich entweder links oder rechts an den Seilen langzuhangeln.
Wer oben angekommen nach ca. 12 km Wandern übrigens genug hat, kann auch einen Wanderweg zurück nach Lahnstein nutzen und hier die Tour dann nach ca. 14 km zu beenden.

Ruppertsklamm bei Lahnstein mit Seilsicherungen

Ist man oben angekommen, gibt es eine hässliche Schutzhütte, die man getrost rechts liegen lassen kann.
Der Rest der Etappe ist schnell erzählt: Auf den verbleibenden 8 Kilometern bis Koblenz, sind dann nochmals knapp 250 Höhenmeter im dichten Wald über einen Bergrücken zu absolvieren, mit wenigen bis keinen Ausblicken. Nach weiteren zwei Stunden ist man dann doch froh, das Endziel erreicht zu haben.

Alles in allem auf jeden Fall eine sehr schöne Rheinsteig-Strecke, die bei einer Gesamtwanderzeit von 5 1/2 Stunden eben kein kleiner Spaziergang ist. Das war auch im Übrigen daran zu erkennen, dass wir trotz Traumwetter höchsten 30 weitere Wanderer auf der gesamten Strecke (Ausnahme Klamm) gesehen haben.

Mein Fazit
Vieles ist nach einer OP und auch nach einer Revision wieder möglich. Immer langsam herantasten, Grundfitness aufbauen und sich dann einfach mal trauen – aber bitte so eine Tour nicht alleine machen.

Hüft-Fitness Video-Reihe mit Carina

So, 22. August 2021 3 Kommentare

Carina Weidler habt Ihr ja im letzten Artikel über das Tretroller fahren schon kennnengelernt. Da sie sich als Sporttherapeutin – selbst bereits mit einer Hüft-TEP mit ihren jungen 33 Jahren ausgestattet – perfekt mit den idealen Übungen für die Hüft-Fitness vor und auch nach der OP auskennt, hat Sie mir und Euch angeboten, eine Video-Reihe mit Trainings-/Übungs-Videos zum live Mitmachen zu erstellen. Dieses Angebot habe ich natürlich sehr gerne angenommen. Ab heute startet eine lose Video-Trainings-Reihe in unserem TEPFIT-Youtube-Kanal im geplanten 14-Tage Rhythmus, die alle aufeinander aufbauen. Den Anfang macht die „Gluteale Amnesie“.

Carina Weidler

Um was geht es dabei?
Carina erklärt das wie folgt:

„Die Hüfte ist ein wahnsinnig komplexes und spannendes Gebilde. Unser kompletter Körper ist um das Hüftgelenk aufgebaut, welches unseren Oberkörper mit dem Unterkörper verbindet.
Die enormen Kräfte, die dieses Gelenk aushalten kann, faszinieren mich schon sehr lange – genauso wie die enorme Kraft, die die hüftumgebende Muskulatur aufbringen kann. 
Leider ist unser „moderner“ Lebensstil ganz und gar nicht hüftfreundlich. Wusstest Du, dass der große Pomuskel, der „Glutaeus Maximus“, einer der stärksten Muskeln des Körpers ist? Na ja, zumindestens „wäre“ er einer der stärksten Muskel des Körpers, wenn wir uns „artgerecht“ bewegen und verhalten würden. Du kannst dir vielleicht schon denken, worauf ich hinaus möchte – artgerecht bedeutet für uns Menschen nicht, den Großeil des Tages sitzend zu verbringen. Nicht nur, dass wir dabei den Glutaeus Maximus sträflich vernachlässigen – nein, wir sitzen ihn regelrecht platt. Mach dir das mal klar: Der Muskel, der eigentlich als einer der stärksten Muskeln im Körper konzipiert ist, ist der hüftstreckende Pomuskel. Wenn wir sitzen, ist der Pomuskel inaktiv, stattdessen ist der Hüftbeuger auf Spannung. Dadurch wird der Pomuskel nicht nur sehr schwach mit der Zeit, oft verlernen wir sogar, ihn richtig anzusteuern. Vereinfacht gesagt reagiert der Muskel beleidigt darauf, dass die ganze Zeit auf ihm rumgesessen wird und er nicht seiner artgerechten Funktion nachkommen darf. Irgendwann „verliert er die Lust“ und arbeitet immer weniger. Das denke ich mir nicht aus, dafür gibt es mittlerweile sogar einen Fachbegriff: „Glutaeale Amnesie“. Und die ist wirklich fatal,  denn wenn der Glutaeus Maximus nicht richtig arbeitet und gleichzeitig der Hüftbeuger immer kürzer wird, kommt die gesamte Hüft-Statik aus dem Gleichgewicht. Deshalb möchte ich im ersten Trainingsvideo damit beginnen Dir zu zeigen, wie du den Hüftbeuger öffnen kannst und wieder lernst, die Po-Muskulatur anzusteuern.“

WICHTIGER HINWEIS 

Für alle Videos der Reihe gilt:
Es ist ein Konservatives Training für die OP-Vorbereitung und ab der 6. Woche Post-OP. Die gezeigten Übungen nur durchführen, wenn es die körperliche Fitness und der Gesundheitszustand zulassen und vorher mit dem Operateur / Physiotherapeuten abgestimmt ist, dass dies in Eurem speziellen individuellen Fall bereits so möglich ist.
Da die Übung-Videos aufeinander aufbauen, bitte als erstes nachfolgende Übung absolvieren.

Hier geht’s direkt zum Übungs-Video.

Freude, Dankbarkeit, 3500 Kilometer und Netzwerkerweiterung

Was haben 3500 Km Laufen, Wandern und Gehen mit Orthopädie zu tun?

Drei Freunde auf dem Hirschberg

Heute jährt sich meine TEP-Komplett-Revision zum dritten Mal. Am 25. April 2018 war noch völlig unklar, ob ich mich je wieder sportlich und überhaupt schmerzfrei bewegen können würde. Wenige Tage später machten mir meine ‚Knochen-Docs‘, Dr. Rolf Schipp mit Team und Chefarzt Dr. Christian Fulghum von der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen, bereits Hoffnung. Die sehr komplexe dreistündige Revisions-OP war perfekt verlaufen und sofern keine späteren Komplikationen auftreten sollten, stünde einer vollständigen Wiederherstellung nichts im Wege.

Doch bis es soweit war, galt es noch einige Hürden zu meistern. Ohne die Unterstützung meiner Liebsten, der Physiotherapeuten und meinem eigenen Anspruch, wieder ein halbwegs sportliches Niveau zu erlangen, hätte ich nicht das erreicht, was Stand heute wieder alles problemlos möglich ist.

Mit meiner Liebsten

So kamen in den letzten zweineinhalb Jahren immerhin 3500 km Laufen, Wandern und Gehen, sowie knapp 1000 MTB-Kilometer zusammen. Zwei Höhepunkte waren dabei der unter Pandemie-Bedingungen ausgetragene Midsummer-Run in Wiesbaden und die anspruchsvolle 14 Km und 800 Höhenmeter Bergwanderung in gut 4 Stunden mit Freunden auf den Hirschberg bei Kreuth. Beides 2020 und alles absolut schmerzfrei. Dafür bin ich der endogap und seinem Team unendlich dankbar bei gleichzeitiger Demut, es nicht zu übertreiben.
Aktuell laufe ich in der Woche ca. 8-12 km in zwei bis drei Einheiten, sehr langsam und gelenkschonend mit relativ kleinen Schrittlängen, um die Stoßbelastungen zu minimieren.

Ausbau des Arthrose- und TEPFIT-Netzwerkes
midsummerrunMein über die Jahre aufgebautes Netzwerk von Arthrose-Betroffenen, Arthrose-Plattformen, Fachärzten und Experten erweitert sich stetig, sowohl innerhalb der aktuell knapp 4500 Mitglieder starken TEPFIT-Gruppe, als auch außerhalb.
Nachdem es schon seit 2017 eine Zusammenarbeit mit dem Arthroseforum Austria von Barbara Egger gibt, kamen 2019 und 2020 folgende neue Kooperationen hinzu:
Seit 2019 arbeite ich mit dem Startup alley zusammen, das im Rahmen der Digital Health Initiativen in Deutschland, eine digitale Gesundheits-App für Betroffene mit Hüft- und Knie-Arthrose entwickelt hat. Die offizielle Zulassung für die App auf Rezept wird im Sommer dieses Jahres erwartet.
Seit Anfang 2020 bin ich Mitglied im KnorpelKompetenzNetzwerk, welches von Ärzten des GK-Bonn ins Leben gerufen wurde.
Ebenfalls seit 2020 arbeite ich mit dem ArthroseNetzwerkDeutschland von Johannes Vossenkuhl zusammen. Im März diesen Jahres habe ich auf clubhouse den Club ‚ArthroseKompetenzNetzwerk‘ gegründet. Hier starten wir am kommenden Dienstag mit der ersten Folge einer Arthrose-Talk-Reihe, bei der mir als Experten die Chefärzte des Zentrums für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin des GK-Bonn, Dr. Holger Haas und Dr. Jochen Müller-Stromberg, zur Seite stehen.
Seit knapp zwei Wochen bin ich zudem mit der Arthrose-Hilfe von Timm Schuler vernetzt.

Was ist in Arbeit?
Zum einen läuft ein Antrag auf Anerkennung und Förderung unserer digitalen Selbsthilfe-Gruppe TEPFIT beim GKV Spitzenverband und zum anderen eine Bewerbung dieser Gruppe für den Social Media Smart Hero Award.

Es bleibt spannend in meiner Community.
Interessiert, ein Teil davon zu werden?
Dann einfach melden. Kontaktdaten im Impressum.

Arthrose-Kompetenz-Talk auf clubhouse

Der eine oder andere wird bereits von der neuen SocialMediaApp clubhouse gehört haben.
Kurz erklärt, eine Talk-Show auf Basis von Audio. Das bedeutet, es gibt virtuelle Räume in denen auf sog. ‚Bühnen‘ ein oder mehrere Moderatoren sitzen, die zu einem Thema ein Gespräch führen oder initiieren, um mit den Zuhörern, dem Publikum, zu diskutieren und/oder deren Fragen zu beantworten.
Vor gut einem Monat habe ich auf clubhouse den Club ‚ArthroseKompetenzNetzwerk‘ gegründet mit dem Ziel, dort auf Dauer eine Talk-Reihe zu etablieren, in der es um alle Themen im Zusammenhang mit Arthrose, Bewegung, Ernährung, Therapien und künstliche Gelenke geht.
Details dazu können hier nachgelesen werden.

Nach einigen Vorbereitungen ist nur der Termin für den Auftakt-Talk fixiert:
Dienstag, der 27.04.2021 um 20:15 Uhr.

Und natürlich habe ich hochkarätige Fachleute mit an Bord. Es werden mir Dr. med. Holger Haas und Dr. med. Jochen Müller-Stromberg kompetent zur Seite stehen und alle Fragen beantworten.
Beide sind Chefärzte im Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin am GK-Bonn.
Jetzt den Termin im Kalender eintragen.
Wir freuen uns auf regen Austausch und spannende Diskussionen mit Euch.

 

Das Pandemie-Jahr 2020 – der etwas andere Rückblick

pandemieDas Jahr 2020 wird als das Pandemie-Jahr in die Geschichte eingehen mit massiven Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens wie Ökonomie, Sport, Privatleben, Medizin/Gesundheit und Psyche, um nur einige zu nennen.

Medizin/Gesundheit
Für alle, die eine geplante Gelenkersatz-OP terminiert hatten, kam es ggf. zu Aufschiebungen und Termin-Absagen. Reine Endoprothtik-Zentren hatten es dabei etwas besser als solche, die an eine Klinik mit Komplettversorgung angeschlossen sind. Dort musste die Intensivbetten-Kapazität hochgehalten werden. So hatte z.B. die endogap Garmisch-Partenkirchen bis September ein Drittel weniger Gelenk-Operationen als im Jahr davor, wie mir der Chef Dr. Christian Fulghum mitgeteilt hat. Aber auch für alle Betroffenen, deren geplante OP stattfand, gab es Probleme und Einschränkungen in der Nachsorge. Fitness-Studios waren teilweise geschlossen, in Reha-Kliniken gab es entsprechende Hygiene-Auflagen und Physio-Therapie-Termine waren auf Grund der reduzierten Behandlungen noch viel schwerer zu bekommen, als sonst.

Privatleben und Ökonomie
Natürlich kam es auch zu massiven Einschränkungen im privaten Bereich, je nach Lebenssituation. Keine Schule, kein Kindergarten, Home-Office, Kurzarbeit und Umsatzeinbrüche. Letztere bei dem einen oder anderen einhergehend mit finanziellen Problemen, die trotz gigantischer Finanz-Maßnahmen des Staates, einfach nicht bei jedem rechtzeitig oder überhaupt angekommen sind. Hinterher wissen immer alle, wie man es hätte vielleicht besser machen können – leider konnte man die Pandemie nicht üben.
Darunter natürlich auch die rücksichtslosen Covidioten, Verschwörungstheoretiker, rechten Hetzer, Querdenker und Reichsbürger. So gerne ich die Errungenschaften der Sozialen Medien schätze und selbst nutze, zeigt sich jedoch hier deren Schwäche. Alle diejenigen, die sich nur noch dort informieren und seriöse Medien überhaupt nicht kennen (wollen), tun sich unglaublich schwer, Tatsachen von Schwachsinn zu unterscheiden. Wenn es dann noch dem Präsidenten einer Weltmacht gelingt, 74 Millionen Bürger mit Hetze auf Minderheiten und permanenten Lügen hinter sich zu scharen, zeigt sich unabhängig von der Pandemie wie wichtig es wäre, dass es in der Schule ein Medien-Kompetenz-Pflichtfach geben sollte. Denn leider zeigen sich auch in unserem Land diese Tendenzen in einigen Bundesländern, in denen ein Viertel der Wähler rechten Spinnern, Lügnern und Hetzern nach dem Maul reden.

Sport und Psyche
Alle Sporttreibenden, die ohnehin ihren Individualsport im Freien ausüben, wie Radfahren, Laufen, Wandern, Nordic Walking, hatten relativ wenig Einschränkungen. Alle Vereins- und Mannschaftssportler hingegen waren die meiste Zeit zum Nichtstun verdammt.

Dad- and Daughter-Challenge 2020

Dad- and Daughter-Challenge 2020

Wohl dem, der hier flexibel genug sein konnte, seine sportliche Aktivität den Regeln der Pandemie anzupassen oder Profisportler ist. Denn Sport und Bewegung sind extrem wichtig für Körper und Geist und damit für das psychische Wohlbefinden. Und ja, in den Wintermonaten, die Dank Klimaerwärmung in den meisten Teilen Deutschlands nur kurz und auch selten sehr kalt sind, bedarf es auf Grund der kurzen Tage natürlich noch mehr Kampf gegen den inneren Schweinehund, um sich nach Draußen aufzuraffen. Online-Workout-Programme zu Hause sind zwar eine Option, aber zumindest für mich persönlich eher spaßfrei.

Mein persönliches 2020 privat und sportlich
Für meine Familie und mich hat sich glücklicherweise nicht so viel geändert. Ich bin ganz normal in mein Büro gefahren und habe dort meist ganz alleine auf gut 60 qm gesessen und gearbeitet. Meine liebe Frau hat u.a. für ein gemütliches Zuhause, die kulinarische Versorgung und das Wohlfühlambiente gesorgt. Zudem haben wir die glückliche Situation zwar stadtnah aber direkt in der Natur zu wohnen. 50 Meter hinter dem Haus kann ich tagelang durch Feld, Wald und Flur des Taunus wandern, laufen, biken oder spazieren gehen. Und falls uns das zu langweilige wird, hüpfen wir mal schnell nach Oberbayern an unseren geliebten Tegernsee. Wir haben wirklich keinen Anlass über die Corona-Situation zu jammern, sondern akzeptieren diese einfach. Natürlich fehlen uns auch ab und an das Feiern und die gemeinsamen Stunden mit unseren liebsten Freunden, Konzertbesuche, Stadt- und Weinfeste oder, wie jetzt wieder aktuell, ein schöner Restaurantbesuch. Mir ist allerdings auch klar, dass dies je nach Lebenssituation leider nicht alle so entspannt sehen können.
Urkunde WI

Sportlich war 2020 das Jahr, in dem ich nach meiner Revision-OP 2018 wirklich absolut keinerlei Einschränkungen mehr hatte. Am Ende standen über 1000 schmerzfreie Lauf- und Wander- und Gehkilometer auf dem Tacho, dazu noch 400 MTB-Kilometer. Beim Laufen liegen die Kilometerzeiten durch mein neues ‚Langsamlaufen‘ zwar 30 % über denen zu meinen besten Doppel-TEP Halbmarathon-Zeiten, aber das ist für mich absolut in Ordnung. Es war mir sogar möglich, einen 5 km Pandemie-Laufwettkampf, den Midsummer-Run in Wiesbaden, für einen guten Zweck in einer für mich recht ordentlichen Zeit zu absolvieren. Sehr schön war auch, dass ich zusammen mit meiner Tochter auf Grund ihres geschlossenen Fitness-Studios, eine Dad- and Daughter-Challenge starten konnte.
Lediglich meinen Tischtennis-Sport musste ich seit April 2020 nahezu auf null reduzieren und damit auch auf die schönen gemeinsamen Stunden mit meinen TT-Freunden nach einem Punktspiel verzichten.

Ausblick 2021
Lasst uns für 2021 alle optimistisch bleiben und vor allen Dingen Rücksicht auf andere nehmen.
Lasst uns alle die Corona-Regeln befolgen, gebt dem Virus möglichst wenig Verbreitungschancen und weist die Impfgegner, Coronaleugner und Verschwörungstheoretiker in Eurem Umfeld in die Schranken und lasst Euch bitte selbst impfen sobald es möglich ist.
Dann bin ich sicher, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit gelassen auf die zwei Pandemie-Jahre zurückblicken und uns alle freuen, wieder wie gewohnt leben zu können, die demokratischen Freiheiten zu genießen, unbeschränkt Reisen zu können und vielleicht trotzdem die eine oder andere ‚alte‘ Verhaltensweise zu überdenken. Vielleicht ist es wie bei der Reha und dem Aufbautraining nach einem Gelenkersatz: ‚Weniger ist mehr!‘

Sport mit TEP, Kostendruck in der Endoprothetik und konservative Therapien

Vergangene Woche gab es eine Online-Pressekonferenz (PK) der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) anlässlich des 22. AE-Kongresses vom 2. bis 4. Dezember 2020 in Düsseldorf „Endoprothetik im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Innovation“.
In der einstündigen PK gab es drei wirklich sehr interessante Themenblöcke:

  • Corona-Pandemie: Wie kommen Arthrose-Patienten gut durch diese Zeit? Und wann muss spätestens operiert werden? Ein Update der konservativen Möglichkeiten
    Priv.-Doz. Dr. Stephan Kirschner, MBA
    Vizepräsident der AE, Direktor der Klinik für Orthopädie der St. Vincentius- Kliniken, Karlsruhe
  • Sport mit Hüft- und Knieprothese – Ist die Angst vor einer Lockerung oder einem Implantatbruch noch berechtigt?
    Professor Dr. med. Carsten Perka
    Generalsekretär der AE, Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Hüft- und Knieprothesen: Ziel ist lebenslange Haltbarkeit – Was Materialien, OP-Robotik, 3-D-Prothesen und weitere Innovationen heute dazu beitragen können
    Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller
    Präsident der AE, Ärztlicher Direktor des Herzogin Elisabeth Hospitals Braunschweig, Chefarzt der Orthopädischen Klinik

Im ersten Themenblock werden ausführlich die konservativen Therapien bei Arthrose besprochen.
Im zweiten Themenblock geht es darum, dass Sport und Bewegung mit einer TEP ausdrücklich erwünscht sind.
Der dritte Themenblock beschäftigt sich mit der Problematik des Kostendrucks, ganz besonders auch bei den spezialisierten Endoprothetik-Zentren, teils zu Lasten der Qualität der Implantate und der Innovationen.

Allen drei Bereiche wurden zwar hier im Blog und auch auf unserer Mut zur neuen Hüfte! bereits thematisiert.
Aber es ist wesentlich authentischer, wenn man diese Informationen direkt von den medizinischen Fachleuten hört und sieht. Ich kann diese einstündige, wirklich kurzweilige PK, jedem Interessierten und/oder Betroffenen nur ans Herz legen.
Die Pressemappe mit den Wortbeiträgen kann hier direkt als PDF heruntergeladen werden.
Die Aufzeichnung der Online-PK gibt es hier. Allerdings ist dort eine Anmeldung mit Name und eMail-Adresse nötig, was aber nach Rücksprache mit der AE auch für ‚Nicht-Presseleute‘ durchaus erlaubt und gewünscht ist.

Sport mit Hüftprothese erwünscht

Do, 12. November 2020 4 Kommentare

Fortschritte in der Endoprothetik erlauben deutlich mehr Bewegung
Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE) – 12.11.2020

Freiburg – Yoga, Ballett, Skifahren: Der Anteil an Patienten mit einer Hüftprothese, die sportlich aktiv sein wollen, steigt. Doch wieviel Sport ist erlaubt, ohne dass die Betroffenen erhöhte Lockerungsraten oder Komplikationen wie ein Auskugeln ihres Kunstgelenks befürchten müssen? Die gute Nachricht: In der Hüftendoprothetik ermöglichen innovative Prothesenmaterialien, vielfältige Implantatmodelle und differenzierte, schonende OP-Techniken mittlerweile einen deutlich aktiveren Lebensstil. Dies sagt die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) im Vorfeld ihrer 22. Jahrestagung, die vom 2. bis 4. Dezember 2020 stattfindet. Patienten sollten vor dem Eingriff die gewünschten Sportarten mit ihrem Operateur besprechen. So könnte gezielt das bestmögliche Verfahren im Hinblick auf die zukünftigen Belastungen ausgewählt werden.

Sabine und Peter

Sabine und Peter beim langsamen Lauf mit insgesamt drei Hüft-TEPs – Okt 2020 – Foto: Inia Herrchen

Regelmäßige, moderate Bewegung kann vielen Krankheiten vorbeugen und verbessert Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Zudem hilft sie bei der Therapie zahlreicher Erkrankungen und Beschwerden. „Deshalb empfehlen wir unseren Patienten mit Ersatzgelenk heute tägliche körperliche Aktivität von mindestens einer Stunde“, sagt Universitäts-Professor Dr. med. Carsten Perka, Generalsekretär der AE und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskelettale Chirurgie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Charité Berlin. Dies gilt umso mehr, da 27 Prozent der Erwachsenen während der Corona-Pandemie zugenommen haben (1).

Doch dieser Ansatz ist neu: „In der Vergangenheit ist man davon ausgegangen, dass sportliche Betätigung zu vorzeitigem Materialverschleiß und anderen Problemen bei der Prothese führt“, sagt Perka. Verschleißpartikel etwa könnten eine Entzündungsreaktion rund um das Implantat mit Lockerung auslösen. Dann muss das Kunstgelenk vorzeitig ausgetauscht werden. Ärzte rieten ihren Patienten deshalb früher, das künstliche Gelenk möglichst nur zurückhaltend zu belasten. „Viele Patienten haben sich deshalb eher zu wenig bewegt“, so Perka. Doch diese Empfehlung sei überholt: „Die Endoprothetik hat sich in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt. Gerade die Hüftprothesen tolerieren heute deutlich mehr Aktivität.“

In der Hüftendoprothetik erlaubt etwa die heute bevorzugte Verwendung von modernem hochvernetztem Polyethylen oder neuartigen Mischkeramiken als Pfannenersatz einen deutlich aktiveren Lebenswandel, ohne dass erhöhte Lockerungsraten und Komplikationen befürchtet werden müssen. „Hochvernetztes Polyethylen zeigt ebenso wie die Keramik im Belastungs-Simulator extrem geringe Abriebraten“, so Perka. „Von daher können wir davon ausgehen, dass eine angemessene sportliche Betätigung das Risiko für eine abriebinduzierte Lockerung nicht ansteigen lässt.“ (2, 3)

„Aktivitäten, die zu einer gleichmäßigen, wenn auch intensiven Belastung der Prothese führen, wie langsames Joggen, Fahrradfahren, Ski-Langlauf, – sogenannte „Low-Impact“-Sportarten –, sind deshalb sicher unproblematisch“, führt Perka weiter aus. Dies gilt auch für alpines Skifahren. Man sollte es jedoch schon vor der Operation beherrscht haben, so der Orthopäde und Unfallchirurg. „Denn hier ist es wichtig, zu jedem Zeitpunkt die muskuläre Kontrolle über das Hüftgelenk zu behalten. Um sicher zu gehen, empfehlen wir auch, Pisten unter dem Schwierigkeitsniveau vor der Operation auszuwählen.“

Aber auch für Sportarten, die einen maximalen Bewegungsumfang erfordern, gibt es mittlerweile Lösungen. Denn Yoga, Ballett oder auch Rudern gehen mit einem erhöhten Risiko des Ausrenkens des Prothesenkopfes – einer sogenannten Luxation – einher. „Hier können wir heute einen Operationszugang auswählen, der die besonders belasteten Gewebestrukturen rund um das Gelenk intakt lässt“, so Perka. „Weitere Sicherheit gibt uns das Einsetzen eines extra großen Kunstgelenkkopfes.“ Erst wenige Jahre auf dem Markt sind auch Gelenkpfannen mit einer sogenannten tripolaren Gelenkpaarung („double mobility“). Durch diese Kombination führen selbst extreme Gelenkstellungen nicht zu einem Ausrenken der Prothese. „Hier müssen wir noch Langzeitdaten abwarten, ob diese neuen Gelenkpaarungen auch unter intensivster mechanischer Belastung gleich gute Langzeitergebnisse wie Hüftprothesen mit einer normalen Kopf-Inlay-Situationen erzielen“, räumt Perka ein. „Sicherlich sind sie aber schon jetzt eine gute Option für ältere Patienten mit Interesse an Yoga oder Dehnungsübungen oder für Patienten mit koordinativen Einschränkungen.“

„Wir müssen unsere Empfehlungen hinsichtlich der sportlichen Betätigung nach Implantation einer Hüftprothese anpassen und moderaten Sport nun nicht nur eindeutig erlauben, sondern empfehlen“, fasst Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, AE-Präsident und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig zusammen.

Mit folgenden wichtigen Ausnahmen: Sogenannte „Stop-and-Go-Sportarten“ wie Ballsportarten, extreme Ausdauerbelastungen und Sportarten mit intensivem Körperkontakt können die Haltbarkeit der Hüftprothese nach wie vor erheblich verkürzen.

Quellen:

(1) Virtuelles Expertengespräch zur FORSA-Studie „Veränderung von Lebensstil und Ernährung während der Corona-Pandemie“ mit Professor Hans Hauner am 16.10.20, ab Minute: 12.24: https://www.youtube.com/watch?v=FKFaDVfXN8U

(2) In Vorbereitung: J Clin Medicine, Recommendations for Patients with High Return to Sports Expectations after TKA remain controversial,

Tu-Lan Vu-Han, Clemens Gwinner, Carsten Perka and Sebastian Hardt

(3) In Vorbereitung: AOTS, Recommendations for Return to Sports After Total Hip Arthroplasty are Becoming Less Restrictive as Implants Improve, Tu-Lan Vu-Han, MD PhD et al.

Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. verfolgt als unabhängiger Verein seit 1996 das Ziel, die Lebensqualität von Patienten mit Gelenkerkrankungen und -verletzungen nachhaltig zu verbessern und deren Mobilität wiederherzustellen. Mit ihren Expertenteams bestehend aus führenden Orthopäden und Unfallchirurgen organisiert sie die Fortbildung von Ärzten und OP-Personal, entwickelt Patienteninformation und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die AE ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU).

Auf die Bremse, um dann wieder Gas zu geben

Mo, 6. Juli 2020 2 Kommentare

slowjogging

Pacemaker beim Slowjogging

Als Sportler seit Kindesbeinen kannte ich eigentlich immer nur eine Maxime: Vollgas geben, um sportlich weiter zu kommen und dabei stets alle sportlichen und körperlichen Reserven zu mobilisieren. Wer braucht als 20- oder 30-jähriger schon Regeneration? Ich hatte zudem das große Glück, mal von meinen allseits bekannten angeborenen Hüftproblemen abgesehen, von Verletzungen komplett verschont geblieben zu sein. So hatte mich zwar die erste Hüft-OP im Alter von 39 etwas ausgebremst, aber nicht lange. Nach der zweiten mit 51 kam es noch besser. Hüftseitig komplett wieder hergestellt mit zwei gleichlangen Beinen und perfekt arbeitenden künstlichen Gelenken ausgestattet, fühlte ich mich wieder wie in der alten Zeit und konnte dann nochmals sportlich richtig durchstarten für knapp 8 Jahre. Triathlon, Halbmarathon, 25-35 Laufkilometer die Woche, MTB, Ski-Langlauf im Winter und Tischtennis sowieso. Klar war, dass würde nicht ewig so weiter gehen. Zum einen wegen des fortschreitenden Alters zum anderen wegen nicht unendlich haltbarer künstlicher Gelenke. So kam es dann im April 2018 zu der erwarteten Zäsur: Komplett-Austausch des 21 Jahre alten künstlichen Gelenkes auf der linken Seite. Details hierzu gibt es sehr ausführlich unter der Rubrik Revision.
Mal von den ersten postoperativen Tagen abgesehen, in denen wenig bis sehr wenig ging, reifte zügig mein Plan, direkt mit der erlaubten Vollbelastung in der Reha natürlich wieder Vollgas zu geben. Aber hier hatte ich die Rechnung dann doch ohne den Wirt, bzw. in meinem Fall ohne Physiotherapeuten und ohne meinen Körper gemacht. Ich lernte sehr schnell: Viel hilft jetzt in dieser Situation nicht viel. So startet ich ab Juni 2018 meinen Bremsvorgang, hörte auf die Fachleute und arbeitete mich ganz langsam Schritt für Schritt nach vorne; konnte nach einem Jahr erstmals ohne Walking-Stock-Unterstützung eine kleine Strecke Laufen im Sinne von ganz langsam Joggen. Neben sehr vorsichtigem kleinen und langsamen Laufeinheiten, maximal zwei- bis dreimal pro Woche und maximal 3 – 4 Kilometer, habe ich stetig Muskelaufbau- und Stabi-Übungen eingebaut.

Urkunde

Midsummerrun 2020 in Wiesbaden

Selbst Hobby-Läufer werden nur müde lächeln, wenn ich meine 9-10 Minuten pro Laufkilometer hier postuliere. Aber wie heißt es so schön: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.
Wichtig war mir vor allen Dingen währen der sehr langen Aufbauphase eines: Auf keinen Fall etwas riskieren und keine meiner Aktivitäten sollte während oder danach irgendwelche Schmerzen oder auch nur ein kleines Zwicken erzeugen.
Ich hatte mir dann schon fast leicht übermütig vorgenommen, am zweiten Jahrestag meiner Revision, quasi als Belohnung für meine ungewohnte Zurückhaltung, einen kleinen Sprinttriathlon zu absolvieren ohne dabei das Lauftempo besonders steigern zu wollen. Hier machte dann Corona einen Strich durch die Rechnung. Da traf es sich gut, dass mit einem speziellen Konzept der Midsummerrun im Juni in Wiesbaden für einen guten Zweck stattfinden konnte.
Und siehe da, ich konnte dort, trotz der sehr moderaten und stets langsamen Trainingsläufe unerwartet, zumindest für meine Verhältnisse, Gas geben. Mein kleines Ziel, 5 Kilometer unter 45 Minuten zu laufen, konnte ich mit 39,20 Minuten sehr locker unterbieten. Das bedeutete eine Kilometerzeit von 8:11, auf dem letzten Kilometer sogar 7:15 Minuten pro Kilometer und ich hatte noch etwas Luft oben und war keineswegs ausgepowert im Zieleinlauf.
Mein Fazit: Bei mir hat sich meine Langsamkeit, mein Bremspedal, für mehr als zwei Jahre sehr positiv ausgewirkt. Viel hilft unter bestimmten Voraussetzungen eben nicht viel, wie mein Physio Marius Topf, dabei stets unterstützt von den Fachärzten, während meiner Reha immer wieder gebetsmühlenartig gepredigt hat. Heute bin ich ihm sehr dankbar dafür.

Kein Verschleiß von Gelenken durch strapaziöse Sportarten

Studie über zehn Jahre – Joggen und Aerobic lässt Kniegelenke nicht verschleißen
Ärztezeitung, 11.05.2020, von Dr. Elke Oberhofer

laufen

Quelle: Klicker / pixelio.de

Es wird oft kontrovers diskutiert, ob gelenkbelastende Sportarten wie Laufen (Joggen), Tennis oder auch Aerobic Gelenke früher verschleißen lassen. Diese Diskussion kommt auch regelmäßig bei künstlichen Gelenken auf, die aber nicht Gegenstand dieser Studie waren.

Die US-Forscher kommen darin vielleicht etwas überraschend zu dem Schluss (Zitat):

„Es sei ermutigend zu sehen, dass sich auch ältere Menschen mit hohem Arthroserisiko belasten könnten, ohne dass es langfristig zu nachweisbaren Gelenkabnutzungen komme.“

Den kompletten Artikel und den Aufbau der Studie mit fast 1200 Teilnehmern gibt es hier…

Entschleunigen um zu beschleunigen – was wir aus der Corona-Krise lernen könn(t)en

Mo, 13. April 2020 1 Kommentar

Die Welt steht still. Privat und gesellschaftlich. Die Wirtschaft legt eine heftige Rezessions-Pause ein und die Umwelt atmet dafür richtig auf – wer hat z.B. im Rhein-Main-Gebiet in den letzten Jahrzehnten je so einen klaren blauen Himmel gesehen?
Die Corona-Krise führt uns weltweit vor Augen, wie verletzlich wir und unser globales Wirtschaftssystem sind. Ein unsichtbares Etwas verändert unser Leben radikal von jetzt auf gleich. Ob alle aktuellen Maßnahmen richtig oder falsch sind, ist zumindest hier in meinem Blog nicht Thema und wird sich vermutlich auch erst in einigen Monaten oder gar Jahren in der Nachbetrachtung herausstellen.
Aber was zeigt uns die aktuelle Situation?
Sollten wir nicht alle hier in Deutschland jetzt wirklich zu schätzen wissen, was Freiheit bedeutet? Zu fahren und zu reisen wohin man will! Zu treffen und zu besuchen wen man will! Sich zu bewegen und zu feiern mit wem, wann und wo man will! Kaum einer von uns kennt es anders.
Jahrzehnte gab es nur eine Richtung: Schneller, höher, weiter, mehr Geld, mehr Wohlstand, mehr Egoismen.
Und was sehen wir nun? Berufe, die viel zu schlecht bezahlt und immer belächelt wurden, sind plötzlich systemrelevant. Andere, hoch angesehene und hoch dotierte Berufsgruppen, wie beispielsweise Piloten, sind aktuell völlig überflüssig.

Walking

Walking am Ostersonntag im Taunus

Und was hat das jetzt alles mit Endoprothese und Sport zu tun?
Ich bin nun seit fast 10 Jahren in Sachen Endoprothetik und Sport aktiv und stelle dabei zunehmend fest: Es geht nach einer Hüft- oder Knie-OP oft auch nur um schneller, höher und weiter. Statt Dankbarkeit und Demut an den Tag zu legen, dass die Ärzte etwas Wunderbares mit dem neuen künstlichen Gelenk geschaffen haben, wollen einige damit glänzen, dass sie nach wenigen Tagen bereits ohne Gehhilfen das Krankenhaus zehnmal umrundet haben. Ich nehme mich da selbst nicht ganz aus, habe ich doch nach meiner zweiten Hüft-TEP 2008 ähnlich Gas gegeben, was zum Glück funktioniert hat, aber mit dem Wissen von heute vielleicht eher fahrlässig war.
Ich selbst habe auch erst nach meiner Komplett-Revision 2018 gelernt etwas zu entschleunigen. Alles was vorher problemlos möglich war, war plötzlich extrem mühsam und oft schmerzhaft. Nur sehr langsam haben sich meine persönlichen Einschränkungen nach und nach sprichwörtlich „gelockert“ und wurden von mir auf einmal ganz anders wahrgenommen. Ein schmerzfreier Spaziergang wurde zum Tages-Highlight. Darüber hätte ich einige Jahre zuvor nach einem Halbmarathon-Finish nur gelächelt. Meinen ersten „runden“ Lauf (Joggen) ohne Walking-Stöcke nach ca. einem Jahr werde ich auch so schnell nicht vergessen.
Und nun in Corona-Zeiten weiß ich die aktuell wenige Freiheit zu schätzen und genieße es, in der Natur alleine oder mit meiner Liebsten zu Laufen, zu Walken und mit dem MTB unterwegs zu sein. Ganz ohne Wettkampfanspruch, einfach nur so, auch wenn ich mich für den inzwischen abgesagten Neroman angemeldet hatte – manchmal juckt es mich halt doch noch in den Fingern, respektive Füßen.
Bewegung ist Leben und eine gesunde Umgebung in frischer Luft gehört dazu.
Es benötigt wohl ab und an eine Erdung, um nicht übermütig zu werden und das zu genießen, was man hat. Das gilt in allen Lebensbereichen wie Familie, Beruf, Gesundheit, Sport, Bewegung, Verein, Freunde und Bekannte.
Manchmal müssen wir einfach entschleunigen, um danach wieder moderat und vor allen Dingen wertschätzend zu beschleunigen – aber vielleicht und hoffentlich um Einiges langsamer, reflektierter und dankbarer als vorher.

Alter und Revision-TEPs schützen vor Torheiten nicht

Mi, 5. Februar 2020 4 Kommentare

neromanSchon Anfang 2018 hatte ich vor meiner Revisons-OP den zarten Gedanken, vielleicht nach der OP, wenn genug Zeit verstrichen ist, zum 3. Mal am Neroman in Wiesbaden teilzunehmen. Hatte ich die Premiere doch ziemlich exakt ein Jahr nach meiner letzten Hüft-TEP Operation (rechts) im Jahr 2009. Diesen Gedanken hatte ich aber dann bereits am 26.4.2018 – einen Tag nach der Revision-OP – schnell ad acta gelegt. Beim betrachten des Röntgenbildes und dem Anblick der Metall-Konstruktionen in meinem linken Oberschenkel, schien die Idee verrückt und unrealistisch. Wer mein Revisions-Tagebuch verfolgt hat, weiß wie langwierig und schwierig die vollständige Genesung und der langsame Aufbau meiner körperlichen Fitness war. Es hat gut ein Jahr gedauert, bis ich ohne Walking-Stöcke völlig problemlos lange Strecken ohne ein gefühltes und sichtbares leichtes Einknicken auf der operierten Seite gehen konnte. Ab dieser Zeit habe ich dann wieder – sehr besonnen und ganz langsam – mit kurzen vorsichtigen Laufeinheiten begonnen. Innerhalb der letzten 12 Monate kamen somit durchschnittlich sehr moderate 5,5 Laufkilometer pro Woche, immer in langsamen Tempo und mit kurzen Schrittlängen, zusammen. Ich war einfach nur froh, mich wieder absolut schmerzfrei laufend in der Natur bewegt zu können. Ich ertappte mich allerdings das eine oder andere Mal dabei, dass ich mich erneut in den ersten Wochen dieses Jahres mit dem Gedanken Neroman in Wiesbaden beschäftigte. Am 23.01.2020 habe ich mich dann tatsächlich auch angemeldet und werde, wenn alles nach Plan läuft, auf den Tag genau zwei Jahre nach meiner Revisions-OP meinen 3. Neroman absolvieren. Ich werde aber nichts erzwingen und auf gar keinen Fall meine Laufumfänge erhöhen oder versuchen schnell(er) zu laufen. Das gelenkschonende Schwimm- und Radtraining werde ich natürlich etwas intensivieren.
Allerdings kämpfe ich, während ich diese Zeilen schreibe mit Schmerzen im ISG links, die bis in den Oberschenkel ziehen. Diese kamen aus heiterem Himmel und hatte ich tatsächlich noch nie in meinem ganzen Leben, trotz dreier Hüft-TEP OPs und dauerhafter sportlicher Betätigung.
Sollte ich das nicht zeitnah in den Griff bekommen, wird es schwierig mit meinem oben beschrieben Ziel.
Neben dieser kleinen sportlichen und ungeplanten ISG-Herausforderung, plane ich 2020 mein TEPFIT- und Endoprothesen-Netzwerk zu vergrößern und mit einem eigenen Podcast-Kanal für meine aktuellen Leser, neuen Zuhörer und hoffentlich vielen neuen Interessierten an den Start zu gehen. Neben unserem TEPFIT-YouTube-Kanal wird dies eine weitere Informations-Quelle für Betroffene sein, sich rund um Arthrose, Gelenk-Probleme, OP-Vermeidung, Tipps vor und nach einer OP und aktuellen Fragen, die mir täglich begegnen, bequem im Auto, auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder wo auch immer sonst, rein auditiv zu informieren. Das Intro so oder so ähnlich gibt es schon mal hier zum reinhören.

KnorpelKompetenzNetzwerk e.V.
kkn-logoVor gut eineinhalb Jahren wurde unter Federführung des GK-Bonn und deren Chefärzte Dr. Holger Haas und Dr. Jochen Müller-Stromberg der Verein KnorpelKompetenzNetzwerk e.V. gegründet, der sich als Bindeglied zwischen optimaler Behandlung und Patient versteht.

Dr. Müller-Stromberg führt dazu aus:

Im KnorpelKompetenzNetzwerk ist eine Gruppe von erfahrenen, besonders geschulten Ärzten und Therapeuten zusammengeführt, die untereinander abgestimmt agieren, eine optimierte Kommunikation führen und sich dabei dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis sowie den geltenden Leitlinien verpflichtet sehen.
Durch die enge Verzahnung der Mitglieder haben die Patienten kurzfristig Zugriff auf fundierte Beurteilungen ihrer Gesundheitssituation im Sinne einer Zweitmeinung.
Durch das Netzwerk erhält der Patient neben einer objektiven Beratung kurzfristig die notwendige, wissenschaftlich anerkannte Therapie, um die oft schwerwiegenden Folgen einer im Frühstadium verzögerten Therapie zu vermeiden.
Das Netzwerk steht offen für verschiedene Berufsgruppen, um alle notwendigen Kompetenzen zu bündeln. Neben Orthopäden und Unfallchirurgen sollen weitere Ärzte mit spezieller Qualifikation einbezogen werden. Dabei muss auch eine ernährungs- und sportmedizinische Beratung erfolgen. Mit der Einbindung von Physiotherapeuten und Sportmedizinern wird der zentrale Aspekt einer gezielten körperlichen Aktivität für die Behandlung und Prävention von Erkrankungen des Gelenkknorpels betont.
Die Beratung und Behandlung eines Patienten mit Knorpelschaden bzw. beginnender Arthrose ist trotz aller vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse stets individuell auf diesen Patienten abzustimmen.

Die Satzung des Vereines kann hier heruntergeladen werden.
Der Verein finanziert sich größtenteils aus Spenden. Mit einem schriftlichen Antrag an den Vorstand können auch Nicht-Mediziner Mitglied werden. Diese Chance habe ich wahrgenommen und bin hocherfreut, dass meine Mitgliedschaft ab 1. Februar 2020 bestätigt wurde. Ich werde versuchen, im Rahmen meiner „nichtmedizinischen“ Möglichkeiten und aus Sicht der Betroffenen, aktiv mitzuwirken und auch die eine oder andere Spende zu akquirieren. Ausführliche Informationen gibt es auf der Vereins-Webseite.
Ich finde diese Initiative ganz hervorragend. Bietet sie doch aus meiner Sicht Möglichkeiten, Kompetenzen zur Erforschung der Knorpelzüchtung und Knorpelregeneration zu bündeln, um in absehbarer Zeit hier neue Behandlungsmöglichkeiten für Arthrose-Betroffene zu schaffen und bereits heute, den oft vernachlässigten Ansatz einer ganzheitlichen Therapie anzubieten.

Zurück im wohldosierten Sportlerleben – mein ganz persönlicher Rückblick 2019

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Hiking zum Wasserfall im Jonkershoek Nature Reserve

Meine regelmäßigen Leser wissen, dass mein Revisions-Jahr 2018 ein schwieriges Jahr war, mit zumindest im April noch ungewissem Ausgang. Ein Jahr später, im April 2019 war das so gut wie vergessen. Seit Frühjahr diesen Jahres ist es mir wieder völlig schmerzfrei und problemlos möglich, meine sportlichen Aktivitäten wie Biken, Laufen, Wandern, Tischtennis und kurz vor der Schneeschmelze im Frühjahr noch eine Ski-Langlaufeinheit zu absolvieren. Alles wohl dosiert und besonders beim Laufen mit kurzen (max. 5 km) und sehr langsamen Einheiten.

So kamen 2019 immerhin 1,8 Mio Schritte mit einer Distanz von 1.600 Kilometern zusammen, von denen ich 2018 bei meinen Crutch-Walking-Versuchen nur träumen konnte. Auf das Laufen entfielen davon zwar nur knapp 280 km – waren es in den Jahren 2010-2012 doch jeweils noch über 1000 Laufkilometer – aber das ist Geschichte und ich bin glücklich, dass ich überhaupt wieder absolut schmerzfrei und ohne jegliche Beschwerden laufen kann. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich im Sommer dieses Jahres auch ein eMTB getestet und war doch sehr angenehm überrascht. Die Dokumentation meines Selbstversuches lest Ihr hier.

Tegernsee

Sport und Bewegung, sogar mit Tochter bei Traumwetter

Eine schöne Abwechslung war auch der nunmehr fünfte Südafrika-Urlaub Anfang des Jahres mit meiner Liebsten und besten Freuden. Es ist einfach gut für Körper und Geist, wenn man statt eines meist grauen und dunklen Januars in unseren Breitengraden, den Hochsommer mit Licht und Wärme an der südlichen Spitze Afrikas genießen kann. Dort war ich übrigens auch 80 Kilometer zu Fuß unterwegs.

Genauso schön – zumindest bei bayerisch blau-weißem Wetter – wenn auch meist zu kurz, waren die Auftank-Tage am Tegernsee, die ich mir dieses Jahr auch einige Male nur über das Wochenende mit einer hohen Aktivitätsdichte gegönnt habe. Praktisch auch, dass ein alter Bekannter, der bereits in der Erstauflage unseres Buches „Mut zur neuen Hüfte!“ mitgewirkt hat, seinen Lebensmittelpunkt an den Tegernsee verlegt hat. Der Diplom-Sportlehrer, Certified RolferTM und Faszienexperte Markus Roßmann betreibt in Bad Wiessee zusammen mit seiner lieben Frau Sylke eine Gesundheits- und Friseur-Lounge. Wir haben uns dieses Jahr bereits mehrere Male getroffen und auch zusammen ein Video „TEPFIT trifft Faszie“ gedreht.

Unsere Facebook-TEPFIT Gruppe ist 2019 erneut um knapp über 800 Mitglieder gewachsen, fast 6000 Beiträge und 120.000 Kommentare wurden hinterlassen und die ‚Views‘ dieses Blogs haben die 300.000er Marke überschritten. Außerdem wurden dieses Jahr 12 neue Video-Clips zusammen mit meiner lieben Mitautorin Heidi Rauch für unseren TEPFIT-Youtube-Kanal produziert.

Kapstadt

In Kapstadt mit meiner Liebsten im Januar 2019

Die Weihnachtstage, Silvester und Neujahr verbringen wir wie jedes Jahr traditionsgemäß mit vielen Freunden am traumhaften Tegernsee. Bisher leider noch weitestgehend schneelos, aber das wird schon noch – schließlich sind für die Weihnachtstage Schneefälle angesagt.

Und was steht 2020 auf meinem Plan?
Zum einen unterstütze ich gerade ein spannendes Projekt eines Startups im Bereich „Digital Health“ für Betroffene mit Hüftarthrose – dazu gibt es hier Anfang Januar weitere Details. Zum anderen spiele ich mit dem zugegebenermaßen leicht verrückten Gedanken, Ende April 2020 zum dritten Mal am Neroman in Wiesbaden teilzunehmen, den ich zum ersten Mal 2009 absolviert habe. Mal schauen, ob es was wird. Ansonsten werde ich auch 2020 meine Freizeit nach wie vor mit meiner Liebsten, meinen Freunden, mit viel Bewegung und Sport, ab und an mit einem guten Glas Wein und hoffentlich gesund verbringen.

In diesem Sinne Euch allen ein paar friedliche, geruhsame oder noch besser bewegungsreiche Weihnachtstage und einen guten und vor allen Dingen gesunden Start ins Jahr 2020.

 

Bewegung und Sport mit Arthrose – das Vivea-Hotel im Ötztal macht’s möglich

Er scheint ein Teufelskreislauf zu sein. Gelenke wollen und müssen bewegt werden, damit diese funktionieren und der Knorpel mit genug Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) versorgt wird. Der Gelenkverschleiß ist ein normaler Prozess, der heute mehr Menschen betrifft als früher auf Grund der höheren Lebenserwartung. Aber nicht jeder natürliche Gelenkverschleiß macht sich mit Schmerzen bemerkbar. Wenn dies jedoch der Fall ist, versuchen die meisten Betroffenen das Gelenk zu schonen.

Vivea

Vivea Gesundheitshotel Umhausen – Ötztal

Aber genau hier beginnt die Krux: Gerade mit Arthrose ist es extrem wichtig, dass das Gelenk nicht geschont, sondern stetig und moderat bewegt wird. Mit Schmerzen ist das allerdings dauerhaft schwierig. Und so kam meine Blogger-Freundin Barbara Egger, die das Arthroseforum Austria sowie ihren Blog Tirolturtle betreibt, letztes Jahr auf die Idee, eine Arthrose-Urlaubswoche in sehr schöner und angenehmer Umgebung mit verschiedenen Therapien für die geschundenen Gelenke und vor allen Dingen auch mit sportlichen, bzw. bewegungsreichen Einheiten ins Leben zu rufen. Jetzt musste nur noch ein Hotel mit passender Ausstattung gefunden werden, welches diese Idee auch unterstützt. Und hier kommt das vier Sterne-Hotel Vivea Gesundheitshotel Umhausen im Ötztal ins Spiel. Der emphatische und aufgeschlossene Hotelmanager Michael Rupp war sofort Feuer und Flamme. So gab es im April 2018 die erste Arthrose Gesundheitswoche in Umhausen, quasi als Testlauf. Neben der Initiatorin Barbara Egger, durfte auch ich, zusammen mit meiner Mitautorin Heidi Rauch, einige Tage in dieses innovative Programm eintauchen. Zudem hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, Heidi und mich – im Rahmen unserer Buchvorstellungen „Mut zur neuen Hüfte!!“ und „Mut zum neuen Knie!“ – nach unseren Erfahrungen mit insgesamt vier Hüft-TEPs zu befragen. Nach dem großen Erfolg im April 2018 und den durchweg positiven Reaktionen der Teilnehmer, folgten weitere dieser erfolgreichen Arthrose-Wochen in 2018 und 2019.
So war es nur die logische Folge, dass nun ab 2020 die Arthrose-Woche ganzjährig zu einem sehr attraktiven Preis inkl. aller therapeutischen Leistungen (ärztliches Beratungsgespräch, Einzel- und Gruppen-Therapien, geführte Wanderungen, sanftes Yoga und vieles mehr), Vollpension, Wellness und Beauty (Hallenbad, Außenschwimmbad, Whirlpool, Sauna) und weiteren sehr attraktiven Angeboten im Programm ist. Alle Details und Preise finden Sie hier.
Somit haben alle Betroffenen jetzt jederzeit die hervorragende Gelegenheit in wunderschöner Umgebung im Winter wie im Sommer, etwas für die eigene Gesundheit, das Wohlbefinden und die Linderung der Arthroseschmerzen zu tun.

Video

Für das Video einfach das Bild anklicken

Zudem können sich alle untereinander in schöner Atmosphäre rege austauschen und etwas für die Stärkung des persönlichen Arthrose Selbstmanagements tun. Ich bin sicher, dass das bisher einzigartige Angebot, bestens angenommen wird und werde selbst versuchen, in 2020 auch ein paar Tage dabei sein zu können.
Den Informationsflyer können Sie hier herunterladen.
Wer schon mal einen eindrucksvollen Vorgeschmack aus seinen nächsten Urlaub haben möchte, dem empfehle ich nebenstehendes kurzes Video.

Dem Winterblues entkommen

Fr, 1. November 2019 1 Kommentar

Wissenschaftlich betrachtet ist der Winterblues eine „saisonal abhängige Depression“, kurz SAD oder auch Winterdepression genannt. Die einfache Ursache: Fehlendes Tageslicht.
Es ist November, passend und pünktlich begrüßt einem der Blick nach draußen, zumindest in Deutschland, meist mit Nieselregen, Nebel oder Hochnebel und nasser Kälte – trotz Klimawandel. Für einen Großteil der werktätigen Bevölkerung gibt es in der Woche für gut drei Monate keine arbeitsfreie Zeit mit Tageslicht.

Winterblues

Immer noch mehr Tageslicht als zuhause

Da fällt Sport und Bewegung im Freien naturgemäß schwer und meist etwas reduzierter aus. Die Motivation lässt bei vielen nach. Zu verlockend ist es ist doch, es sich zuhause auf der Couch gemütlich zu machen. Im Vorteil ist derjenige, der wie ich, noch einen Mannschaftssport in der Halle betreibt. Da gibt es keine Ausreden, schließlich warten ja die Team-Kollegen. Und natürlich, wie immer in der Winterjahreszeit, nimmt man sich vor, wieder verstärkt ins Fitness-Studio zu gehen und/oder gar mal eben schnell einen Vertrag für selbigen zu unterzeichnen, der meist zu teuer ist und viel zu wenig genutzt wird. Die Motivation sinkt schnell und geht zunehmend gegen null.
Aber wir kommt man raus aus der Motivationsfalle und bekämpft dem Winterblues? Hier spreche ich nicht diejenigen an, die ohnehin ganzjährig für Wettkämpfe trainieren und bei jedem Wetter, egal ob dunkel, kalt, regnerisch oder schneiend mit mehrstrahligen Halogen-Stirnlampen in Wald, Feld und Flur zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, sondern alle anderen, die ihren Sport und ihre Bewegung nur als Hobby ohne feste Trainingszeiten betreiben.
Als erstes sollte man sich keinen Stress machen. Wenn man mal keine Lust hat, dann einfach ohne Reue nichts tun und sich einen festen Vorsatz für den nächsten Tag fassen.
Allgemein werden mindestens 150 Minuten Sport und Bewegung pro Woche empfohlen – mehr ist natürlich besser. Zweieinhalb Stunden hat man aber mit Sicherheit am Wochenende Zeit, um sich bei Tageslicht in Freien zu bewegen. Auch ein strammer Spaziergang oder leichter und lockerer Lauf im Nebel kann seine Reize haben. Tageslicht ist besonders wichtig für Körper und Geist und der Bekämpfung der SAD – das weiß auch die Apotheken-Umschau. Auch eine Mittagspause kann man statt in der Kantine für einen Gang ins Freien nutzen. Suchen Sie sich Gleichgesinnte. Verabreden Sie sich. Zu zweit oder in einer Gruppe macht alles viel mehr Spaß und ein gewisser Gruppenzwang schadet in diesem Fall überhaupt nichts.
Bei einem Spaziergang in der Natur liefert auch ein bedeckter Wintertag eine Tageslicht-Dosis von bis zu 4.000 Lux. Wer im Winter zuhause bleibt und dadurch zu wenig Tageslicht erhält, hat eine sehr viel geringere Vitamin-D-Konzentration im Blut als Menschen, die sich viel im Freien aufhalten. Tageslicht regt die Atmung und den Kreislauf an und die Lichteinwirkung fördert die Durchblutung und den Stoffwechsel. D.h.: Auch alle, die sich als Hallensportler in der Woche genug bewegen, sollten trotzdem spätestens am Wochenende raus. Aber natürlich ist Sport, Bewegung oder Krafttraining „Inhouse“ immer noch viel besser, als überhaupt nichts zu machen. Auch wenn dabei kein Vitamin D an die Haut kommt, fühlt man sich nach einer Sporteinheit einfach besser. Es werden die müden Geister geweckt und das psychische Wohlbefinden gesteigert, weil der Körper Hormone wie Endorphin, Serotonin und Dopamin ausschüttet. Das macht uns glücklicher. Übrigens lassen sich auch aus profanen Alltagstätigkeiten kleine Bewegungs- und Kraft-Workouts gestalten. Der Sportorthopäde Dr. Georg Kaupe beschreibt das ganz gut in seinem Blog-Beitrag „Wechsel-Strom“, der mit folgendem Zitat endet:
„Egal was Sie tun, tun sie es bewusst und mit Phantasie! Gestern ist vorbei. Was morgen passiert wissen wir nicht! Heute haben Sie es in der Hand!“
Im diesem Sinne: Haltet gemeinsam mit mir durch, der nächste Frühling kommt bestimmt!