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Archive for the ‘künstliches Knie’ Category

Lebenslange Achtsamkeit mit künstlichen Gelenken?

Do, 14. Juli 2022 1 Kommentar

… und wie und wo bekomme ich eigentlich die richtigen Informationen dazu


Zunächst die gute Nachricht:
Im Alltag und im Sport muss man nach kompletter Ausheilung einer Hüft- oder Knie-TEP kaum etwas beachten und kann das Implantat prinzipiell aus seinem Gedächtnis streichen.
Aber die, wenn auch geringe Gefahr, dass sich längere Zeit nach dem Einsatz ein Kunstgelenk infizieren kann, ist leider nicht ganz auszuschließen, kann aber mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen bis zu einem Promillebereich minimiert werden.

Oft stellen wir jedoch fest, dass Patienten nach einem künstlichen Gelenkersatz gerade zu diesen wichtigen und auch in Eigenverantwortung stehenden Vorsichtsmaßnahmen nicht oder nur unzureichend aufgeklärt werden.

Nachfolgend der Versuch einer Einordnung der Fakten und Sensibilisierung der Betroffenen:

Bis zu zwei Jahre nach einer Implantation besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, dass danach abflacht aber nie komplett ausgeschlossen ist. Eine Infektion des Kunstgelenkes ist der Supergau, der nur mit größter Erfahrung, frühzeitiger Diagnose und zeitnaher Therapie zu beherrschen und in dem meisten Fällen mit einer Revisions-OP verbunden ist. Das bedeutet für den Betroffenen eine lange Leidenszeit und Ungewissheit, ob die Infektion am Ende der Behandlung auch vollständig ausgemerzt ist.

Worauf muss ich achten?
Bei allen bakteriellen Infekten und Eingriffen, die Bakterien freisetzen können, gilt erhöhte Wachsamkeit – ganz besonders in den ersten zwei Jahren nach der Operation.

Wie erkenne ich, ob eine Infekt viral oder bakteriell ist?
Im Zweifel als medizinischer Laie überhaupt nicht und deshalb immer einen Arzt hinzuziehen.
Ein Anhaltspunkt für eine bakterielle Infektion kann aus Wunden austretender Eiter sein (z.B. ein eitriger Zeh- oder Fingernagel). Katzen- und Zeckenbisse können sich auch rasch infizieren und bakteriell verunreinigt werden. Aber auch ein sicher für viele vermeintlich eher harmloses Gerstenkorn am Auge ist ein bakterieller Infekt und sollte daher immer von einem Augenarzt mit Hinweis auf das künstliche Gelenk behandelt werden. Auch eine Blasenentzündung ist immer bakterieller Art und erfordert daher höchste Beachtung.
Ein viraler Infekt ist z.B. eine Erkältung, Grippe oder auch aktuell Covid und daher für das Kunstgelenk zunächst ungefährlich. Zu beachten ist allerdings, dass durch die vorgenannten Infekte das Immunsystem etwas geschwächt wird und sich dann aus einem viralen Infekt auch ein bakterieller entwickeln kann. Deshalb auch hier im Zweifel einen Arzt aufsuchen.

Bei welchen Eingriffen besteht die Gefahr einer Infektion für die TEP?
Gerade dieses Thema wird oft kontrovers diskutiert – auch in den orthopädischen Fachgesellschaften. Weitgehend gesichert ist die Erkenntnis, dass bei blutigen Zahneingriffen (Extraktion, Zahn-Implantate) auf Grund der vielen Bakterien im Mund, eine antibiotische Behandlung angeraten ist. Bei einer professionellen Zahnreinigung gehen die Meinungen auseinander. Als Anhaltspunkt raten wir, immer abgestimmt mit dem Zahnarzt und ggf. auch mit dem Operateur, dann einen sog. Single-Shot (Einmalgabe eines Antibiotikums vor der Behandlung) zu nehmen, wenn es bei der Zahnreinigung zu starten Blutungen kommt, z.B. auf Grund einer Parodontose.
Auch eine Darmspiegelung birgt die Gefahr einer bakteriellen Infektion und sollte in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt antibiotisch abgedeckt werden.
Die jeweiligen Fachärzte sollten mehrheitlich wissen, können aber nur korrekt handeln, wenn Sie als Patient auch auf Ihr Kunstgelenk vor der Behandlung hinweisen.

Begünstige ich damit Antibiotika-Resistenzen?
Auch diese Frage wird stets kontrovers diskutiert. Das Hauptproblem der Antibiotika-Resistenzen ist allerdings nicht die Verabreichung bei medizinischer Notwendigkeit, sondern der überbordende Einsatz in der Massentierhaltung.
Es gilt für jeden selbst abzuwägen: Riskiere ich eine Infektion meines künstlichen Gelenkes durch Ablehnung von Antibiotika oder möchte ich das bestehende Restrisiko weiter minimieren.

Woher und wie bekomme ich die richtigen Informationen?
Genau diese Frage wurde vor kurzen in unserer Selbsthilfegruppe TEPFIT in Facebook gestellt.
Zum einen natürlich in der genannten Selbsthilfegruppe, die von Ärzten und Fachexperten begleitet wird. Außerhalb von Facebook sei auf den Verein ArthroseKompetenzNetzwerk TEPFIT e.V. hingewiesen, dessen Hauptziel valide Information für Betroffene rund um alle Themen zu Arthrose und künstlichen Gelenke ist. Wenn Sie den Verein durch einen geringen Jahresbeitrag unterstützen und aus erster Hand an Informationen wie diese kommen möchten, werden Sie einfach Mitglied.
Natürlich kann auch „Dr. Google“ helfen, aber nur wenn man auch korrekte Infos von Fake-News (in diesem Artikel finden Sie am Ende auch Links zu seriösen Informationsquellen) wirklich unterscheiden kann und ausgiebig selbst recherchiert.
Eine geprüfte Stelle, um Informationen zu einzelnen Krankheitsbildern zu finden (z.B. zum oben erwähnten Gerstenkorn) ist die Seite des Bundesministerium für Gesundheit Gesund-Bund.de. Leider wird diese Seite kaum beworben und erscheint in Suchmaschinen, wenn man nicht ganz gezielt danach sucht, selten auf der ersten Seite.

Übrigens gelten vorstehende Informationen nicht nur für Kunstgelenke sondern auch für andere Implantate wie z.B. Herzschrittmacher oder Defibrillatoren.

Bitte beachten: 
Der vorliegende Blogbeitrag dient ausschließlich zur allgemeinen Information. Die Inhalte dieses Blogbeitrages beschreiben persönliche Erfahrungen und ersetzen weder Diagnose, Untersuchung noch das persönliche Arztgespräch. Medizinische Fragen sollten grundsätzlich immer mit dem Arzt/Ärztin Ihres Vertrauens geklärt werden.

Valide Informationen in der digitalen Welt

Über Fehl- und Falschinformationen in den Untiefen des WorldWideWeb – gerade auch zu den Themen Arthrose und künstliche Gelenke – habe ich schon einige Male hier berichtet.
Leider machen diese auch vor Klinik-Webseiten nicht halt (siehe gerne die Beiträge Kann man Informationen auf Klinik-Webseiten immer glauben? oder auch Der mündige und aufgeklärte Online-Patient – eine Herausforderung für Betroffene und Ärzte).
Mit Christina Auffenberg von alley habe ich darüber gesprochen, wie valide und verlässliche Informationen im Netz zu erhalten, sowie verifizierte digitale Angebote zu finden sind.
alley ist die smarte Begleiterin bei Arthrose in Knie und Hüfte und sorgt für einen optimalen Behandlungsweg. alley bereitet zudem auf Behandlungstermine vor, unterstützt und koordiniert diese, bietet den Betroffenen individuelle Videos und Übungen an, liefert passgenaue Informationen und steht zudem auch ganz analog mit einem Care Management Team Patienten und Ratsuchenden zur Seite.

Im nachfolgenden knapp 8-minütigen Interview geht es darum, welche Informationen Betroffene, wann und warum benötigen und wie diese am besten zu erhalten sind. Dabei sind unsere nunmehr siebenjährigen Erfahrungen aus unserer TEPFIT-Selbsthilfegruppe natürlich eingeflossen.

Patientenreisebegleiter – ein neues Berufsbild?

Wer dabei an Meer, blauen Himmel und Berge denkt, liegt allerdings nicht ganz richtig.

In der Medizin setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass nicht singuläre Therapien bei verschiedenen Behandlern zielführend sind, sondern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Krankenhäusern, medizinischen Zentren, Physiotherapeuten, Ernährungsberatern und je nach Krankheitsbild und Diagnosen mit weiteren medizinischen Partnern. Die Patienten sollen dabei optimal begleitet werden und durch bestmögliche Informiertheit befähigt werden, selbstbestimmt zu entscheiden. Bereits erfasste medizinische Daten und Diagnosen sollen nicht immer wieder neu erhoben werden, sondern den Behandlern beim Patientenbesuch direkt zur Verfügung stehen. Die englischen Begriffe wie „Patient Journey“, „Patient Empowerment“ oder „Value Based Healthcare“ werden hierbei oft verwandt.

Das Unternehmen alley beschäftigt sich seit über zwei Jahren genau mit diesem Themenkomplex und hat für den orthopädischen Bereich der Knie- und Hüftgelenk-Beschwerden eine medizinische Plattform mit einer datenbasierten Qualitätstransparenz entwickelt, einhergehend mit der Optimierung von Therapie und Versorgung, der die Patienten über deren gesamten Behandlungsweg möglichst individuell begleitet.

Das klingt etwas kompliziert und daher ist es wichtig, dass der Patient auf dieser Reise mitgenommen wird. Dafür braucht es den „Patientenreisebegleiter“ oder auch den „Kunden(Patienten)-Betreuer“ – oder soll ich diesen Anglizismen konform „Patient Journey Manager“ nennen?
Dies kann eine telefonische Beratung und Betreuung bei Fragen sein, wie es alley z.B. aktuell mit ihrem Care Management anbietet. Aber auch Selbsthilfegruppen können diese Rolle übernehmen. Dabei ist es wichtig, möglichst valide Informationen zum Krankheitsbild zur Verfügung zu stellen und den Betroffenen Mut zu machen, sich offensiv und positiv den Herausforderungen nach einer Diagnose Hüft- oder Knie-Arthrose zu stellen. Die Facebook-Gruppe TEPFIT hat sich hier über die letzten Jahre einen Namen gemacht. Als Gründer dieser Gruppe, hat mich alley zu einem Interview eingeladen. Neben meiner eigenen langjährigen Patientenreise ging es auch darum, Betroffenen mit auf den Weg zu geben, dass mit viel Eigeninitiative auch bei scheinbar schlechten Voraussetzungen und Diagnosen, ein gutes Ergebnis und ein sportliches, bewegtes Leben mit Spaß und Lebensfreude möglich ist. Das 15-minütige Interview gibt es auf dem alley-YouTube Kanal, der natürlich abonniert werden kann und weitere spannende Videos zu dem o.g. Themenkomplex bereit hält. Über einen Abo-Klick auf meinem TEPFIT-YouTube-Kanal freue ich mich natürlich auch.

Revolutionäre OP-Methode – TROPS und H-HIMIS haben die Marktreife erlangt

Fr, 1. April 2022 2 Kommentare

H-HIMIS – Home interior miminimal invasive Surgery 01.04.2022 by Peter Herrchen

Wie das SMSJ (Scientific Medical Surgery Journal) in seiner März-Ausgabe berichtet, ist für das in der USA bereits vor vier Jahren entwickelte neue Verfahren zur Implantation von Hüft-TEPs, welches sowohl dem starken Kostendruck der Gesundheitssysteme als auch dem Wohle des Patienten in besonderem Maße Rechnung trägt, die lange Testphase jetzt abgeschlossen und hat die Marktreife erlangt.

Bilder wie hier in der endogap – Garmisch-Partenkirchen gehören Dank TROPS wohl bald der Vergangenheit an

Unter den Namen H-HIMIS – home interior minimal invasive surgery, (übersetzt: mininmal invasive Operation in heimischer Umgebung, ‚H‘ steht dabei für hip, englisch für Hüfte) können in Erweiterung der inzwischen stark verbreiteten fachärztlichen Online-Diagnose und -Beratung, künstliche Gelenke per Live-Zuschaltung der entsprechend gebuchten Operateure ganz einfach im heimischen Wohn- oder Schlafzimmer erfolgen. Ein spezielles transportables Roboter-OPSystem – kurz TROPS genannt, dass nur zu Hause mit dem Internet verbunden werden muss, genügt. Nach vorheriger Termin-Vereinbarung mit dem Operateur, liefern die Krankenkassen TROPS mit dem passenden Implantat termingerecht frei Haus. Während Privatpatienten mit einer Prime-Lieferung innerhalb von 24 Stunden rechnen können, müssen gesetzlich Versicherte derzeit noch bis zu einem Jahr warten. „Sobald sich TROPS allerdings flächendeckend durchgesetzt hat, werden sich auch für diese Versichertengruppe die Wartezeiten deutlich reduzieren“, so der Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf Nachfrage der Endoprothese und Sport Redaktion.
Das simple TROPS-Setup ermöglicht auch den technisch weniger begabten Patienten, Familienangehörigen oder Freunden, das System einfach mit dem Internet zu verbinden und eine direkte Kommunikation mit dem Operateur aufzubauen. Alexa und Siri sind vollständig implementiert.
Steht die Online-Verbindung und der Patient hat es sich auf dem heimischen Sofa oder Bett bequem gemacht, kann es auch schon los gehen. Über 1000 Operationen wurden bereits erfolgreich in der USA durchgeführt.

Null Infektionsrisiko durch Krankenhauskeime oder COVID
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Null Infektionsrisiko durch die gefährlichen Krankenhauskeime oder COVID, signifikante Reduzierung der Anzahl der OP-Räume und des zugehörigen OP- und Pflege-Personals, keine OP Teams mehr notwendig und massive Betten-Einsparungen in den Kliniken, um nur einige der Vorteile zu nennen.
Dazu kommt natürlich das Wohlfühlambiente des Patienten als einer der größten Pluspunkte. Statt in Zwei- oder Dreibettzimmern in fremden Betten zu liegen, kann der Patient direkt nach der OP entspannt in seiner gewohnten Umgebung verbleiben und damit auch die teilweise schlechte Krankenhausverpflegung umgehen. Durch die in TROPS ebenfalls integrierte Online-Hilfe erlernen die Angehörigen schnell und effizient die ersten Handgriffe nach den OP. In Notfällen kann durch Drücken eines Emergency Buttons auch mit einem Facharzt sehr zügig Kontakt aufgenommen werden. Dieser Button ist allerdings nur bei privat versicherten Patienten standardmäßig aktiviert. Kassenpatienten können diese Leistung aber im Vorfeld, ähnlich wie heute bereits die IGeL-Leistungen, dazu buchen.

In Deutschland soll TROPS in ausgewählten Pilotregionen noch dieses Jahr zum Einsatz kommen, so der Erfinder Prof. Dr. Dr. med. Maximilian Templateman auf Nachfrage. Erste Verträge mit Kostenträgern in Deutschland wurden bereits abgeschlossen und die immer noch andauernde Corona-Pandemie verleiht dem Projekt einen zusätzlichen kräftigen Schub. Es gibt lt. seiner Aussage aber auch noch kleine Herausforderungen zu meistern. Bei einigen der ersten OPs hat das Zusatzmodul AA (anesthesia automation) nicht immer zuverlässig funktioniert. Bug-Fixes werden hierzu bereits im Mai 2022 erwartet.

Eine Milliarde Einsparung jährlich
Nach ersten Berechnungen des Gesundheitsministeriums, könnte bei einer Kostenreduzierung von ca. 5000,00 EUR pro OP und derzeit ca. 200.000 Hüft-OPs jährlich, eine Milliarde pro Jahr eingespart werden.
Und das ist erst der Anfang:
Für 2023 und 2024 sind bereits die Module K-HIMIS und S-HMIS angekündigt. ‚K‘ und ‚S‘ stehen dabei für das englische knee and shoulder, nicht zu verwechseln mit head and shoulders!

OP-Säle werden überflüssig
„In 10 – 15 Jahren wird jeder OP-Saal weltweit überflüssig sein“, so der sehr optimistische Prof. Dr. Dr. med. Templateman. Er geht davon aus, dass TROPS bis dahin für jegliche Art von Operationen problemlos eingesetzt werden kann.

Knee in a Day – Dr. Pit Putzeys

Sa, 26. Februar 2022 1 Kommentar

Nachdem in den vorangegangenen vier Artikeln Christoph Schütz’s Weg von seinen beginnenden Knie-Problemen über seine Entscheidungsfindung bis hin zur OP beschrieben wurde, stellen wir in diesem letzten Beitrag Dr. Pit Putzeys, der diese Operation durchgeführt hat, ausführlich vor.

Wohl wissend, dass die ambulante Versorgung mit einem künstlichen Knie-Gelenk nur möglich ist, wenn einige Parameter wie allgemeiner Fitness- und Gesundheitszustand des Patienten, das soziale Umfeld, eine sehr sorgfältige Vorbereitung und Planung der Post-OP Phase passen, haben wir Dr. Pit Putzeys natürlich auch dazu befragt.

In Vordergrund rechts der MAKOplasty® Roboter

EuS:
Herr Dr. Putzeys, Glauben Sie, dass sich die Operation mit MAKOplasty® bei Hüfte und Knie immer mehr durchsetzen wird und worin bestehen die wesentlichen Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Operation?

Dr. Putzeys:
2016 gab es in Europa rund 20 Zentren für MAKO, 2022 bereits 136.
45000 MAKO-Operationen wurden EU-weit seitdem durchgeführt. Bei über 1100 davon stand ich als Verantwortlicher am Operations-Tisch.
Ich denke, dass die robotergestützte Knie- und Hüft-Operationen weiter ansteigen werden, weil die Literatur (über 300 peer-reviewed Publikationen) objektiv belegen konnte, dass die klinischen Resultate verbessert wurden gegenüber den klassischen Methoden: Weniger Trauma, weniger Schmerzen post-operativ und eine schnellere Heilungszeit.

EuS:
Ein ‚ambulanter‘ Knie- oder Hüftgelenkersatz ist in Deutschland eine absolute Ausnahme und vermutlich auch nicht für jeden geeignet. Was muss der Patient mitbringen, damit das erfolgreich gelingen kann?

Dr. Putzeys:
Sie haben vollkommen Recht. Nur ein Teil der Patienten kommt für eine ambulante Versorgung in Betracht. Patienten mit multiplen Vorerkrankungen und schlechtem Allgemeinzustand müssen nach wie vor stationär versorgt werden. Auch muss die häusliche Betreuung die ersten Tage nach der OP durch Angehörige gewährleistet sein.

EuS:
Meine Artikel werden hauptsächlich in deutschsprachigem Raum gelesen. Es stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen können sich in Deutschland versicherte Patienten bei Ihnen oder generell im Ausland auf Wunsch operieren lassen. Gibt es Kooperationen mit deutschen Krankenkassen oder ist das nur als Privatzahler möglich?

Dr. Putzeys:
Für die Patienten wird die Operation nach einem Antrag bei ihrer Krankenkasse auf Grund einer EU Verordnung in der Regel komplett übernommen – das gilt auch für gesetzlich Versicherte. Siehe hier die entsprechende Verordnung der EU.
Die Operation ist zudem bei uns in Luxemburg günstiger als in Deutschland, weil Sie ambulant (max. eine Nacht) durchgeführt wird und es keine privaten Tarife für den Chirurgen gibt.

EuS:
Wären Sie bereit, unseren Lesern und Betroffenen ggf. in einem Live-Webinar die Operation mit der MAKOplasty® zu erläutern und dabei auch Zuschauer-Fragen zuzulassen?

Dr. Putzeys:
Das mache ich natürlich sehr gerne. Lassen Sie uns einen Termin vereinbaren.

EuS:
Herr Dr. Putzeys, herzlichen Dank für das Gespräch und Ihre Bereitschaft zu einem Webinar, zu dem wir uns in Kürze abstimmen werden.

Im diesem 11-minütigen RTL-Beitrag in luxemburgischer Sprache wird eine Patientin bei ihrer ambulanten OP von der Einlieferung bis zur Entlassung begleitet.


Dr. Pit Putzeys
Geburtsdatum 13.11.1962, wohnhaft in Bridel in Luxemburg
1988-1996 Studium der Medizin und Orthopädie-Traumatologie in Brüssel (ULB)(Belgien)
1996-1999 Oberarzt Orthopädie-Traumatologie in Montpellier (Frankreich)
1997 AO-Stipendium New-York (USA)
2000-2022 Orthopädie-Traumatologe der Hôpitaux Robert Schuman (HRS) Gruppe (Luxemburg)
Funktion: Senior Chirurg Hüft-Knie Team-5 Chirurgen von im ganzen 28 Orthopäden der HRS Gruppe und Senior Consultant für Stryker (MAKO)

HRS: 33000 Operationen im Jahr 2020, davon 8000 des Bewegungsapparates
Bis 2018 medizinischer Direktor der Orthopädie-Traumatologie 
Persönlich 450 Operationen pro Jahr davon 300 Hüft und Knie Teps,ausschließlich robotisiert seit 2016
Department Orthopädie-Traumatologie hat 4 international anerkannte Zertifikationen:
1. ATLS: advanced trauma life support
2. Endocert: Seit 2013 (persönlich Direktor) als erstes ausländisches Department
3. GRACE: Ambulante Chirurgie Zertifizierung
4. Geriatrische Traumatologie

Seit 2017 Zentrum in Europa der Zertifizierung für Robotik MAKO-STRYKER im hauseigenen Medical Training Center (MTC) mit über 400 zertifizierte Chirurgen und Personal

Knee in a day – Projekt erfolgreich abgeschlossen?

Sa, 19. Februar 2022 2 Kommentare

Nach dem im vorherigen Artikel beschrieben Tag der OP wieder zu Hause angekommen, hat sich Christoph Schütz direkt auf der Wohnzimmercouch einquartiert und regelmäßig seine Kältekompressen gewechselt. Dr. Putzeys hat sich gleich abends noch telefonisch gemeldet und nach dem aktuellen Stand gefragt. Die erste Nacht war alles noch ohne Probleme und jegliche Schmerzen, direkt am nächsten Morgen wurde dann um 07:30 Uhr bei einem befreundeten Physiotherapeuten in der Nähe bereits die erste Einheit absolviert. Der Physiotherapeut hat ihm dann auch gleich einige Post-OP Übungen als Hausaufgabe für zu Hause mitgegeben. Dr. Putzeys hat sich die ersten 10 Tage ein- bis zweimal täglich telefonisch oder per SMS bei ihm gemeldet und nach dem Befinden erkundigt. Dann 36 Stunden nach der OP haben kurz vor der zweiten Nacht die verabreichten Schmerzmittel der OP nachgelassen und die Schmerzen im operierten Knie wurden heftiger, es war eine Art sehr starkes Brennen. Mit etwas „Zähne zusammenbeißen“ und ständigem Kühlen haben diese aber von Tag zu Tag immer mehr nachgelassen. Als Schmerzmittel wurde auf Opiate verzichtet, lediglich übliche Schmerzmittel wurden für wenige Tage genommen. Die Physiotherapie wurde wöchentlich zweimal für ca. 20-30 Minuten durchgeführt und dabei auch Lymphdrainagen integriert.

Nach 16 Tagen gab es den verabredeten ein Kontrolltermin bei Dr. Putzeys in Luxemburg. Es wurden die Fäden gezogen und die Beugung (110 Grad) und Streckung kontrolliert. Ab diesem Zeitpunkt hat Christoph auch das Fitnessstudio wieder aufgesucht und ca. 1 Stunde Oberkörpertraining gemacht. Vier Wochen Post-OP war die Beugung bereits bei 125 Grad und es konnte dann auch schon mit Ergometer (1 Std. täglich) begonnen werden. 6 Wochen Post-OP erfolgte dann eine erneute Nachuntersuchung inkl. Röntgen. Die TEP bzw. Schlittenprothese sitzt einwandfrei und der Operateur Dr. Putzeys war wie Christoph hoch zufrieden, lag doch die Beugung bereits bei 135 Grad. 
Leichte Beschwerden in Form eines Steifheitsgefühls nach längerem Sitzen oder Stehen bestanden zwar noch, sind aber laut Operateur nach dieser kurzen Zeit völlig normal.

Alles in allem hat Christoph die Entscheidung, sich ambulant eine Knie-TEP implantieren zu lassen, keine Sekunde bereut. Wichtig zu erwähnen dabei, dass Dr. Putzeys sich intensiv um Christoph in der ersten postoperativen Phase gekümmert hat und auch alles absolut reibungslos verlief. 

Training nach der OP
Christoph trainiert seit Ende Oktober 2021 im Fitnesscenter regelmäßig Mo.-Sa. jeweils täglich ca. 2 Std. (1 Std. Krafttraining, 1 Std. Ergometer), Sonntag ist Ruhetag.

Dazu kommen Balance-/Koordinations- und Theraband-Übungen auf einer Fitnessmatte zu Hause.

Christoph auf den Balance-Board nach der OP

In der ersten Januarwoche 2022 hat Christoph dann endlich wieder mit dem Tennistraining angefangen und spielt wöchentlich 2 Stunden Einzel – zwar von Anfang an nur von der Grundlinie und alles noch ohne große Ausfallschritte und schnelle Sprints, aber völlig schmerzfrei. 
Im März wird der positiv Tennis-Verrückte dann das Training intensivieren und im April für eine Woche nach Mallorca ins Tennis-Trainingslager gehen.
Alles in allem ein sehr bemerkenswertes Pensum.

Es gibt tausende von Krankheiten, aber nur eine Gesundheit

Christoph Schütz

Im Mai 2022, also ca. 8 Monate Post-OP, will Christoph wieder sein erstes Tennisturnier spielen. 
Ich bin sicher, er wird dieses Ziel erreichen.

Fazit und Anmerkungen:
Das Beispiel zeigt, dass bei entsprechender körperlicher Voraussetzung mit akribischer und sehr gezielter Vorbereitung auf solch einen Eingriff, vieles möglich ist.

Natürlich ist eine ambulante Knie-TEP (noch) nicht der Standard. Welche Voraussetzungen optimaler Weise dafür gegeben sein müssen, wird sowohl aus den bisher veröffentlichten Artikeln sehr deutlich wie auch aus dem letzten Beitrag der Reihe, in dem wir Dr. Pit Putzeys interviewt haben.

Welche zusätzlichen Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit die beschriebene Operation aus medizinischer Sicht möglich ist, wird der Operateur Dr. Pit Putzeys, den wir natürlich dazu befragt haben, im nächsten und letzten Artikel der Reihe zusammen mit der Vorstellung seiner Person, seiner Vita und seiner umfangreichen Erfahrung mit MAKOplasty® ausführlich beantworten.

Knee in a day – Jetzt wird es ernst

So, 13. Februar 2022 2 Kommentare

Nachdem die Entscheidung und Vorbereitung abgeschlossen waren, wurde es nun langsam ernst für Christoph Schütz.

Drei Wochen vor dem OP-Termin war noch ein CT nötig, bei dem das Knie für die MAKOplasty-Planung vermessen wurde. Dabei wird am Rechner die ideale Lage der Prothese mit einer Genauigkeit von 0,1 mm geplant. 

Eine Woche vor dem OP-Termin am 23. September erfolgte die Voruntersuchung inkl. einem Aufklärungsgespräch mit dem Narkosearzt, der Ernährungsberaterin, einem MRSA-Test sowie diversen Blutabnahmen. Zudem bekam er 5 x 0,2 l Getränk Pre-OP Nutricia mit sowie eine spezielle Knie-Kältekompresse, die wieder am OP-Tag mitzubringen waren. Einen Tag vor der OP musste noch ein aktueller PCR-Test durchgeführt werden, der in jedem Fall negativ sein muss. Inzwischen hatte Christoph wie geplant in 10 Wochen insgesamt 15 kg an Gewicht abgenommen, was natürlich optimal war.

Am Montag, den 04.10.2021, war es dann so weit:
Christoph kam morgens gleich als erster in den OP, vorher musste er in seinem Zimmer gründlich duschen und die OP-Kleidung inkl. Rutschsocken anziehen. Bereits um 6:30 Uhr wurden die entsprechenden Vorkehrungen durch die OP-Helfer getroffen und anschließend die Vollnarkose eingeleitet. 

Ich habe die ambulante OP keine Sekunde bereut

Christoph Schütz

Im OP wird ein minimal-invasiver Zugang zum Gelenk angelegt (ca. 8 cm). Die tatsächliche Knochenkontur des Patienten wird mit einem Tastfühler abgegriffen und mit der Planung verglichen. Nun wird das Gelenk durchbewegt. Dabei wird die Kinematik der Kniebänder erfasst und die Planung noch einmal auf diese Verhältnisse angepasst. Noch bevor ein einziger Schnitt am Knochen gesetzt wurde, kann der Operateur bereits die Kinematik des Gelenkes nach der Operation simulieren. Dann kommt die Operation selbst. Bei der Operation geht man zwar minimal-invasiv vor, es ist aber erforderlich, an Ober- und Unterschenkel je zwei zusätzliche Stiche für die sichere Bestimmung der Lage des Knochens im Raum anzulegen. Die Narben sind je etwa 5 mm lang. Es wurde eine Schlittenprothese mit einer Chrom-Cobalt-Molybdän Legierung eingebaut.

Wird Christoph bald wieder internationale Turniere spielen wie früher – hier in Litauen 2014

Kurz vor 10 Uhr wurde Christoph im Aufwachraum wieder wach. Laut Operateur hat die OP ca. 45 Minuten gedauert. Nach ein paar Minuten kam gleich ein Physiotherapeut und hat ein paar Beinbeuge-Übungen gemacht, ehe er wieder auf sein Zimmer gebracht wurde. Schmerzen hatte er zu diesem Zeitpunkt keine. Nach einer kleinen Mittags-Mahlzeit kamen Dr. Putzeys mit seinem Assistenzarzt Dr. Moreira inkl. Pflegepersonal zur Visite.
Der angelegte OP-Verband wurde ersetzt. Neben der 8 cm großen Schnittwunde am rechten Knie wurden auch die 2 Wunden, jeweils am Schienbein und am Oberschenkel, wo die Sonden befestigt waren, mitversorgt. Anschließend musste/durfte Christoph bereits mit Gehhilfen über den Flur laufen. Hierbei wurde das bereits sehr zufriedenstellende Gangbild genau kontrolliert.

Gegen 14:30 Uhr folgte noch ein Kontrollröntgen: Die Prothese saß perfekt.

Gegen 15 Uhr kam dann eine Stationsschwester und brachte bereits die Entlassungspapiere. Sie übergab ihm neben der Kältekompresse jeweils ein Rezept für Medikamente (Schmerzmittel und Verbandmittel), ein Rezept für die Physiotherapie sowie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitgeber. Christophs Ehefrau nahm ihren Mann dann im Anschluss hocherfreut mit nach Hause.

Freut Euch auf die Fortsetzung der Story und seid gespannt, ob das Projekt einen erfolgreichen Abschluss hat.

Knee in a day – Entscheidung und Vorbereitung

Sa, 5. Februar 2022 3 Kommentare

Nachdem die Entscheidung zur Operation gefällt war (hier der Weg bis zu dieser Entscheidung), begann Christoph die Ernährung umzustellen, viele Physiotherapien-Einheiten zu absolvieren und viel E-Bike zu fahren. In der Folge wurden weitere Meinungen in drei Kliniken, zwei davon Endocert zertifiziert, eingeholt. Leider immer mit dem gleichen Ergebnis: Knie-TEP rechts, Schlittenprothese. Alle Operateure haben aber im Vorfeld das Tennisspielen als sehr problematisch dargestellt und haben hier als Sportart lediglich Schwimmen und Radfahren empfohlen, was Christoph dann doch einiges an Kopfzerbrechen bereitete. Sollte er tatsächlich seinen liebsten Sport Tennis nicht mehr ausüben können? Wo finde ich eine Klinik, die den ‚Knie-Roboter‘ einsetzt?
Christoph, natürlich inzwischen auch Mitglied unserer TEPFIT-Facebook-Gruppe erfuhr so von Schloß Werneck, die seit Jahren bereits mit dem Roboter ‚MAKOplasty®‘ operieren.
Auch dort machte Christoph dann einen Termin, um nach der 400 Kilometer Anreise die gleiche Diagnose zu erhalten, allerdings mit einem Unterschied: Der dortige Oberarzt hielt nach der erfolgreichen OP das Tennisspielen weiterhin für möglich. Genau das wollte Christoph natürlich hören.

Nach weiteren Behandlungen in Luxemburg – als Grenzgänger zwischen Saarland und Luxemburg hat er den Vorteil, zwei Versicherungssysteme nutzen zu können – bekam er eine Empfehlung für den Leiter des Endocert zertifizierten Endoprothetikzentrums Hopitaux Robert Schumann in Luxemburg, Dr. Pit Putzeys empfohlen. Zufällig arbeitet Dr. Putzeys auch schon jahrelang mit der Klinik Schloß Werneck zusammen und setzt ebenfalls die MAKOplasty®, also ein robotergestütztes System ein. Dabei konnte die HRS Klinik in Luxemburg gerade aktuell das Jubiläum der 2000. Operation mit MAKOplasty® feiern.

2000 Operationen mit MAKOplasty im HRS
OP Nummer 2000 mit dem MAKOplasty®-Roboter im Hôpitaux Robert Schuman

Dank der integralen Finanzierung durch die Fondation Hôpitaux Robert Schuman,
war das HRS-Krankenhaus sehr lange Zeit das Einzige seiner Art indem Robotergestützte OP’s durchgeführt wurden.
Noch heute profitieren die Patienten von diesem technischen Wissensvorsprung

Georges Heirendt, Fondation Hôpitaux Robert Schuman 

Mitte Juli 2021 stellte Christoph Schütz bei seinem ersten Termin mit Dr. Pit Putzeys gleich fest, dass hier aufgrund der Anzahl der getätigten Operationen sowie des gesamten Gesprächsverlaufes, bei dem alle Fragen kompetent beantwortet werden konnten, die „Chemie“ perfekt stimmte und direkt ein sehr großes Vertrauen vorhanden war. 
Dr. Putzeys empfahl dann aufgrund aktueller MRT-Bilder, die am gleichen Tag neu gemacht wurden, sogar eine ambulante OP bzgl. Knie-TEP, hier eine Schlittenprothese – also morgens OP, im Anschluss dann am gleichen Nachmittag wieder die Klinik verlassen und direkt nach Hause. Dies ist seit vielen Jahren in Amerika schon Standard und wird aufgrund der MAKOplasty® seit 5 Jahren auch in Luxemburg praktiziert. Aufgrund der Erfahrungen bzgl. dieser OP wäre es laut Dr. Putzeys später auch kein Problem, seinen Lieblingssport, das Turniertennis wieder aktiv auszuführen. Es wurde daraufhin gleich ein fester Termin für den 04.10.2021 verbindlich vereinbart, da die Tennissaison zum 30.09.2021 endete. Dr. Putzeys gab ihm seine Mobil-Nr. sowie seine E-Mail-Adresse, damit er ihn jederzeit für Fragen kontaktieren könne. Mehrere Nach- bzw. Rückfragen konnten somit auch sehr schnell beantwortet werden.

e MTB
Christoph auf seinem eMTB

Ziel von Christoph Schütz war es jetzt, von Mitte Juli 2021 bis Anfang Oktober 2021, also in den nächsten 10 Wochen bis zur OP noch so viel an Gewicht abzunehmen wie möglich. In den letzten drei Jahren hatte Christoph aufgrund mangelnder Bewegung und geschlossener Fitnessstudios wg. Corona kaum Möglichkeiten, wie gewünscht gezielt zu trainieren. Den festen OP-Termin im Blick trainierte Christoph von nun an täglich zwei Stunden im Fitnessstudio zum speziellen Muskelaufbau für die Knie (Beinbeuger, Beinstrecker, Beinpresse, Wadenheber etc.) – zusätzlich zum E-Bike fahren und Tennistraining. Zwischendurch konnte er aufgrund der Verbesserung der Beweglichkeit und Verminderung der Schmerzen sogar noch Ende Juli 2021 an einem Mannschaftsspiel bei den Herren 50 in der Saarlandliga teilnehmen und mit seinem Team den Aufstieg in die Oberliga feiern. 

Mein Tennisspielen wollte ich auf keinen Fall aufgeben

Christoph Schütz

Seht hier wie es weitergeht mit der geplanten OP.

Knee in a day – Ambulanter Knie-Gelenk-Ersatz – wie alles begann

Di, 1. Februar 2022 3 Kommentare

Ist das wirklich möglich?
Morgens zum Operateur und Nachmittags mit einem Kniegelenkersatz nach Hause?

Das werdet Ihr am Ende der mehrteiligen Artikel-Serie genauer wissen.

Christoph Schütz, 58 Jahre, seit 30 Jahren IT-Unternehmer und wohnhaft im nördlichen Saarland hat Anfang 1999 sein Unternehmen von Deutschland nach Luxemburg ins Dreiländereck verlegt.

Er spielte seit seiner Jugend bis zum 34.-ten Lebensjahr aktiv Fußball, ehe er dann als Quereinsteiger zum Tennis wechselte.

Bereits nach wenigen Jahren konnte Christoph in seiner Altersklasse einige regionale Tennisturniere gewinnen und war auch mehrfach Bezirks- bzw. Regionalmeister und sogar Vize-Saarlandmeister. Einige Verletzungen wie z. B. Tennis- und Golferarm, Entzündung der Supraspinatussehne, Bündelriss in der Wade, mehrfache Muskelfaserrisse, Zerrungen etc. zwangen ihn immer wieder zu Wettkampfpausen.

Im Jahr 2014 nahm er bei den Herren 50 zum ersten Mal auch an internationalen ITF Tennisturnieren in Litauen, Ungarn, Belgien, Luxemburg und Deutschland teil und konnte sich auf Rang 878 seiner Altersklasse weltweit platzieren. Das Training lag wöchentlich hier schon bei 10 – 15 Stunden und wurde parallel durch Mountainbiken ergänzt.

Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt und Sport treibt,
muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern

Christoph Schütz
Tennis Rückhand Slice
Christoph Schütz bei seinem Lieblingssport

Ab 2018 spielte er dann bei den Herren 55 an Position 2 in der Oberliga. Doch gleich im ersten Medenspiel Ende April 2018 traten plötzlich starke Knieschmerzen im rechten Knie auf. Es wurde dann kurzfristig ein MRT durchgeführt und neben einem Meniskusriss im Hinterhornbereich, eine Bakerzyste sowie auch eine beginnende Arthrose diagnostiziert. Auf Anraten des betreuenden Orthopäden entschied man sich zunächst für eine rein konservative Behandlung und für das Tragen einer Kniebandage, sowie der Gabe von temporären Schmerzmitteln. 
Leider kam es wie es kommen musste: Die Schmerzen wurden stärker und auch das linke Knie machte sich auf Grund von Fehlbelastungen langsam bemerkbar.
Sein geliebtes Tennisspielen auf Regionalliga-Niveau wurde natürlich zunehmend beschwerlich und war schließlich nicht mehr möglich. 2019 gab es dann weitere Therapieversuche mit Hyaluron-Injektionen und PRP-Eigenblut-Behandlungen. Trotzdem reichte es nur noch für Tennis im Doppel.

Im August 2020 folgten dann weitere Untersuchungen in Köln mit dem Ziel, ggf. mit einem einen kollagenen Meniskusimplantat das Problem in den Griff zu bekommen. Bei den dafür notwendigen ausführlichen Untersuchungen gab es für Christoph dann die wenig erfreuliche Diagnose:
Mediale Gonarthrose sowie eine angeborene Achsfehlstellung (O-Beine), die Innenknorpel waren auf beiden Seiten nahezu komplett weg, die Außenknorpel waren noch soweit o.k., rechts waren es 8,6 Grad, links 6,5 Grad Abweichung zur Beinachse, also Arthrose 4. Grades rechts und 3. Grades links. 
Empfehlung des Orthopäden: Eine Knie-Schlittenprothese in einer Endocert zertifizierten Klinik, am besten mit einem Knieroboter. Zusätzlich wurden Einlagen mit Außenranderhöhung verschrieben und beidseitige Knie-Orthesen.

Wie geht es weiter? Wird sich Christoph zur OP entscheiden und wenn ja, wie und wo?
Das könnt Ihr hier lesen – und wenn Ihr rechts auf E-Mail-Abo klickt, bekommt Ihr automatisch eine Info, wenn der Artikel online geht.

Ski mit neuer Hüfte oder neuem Knie

Photo by Dario Morandotti on Unsplash

Ski mit dem neuen Knie: Immer mehr machen auch mit Prothese Wintersport
DGOU: Berlin, 27.01.2022:

Die Zahl der Menschen, die mit einem künstlichen Gelenk problemlos Ski fahren, ist deutlich gestiegen. Experten der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) empfehlen eine gute Vorbereitung durch Koordinations-, Kraft- und Ausdauertraining und eine Saison Pause nach der Gelenk-OP. „Grundsätzlich rate ich meinen Patienten zu körperlicher Aktivität, auch zum Wintersport, um den Knochen zu stärken und einer Prothesenlockerung vorzubeugen. Ich warne jedoch vor zu früher Wiederaufnahme“, sagt Prof. Dr. Andreas Halder, stellvertretender DGOU-Präsident und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Die DGOU gibt Tipps für Wintersport mit künstlichem Gelenk… mehr

Nordic-Cross-Training in der Fachpresse

Dr. Georg Kaupe, Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin,

hat bereits vor vielen Jahren ein perfektes Ganzkörper-Trainingsgerät erfunden und war damit auch schon mehrfach in der Presse.
Einige wissen, dass ich auch dieses Trainingsgerät besitze und hier in meinem Blog einen Erfahrungsbericht zu der besonders gelenkschonenden Sportart, die für TEP-Träger und Menschen mit Arthrose perfekt geeignet ist, veröffentlicht habe.
Aktuell fand das von Kaupe entwickelte Nordic-Cross-Training mit einem ganzseitigen Artikel Einzug in die bundesdeutsche Fachpresse für Orthopädie.

Den kompletten Fachpresse-Artikel inkl. PDF-Download gibt es hier…

Kostenersparnis durch TEP-Recycling – Pilotprojekt INTEREST

Der permanente Kostendruck der Kostenträger im Gesundheitswesen erfordert innovative Ideen. So stellt sich die berechtigte Frage, warum bei ca. 400.000 Operationen jährlich in Deutschland, bei denen ein künstliches Hüft-oder Knie-Gelenk eingesetzt wird, nicht auch recycelte Implantate zum Einsatz kommen könnten. Schließlich sind darunter ca. 50.000 Wechsel-OPs, bei denen die Implantate ohnehin entnommen werden. Die Rohmaterialien (Titan, verschiedene Metall-Legierungen und Polyethylen) könnten bei hohen Temperaturen eingeschmolzen und dann zu neuen Implantaten gefertigt werden.
Da der Schmelzpunkt für Titan bei 1668 Grad Celsius liegt, könnten zusätzlich, falls ein verstorbener TEP-Träger in einer Urne beigesetzt wird, auch diese Implantate noch verwandt werden.
Eine Feuerbestattung findet bei ‚nur‘ 850 Grad Celsius statt. Somit nimmt das Material keinen Schaden, abgesehen vom Polyethylen. Bei einer etwaigen Wiederverwendung von Keramik sind dagegen noch einige technische Hürden zu meistern, da der Schmelzpunkt bei 3422 Grad Celsius liegt.

Bei einem Sportler nach 21 Jahren ausgebauter Schaft mit Keramikkopf

Damit aber in jedem Fall das Titan verwendet werden kann, soll zukünftig in jedem ausgestellten Implantat-Pass automatisch das Einverständnis zur Verwendung nach dem Tod eingetragen werden, es sei denn es wird ausdrücklich widersprochen. Den ursprünglichen Gedanken einiger Experten, entnommene Implantate als sog. ‚refurbished TEPs‘ direkt wieder einzusetzen – zeigt doch zumindest der Titan-Schaft selbst nach 21 Jahren Einsatz bei einem Sportler (s. nebenstehendes Foto) kaum äußerliche Abnutzungserscheinungen – hat man auf Grund von Unsicherheiten im Bezug auf die nicht zu überprüfende Beanspruchung des Materials über die Jahre im Körper der TEP-Träger wieder verworfen.

Intelligente TEP Recycling Strategie

Der anerkannte Gesundheitsökonom Prof. Dr. Franz-Johannes Hanebüchen rechnet vor: „Durch die Wiederverwendung der Materialien können die Implantatkosten im Einkauf um bis zu 70% gesenkt werden.“
In Abstimmung mit allen Kostenträgern und politischen Entscheidungsträgern hat die Vereinigung der deutschen Implantat-Produzenten (VddIP), in der alle namhaften Hersteller vertreten sind, das Pilotprojekt INTEREST am 1.4.2021 gestartet.
INTEREST steht für „Intelligente TEP Recycling Strategie“. Dabei haben sich acht repräsentativ ausgewählte Endoprothetik-Zentren im Rahmen des Piloten verpflichtet, alle bei Revisions-OPs entnommenen Implantate an die VddIP zu senden. Patientendaten sollen dabei nur anonymisiert erfasst werden. Im Gegenzug profitieren diese Kliniken von den günstigen im Recyclingverfahren hergestellten Implantaten. Solange die Fallpauschalen für eine endoprothetische Versorgung gleich bleiben, lassen sich in den Kliniken signifikant höhere Gewinne erwirtschaften.
Allerdings wird der sog. Kellertreppeneffekt spätestens dann, wenn das System flächendeckend etabliert wurde, dafür sorgen, dass die Fallpauschalen wie üblich entsprechend gekürzt und sich die Margen wieder sukzessive verringern werden. Insgesamt sorgt dies dann immerhin für eine Reduktion der Gesamtkosten, die allen GKV-Versicherten zu Gute kommt.
Der Chefarzt einer der beteiligten Kliniken, Prof. Dr. Retep Endomichalsky, ist überzeugt: „Auch wenn wir noch keine exakten Ergebnisse hinsichtlich der Haltbarkeit haben, überwiegen die Vorteile. Selbst wenn wider Erwarten die Standzeiten geringer sein sollten als bei den Originalen, so generiert eine vorzeitige Revision weitere Umsätze.“

Weitgehend politischer Konsens

Auch die Politik steht mehrheitlich hinter dem Projekt. So ist die gesundheitspolitische Sprecherin des Bündnis 90/Die Grünen, Frauke-Katharina Schmidthans-Wagenbroock, überzeugt, damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und zum schonenden Umgang mit Ressourcen beizutragen. Lediglich die Parteien des rechten Randes sorgen sich um rein deutsche Patienten ohne Migrationshintergrund. Hier könne nicht ausgeschlossen werden, dass wiederverwendete Implantate ursprünglich von ausländischen Mitbürgern stammen könnten und somit die Möglichkeit bestünde, dass Deutsche quasi mit fremdländischem Material ‚infziert‘ würden.

Das Projekt INTEREST ist zunächst auf zwei Jahre ausgelegt. Dann will man die Ergebnisse vollumfänglich analysieren und entscheiden, ob die flächendeckende und verpflichtende Teilnahme für alle Kliniken per Gesetz umgesetzt wird.

E-Health – Digitalisierung im Gesundheitswesen – Apps und Live-Veranstaltungen

e-Health


Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist nicht mehr aufzuhalten. Große Firmen und kleinere Startups, meist von Main-Playern im Gesundheitssektor finanziell unterstützt, drängen auf den Markt. Fitness-APPs gibt es an jeder Ecke, auf jedem Armband, auf Smartphones und Uhren.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat aktuell 10 Gesundheits-APPs verschiedener Hersteller zugelassen, die es auf Rezept gibt.
Viele niedergelassene Ärzte haben inzwischen Video-Sprechstunden eingeführt, natürlich in 2020 auch ‚Corona‘ getrieben.
Auf Grund nicht erlaubter Präsenzveranstaltungen in 2020, konnten viele Informationsveranstaltungen von Kliniken und Endoprothetik-Zentren zur Patienten-Aufklärung bei Gelenkersatz nicht stattfinden.
Inzwischen werden solche Veranstaltungen vermehrt digital angeboten.

Als digitale Gesundheitsanwendung in Form einer App – speziell für Coxarthrose (Hüftarthrose) – ist bereits Vivira vorläufig zugelassen.
Für eine weitere App vom Startup alley wird die Zulassung noch im ersten Halbjahr erwartet. Bei dieser App geht es um einen kompletten Behandlungspfad für Patienten mit Knie- und Hüft-Arthrose (Gon- und Coxarthrose).
Mit einigen Partnerkliniken ist diese App aktuell im Live-(Test)-Betrieb, siehe weiter unten am Beispiel des GK-Bonn.
Ich hatte übrigens durch sehr frühen Kontakt zu diesem Startup die Möglichkeit, die Entwicklung der Anwendung in Teilen zu begleiten und mich von dem Mehrwert für Patienten zu überzeugen.
Wer sich informieren möchte, was mit der App auf Rezept alles möglich ist und wie diese Betroffenen helfen kann, dem sei das Online-Video-Patienten-KolloquiumDigitale Chancen für die Behandlung von Knie- und Hüftarthrose“ am 20.01.2021 des Uni-Klinikums Bonn ans Herz gelegt. Die 90-Minütige Veranstaltung hat drei Themen-Blöcke:

  • Die digitale Sprechstunde: per Video zur Diagnose? (Dr. Jansen)
  • Wie für Sie gemacht: Prothesenplanung in 3D (Dr. Randau)
  • Potenziale digitaler Medizinprodukte: Die alley App begleitet bei der Behandlung von Hüft- und Kniearthrose (Dr. Latz)

Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos.


Dr. Holger Haas

Dr. Holger Haas

Eine weitere digitale hochspannende Video-Veranstaltung findet am 10.2.2021 statt. Diese ist allerdings exklusiv nur für die Mitglieder der privaten Facebook-Gruppe ‚TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)‘ zugänglich. Nachfolgend die Details:

VIDEO-WEBINAR „Das schmerzhafte Kunstgelenk“ am 10.02.2021 von 18:00 – 21:00 Uhr von und mit Dr. med. Holger Haas, Chefarzt Allgemeine Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin GK-Bonn, Endoprothetik-Zentrum der Maximalversorgung.
Bei Berichten über hervorragende Behandlungsergebnisse besteht ein regelrechter Wettkampf: nach schneller, besser und schöner…

Viele Betroffene wissen jedoch auch über unerfreuliche Erfahrungen und Schmerzen zu berichten.
Es ist das Ziel dieses Webinars, Licht in das Dunkel zu bringen und über Beschwerdeursachen und die möglichen Maßnahmen zur weiteren Abklärung bzw. Behandlung aufzuklären.
was ist ein gutes Ergebnis nach einer Prothesenimplantation?
 wie lange halten Prothesen?
Schmerzen nach Prothesen und deren Ursachen
wodurch lockern sich Prothesen?
wie geht es weiter, wenn ich Schmerzen habe?
Die Infektion als schwere Komplikation
Was das Webinar nicht leisten kann:
Eine persönliche oder individuelle Abklärung von Beschwerden ist im Rahmen dieses Webinars nicht möglich. Dies bleibt einer persönlichen ärztlichen Untersuchung und Beratung vorbehalten.
Was das Webinar leisten soll:
Betroffene sollen umfänglich aufgeklärt sein, um ihre Situation besser einschätzen zu können und bei Ihrem Arzt bzw. Ärztin die richtigen Fragen stellen zu können. Interessierte können sich noch besser über das große Gebiet der Endoprothetik aufklären lassen und so für ihre Entscheidung für oder gegen eine Prothese weitere Informationen gewinnen.

Wie könnt Ihr teilnehmen?
Eine Teilnahme ist nur als Facebook-Nutzer und Mitglied der TEPFIT-Gruppe möglich. Wer Interesse hat, einfach in Facebook eine Mitgliedsanfrage für die TEPFIT-Gruppe stellen, auf Veranstaltung gehen und anmelden, wie dort beschrieben (Name und eMail-Adresse sind dazu notwendig).

Ihr habt während der Live-Veranstaltung die Möglichkeit per Chat-Funktion direkt Eure Fragen zu stellen, die Dr. med. Holger Haas nach seinem Vortrag gerne beantwortet – allerdings ohne Gewähr, dass alle Fragen berücksichtigt werden können.


alley in der Praxis im GK-Bonn
Das Bonner Gemeinschaftskrankenhaus geht im Übrigen auch den Weg der digitalen Offensive und arbeitet mit der bereits alley-logo.g. Kölner Firma alley und deren Patienten-App zusammen. Seit April 2020 kommt die App alley zur Behandlung von Menschen mit Hüft- und Kniearthrose im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn zum Einsatz. Damit gehörte es nicht nur im Bonner Raum, sondern auch bundesweit zu den ersten Anwendern von alley und hat die Anwendung in ihrer Entwicklung maßgeblich geprägt. Dr. med. Holger Haas, Chefarzt Allgemeine Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin, erklärt:

Als Klinik ist uns daran gelegen, Patientinnen und Patienten bei allen Fragen im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung aktiv zu begleiten, auch wenn sie längere Zeit auf ihren OP-Termin warten müssen. Mit alley ist genau das möglich. App und Care Management helfen uns, die individuelle Situation unserer Patientinnen und Patienten besser zu verstehen und darauf einzugehen. Gerade mit zeitlichem Abstand von der Erstuntersuchung tauchen zudem oft Fragen auf, die dann durch die App oder im direkten Kontakt beantwortet werden können. Damit wird auch die Betreuung der Patienten durch die niedergelassenen Ärzte im Vorfeld der Operation hervorragend unterstützt.

Im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn kam alley bereits im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 zum Einsatz. „alley hat in dieser kritischen Lage der Klinik geholfen, unsere Patienten effektiv auf ihre Behandlung vorzubereiten und die anstrengende Phase des Wartens zu überbrücken“, betont Dr. Haas. Seine Erfahrungen sind in die Entwicklung der App eingeflossen.
Innerhalb der ersten Monate der Zusammenarbeit nutzten mehr als 100 Patienten alley als Begleitung und zur Vorbereitung auf ihre OP. Die Corona-Krise gab dem Angebot zusätzlichen Schub, da aufgrund der unsicheren Pandemie-Lage viele terminierte OPs verschoben werden mussten und niemand sicher sagen konnte, wann es wieder Eingriffe geben würde. Über das Dashboard hatten die Ärzte die Möglichkeit, anhand der Schmerzprotokolle ihrer Patienten Dringlichkeiten festzulegen und die Medikation aus der Ferne im Blick zu behalten. Die Patienten wurden über das alley Care Management regelmäßig kontaktiert, in das Terminmanagement des Krankenhauses eingebunden, erhielten auf sie zugeschnittene Übungen zum Aufbau und Erhalt der Grundmobilität. Beide Seiten blieben fachlich und persönlich in Kontakt. Diese Erfahrungen konnten im pandemiegeprägten Jahresverlauf fortgesetzt werden.

Das Gemeinschaftskrankenhaus Bonn und Dr. Holger Haas haben die Entwicklung von alley von Anfang an mit Passion und Expertise begleitet. Nach der erfolgreichen Pilotphase soll alley dauerhaft Teil des Klinikalltags in der Orthopädie des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn werden. Dafür wird das Dashboard auf die klinikspezifischen Bedürfnisse hin angepasst und in das Krankenhaus-Informationssystem (KIS) eingebunden. Gleichzeitig wird alley in das Aufnahmecenter integriert, so dass Patienten vom Erstkontakt mit der Klinik an auf das alley Care Management zugreifen können.

Ausblick
Es wird auf jeden Fall spannend sein zu sehen, wie schnell die Digitalisierung im Gesundheitswesen die nächsten Jahre fortschreitet und wo die Grenzen des Sinnvollen liegen. Dabei spielt natürlich auch die Akzeptanz der Anwender eine große Rolle und die Frage, ob und in welchem Umfang sich die ältere Generation darauf einlässt. Ein sehr großen Augenmerk muss dabei von allen Seiten unbedingt auf die Sicherheit der Daten gelegt und die Verwendung und Speicherung absolut transparent gemacht werden.
Weitere Schritte der Digitalisierung wird es auch bei Diagnosen durch künstliche Intelligenz geben.
Auch hier positioniert sich das GK-Bonn sehr innovativ und ist über das KnorpelKompetenzNetzwerk eine einjährige Probe-Partnerschaft mit dem Wiener Start-Up Unternehmen ImageBiobsy Lab eingegangen.
Dieses junge Unternehmen beschäftigt sich mit der künstlichen Intelligenz in der medizinischen Bildgebung und hat sich hier schon frühzeitig auf die Diagnose bei Arthrosen der Hüft- und Kniegelenke spezialisiert.
Es bleibt spannend und interessant!

Sport mit TEP, Kostendruck in der Endoprothetik und konservative Therapien

Vergangene Woche gab es eine Online-Pressekonferenz (PK) der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) anlässlich des 22. AE-Kongresses vom 2. bis 4. Dezember 2020 in Düsseldorf „Endoprothetik im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Innovation“.
In der einstündigen PK gab es drei wirklich sehr interessante Themenblöcke:

  • Corona-Pandemie: Wie kommen Arthrose-Patienten gut durch diese Zeit? Und wann muss spätestens operiert werden? Ein Update der konservativen Möglichkeiten
    Priv.-Doz. Dr. Stephan Kirschner, MBA
    Vizepräsident der AE, Direktor der Klinik für Orthopädie der St. Vincentius- Kliniken, Karlsruhe
  • Sport mit Hüft- und Knieprothese – Ist die Angst vor einer Lockerung oder einem Implantatbruch noch berechtigt?
    Professor Dr. med. Carsten Perka
    Generalsekretär der AE, Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Hüft- und Knieprothesen: Ziel ist lebenslange Haltbarkeit – Was Materialien, OP-Robotik, 3-D-Prothesen und weitere Innovationen heute dazu beitragen können
    Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller
    Präsident der AE, Ärztlicher Direktor des Herzogin Elisabeth Hospitals Braunschweig, Chefarzt der Orthopädischen Klinik

Im ersten Themenblock werden ausführlich die konservativen Therapien bei Arthrose besprochen.
Im zweiten Themenblock geht es darum, dass Sport und Bewegung mit einer TEP ausdrücklich erwünscht sind.
Der dritte Themenblock beschäftigt sich mit der Problematik des Kostendrucks, ganz besonders auch bei den spezialisierten Endoprothetik-Zentren, teils zu Lasten der Qualität der Implantate und der Innovationen.

Allen drei Bereiche wurden zwar hier im Blog und auch auf unserer Mut zur neuen Hüfte! bereits thematisiert.
Aber es ist wesentlich authentischer, wenn man diese Informationen direkt von den medizinischen Fachleuten hört und sieht. Ich kann diese einstündige, wirklich kurzweilige PK, jedem Interessierten und/oder Betroffenen nur ans Herz legen.
Die Pressemappe mit den Wortbeiträgen kann hier direkt als PDF heruntergeladen werden.
Die Aufzeichnung der Online-PK gibt es hier. Allerdings ist dort eine Anmeldung mit Name und eMail-Adresse nötig, was aber nach Rücksprache mit der AE auch für ‚Nicht-Presseleute‘ durchaus erlaubt und gewünscht ist.

Kostendruck verhindert lebenslange Haltbarkeit von Implantaten

Fr, 20. November 2020 3 Kommentare

Wenn die Ausführungen des nachfolgenden Artikels der DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ENDOPROTHETIK E.V. korrekt sind – und daran besteht kein Zweifel – müssten eigentlich alle Patienten und Mediziner auf die Barrikaden gehen. Weil Fallpauschalen z.B. für eine endoprothetische Versorgung zu niedrig sind, wird Patienten nicht das für sie beste Implantat eingesetzt und/oder nicht die beste OP-Methode angewandt. Das ist ein Skandal.
Weiterhin wird ausgeführt, dass auch die teure und personalintensive Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum nach EndoCert außerhalb des Budgets läuft. Das mag übrigens auch ein Grund sein, warum einige Kliniken, die weit mehr als die geforderte Anzahl von Fallzahlen pro Jahr haben, sich nicht zertifizieren lasen.
Aber lesen Sie selbst den kompletten nachfolgend verlinkten Artikel.

Hüft- und Knieprothesen: Ziel ist lebenslange Haltbarkeit – Doch Kostendruck gefährdet Fortschritt

Freiburg/Düsseldorf, November 2020 – Hüft- und Knieprothesen ermöglichen Millionen von Menschen mit schwerer Arthrose Schmerzfreiheit und Mobilität. Doch die Standzeit der Implantate ist begrenzt. Patienten unter 70 Jahren, die ein Implantat erhalten, müssen damit rechnen, dass es mindestens einmal ausgetauscht werden muss. Ziel ist jedoch die lebenslange Haltbarkeit der ersten Prothese. Auf dem Weg dorthin spielen die Güte des Prothesenmaterials, die Implantationstechnik sowie die zertifizierte Prozessqualität der Klinik eine bedeutende Rolle. Doch die damit verbundenen höheren Kosten – etwa für OP-Robotik mehr