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Archive for the ‘Endoprothetik’ Category

Stationäre Reha beendet – Aber der Weg ist noch lang

Sa, 21. Juli 2018 1 Kommentar

Kapitel 7 – Die stationäre Reha hat am 13.7.2018, exakt 11 Wochen und 1 Tag nach der Revision-OP, geendet. Der Weg bis zum einwandfreien Gangbild, geschweige denn bis zu vollständigen Wiederherstellung, ist noch sehr lang und erfordert Ausdauer und Disziplin.

Ich habe mir das ‚Weniger ist Mehr‘ Prinzip zu Herzen genommen und versucht, die Balance zwischen Be- und Entlastung zu finden, nachdem mir das nun wirklich jeder nahe gelegt hat, vom Physiotherapeut bis zu allen Chefärzten!
Die letzten drei Wochen der stationären Reha waren daher gezeichnet von sehr moderatem Training im Wasser, im MTT, von täglichen physiotherapeutischen Behandlungen und längeren Ruhephasen. Beim MTT beschränkte ich mich neben regelmäßigem Ergometertraining (auch immer moderat, max 5 km mit langsam steigernden Wattzahlen bis max. 120 Watt) auf reines Stabilitätstraining nur mit Körperkraft (ohne Gewichte).

AntiGravity-Laufband

Im Wasser bin ich maximal 400 Meter pro Tag geschwommen und habe zusätzlich auch hier Stabilitätsübungen gemacht, z.B. mit der ‚Schwimm-Nudel‘! Wie das geht? Mit beiden Füßen etwa hüftbreit mittig auf die Nudel stellen und dann, ohne dass ein Teil der Füße den Boden berührt, vorwärts gehen, am besten ohne sich am Rand festzuhalten. Mehrmals wöchentlich hatte ich zusätzlich Einzel- und Gruppen-Training im Wasser. Zwischen meinen täglichen Anwendungen hatte ich immer längere Ruhephasen eingeplant und diese auch mit schwerem Herzen eingehalten. Man darf auch die täglichen 3-4 Laufkilometer inkl. Treppenstufen nicht vergessen, die einfach nur durch die ganz normalen Wege zur Physio, zum Essen, zum Schwimmbad und zum MTT zusammen kamen. Einen Aufzug für die 4 Stockwerke des St. Hubertus hatte ich übrigens auch von innen gesehen!

Das Highlight schlechthin war für mich persönlich das AntiGravity-Laufband. Hier lässt sich exakt einstellen, mit welchem Prozentsatz des Körpergewichtes man sich beim Laufen belastet. Ziel dabei ist, sich nur so stark zu belasten, dass man ein absolut rundes Laufbild hat. Gestartet wurde mit 50%, am Ende der Reha war ich dann immerhin auf 65%. Den Versuch, mit Schmerzmittel den Schmerz beim normalen Abdrücken des operierten Beines beim Gehen zu unterdrücken und damit vielleicht aus dem Schmerzgedächtnis zu löschen, habe ich nach 5 Tagen aufgegeben. Die gewünschte Wirkung wurde einfach nicht erzielt.

Nachdem ich zunächst auf Anraten eines Therapeuten die Gehhilfen gegen NW-Stöcke zumindest zeitweise getauscht hatte, habe ich auch das nach ein paar Tagen sein gelassen, da ich tatsächlich nur mit zwei Gehhilfen ein absolut sauberes Gangbild hatte. Auch die Gangschule hat mir das nochmals entsprechend bestätigt!

Sehr positiv verlief meine selbst initiierte Ultraschall-Untersuchung, die von einer sehr emphatischen und gründlichen Oberärztin durchgeführt wurde. Entgegen meinen Befürchtungen, es könnte sich noch ein größerer innerer Bluterguss gebildet haben, war die Sonographie absolut unauffällig und damit auch meine kleine Schrecksekunde vor Reha-Beginn ohne Folgen.
Ansonsten hat mir eine ‚Physio-Folterknechtin‘, Extrembergsteigerin in der Freizeit, meinen psoas major (großen Hüftbeuger) so bearbeitet, dass ich noch drei Tage etwas davon hatte. War aber kein Problem.
Die Abschluss-Untersuchung war auch positiv: Meine Blutwerte (besonders der HB- und der Entzündungswert) waren alle wieder im Normbereich. Zudem hatte ich seit der OP im April 2018 noch knapp sechs Kilogramm abgenommen – davon zwei während der stationären Reha.

Also alles eigentlich prima, oder?
Für mich persönlich noch nicht ganz. Ich kann eben ohne zwei Gehhilfen noch nicht rund Laufen/Gehen, da der quasi ärztlich verordnete 8-wöchige Muskelschwund nicht in vier Wochen aufgeholt werden konnte.
Nach der erste Woche wieder im Job – alles übrigens absolut problemlos – sind meine weiteren Genesungsschritte schon fest geplant. Neben zweimal Physio pro Woche, werde ich ab nächster Woche (KW 30) ins Physio FIT-Zentrum in Viersen für zunächst 12 Wochen gehen. Dort kann ich das MTT-Training der Reha eins zu eins fortführen. Im übrigen trifft es sich sehr gut, dass ab 1.11.2018 der Medical Park Borussia Mönchengladbach eröffnet. Dort werde ich mit Sicherheit bis zum Frühjahr 2019 Stammgast sein.
Ich bin tatsächlich – mit leichter Ungeduld – gespannt, wann ein absolut rundes Gangbild bei mir wieder Einzug hält.
Ihr erfahrt es als Erste hier in diesem Blog – vielleicht in Kapitel 8!

 

 

Mini-Rückschlag und zähe Reha-Fortschritte – Ist weniger doch mehr?

Fr, 29. Juni 2018 1 Kommentar

Kapitel 6 – Aus der kleinen Schrecksekunde wurden drei Tage Ungewissheit mit starken Schmerzen. Die Erklärung lieferte nach Ultraschall und Röntgen der Orthopäden vor Ort.

Keine Besserung der Schmerzen über Nacht trotz Schmerzmittel. Tagsüber Muskelbehandlung, Wärme und ein heißes Bad. Am 3. Tag war ich doch etwas besorgt und habe mir z.B. ausgemalt, dass sich eine Cerclage geöffnet haben könnte. Also direkt früh zur Orthopädie-Praxis vor Ort – Termine sind in Bayern, warum auch immer, überhaupt kein Problem – und ohne Wartezeit zum Fachorthopäden. Dieser machte, nach meiner kurzen Schilderung des kompletten Sachverhaltes, zunächst ein Ultraschall und danach auch ein Röntgenbild. Die Gute Nachricht: Auf dem Röntgenbild alles genau so, wie fünf Tage zuvor. Die etwas schlechtere lieferte die Ultraschalluntersuchung: Es ist ein kleines Hämatom ungefähr in der Mitte des Oberschenkels, direkt am Knochen, sichtbar. Die Erklärung des Orthopäden: Es könnte sich eine Verklebung oder eine kleine Naht gelöst haben, die dann etwas eingeblutet hat. Mein Operateur Dr. Schipp bestätigt diese Möglichkeit per Telefonat. Leider kann dieses Hämatom durchaus gut zwei bis drei Wochen ein Problem bereiten. Doch bereits am nächsten Tag, ist der Schmerz nur noch leicht zu spüren. Also einfach nochmals schnell ins Schwimmbad ‚gecrutched‘ und 600 Meter Kraulen absolviert. Abends dann ca. zwei Stunden ohne Gehhilfen stehend verbracht. Alles absolut problemlos.

Somit war ich optimistisch, dass das kleine ‚Problemchen‘ mein Reha-Programm nicht sonderlich beeinflussen würde.

Mein Zimmer

Montag, den 18.6.2018, nun endlich der Reha-Start und die lang ersehnte Aufnahme im Medical Park Bad Wiessee, St. Hubertus!
Um es kurz zu machen: Aufnahme schnell, zügig, freundlich und kompetent. Zimmer und Bad sehr geräumig und mit allem ausgestattet, was man benötigt (TV-Flat-Screen, Minibar, Schreibtisch, Sessel, Terrasse mit Liegestuhl).
Ebenso freundlich die Aufnahmegespräche bei den Schwestern und zwei Fachärzten.
Am nächsten Tag begannen dann die Therapie-Termine, die von mir in Abstimmung mit dem Stationsarzt noch nachjustiert wurden. So konnte ich ihn z.B. leicht davon überzeugen, dass die Motorschiene keinen Sinn mehr macht, zumal die Anfangseinstellung 70 Grad war. Ebenso habe ich den Lymphomat (eine Art automatische Lymphdrainage) streichen lassen, da ich weder Wasser noch Schwellungen im Oberschenkel habe. Dadurch, dass man das Medizinisch Technische Training, kurz MTT genannt, nach einer ersten Einweisung – die übrigens durch den gleichen Physiotherapeuten wie vor zehn Jahren stattgefunden hat – zu einer beliebigen Zeit zwischen 8:00 und 18:00 Uhr absolvieren kann, ließ es sich immer gut in den Tagesplan integrieren. Neben dem Stationsarzt, haben sich bei mir sowohl die Oberärztin wie auch die Chefärztin in der ersten Woche vorgestellt und sich dabei auch ausreichend Zeit für ein Gespräch genommen.
Die nächsten Tage waren geprägt von ‚Wiederherstellungsterminen‘ von früh morgens bis zum späten Nachmittag.

Selbstverständlich wurde auch mein Trainings-Programm zu Muskelkräftigung und Stabilität angepasst und erweitert. Neben bekannten Trainingseinheiten auf unterschiedlichen Wackelbrettern, seitlichem Beinstrecker, Ergometer, etc., konnte ich erstmals selbst das TRX®-Training (ein dreidimensionales Training, das alltagsnahe sowie sportartspezifische Bewegungsmuster ermöglicht) kennenlernen. Neben dem Muskel- und Stabilitätstraining bin ich täglich zwischen 300 und 500 Meter im Schwimmbad gekrault und habe danach noch meine Wasser-Geh-Übungen absolviert, teils selbstständig, teils mit Therapeut. Dazu kamen täglich fünf Radkilometer (Ergometer zwischen 80 und 110 Watt) und ca. vier Geh-Kilometer (Crutch-Walking), fast ausschließlich durch die Wege in der Einrichtung selbst. Besonders ‚cool‘ übrigens das ‚Anti-Gravity-Laufband‘, auf dem man mit einem frei einstellbaren Prozentsatz des eigenen Körpergewichtes Gehen oder Laufen kann. Dabei wird man zusätzlich von allen Seiten gefilmt und kann auf dem Monitor direkt erkennen, wo eventuell Defizite sind, bzw. die Bewegung nicht korrekt ausgeführt wird. Ich war davon überzeugt, dass ich das beschriebene Pensum in Korrelation zu meiner körperlichen Fitness wohl dosiert absolvierte, zumal ich mich abends stets wohlgefühlt habe und niemals einen Muskelkater verspürte oder etwa stark erschöpft war.

TRX-Training

Trotzdem bin ich nach neun Tagen Therapie- und Aufbauprogramm noch unzufrieden, da mir ohne Gehhilfen einfach kein rundes Gangbild gelingt. Bei der Belastung des operierten Beines spüre ich bei jedem Schritt (ohne Gehhilfen) ein Schmerz im Oberschenkel, der mich eine Ausweichbewegung machen lässt. Da der Schmerz genau an der Stelle aufritt, in der das Hämatom (vor nunmehr zwei Wochen) diagnostiziert wurde (siehe Kleine Schrecksekunde), bin ich mir nicht sicher, ob mein Muskeldefizit oder eben der Bluterguss dafür verantwortlich sind. Meine Physiotherapeuten meinen, dass meine Muskulatur sehr verhärtet und verspannt sei. Nach einer 40-minütigen physiotherapeutischen Muskellockerung hatte ich das erste Mal einen etwas verminderten Schmerz an der besagten Oberschenkel-Stelle. Ich solle deshalb weniger trainieren und meiner Muskulatur mehr Ruhe gönnen. Genau in dieser Ruhezeit schreibe ich jetzt den Blog-Artikel. Zusätzlich habe ich mit den Ärzten eine erneute Ultraschall-Kontrolle vereinbart um festzustellen, ob das Hämatom noch vorhanden, bzw. sichtbar ist. Auch habe ich im Arztgespräch angesprochen, ob ich vielleicht doch nochmals einige Tage Schmerzmittel nehmen sollte, um den Schmerz aus dem Schmerzgedächtnis zu verbannen. Diese Idee quittierte mein Doc leicht augenzwinkernd: „Wenn Sie aktuell keinerlei Schmerzmittel nehmen, ist das ja Meckern auf hohem Niveau!“. Möglicherweise hatte er damit ja sogar recht und ich sollte mich tatsächlich mal 3-4 Tage auf die Einnahme von Schmerzmitteln einlassen, um danach gemeinsam mit den Ärzten zu entscheiden, wie es am besten weitergehen soll.
Vielleicht sollte ich in den nächsten Tagen wirklich kein Krafttraining mehr für die Beine machen, sondern nur Training für den Oberkörper, Dehnübungen und leichtes Ergometer-Training bei sehr niedriger Wattzahl, neben den bereits feststehenden Terminen für Wärmetherapie, Fußdynamik und der Gangschule – auch wenn es verdammt schwer fällt.

Vielleicht ist ‚weniger doch mehr‘?

Vollbelastung mit Muskelaufbau endlich in Reichweite

Mi, 13. Juni 2018 3 Kommentare

Krauleinheit im Freibad – Rottach-Egern

Kapitel 5 – Nachdem die letzten Wochen geprägt waren von Geduld und Abwarten, ob der 8 Wochen Teilbelastung, ist ein Ende in Sicht: In wenigen Tagen beginnt die stationäre AGM (Anschlussgesundheitsmaßnahme) mit dem ärztlichen Auftrag meines Operateurs, in der ersten Woche die Gehhilfen ‚wegzutrainieren‘.

Die zurückliegenden 14 Tage sind eher unspektakulär verlaufen. Wie bisher wechselten sich tägliche ‚Crutch-Walking‘ Einheiten mit Physiotherapie und Ruhephasen ab. Vor einer Woche habe ich jedoch eine kleine zweite Stufe der Wiederherstellungsaktivitäten gestartet: Bin ich doch bisher insgesamt dreimal zum Sport-Freibad hin- und zurückgelaufen (insgesamt 2,5 km), um dort meine Bahnen zu ziehen. In Summe immerhin fast 2,5 Kraul-Kilometer plus Aqua-Jogging zum ‚Auslaufen‘. Den Kraul-Beinschlag habe ich bei meinem Bahnenziehen dabei natürlich noch recht vorsichtig ausgeführt, um die Muskel am operierten Bein nicht zu überreizen.

Vorgestern, am 11.6.2018, endlich der ersehnte Kontrolltermin in der endogap – Klinik für Gelenkersatz und Garmisch-Partenkirchen bei meinem Operateur Dr. Rolf Schipp. Er ist mit dem aktuellen Röntgenbild zufrieden. Alles sieht perfekt aus und das Implantat befindet sich immer noch exakt an der richtigen Position (kein Nachrutschen und keine Dezentrierung oder Ähnliches), was bei komplexen Revisions-OPs dieser Art nicht selbstverständlich ist. Zudem ist bereits in dem Knochenspalt, der durch den Wagnerzugang (Siehe Erläuterung in Kapitel 2) entstanden ist, zu erkennen, dass der Heilungsprozess, die körpereigene Reparatur dieses Defektes, begonnen hat. Fast euphorisch konnte ich somit direkt nach der Kontrolle mit ärztlicher Erlaubnis ins Vierpunkt ‚Crutch-Walking‘ übergehen. Kleine Tests am Folgetag mit ‚Nordic Walking Stöcken‘ und dem ‚Cross-Shaper‘ verliefen allerdings noch negativ!

Futuristische Eingangshalle endogap – Klinikum GAP

AHB, bzw. Reha-TIPP für Arbeitnehmer
Nachfolgend ein paar Tipps für alle, die mit der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wg. ihrer AHB oder Reha in der Wunscheinrichtung nach einer OP zu kämpfen haben.
Bei Ablehnungen oder auf sich wartenden Bescheiden ist, wie oft im Leben, Eigeninitiative und Hartnäckigkeit gefragt. Dies beginnt schon mit dem Sozialdienst im Krankenhaus, der die AHB bereits einige Wochen vor dem feststehenden OP-Termin direkt mit der Wunscheinrichtung vereinbaren kann. In diesem Fall gibt es generell kein Problem mit der Kostenübernahme durch die Rentenversicherung. Hier einfach den Sozialdienst einige Wochen vor der OP anrufen. AHBs ganz zeitnah im Anschluss an eine OP sind in der Regel deshalb komplikationslos, weil die Reha-Einrichtung direkt mit der DRV abrechnen kann. Ungleich schwieriger wird es, wenn die AHB, die dann AGM (Anschlussgesundheitsmaßnahme) heißt, aus medizinischen Gründen wie bei mir erst ca. 8 Wochen nach der OP stattfinden soll. Hier stellt auch der Sozialdienst des Krankenhauses den angepassten Antrag (AGM statt AHB), aber das geht dann erst an die Deutsche Rentenversicherung, die diese Maßnahme genehmigen muss und dann (hoffentlich) direkt mit der Wunsch-Rehaeinrichtung Kontakt aufnimmt.
Dieses Verfahren ist mehr als zäh. Bei mir hat es exakt 6 Wochen ab Antragstellung durch den Sozialdienst der Krankenhauses gedauert, bis ich meine Wunsch-Reha genehmigt hatte. Dazwischen lagen in Summe fast sechs Stunden Telefonwarteschleifen mit nerviger Musik bei der DRV, unzählige Mails, Telefonate, falsche Bescheide, nicht angekommene Bescheide und dann am Schluss endlich, nur durch eindringliche telefonische Überzeugungskraft meinerseits, eine mündliche positive Aussage (die Telefonmitarbeiter dürfen nämlich den Inhalt des Bescheides eigentlich nicht mitteilen) und fast zeitgleich, statt Zustellung des Bescheides per Post, eine ebenfalls eingeforderte Zustellung per Fax. Der Bescheid per Post ist übrigens bis heute noch noch nicht angekommen. Sehr lobend möchte ich ausdrücklich den Sozialdienst der endogap erwähnen, der mich bei meinen Bemühen nach Kräften unterstützt hat (telefonisch und per Mail), sowie die Reha-Klinik Medical Park St. Hubertus in Bad Wiessee. Nachdem ich um ca. 10:00 Uhr morgens endlich das Genehmigungs-Fax der DRV in meinen Händen hatte, habe ich dieses per Mail einige Minuten später an die zentrale Reservierung des Medical Parks gesandt. Bereits knapp sechs Stunden später hatte ich die Zusage für meinen Wunschtermin 18.6.2018, ebenfalls per Mail. Schneller geht es kaum!

PNF – Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation
Schon mal etwas von Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, kurz PNF genannt, gehört?
Nein, ich auch nicht bis vor einigen Tagen. Da bei meinem letzten Physio-Termin meine ‚Stamm‘-Physiotherapeutin Julia in Urlaub weilte, nahm sich ihr Kollege Uwe meiner Revision-Hüfte an. Außer dass er meine nicht ganz so lockeren Adduktoren kräftig und erfolgreich bearbeitet hat, haben wir über einige Themen der Physiotherapie geplaudert und kamen dabei auch auf Nervenschädigungen zu sprechen, wie sie leider vereinzelt bei Hüfte-OPs auftreten können. Auch ich hatte vor meiner komplizierten Revisions-OP etwas Angst davor. Meiner Aussage, dass in Falle von größeren Nervenschädigungen, diese praktisch nicht mehr zu reparieren seien, widersprach mir Uwe unter Hinweis auf PNF, um mir diese Therapie dann zu erläutern und mit dem Beispiel eines Schlaganfall-Patienten zu belegen. Hier war es mit der PNF-Therapie gelungen, das Gehen, dass vorher nur mit einem Vierfuß-Gehstock möglich war, nach einiger Zeit ohne zu schaffen.
Die PNF-Therapie darf nur von speziell dafür weitergebildeten Physiotherapeuten durchgeführt werden.
Ein spannendes Thema, dass ich in jedem Fall weiterverfolgen werde.

Kleine Schrecksekunde
War ich vielleicht zu euphorisch nach der endogap-Kontrolle am Montag? Kurz vor meinem letzten Physio-Termin zwei Tage später bei Julia, in meiner Lieblings-Physiotherapie-Praxis am See, hatte ich bei einer Belastung des operierten Beines bei einem ganz normalen Schritt in der Wohnung wie aus heiteren Himmel ein sehr schmerzhaftes ‚Schnalzen‘ eines Oberschenkelmuskels.

Physiotherapie am See: Oben, einer der großzügigen Therapie-Räume, links das Team mit Robin, Julia und Uwe, rechts dürfen natürlich unsere Buch-Flyer auf dem Tresen nicht fehlen

In der Folge quittierte der Muskel mit ‚Zumachen‘ und Schmerzen bei Belastung. Gut, dass zwei Stunden später eine komplette Physiotherapie-Stunde bei Julia anstand, in der sie meine Oberschenkelmuskulatur akribisch – auch mit Wärmeunterstützung – bearbeitete und lockerte, um die Verhärtungen herauszubekommen. Das ist ihr auch gelungen.
Wer eine gute Physiotherapie-Praxis mit sehr kompetenten und empathischen Therapeuten im Tegernseer Tal sucht, ist hier wirklich bestens aufgehoben.
Trotzdem scheint mein Muskel jetzt irgendwie beleidigt zu sein und quittiert jeden Schritt, auch mit Gehhilfen, noch mit Schmerzen und ich bewege mich aktuell wie kurz nach der OP!
Julia hat mir noch feuchte Wärme für zu Hause verordnet. Bewegen soll ich aber das Bein auch in jedem Fall, um die Durchblutung anzuregen! Bin gespannt wie sich das Morgen früh nach der Nachtruhe anlässt.
Ihr erfahrt es natürlich hier – im nächsten Kapitel.

TEPFIT-Club und TEPFIT-YouTube-Kanal

TEPFIT Workshop 2018 in Hagen

Alle, die sich zu Themen im Zusammenhang mit Arthrose, Verhalten vor oder nach einer Gelenks-OP, mögliche sportliche Betätigungen, OP-Vermeidung und alternative Heilmethoden informieren und austauschen möchten, sei unser TEPFIT-Club empfohlen.

Ebenfalls steigender Beliebtheit erfreut sich unser TEPFIT-YouTube-Kanal. Hier werden regelmäßig in unterschiedlichen zeitlichen Abständen Informations-Videos rund um künstliche Gelenke, Bewegung, Sport und Tipps dazu veröffentlicht. Auch unsere realen TEPFIT-Treffen und -Workshops sind dort filmisch aufbereitet zu finden. Am besten den YouTube-Kanal einfach abonnieren, um kein neues Video zu verpassen.

Prehabilitation: Das richtige Training vor dem Eingriff

Für die Operation fit werden
Prehabilitation: Das richtige Training vor dem Eingriff
Von uns wird schon lange propagiert, möglichst fit in eine notwendige OP zu gehen. Auch in unseren Büchern ‚Mut zur neuen Hüfte!!‚ und ‚Mut zum neuen Knie!‚ weisen wir eindringlich darauf hin!
SWR-Wissen greift genau dieses Thema auf, auch mit einem Info-Video- und -Audio!
(SWR2 Impuls. Von Dorothea Brummerloh. Online: Anja Braun & Ralf Kölbel. Stand: 14.5.2018)

Operationen schlauchen den Körper – die Bettruhe danach schwächt die Muskeln. Um dem vorzubeugen, gibt es die Prehabilitation: Fitness-Training vor dem Eingriff – eine konsequente Weiterentwicklung der Rehabilitation.
Aktive Patienten verkraften die Nebenwirkungen einer Operation besser. Das ist bei Eingriffen wegen Brust-, Darm- und Prostatakrebs sowie Leukämie schon belegt. Die vorbeugende Bewegung fördert die Genesung. Doch auch große orthopädische Operationen wie ein Hüftgelenksersatz schlauchen den Körper. Prehabilitation soll das verhindern…. mehr

Hüft-TEP-Komplettrevision in 3 Phasen: Aufwärmen – Ausdauerwettkampf – Auslaufen

Di, 24. April 2018 1 Kommentar

Kapitel 1 – Aufwärmphase

Wie im letzten Beitrag schon angekündigt, bricht jetzt für ca. sechs Monate eine zumindest anfangs sehr bewegungsarme und sportlose Zeit an: Ein zäher Kampf, viel Physiotherapie, Gangschule, Hartnäckigkeit, Geduld, temporäre Unzufriedenheit, Anstrengungen im Alltag, nicht vermeidbare Rückschläge und das alles mit einem heute noch nicht bekannten Ausgang hinsichtlich der Sportfähigkeit und der kompletten beschwerdefreien Ausheilung am Ende des Weges.

Letzte MTB-Tour am 21.04.2018 am Tegernsee – vier Tage vor der Revision-OP

Mein linkes künstliches Hüftgelenk wurde 1997 in Hamburg einzementiert. Eine damals gängige Methode. Erste Anfänge mit nicht zementierten Implantaten gab es zwar schon vereinzelt, aber eben noch ohne Langzeiterfahrung. Somit war meine Entscheidung aus damaliger Sicht richtig. Nachdem dann 2008 in der endogap – Garmisch auch mein rechtes defektes Gelenk durch ein neues, künstliches und natürlich zementfreies ersetzt wurde, begann die Wiederaufnahme echter sportlicher Herausforderungen, wie Sie ja alle in diesem Blog verfolgen konnten.

Dabei natürlich stets im Hinterkopf, dass mein 97er rechtes Ersatzgelenk irgendwann aufgeben würde. Erste zarte Anzeichen gab es dann vor ca. vier Jahren (2014), sowohl radiologisch als auch mit minimalen gelegentlichen Beschwerden im Oberschenkel, ungefähr dort wo sich der Titan-Schaft befindet. Natürlich ließ ich meine beiden künstlichen Hüftgelenke immer jährlich kontrollieren, aber eine eindeutige Indikation, dass nun der exakt richtige Zeitpunkt für eine Revision gekommen sei, gab es nicht.
Bei der letzten Kontrolle 2017 in der endogap – Garmisch hatte ich dann mit Chefarzt Dr. Fulghum nach einem langen Gespräch vereinbart, dass wir die Revision-OP im April 2018 in Angriff nehmen werden. Eine doch langsam überfällige Entscheidung, da ansonsten durch die Lockerungen der verbleibende Knochen immer mehr geschädigt würde. Eine Woche zum Jahreswechsel 2017/2018, in der ich kaum noch 50 schmerzfreie Schritte machen konnte, bestätige meine getroffene Entscheidung dann eindrucksvoll.
Somit war klar: Die Aufwärmphase beginnt.
Mit Aufwärmen meine ich analog zum Sport die Zeit der mentalen und körperlichen Vorbereitung für die auf 25.04.2018 terminierte Wechsel-OP und des mit diesem Tag startenden langen Ausdauer-Wettkampfes. Dazu zählen für mich nachfolgende Punkte: Stets offener Umgang mit der OP, eine absolut positive Haltung zur getroffenen Entscheidung, alle notwendigen privaten sowie geschäftlichen Vorbereitungen treffen und das zum Auslaufmodell gewordene künstliche Gelenk in der kompletten Phase noch so gut und viel bewegen wie irgend möglich. Und natürlich gibt es auch bei mir immer mal wieder kurze Momente des Zweifelns, ob die OP denn jetzt wirklich schon nötig ist und zwar besonders dann, wenn ich mal wieder eine längere schmerzfreie Phase habe, die es durchaus gibt. Nach kurzer Für- und Wider-Abwägung sind die Zweifel aber auch schnell wieder ausgeräumt.
Zur Aufwärmphase gehörte dann bei mir auch noch eine Woche Urlaub vor der OP dazu, mit traumhaftem Wetter in herrlicher Berg- und Seekulisse im Kreise meiner Familie. Zeit zum Entspannen und Relaxen vor dem Eingriff – und um auch nicht am Morgen des Klinikaufnahme-Tages in Hektik zu verfallen, sind wir schon einen Tag vorher die wenigen 60 km nach Garmisch-Partenkirchen gefahren. Meine liebe Frau wollte sowieso in der Nähe sein und so haben wir uns in kurzer Entfernung zur Klinik in einem Gästehaus für zehn Tage eingemietet.

24.04.2018 – Aufnahme-Tag in der endogap
Dieser Tag sollte unerwartet sportlich werden. Zwischen 8:30 und 16:00 Uhr gab es volles Programm und da ich unbedingt den Aufzug vermeiden wollte, standen am Ende das Tages 6000 Schritte und 1200 Treppenstufen auf meinem Tageszähler.
Das bestens organisierte Aufnahmeprogramm hier nur in Stichworten:
Begrüßung am Eingang durch Kliniklotse und direkte Gepäckabgabe – Aufnahmedokumente unterzeichnen – in die Anbulanz/Aufnahme (1. Stock) zum ausführlichen 45 Minuten Arzt-Gespräch – Blutabnahme – zur Röntgenabteilung – zurück in die Ambulanz – Bezug des Zimmers im 6. Stock – zurück in die Ambulanz zwecks Narkosegespräch – Wartezeit zu lange, daher wieder in den 6. Stock zum Mittagessen – zurück in die Ambulanz – zufälliges meet and greet mit Dr. Chris Fulghum auf dem Flur – Narkosegespräch – erneut zum Röntgen für weitere spezielle Aufnahmen – zurück ins Zimmer auf einen schnellen Kaffee – ab ins Erdgeschoss zur Physio, zwecks Aufklärung für die Post-OP Tage und Übungen mit Gehhilfen – zurück in den 6. Stock auf meinen Haupt-Operateur Dr. Rolf Schipp warten – sympathisches, gründliches, aufklärendes und Mut machendes OP Gespräch mit Dr. Schipp – Chefarzt Dr. Chris Fulghum kam natürlich auch nochmal zur Beruhigung vorbei – nach 16:00 Uhr dann ins EG mit meiner Liebsten zur Cafeteria – danach in den sehr schönen Pateintengarten zum Abendsonnen – wieder aufs Zimmmer zur vorerst letzten festen Mahlzeit.

Abendsonne am Vor-OP-Abend im Patientengarten der endogap

Ergebnisse des Aufnahme-Tages
Vollnarkose notwendig, da OP -Dauer mindestens 2-3 Stunden, Komplettwechsel Pfanne und Schaft, besondere Herausforderung dabei: Die komplette Zemententfernung am Schaftende. Das neue Revisions-Implantat (Pfanne und Schaft) sollen zementfrei werden. Dies ist ggf. nur mit dem sog. Wagnerzugang möglich. Dazu mehr in den nächsten Kapiteln Wettkampf.
Abhängig vom OP-Verlauf wollte man offen lassen, ob ich Abends noch auf mein Zimmer komme oder auf der Intensivstation übernachte.

Tag 2 – OP-Tag
Da sich meine beiden Operateure und Leitenden Ärzte Dr. Rolf Schipp und Dr. Florian Wolpert nicht unter Zeitdruck setzten lassen wollten, wurde meine OP als letzte des Tages terminiert. Um 11:15 Uhr wurde ich im Zimmer abgeholt und exakt 12:25 Uhr ging bei mir dann im Kopf das Licht aus.
Die Aufwärmphase ist zu Ende, der Wettkampf hat begonnen!

 

 

Revolutionäre OP-Methode – TROPS und H-HIMIS stehen in den Startlöchern

So, 1. April 2018 1 Kommentar

H-HIMIS – Home interior miminimal invasive Surgery 01.04.2018 by Peter Herrchen

Wie das SMSJ (Scientific Medical Surgery Journal) in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, ist in der USA ein ganz neues Verfahren zur Implantation von Hüft-TEPs entwickelt worden, welches sowohl dem starken Kostendruck der Gesundheitssysteme als auch dem Wohle des Patienten in besonderem Maße Rechnung trägt.

Bilder wie hier in der endogap – Garmisch-Partenkirchen gehören Dank TROPS wohl bald der Vergangenheit an

Unter den Namen H-HIMIS – home interior minimal invasive surgery, (übersetzt: mininmal invasive Operation in heimischer Umgebung, ‚H‘ steht dabei für hip, englisch für Hüfte) können zukünftig in Erweiterung der inzwischen stark verbreiteten fachärztlichen Online-Diagnose und -Beratung im Internet, künstliche Gelenke per Live-Zuschaltung der entsprechend gebuchten Operateure ganz einfach im heimischen Wohn- oder Schlafzimmer erfolgen. Ein spezielles transportables Roboter-OPSystem – kurz TROPS genannt, dass nur zu Hause mit dem Internet verbunden werden muss, genügt. Nach vorheriger Termin-Vereinbarung mit dem Operateur, liefern die Krankenkassen TROPS mit dem passenden Implantat termingerecht frei Haus. Während Privatpatienten mit einer Prime-Lieferung innerhalb von 24 Stunden rechnen können, müssen gesetzlich Versicherte derzeit noch bis zu einem Jahr warten. „Sollte sich TROPS allerdings flächendeckend durchsetzen, könnten sich auch für diese Versichertengruppe die Wartezeiten deutlich reduzieren“, so der Gesundheitsminister Jens Spahn auf Nachfrage der Endoprothese und Sport Redaktion.
Das simple TROPS-Setup ermöglicht auch den technisch weniger begabten Patienten, Familienangehörigen oder Freunden, das System einfach mit dem Internet zu verbinden und eine direkte Kommunikation mit dem Operateur aufzubauen. Eine Integration von Alexa und Siri ist bereits in Vorbereitung, Cortana soll dann später folgen.
Steht die Online-Verbindung und der Patient hat es sich auf dem heimischen Sofa oder Bett bequem gemacht, kann es auch schon los gehen. Erste OP-Versuche waren bereits sehr vielversprechend.

Null Infektionsrisiko durch Krankenhauskeimen
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Null Infektionsrisiko durch die gefährlichen Krankenhauskeime, signifikante Reduzierung der Anzahl der OP-Räume und des zugehörigen OP- und Pflege-Personals, keine OP Teams mehr notwendig und massive Betten-Einsparungen in den Kliniken, um nur einige der Vorteile zu nennen.
Dazu kommt natürlich das Wohlfühlambiente des Patienten als einer der größten Pluspunkte. Statt in Zwei- oder Dreibettzimmern in fremden Betten zu liegen, kann der Patient direkt nach der OP entspannt in seiner gewohnten Umgebung verbleiben und damit auch die teilweise schlechte Krankenhausverpflegung umgehen. Durch die in TROPS ebenfalls integrierte Online-Hilfe erlernen die Angehörigen schnell und effizient die ersten Handgriffe nach den OP. In Notfällen kann durch Drücken eines Emergency Buttons auch mit einem Facharzt sehr zügig Kontakt aufgenommen werden. Dieser Button ist allerdings nur bei privat versicherten Patienten standardmäßig aktiviert. Kassenpatienten können diese Leistung aber im Vorfeld, ähnlich wie heute bereits die IGeL-Leistungen, dazu buchen.

Wann genau TROPS in Deutschland verfügbar sein wird, konnte und der Erfinder Prof. Dr. Dr. med. Maximilian Templateman auf Nachfrage noch nicht mitteilen. Es gäbe lt. seiner Aussage auch noch einige Herausforderungen zu meistern. Bei den ersten Test-OPs hat das Zusatzmodul AA (anesthesia automation) nicht immer zuverlässig funktioniert. Erste Bug-Fixes werden hierzu bereits im Mai 2018 erwartet.

Eine Milliarde Einsparung jährlich
Nach ersten Berechnungen des Gesundheitsministeriums, könnte bei einer Kostenreduzierung von ca. 5000,00 EUR pro OP und derzeit ca. 200.000 Hüft-OPs jährlich, eine Milliarde pro Jahr eingespart werden.
Und das ist erst der Anfang:
Für 2019 und 2020 sind bereits die Module K-HIMIS und S-HMIS angekündigt. ‚K‘ und ‚S‘ stehen dabei für das englische knee and shoulder, nicht zu verwechseln mit head and shoulders!

OP-Säle werden überflüssig
„In 10 – 15 Jahren wird jeder OP-Saal weltweit überflüssig sein“, so der sehr optimistische Prof. Dr. Dr. med. Templateman. Er geht davon aus, dass TROPS bis dahin für jegliche Art von Operationen problemlos eingesetzt werden kann.