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Archive for the ‘Endoprothetik’ Category

Der mündige und aufgeklärte Online-Patient – eine Herausforderung für Betroffene und Ärzte

Sa, 11. Mai 2019 1 Kommentar

Es ist so herrlich einfach: Mal eben schnell einen medizinischen Fachbegriff oder eine Krankheit in eine Suchmaschine eingeben und schon weiß man besser Bescheid als jeder Arzt. Dieser Trend wird durch gesetzlich inzwischen erlaubte Online-Sprechstunden unterstützt. Kurz mit dem Facharzt einen kleinen Video-Chat aufsetzen und schon steht die Diagnose fest, die man sich ja vorher ohnehin bereits „ergoogelt“ hatte.

In Wirklichkeit ist die Recherche im Netz aber alles andere als einfach. Gilt es doch, seriöse Seiten von reinen Werbeseiten, Fachinformationen von Falschinformationen und aktuelle Artikel von längst überholten, zu unterscheiden. Bei der Suche nach Krankheiten und Beschwerden besteht zudem die Gefahr, dass man eher geneigt ist, den beschriebenen schlimmsten Szenarien der eigenen Symptome Glauben zu schenken, als den harmlosen.
Doch wie kann man die Online-Möglichkeiten nutzen, ohne in die genannten Fallen zu tappen?
Eines vorweg, es kostet in jedem Fall Zeit.
Als erstes sollte man immer das Impressum lesen. Ein Impressum ist für alle Webseitenbetreiber verpflichtend. Wenn dieses fehlt oder unvollständig ist, sollte die Internetseite direkt aussortiert werden. Danach ggf. den Betreiber der Seite im Netz recherchieren. Wenn man sich immer noch unsicher ist, kann man auch prüfen, was andere bereits zu der Seite oder der Firma im Netz geschrieben haben. Auch Seiten mit auffallend vielen Rechtschreibfehlern oder merkwürdigen Formulierungen können ein Indiz für unseriöse Angebote sein.
Es gibt auch im Internet einige hilfreiche Tipps, wie man Falschmeldungen (Fake News) entlarven kann. Die Seite des SWR bietet einen guten Leitfaden an.
In Fall der Medizin-Seite mit dem wohlklingenden Namen „Leading Medicine Guide“, die mich zu diesem Artikel veranlasst hat, war es trotzdem nicht ganz so einfach auf den ersten Blick und ohne größeren Zeitaufwand zu erkennen, dass hier keinesfalls unabhängige Qualitätskriterien dazu geführt haben, Kliniken und Ärzte als herausragende Experten dort aufzuführen, sondern Zahlungen von mindestens 5.000,00 EUR pro Jahr. Allenfalls der im Impressum genannte Betreiber, der „Deutsche Verlag für Gesundheitsinformation GmbH“, kann einem vielleicht stutzig werden lassen, sowie das goldene eigene ausgegebene Zertifikat. Beide genannten Seiten sind sehr professionell gestaltet und wirken dadurch seriös und fachkompetent. Die zwei zusammengehörenden Seiten einer Firma, machen übrigens keinen Hehl daraus, Dienstleistungen für Ärzte und Kliniken zu verkaufen, um diese im Suchmaschinen-Ranking nach vorne zu bringen. Mann muss sich allerdings erst das 5-minütige, etwas versteckte Werbevideo anschauen, um ab Minute 4 zu erfahren, wie hoch die Kosten dafür sind – und wer macht das schon?
Die 10 genannten Aufnahmekriterien klingen zunächst auch ganz plausibel und vernünftig. Wenn man dann aber weiterliest und erfährt, dass davon nur 7 erfüllt sein müssen, ergibt sich eine ganz andere Wahrnehmung.
Eine Aufnahme in den „Expertenkreis“ ist damit ohne nachfolgende sehr wichtige drei Kriterien möglich
– „Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung“
– „Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren“
– „evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)“
wenn stattdessen eher unwichtige Kriterien wie z.B.:
– „Ärzte- und Kollegenakzeptanz“
– „Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)“
– „Leitende berufliche Position“
nachgewiesen werden. Das sagt eigentlich schon alles über diese Web-Seite und die Expertenliste aus.

Zur dem oben genannten Verlag gehören übrigens noch weitere 17 (in Worten siebzehn) Portale spezieller medizinischer Fachrichtungen, die alle das „…guide“ im Namen führen und designtechnisch jeweils etwas anders aufbereitet sind, so dass diese nicht direkt in Zusammenhang gebracht werden, es sei denn man schaut in jedes Impressum oder es fallen einem die gleichen Bilder mit den seriös dreinschauenden Gesichtern auf.
Es zwar nicht ganz  auszuschließen ist, dass das eine oder andere dort veröffentlichte Thema auch sinnvolle Informationen enthält, jedoch fällt dem aufmerksamen Leser auf, dass nie ein Datum der Veröffentlichung angegeben wird und meist auch keine Quellenangabe. Allenfalls anhand einiger dort genannter Zahlen kann man das Alter der Artikel ablesen. Z.B. lesen wir dort von 250.000 endoprothetischen Versorgungen pro Jahr (Hüfte und Knie), lt. seriöser EPRD-Quelle waren es 2016 ca. 440.000.

Das inzwischen weitestgehend aufgehobene Werbeverbot für Mediziner macht es für die Betroffenen aber auch für Ärzte nicht einfacher. Gilt es doch auch hier, seriöse und sachliche Information ohne Verkaufsangebote von eben weniger seriösen mit versteckter oder auch offene Werbung zu unterscheiden. Professionell in Studio-Qualität erstellte Youtube-Videos sind leider auch hier kein fachliches Qualitätsmerkmal.
Last but not least sieht vielleicht auch der eine oder andere Mediziner die Notwendigkeit, bei einer rein profitorientierten Werbeplattform mitzumachen, um sich nicht von Patienten fragen zu lassen, warum denn gerade er nicht auf einem „sogenannten Expertenportal“ vertreten ist. Ich bin mir allerdings sicher, dass die Mehrzahl der wirklich anerkannten Fachärzte dieser Versuchung widerstehen werden.
Am Ende ist es wie immer im Leben: Am besten den gesunden Menschenverstand walten lassen und bei medizinischen Ratschlägen und Wunderheilungsversprechen misstrauisch sein.
Keine schlechte Quelle für Informationen können Selbsthilfegruppen, egal ob real oder im Netz, sein. Bei letzteren gelten natürlich die gleichen vorstehend genannten Kriterien. Wenn so eine Gruppe gut geführt ist, mit Fachleuten besetzt ist und eine notwendige Größe hat, die für ein gewisses Maß an Selbstregulierung sorgt, kann man sich dort durchaus zu medizinischen Themen informieren und austauschen. Ein qualifizierter Arztbesuch ist dadurch selbstverständlich keinesfalls zu ersetzen.

In dem mir bekannten medizinischen Umfeld, seien zum Thema „Arthrose und künstliche Gelenke“ stellvertretend zwei Gruppen/Foren genannt:

Beide genannten Gruppen und Foren bemühen sich intensiv um sachliche Informationen, die durch eine größere Anzahl von Experten (Medizinern, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern, etc.), die auch namentlich bekannt sind, fachlich unterstützt und begleitet werden.

Als orthopädische und chirurgische Webseiten mit validen Fachinformationen seien nachfolgende genannt, wobei die ersten drei eingetragene Vereine sind und am Aufbau der letzten zwei genannten Organisationen maßgeblich beteiligt waren.

Natürlich sind auch Portale der Krankenkassen eine praktikable Anlaufstelle, um Kliniken und Fachärzte zu finden!

Fazit: Sinne schärfen beim Surfen!

Die Komplett-Revision der Hüfte in 12 Kapiteln

Mi, 24. April 2019 2 Kommentare

Nachdem ich knapp 10 Jahre lang mit meinen beiden künstlichen Hüftgelenken sportlich richtig Gas geben konnte, stand im April 2018 die notwendige Komplett-Revision der 21 Jahre alten TEP auf dem OP-Plan. Komplett hieß in meinem Fall, alle zementierten Komponenten entfernen (Pfanne und Schaft) und versuchen, eine natürlich größere, aber dafür nicht einzementierte Revisionsprothese einzusetzen. Wie schon bei der letzten OP (rechte Seite in 2008) vertraute ich hier auf das bewährte und hervorragende Team der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen. Die nachfolgenden Kapitel zeigen den langen und teils auch beschwerlichen Weg zurück zur Normalität und auch zum Sport.

Revision Dank endogap nach einem Jahr körperlich und mental abgeschlossen

Mi, 24. April 2019 2 Kommentare

Kapitel 12 – Mit diesem letzten Kapitel schließe ich nun mein Revisionstagebuch ab. Exakt ein Jahr ist die Revisions-OP nun her und ich denke weder an die neue Revisions-TEP noch spüre ich diese im Alltag! Das Leben und auch der Sport hat mich wieder.

Freude pur beim ersten Lauf ohne Stöcke nach der Revision

Nach den wundervollen Urlaubstagen Anfang Januar 2019 in Südafrika zog naturgemäß wieder der Arbeitsalltag in mein Leben ein. An einem Wochenende Anfang Februar habe ich es dann zum ersten Mal gewagt, einige wenige Kilometer, drei um genau zu sein, ohne Stöcke zu Laufen (Joggen) – und zwar sehr, sehr langsam und mit kleinen Schrittlängen. Trotzdem ist das Glücksgefühl nach so langer Zeit kaum zu beschreiben. In den vier Folgewochen bin ich dann insgesamt knapp 20 km langsam und vorsichtig gelaufen, davon einige sogar in kurzen Hosen, da Mitte/Ende Februar schon mal kurz der Frühling ausgebrochen war. Meine längste Einheit war 5 km in „sagenhaften“ 50 Minuten.
Ansonsten einige Tischtennis-Liga Spiele und meine täglichen Übungen wie gehabt.

Es folgte eine Woche Sportpause wegen einer Erkältung und dann ein kurzes Wochenende am geliebten Tegernsee. Ich war voller Hoffnung, dass ich es noch kurz vor Ende der Saison schaffen würde, meine Langlaufbretter nach langer Zeit wieder zu testen. Auch wenn tagsüber die Temperaturen bei sonnigen 15-18 Grad (plus) lagen, war es in den Tälern bei Kreuth doch nachts noch recht frostig und die Loipen, nach über zwei Meter Schnee in diesem Winter, wirklich überraschend gut in Schuss.
Am 23.3.2019 war es dann soweit. Ich konnte bei herrlichen Bedingungen vormittags lockere vier Testkilometer im klassischen Langlaufstil absolvieren. Immer noch mit dem nötigen Respekt vor dem großen Metallgestänge in meinem linken Oberschenkel. Aber bis auf einen Mini-Muskelkater am nächsten Tag (Oberschenkel-Innenseite), war alles perfekt. Keine Schmerzen während oder danach.

Morgens Winterlanglauf und Mittags Sommer-MTB

Mittags anschließend bei sommerlichen Temperaturen eine 12 km MTB-Genuss-Runde eingestreut und tags darauf dann nochmals lockere 14 km auf dem Mountain-Bike absolviert. Außer kleinen Problemen an den Stellen, an denen sich mein Körper mit dem schmalen Sportsattel verbindet (war schließlich das erste Biken seit 6 Monaten), alles tipptopp! Jetzt fehlt nur noch ein Monat zum „Revision-OP-Jahrestag“. Auf Grund meiner guten Verfassung und absoluten Schmerzfreiheit muss ich zugeben, dass ich sehr stark am überlegen war, ob ich mich für den Sprint-Cross-Triathlon (500 m Schwimmen, 20 km MTB und 5 km laufen) rund um den Wiesbadener Neroberg Ende April 2019 anmelden sollte. Dieser Wettkampf wäre dann ziemlich genau ein Jahr nach der OP, so wie schon 2009 nach der letzten OP (rechte Seite) gewesen. Doch ich habe mich dann selbst wie folgt überredet: „Der Wettkampf ist nicht wirklich wichtig. Wichtig ist, dass ich weiß, ich würde das schaffen. Denn 500 Meter Schwimmen sind natürlich kein Problem, 20 km MTB habe ich schon einige Male nach der OP absolviert und 5 km am Stück gelaufen bin ich auch bereits zweimal.“ Die Vernunft hat dieses Mal (noch) gesiegt. Nach dieser Entscheidung Ende März bin ich dann das erste Mal wieder meine Pfingstborn-Hausrunde (5 km, 125 Hm) langsam gelaufen bei sommerlichen 20 Grad.
Im April folgten dann erneut vier Tage Tegernsee-Aufenthalt mit Zeit und Muße für die eigene Fitness und den Outdoor-Sport. Wie gehabt etwas Laufen und Mountain-Biken. Einen Schlechtwettertag nutzte ich, um in meiner „alten“ Reha-Wirkungsstätte Medical Park St. Hubertus das mir bekannte Medizinisch Technische Training (kurz MTT) zu absolvieren. Von einem Physiotherapeuten, der bei meiner ersten Reha im Medical Park 2008 auch schon dort war, ließ ich meinen Laufstil auf dem Laufband analysieren. Er hat dabei exakt das erkannt, was ich ganz bewußt versuche: Mit kleinen flachen Schrittlängen möglichst wenig Belastung auf die Gelenke einwirken zu lassen. Er meinte, dies sei ideal, um die das Kunstgelenk umgebenden Knochen nach und nach an etwas größere Belastungen zu gewöhnen. Schön, wenn ein Fachmann das eigene Trainings-/Laufkonzept bestätigt. Ich praktiziere hier im Prinzip das Slow-Jogging, vielleicht ganz leicht abgewandelt, da ich geringfügig schneller unterwegs bin. Wichtig ist hierbei, auf dem Mittelfuß, bzw. dem ganzen Fuß aufzukommen.
Unverhofft und positiv überrascht hat mich eine ganz andere Nachricht: Der Diplom-Sportlehrer, anerkannte Faszienexperte und Certified RolferTM Markus Roßmann hat seine Zelte in Erding abgesprochen und eine eigene Gesundheits-Lounge am Tegernsee eröffnet. Hätte er das doch bloß schon ein Jahr früher getan! Ich wäre nach meiner OP sicherlich Stammgast dort gewesen. Aber wenigstens habe ich jetzt eine ideale Anlaufstelle, um eventuelle Dysbalancen oder Beschwerden meines Bewegungsapparates behandeln zu lassen, sofern diese denn mal auftreten oder ich auch nur das Gefühl haben sollte.

MTB, Laufen und Wandern mit Tochter bei Traumwetter am Tegernsee an Ostern

Kurz vor Ostern hatte ich mit meiner Mannschaft noch unser letztes Liga-Tischtennisspiel bestritten, mit dem wir unsere sehr erfolgreiche Meisterschafts-Saison abgeschlossen haben. Alle von mir absolvierten Spiele waren in Bezug auf die Hüfte absolut problemlos und völlig beschwerdefrei. Tags darauf dann noch eine weitere kleine Slow-Jogging Einheit (4 km) bei kühlem, aber sonnigem Aprilwetter.
Eine Woche vor meinem Revision-OP-Jahrestag (25.04.2019) durfte ich mich erneut auf weitere fünf supersonnige Ostertage mit meiner Familie am geliebten Tegernsee freuen. Viereinhalb Aktiv-Tage bei Traumwetter standen auf dem Programm. Insgesamt 42 MTB-, 7 Lauf- und 7,5 Wanderkilometer liegen nun hinter mir. Es war alles perfekt und absolut schmerzfrei.
Die Urlaubstage habe ich auch genutzt, um selbst mehr über Faszien zur erfahren und mit dem oben bereits erwähnten Markus Roßmann ein Interview zum Thema „TEPFIT trifft Faszie“ zu führen – mit vielen Tipps und Infos zum Faszientraining mit künstlichen Gelenken. Das knapp zehn Minuten lange Video gibt es hier.
Nachdem ich das Revisionstagebuch nun exakt ein Jahr geführt habe, ist für mich das Kapitel Revisions-OP abgeschlossen. Danke an alle meine Leser, die sich durch die insgesamt 12 Kapitel durchgekämpft haben.
Wenn ich dem einen oder anderen aufzeigen konnte, dass eine Komplett-Revision nicht das Ende der Tage ist, dann hat mein Tagebuch sein Ziel erreicht.
Der allergrößte Dank gebührt natürlich dem hervorragenden Operations-Team der endogap in Garmisch-Partenkirchen unter der Federführung meines Hauptoperateurs Dr. Rolf Schipp und deren Chefarzt Dr. Christian Fulghum, sowie meiner lieben Frau Doro, die mich in den ersten Wochen nach der OP als Pflegefall grandios umsorgt hat. Ohne die vorstehend genannten Personen hätte auch mein eigener eiserner Wille, die vollständige Genesung und Sportfähigkeit zu erreichen, nur sehr wenig genützt. Last, but not least gehört natürlich auch ein Quäntchen Glück dazu, nicht zu den deutschlandweit 2-3% Prozent zu gehören, bei denen bei der Hüft-OP leider nicht alles glatt läuft!

Neun Monate nach Komplett-Revisions-OP, wenige Mini-Downs, viele Maxi-UPs

So, 3. Februar 2019 2 Kommentare

Kapitel 11 – In den letzten drei Monaten ging es ständig und stetig weiter bergauf mit meiner vollständigen Wiederherstellung. Dazwischen gab es kleine, teils unerklärliche, teils selbst verschuldete Rückschläge. Zum Glück immer nur von sehr kurzer Dauer.

Nach dem Herbsturlaub (siehe Kapitel 10) war zunächst einmal Arbeitsalltag angesagt mit etwas weniger Zeit für die eigenen sportlichen und rehabilitativen Aktivitäten. Aber nach insgesamt fast 4 Monaten Auszeit durch OP, Reha und Urlaub war dies durchaus auch wohltuend, wenngleich es dann Ende Oktober erneut für 10 Tage an den Tegernsee ging, um nochmals intensiv zu trainieren.

Wanderung mit Hu(e)nd(chen) zur Wildbachütte entlang der Rottach

MTT, Schwimmen und Aqua-Jogging im Medical-Park Bad Wiessee, Bergwandern, Cross-Shaping und viel Spazierengehen. Durch einer der genannten Aktivitäten hatte ich einen kleinen Rückschlag zu verkraften. Der Grund dürfte eine 8 km lange Wanderung zur Wildbachhütte und zurück gewesen sein. Weil ich Nachbars Hund dabei hatte, bin ich mit nur einem Treckingstock gewandert. Dies hat zumindest bergab für eine starke einseitige Belastung gesorgt, die mir tatsächlich ca. 1 Woche Schmerzen im Oberschenkel und oberhalb des Knies des operierten Beines bescherte. Genau in dieser Zeit besuchte mich zu meiner Freude und ganz überraschend Dr. Andreas Berger, Oberarzt in der endogap, am Tegernsee und war besorgt über meinen auf Grund der Schmerzen aktuell schlechten Gang. Doch genauso plötzlich wie die Beschwerden gekommen waren, waren diese nach einer Woche zum Glück komplett verschwunden. Wieder zu Hause in Wiesbaden, konnte ich dann problemlos das erste Tischtennis-Training, sowie ein Liga-Punktspiel bestreiten.

Wintersonne und Lauftraining ohne Schnee

Genau 7 Monate nach der OP wagte ich meinen ersten kompletten Lauf (Joggen) ohne Gehpausen mit Stockunterstützung.
Ich nenne das liebevoll Slow-Stick-Jogging. Freude pur, endlich wieder in der ‚Lauf-Spur‘. In den nächsten Wochen folgten dann weitere TT-Punktspiele und Training. Alles super und bestens wenn, ja wenn ich eines Morgens keine Brötchen geholt hätte.
Auf einem regennassen Fliesenboden beim Verlassen der Bäckerei habe ich mich krachend hingelegt und bin natürlich auf dem Knie des frisch operierten Beines gelandet.
Schürfwunden und blaue Flecken waren die Folge und dann abends leichte Schmerzen im Oberschenkel, die sich eher wie ein Muskelkater anfühlten. Zwei Tage später dann aus heiterem Himmel und unerklärlich plötzlich starke Schmerzen nach dem Aussteigen aus dem Auto im operierten Bein vom Oberschenkel bis zum Knie. Am nächsten Tag von Schmerzen keine Spur mehr und das allgemeine Befinden besser denn je. Daraufhin gleich 200 Treppenstufen in einem Kaufhaus-Parkhaus hoch gelaufen (Laufschritt) und tags darauf eine weitere Slow-Stick-Jogging Einheit mit gut 4 km absolviert. Galt es ab jetzt diese Fitness und absolute Schmerzfreiheit über Weihnachten und bis zum ersehnten Südafrika-Urlaub im Januar 2019 zu erhalten. Eigentlich wollte ich zwischen Weihnachten und Silvester wieder auf die Langlaufbretter steigen, aber mangels Schnee, blieb es bei Slow-Stick-Jogging und ausgiebigen Spaziergängen. Der Schnee kam danach wirklich zu genüge, aber eben erst am Tag unserer Abreise vom Tegernsee.

Hiking zum Wasserfall im Jonkershoek Nature Reserve

Am 12. Januar dann endlich unsere lang ersehnte und inzwischen fünfte Reise nach Südafrika. Entspannte 16 Tage Kapstadt und Western Cape lagen vor uns. Neben reichlich Armmuskeltraining durch dauerndes Heben und Senken eines vollen oder fast leeren Glases hervorragenden südafrikanischen Weines, standen natürlich auch viele sportliche Aktivitäten auf dem Programm. Besonders das Naturreservat Jonkershoek in Stellenbosch und die Umgebung von Montagu luden dabei zum Wandern, neudeutsch Hiking, ein. Eine anspruchsvolle Wanderung zu einem Wasserfall und eine eher einfache Wanderung entlang des Keisierivier zu den Hot Springs bei über 30 Grad sorgten für jede Menge Spaß und Schweiß.
Im Anschluss ging es dann an die Küste nach De Kelders an der Whale Route, in die Nähe des wesentlich bekannteren Hermanus. Diese Region ist vor allen Dingen durch die Walbeobachtung in den entsprechenden Zeiten (Oktober/November) direkt vor der Küste berühmt. Hier standen eher kleinere Unternehmungen in der Umgebung auf dem Programm, bei denen aber auch täglich fast immer 8-10 Lauf(Geh)-Kilometer zusammen kamen.

Video-Drehort – Klippen von De Kelders

Alles ohne jegliche Probleme. Auf den Klippen von De Kelders ist dann auch einer meiner Youtube TEPFIT-Video-Clips entstanden. In den letzten fünf Tagen in Kapstadt wurde erneut alles, was möglich war, zu Fuß erledigt. Insgesamt bin ich neun Monate nach der OP hochzufrieden und sehe meinem Vorhaben, ein Jahr nach der OP im April 2019 ganz langsam und wohldosiert wieder mit leichtem Joggen (ohne Stöcke) bei kleinen Umfängen anzufangen, sehr optimistisch entgegen. Ob es wirklich klappt, erfahrt Ihr dann im 12. und letzten Kapitel meines Revisions-Tagebuches.

Jetzt freue ich mich erst einmal auf das bald kommende Frühjahr, um endlich wieder in kurzen Hosen meinen Outdoor-Aktivitäten nachgehen zu können und auf unser 3. TEPFIT-Treffen in Berlin am 6. April.
Einige Plätze gibt es noch. Für weitere Infos und Anmeldung einfach hier klicken.

Vom Blog über zwei Bücher zum 3. TEPFIT-Treffen in Berlin

Was 2011 mit diesem Blog begann, hat sich in den letzten sieben Jahren prächtig weiterentwickelt. In den Jahren 2012 und 2014 sind die Bücher ‚Mut zur neuen Hüfte!‘ und ‚Mut zum neuen Knie!‘ erschienen – das erste inzwischen in der zweiten Auflage. 2015 wurde die geschlossene Facebook-Gruppe ‚TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)‘ gegründet, die in Kürze das 3000. Mitglied feiern wird.

Teilnehmer des 2. TEPFIT Workshops 2018 in Hagen

Damit reifte dann auch der Entschluss, die Mitglieder der virtuellen Facebook-Gruppe in einem realen Treffen zusammenzubringen. Das erste Treffen im November 2016 in der Nähe von München war damit aus der Taufe gehoben.
Im April 2019 findet nun bereits das dritte TEPFIT-Treffen (Workshop) mit einem erneut sehr interessanten Programm in Berlin statt. Drei hochkarätige Impulsvorträge renommierter Fachärzte der Charité am Vormittag, sowie Yoga und Zumba für TEP-Träger am Nachmittag, bilden die Programm-Säulen. Für ein ausgewogenes Rahmenprogramm mit gemeinsamen Abend ist natürlich ebenfalls gesorgt.
Wer Interesse hat, kann sich unter nachfolgendem Link ausführlich informieren und natürlich auch gleich verbindlich anmelden!
Ein paar ‚Live‘-Eindrücke vom letzen Treffen gibt es rechts mit dem TEPFIT-Trailer 2018 und natürlich in unserem YouTube-Kanal!

Sportlich unterwegs mit neuer Hüftprothese

Moderne Implantatmaterialien erlauben mehr Aktivität – Freiburg, November 2018

Der Anteil an Patienten, die auch mit einem künstlichen Hüftgelenk sportlich aktiv sein wollen, nimmt immer weiter zu. Tatsächlich erlauben moderne Materialpaarungen für den Ersatz von Hüftpfanne und Hüftkopf mittlerweile einen aktiveren Lebenswandel. Der Grund: sie erzeugen bei Belastung deutlich weniger Abriebpartikel – bisher eine der Hauptursachen für eine Lockerung des Implantats. Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. empfiehlt daher heute allen Patienten mit Hüftprothese, regelmäßig moderaten Sport, etwa Schwimmen oder Radfahren, zu betreiben…. hier der komplette Artikel mit Sportarten-Empfehlungen als PDF-Download

Auch vergleichsweise unspektakuläre und kleine Übungen sind sehr effizient

Mo, 22. Oktober 2018 4 Kommentare

Kapitel 10 – Eigentlich wollte ich mit dem 10. Beitrag mein Revision-Tagebuch abschließen, habe mich aber dazu entschieden, Euch an meinen kleinen und eher unspektakulären Trainings-Einheiten und Übungen, mit denen man stetig weitere kleine Fortschritte erzielt, teilhaben zu lassen. Es muss nicht immer das „Hammer-Power-Training“ sein.

MTB-Runde um den Tegernsee – September 2018

Nach meinem sehr positiv verlaufenen Kontrollbesuch in der endogap nach gut fünf Monaten (siehe Kapitel 9), hatte ich das große Glück, noch eine ganze Woche Traumwetter am Tegernsee genießen und für Outdoor Aktivitäten nutzen zu können! Am Ende der gesamten zwei Wochen standen knapp 100 MTB-Kilometer, 35 Wanderkilometer und jeden zweiten Tag MTT-Training im Medical-Park in Bad Wiessee auf meinem Aktivitäten-Tacho. Dieses Pensum hat mich, wie erhofft, wirklich sehr weit nach vorne gebracht. Aber wie soll man das im Berufsalltag in dieser Intensität bewerkstelligen?

Ich habe mir von meinem Physiotherapeuten einige wenige effektive Übungen zeigen lassen, die sich überall im Alltag und auch im Büro integrieren lassen und diese mit weiteren, mir bekannten Übungen ergänzt. Als sehr effektiv hat sich dabei das Treppenstufen- oder auch Hockertraining erwiesen. Einfach mit dem operierten Bein auf die erste Treppenstufe stellen – später auch auf die zweite – und dann ganz langsam das nicht operierte Bein auf der dritten (später vierten) Stufe aufsetzen und danach ebenso langsam wieder in die Ausgangsposition zurückstellen. Wenn diese Übung am Anfang überhaupt nicht oder nur sehr schnell mit Ausweichbewegungen funktioniert, bitte unbedingt mit der gegenüberliegenden Hand an einem Geländer oder Stock genau so viel abstützen, dass diese Übung komplett rund und vor allen Dingen langsam und kontrolliert erfolgen kann. Das Ganze je nach Kraft 3 x 10 oder 3 x 15 mal wiederholen. Nach einiger Zeit wird das Geländer zunehmend überflüssig. In Ermangelung einer Treppenstufe kann man auch einen tiefen Hocker und nach einer Zeit einen Stuhl nehmen. Wie gesagt, unspektakulär aber sehr effektiv! Ebenso einfach und effektiv ist auch Folgendes: Immer konsequent versuchen aus dem Sitzen aufzustehen und auch wieder hinzusetzen, ohne sich mit den Armen abzustützen – und zwar auch von niedrigen Sitzpositionen wie Toilette, Couch, Sessel, Bettrand oder auch einem Ferrari, falls zufällig vorhanden. Ganz am Anfang wird das besonders aus tiefen Positionen nicht immer gehen, aber nach und nach auf jeden Fall. Man muss sich aber wirklich dazu zwingen. Bitte mal darauf achten, wie oft man am Tag mit Armunterstützung aufsteht und sich wieder hinsetzt. Da kommen locker einige Dutzend „Sit-ups“ und „Sit-downs“ zusammen. Diese Art des Aufstehens und Hinsetzens ist natürlich auch für jeden „Gesunden“ besser.
Was man auch immer im Alltag einplanen kann, ist der Einbeinstand und das Stehen auf Zehenspitzen, beides sehr gut für die Stabilisation. Zusätzlich kann man dann abends und morgens im Bett liegend die zwei- und später einbeinige Brücke machen und/oder seitlich liegend, dass operierte Bein gestreckt nach oben abheben.
Gerade auch diese letzten beiden Übungen konnte ich nach meiner Revision anfangs bestenfalls mit einigen wenige Zentimetern Spiel ausführen. Aber hier gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein!
Übrigens sind einige der erwähnten Übungen im Buch ‚Mut zur neuen Hüfte!!‚ im Kapitel „Die neun goldenen HOP-HIP-Regeln“ zu finden. Einen kleinen Auszug gibt es hier kostenlos zur Veranschaulichung als Download!

Mein Fazit:
Auch mit kleinen Einheiten und Übungen im Alltag kann man im Laufe der Zeit viel erreichen. Wenn dann noch am Wochenende oder Abends die eine oder andere Outdoor- oder Studiotrainingseinheit dazu kommt, geht es beständig und stetig aufwärts.
Wie lange es insgesamt bei mir persönlich gedauert hat, bis das letzte muskuläre Defizit Geschichte war, erfahrt Ihr dann hoffentlich im nächsten Kapitel!