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Archive for the ‘Physiotherapie’ Category

Physiotherapie – die oft unterschätzte Kraft des Heilens

So, 20. Oktober 2019 2 Kommentare

In Deutschland ist seit geraumer Zeit endlich eine Diskussion in Gang gekommen, die den Direktzugang zum Physiotherapeuten fordert, also ohne ärztliches Rezept. Dies ist bereits in 40 Ländern weltweit möglich. Siehe Artikel aus der Apotheken-Umschau von vor einem Jahr. Geändert hat sich seitdem leider nichts.
Aus meiner Sicht liegen die Vorteile für Patienten auf der Hand: reduzierte Wartezeiten und weniger Verordnungen von Medikamenten. Außerdem würden Ärzte entlastet und insgesamt die gesamtgesellschaftlichen Kosten, durch Verringerung von aufwendiger Diagnostik und bildgebenden Verfahren, reduziert – so zumindest die Erfahrung aus anderen Ländern.
Unbestritten ist natürlich, dass dabei Budget- und Haftungsfragen geklärt werden müssen, etwa wenn eine Falschbehandlung erfolgt.
Die weiteren Gegenargumente, dass Physiotherapeuten zu wenig diagnostische Kompetenz haben und daher Fehldiagnosen getroffen werden könnten, kann ich zwar teilweise nachvollziehen, aber Fehldiagnosen von Ärzten sind beileibe auch keine Seltenheit.
Mit politischem Willen und konstruktiver Zusammenarbeit aller beteiligten Verbände und Krankenkassen, sollte es auch in Deutschland möglich sein, einen einfachen Zugang zur Physiotherapie zu etablieren.

Physiotherapeutin Julia Geidner – Behandlung 2018

Ich selbst kann bis auf ganz wenige Ausnahmen nur von positiven Erfahrungen mit Physiotherapeuten berichten. Durch meine sportlichen Aktivitäten und ingesamt drei Hüft-Operationen habe ich über lange Jahre viele Physiotherapeuten (weibliche und männliche) kennengelernt in verschiedenen Bundesländern (NRW, Bayern, Hessen). Allen war eines gemein: Sehr engagiert, kompetent und auf den Patienten eingehend. Stellvertretend für alle sei Julia (Foto) genannt, die mich in meiner schwierigen Situation nach der Revisions-OP 2018 in der 6-wöchigen Warte- und Teilbelastungszeit bis zu stationären Reha perfekt behandelt hat – mit viel Empathie und großer Expertise.
Und wenn ich mal wirklich nicht zufrieden war mit meinem Therapeuten, was auch einige wenige Male vorgekommen ist, habe ich diesen gewechselt – genauso, wie ich mich auch nicht scheue, bei Unzufriedenheit einen anderen Arzt aufzusuchen.

Zum Schluss noch einen Hinweis aus eigener Erfahrung: Physiotherapie kann nicht immer nur sanft erfolgen. Es kann durchaus auch mal schmerzhaft und anstrengend sein, wenn sich der Behandler im Abstimmung mit dem Patienten an Bewegungsgrenzen herantastet oder versucht, besonders tief liegende Muskeln zu lockern. Hier ist mitunter soviel Druck notwendig, dass dabei auch schon mal ein blauer Fleck nach der Behandlung entstehen kann. Ich erwähne das deshalb, weil in meiner Facebook-Gruppe „TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)“ genau diese Diskussion vor kurzem stattfand und sich darüber ausgelassen wurde, was das für unmögliche Physiotherapeuten seinen, die den Patienten ja geradezu verletzen. Im Übrigen steht es jedem Patienten frei, die Behandlung abbrechen zu lassen, wenn es zu unangenehm wird.

Physiotherapeuten leisten einen wirklich wertvollen Beitrag zur vollständigen Genesung nach operativen Eingriffen, sowie bei allgemeinen Beschwerden des Bewegungsapparates, der leider zu oft unterschätzt wird.

Die Komplett-Revision der Hüfte in 12 Kapiteln

Sa, 5. Oktober 2019 2 Kommentare

Nachdem ich knapp 10 Jahre lang mit meinen beiden künstlichen Hüftgelenken sportlich richtig Gas geben konnte, stand im April 2018 die notwendige Komplett-Revision der 21 Jahre alten TEP auf dem OP-Plan. Komplett hieß in meinem Fall, alle zementierten Komponenten entfernen (Pfanne und Schaft) und versuchen, eine natürlich größere, aber dafür nicht einzementierte Revisionsprothese einzusetzen. Wie schon bei der letzten OP (rechte Seite in 2008) vertraute ich hier auf das bewährte und hervorragende Team der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen. Die nachfolgenden Kapitel zeigen den langen und teils auch beschwerlichen Weg zurück zur Normalität und auch zum Sport.

Das komplette Tagebuch (41 Seiten) kann auch hier als ePDF mit allen Links und Videos heruntergeladen und somit ganz bequem auf einem Tablet oder PC offline gelesen werden.

Ärztefreuden über glücklichen Revisions-Patienten

Sa, 5. Oktober 2019 6 Kommentare

Oftmals wird erfolgreichen Operateuren nachgesagt, dass sie zwar ihr Fach verstehen, es Ihnen aber an Empathie mangelt. Dass sich Empathie und Können nicht ausschließen, dafür stehen bisher alle Ärzte, die ich persönlich in der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen kennengelernt habe.
Vor wenigen Tagen hatte ich 17 Monate nach meiner Komplett-Revision links quasi den TÜV-Termin bei meinem Operateur. Mein eigenes positives Gefühl, dass alles top verheilt und sportlich belastbar ist, sollte hoffentlich radiologisch und durch Untersuchung meiner Ärzte in der endogap bestätigt werden. Dr. Andreas Berger und mein Operateur Dr. Rolf Schipp haben sich beide hocherfreut und zugleich leicht überrascht mein Röntgenbild angeschaut. Die Revision-TEP habe sich keinen Millimeter bewegt und sei bombenfest eingewachsen, so die sehr gute Nachricht.

Links sechs Monate vor der Revision – Mitte vier Wochen Post-OP – Rechts siebzehn Monate Post-OP (zum Vergrößern auf das Bild klicken) – Auch wenn die Maßstäbe nicht identisch sind, spiegelt das mittlere Bild die Länge im Vergleich zur Erst-TEP links wieder – Veröffentlichung der Röntgenbilder mit freundlicher Genehmigung der endogap

Besonders gut kann man das am nebenstehendem Röntgenbildvergleich sehen. Auf dem linken Bild, vor der Revision, sind sehr deutlich die Osteolysen (Knochendefekte, schwarze Regionen) am und um den lockeren Schaft zu sehen. Rechts kann man einerseits erkennen, dass der offene Spalt (mittleres Bild vor der 4. Cerclage) jetzt komplett vom neu gebildeten Knochengewebe, dem sog. Kallus wieder verschlossen (überbaut) wurde. Zudem ist deutlich zu erkennen, wie der Knochen wieder sehr kräftig geworden ist und die ’schwarzen Löcher‘ verschwunden sind (zum Vergrößern auf das Bild klicken). „Der ist ja doppelt so stark wie vor der Revision“, so Dr. Schipp. Auf meine Frage, ob das ein normaler Prozess sei oder ggf. auch genetisch bedingt sein könnte, haben sich die Docs wie folgt geäußert: „Eine gute Muskulatur und moderates stetiges Training sind notwendig, um dem Knochen genügend Anreize zu geben, sich zu regenerieren und zu kräftigen“. Eine sehr gut ausgebildete Muskulatur an beiden Oberschenkeln und Gesäßseiten wurde mir dabei direkt ärztlich bestätigt.
Ich kann meinem Glücksgefühl kaum Ausdruck verleihen, dass nach dem langen Prozess letztlich alles so optimal verlaufen ist und sich über ein Jahr stetiges Arbeiten an meiner vollständigen Wiederherstellung mehr als gelohnt haben. Neben meinem Hauptoperateur Dr. Rolf Schipp, ohne dessen hervorragende Arbeit meine eigenen Bemühungen wesentlich weniger erfolgreich gewesen wären, haben auch alle mich begleitenden Physiotherapeuten über den Zeitraum (endogap, zu Hause, Reha) einen großen Anteil daran. Besonders mein Haupt-Physio Marius Topf im Medical Park St. Hubertus hat mich völlig zu Recht anfangs stets eingebremst, es bloß nicht zu übertreiben. Ihnen allen gilt mein Dank.
Besonders schön auch, dass ich bei dem Kontroll-Termin meinen Physiotherapeuten und Triathleten Nico Ben Kartes getroffen habe, mit dem ich im April 2018 die ersten mühsamen Schritte im endogap-Krankenhausflur absolviert habe, während wir uns dabei über den Triathlon-Sport unterhielten.
Meinen eigenen sportlichen Aktivitäten steht nun auch ‚amtlich‘ nichts mehr im Wege, lediglich das Laufen werde ich vernünftigerweise stark reduziert, sehr langsam und mit kurzen Schrittlängen so gelenkschonend wie möglich betreiben. Ich genieße es einfach nur, in herrlicher Natur wieder leicht und locker joggen zu können, ohne jeden Wettkampfgedanken.

Herrliche Wanderung über Kühzagl – Bodenschneidhaus – Freudenreich-Alm und zurück

Ob der mehr als guten Nachrichten, habe ich mich dann selbst mit einer neuen Multisportuhr (Garmin Fenix 5x) belohnt. Bereits gut eine Woche nach dem Kontrolltermin hat dieser Mini-Computer insgesamt 25 MTB-Kilometer und knapp 80 km zu Fuß (Laufen, Gehen, Wandern) mit über 1800 Tegernseer-Tal-Höhenmetern in der Aktivitätsübersicht angezeigt. Alles ohne auch nur ein Hauch von Zwicken oder Zwacken der künstlichen Gelenken. Es ist einfach herrlich.

Übrigens hatte ich mich bereits im Vorfeld des Kontroll-Termins bei einem Laufladen mit schuhorthopädischer Expertise komplett neu auf dem Laufband barfuß vermessen lassen. Das für mich sehr überraschende Resultat: Die Beinachse des ‚Revisionsbeins‘ ist absolut perfekt. Auf der rechten TEP-Seite ist ein minimales, kaum wahrnehmbares leichtes Einknicken des Fußes nach innen zu beobachten, welches aber keine extra angefertigte Innen-Sohlenunterfütterung von wenigen Millimetern mehr rechtfertigt, wie ich diese bis dato immer hatte (Siehe meinen Artikel aus dem Jahre 2011 – Laufstilanpassungen bei Endoprothesenträgern). Meine beiden neuen Schuhe, ein Laufschuh mit sehr niedriger Sprengung (5 mm) und ein Trail-Running-Schuh, den ich auch zum Wandern benutze, haben dies nach den oben genannten zurückgelegten Kilometern auch im Live-Test eindrucksvoll bestätigt.

Mit vorstehendem Beitrag schließe ich das Revisionstagebuch nun endgültig ab.
Wenngleich: Nach der Revision ist vor der Revision. Meine rechte Hüft-TEP geht nun auch ins zwölfte Jahr. Meine Docs haben zumindest mal vorsichtig anklingen lassen, dass es ggf. sinnvoll sein könnte, die Gleitpaarung in einigen – vielleicht 8-10 Jahren – ‚prophylaktisch‘ auszutauschen, bevor der unvermeidbare Abrieb soviel Schaden angerichtet hat, dass der Schaft locker wird und wieder eine Komplett-Revision nötig wäre. Den exakt richtigen Zeitpunkt gemeinsam zu finden, dürfte dabei die größte Herausforderung sein. Klar ist aber, dass dazu eine engmaschige, also jährliche Röntgenkontrolle notwendig ist. Aber dies habe ich ja bisher ohnehin immer so gehandhabt.

 

Manuelle Medizin versus Apparatemedizin

Mo, 2. September 2019 2 Kommentare

Leider ist heute die allgemeine Neigung jegliche Art von Beschwerden – und ganz besonders Gelenkbeschwerden, bzw. Probleme mit dem Bewegungsapparat – statt mit manueller Medizin (ausführliche Anamnese, Untersuchung und Diagnose), mit Technik zu erschlagen. Es wird geröntgt und ultrageschallt, es werden MRTs und/oder CTs verschrieben und wenn dies noch nicht reicht, das ganze nochmal von vorne mit Kontrastmitteln. Woran das liegt ist klar: Es werden diese Untersuchungen von den Krankenkassen prima und wesentlich besser vergütet, als wenn sich ein Arzt Zeit nimmt für eine manuelle Untersuchung. Aktuell hat die Presse gerade über die einfache Zusatzeinnahme-Quelle Kontrastmittel berichtet.
Meiner Ansicht nach muss in Bezug auf die Geräte-Medizin in einigen medizinischen Fachbereichen endlich ein Umdenken stattfinden.
Natürlich gibt es Krankheitsbilder, die zwingend eine radiologische Untersuchung nötig machen und es ist gut, dass es diese Möglichkeiten gibt und jedem zur Verfügung stehen. Aber es ist schlecht, dass sich viele Ärzte immer mehr auf diese Diagnostik verlasen, statt den Menschen in seiner Gesamtheit zu betrachten. Vermutlich werden bereits im Studium und im praktischen Jahr die Weichen falsch gestellt, ohne dass ich das belegen kann.

Wie effektiv der Ansatz der manuellen Medizin in den richtigen Händen sein kann, möchte ich mit einem persönlichen Beispiel belegen.

Dr. Georg Kaupe – Bonn

Die Ausgangslage
Eine sportliche und jung gebliebene Sechzigjährige – nämlich meine liebe Frau – hat seit ein bis zwei Jahren mal mehr und mal weniger leichte Beschwerden im Hüftbereich und im ISG. Im Frühjahr dieses Jahres wurden diese allerdings so stark, dass teilweise nur noch wenige Meter schmerzfreies Gehen möglich waren. Die Schmerzen breiteten sich von der Hüfte bis weit in den Oberschenkel hinein aus.
Dies zog sich über einige Wochen, teilweise mit der Einnahme von Schmerzmitteln, hin, bis ein kleiner Ärzte-Marathon gestartet wurde. Es wurden die Hüften und die Wirbelsäule geröntgt ohne wirklichen Befund, bis auf die altersgemäßen Abnutzungserscheinungen. Es wurde Physiotherapie verschrieben, was ich per se schon mal sehr gut finde, aber in ihrem Fall leider nicht geholfen hat.
Ich bin ein vehementer Verfechter von physiotherapeutischen Behandlungen. Habe ich diese doch nach meinen Gelenk-OPs immer selbst gerne und stets erfolgreich in Anspruch genommen.
Da einer meine Frau behandelnden Orthopäden meinte, leichte Arthroseanzeichen auf einem der Hüft-Röntgenbilder gesehen zu haben, wollte er dies noch mit einem Arthro-MRT (MRT mit Kontrastmittel ins Hüftgelenk) absichern. Ich habe in meinem Leben nun wirklich viele Hüft-Röntgenbilder gesehen auf Grund meiner eigenen Gelenkprobleme, durch meine Aktivitäten hier in diesem Blog, in der TEPFIT-Gruppe und im Rahmen der Recherchen für unsere Mutmach-Bücher „Mut zur neuen Hüfte!!“ und „Mut zum neuen Knie!“
Auch als Nicht-Mediziner ist für mich zu erkennen, dass die radiologisch sichtbaren minimal vorhandenen Abnutzungserscheinungen, eigentlich nicht diese massiven Schmerzen verursachen können und deshalb ein Arthro-MRT, bei dem in ein gesundes Gelenk Kontrastmittel gespritzt wird, wenig sinnvoll ist. Meine Liebste entscheidet sich nach einigen Überlegungen gegen diese Untersuchung. Doch wie kann das Problem angegangen und gelöst werden?
Ich nehme Kontakt zu meinem befreundeten Facharzt der Orthopädie Dr. Georg Kaupe in Bonn auf, der seine Behandlungsmethoden auf seiner Praxisseite wie folgt beschreibt:

Als Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin kombiniere ich klassische und alternative Therapiemethoden. Die ganzheitliche Sichtweise ist die Basis meines Behandlungskonzeptes.
Meine anerkannten Zusatzbezeichnungen sind Akupunktur, Chirotherapie und Sportmedizin. Zu einem gründlichen Behandlungskonzept gehört auch die Analyse Ihrer Lebensumstände.
Ich versuche allen Patienten und gerade Kindern mehr Freude an gesunder Bewegung zu vermitteln. Sinnvolle Bewegungskonzepte können das Körperbewußtsein enorm steigern und viele Beschwerden in Vorfeld minimieren.
Neben der Therapie mit unseren Patienten ist die Physiotherapie eine weitere wesentliche Säule zum dauerhaften Behandlungserfolg. Deshalb arbeite ich eng mit diversen Sportwissenschaftlern und Physiotherapeuten zusammen.

Wir vereinbaren einen Termin in seiner Praxis. Vorher gibt er noch den Tipp, meine Frau sollte eine Knochendichtemessung durchführen lassen, da Osteoporose auch oft für diese unspezifischen Beschwerden verantwortlich sein können.

Der Untersuchungstag
Mit diesem Messergebnis kommen wir Anfang August nun in Bonn an. Dr. Georg Kaupe möchte keine Röntgenbilder sehen und kommentiert das Messergebnis der Knochendichtemessung meiner Frau mit den Worten: „Du hast ja Knochen wie ein Bär!“.
Er beginnt nun mit einer eingehenden ‚Ganzkörper‘-Untersuchung durch sichten, bewegen und bestimmte Druckpunkte ertasten und setzen.
Danach schließt sich eine Ganganalyse an. Diese wird natürlich auch durch Technik unterstützt. Die Bodenplatten, über die meine Frau barfuß gehen soll, zeichnen das Gangbild auf (3D-Ganganalyse). Dr. Kaupe kann damit direkt Fehlstellungen der Füße und Dysbalancen im Bewegungsablauf erkennen. Dies ist auch hier der Fall: Meine Frau hat Fußfehlstellungen, so seine Diagnose.
Doch was wird er nun empfehlen, bzw. was sind seine Therapiemaßnahmen?
Er nimmt ein paar Perlotten (kleine Schaumstoffkissen, nur wenige Millimeter dick) aus seinem Fundus und klebt diese als Akutmaßnahme an einer bestimmten Stelle unter beide Füße. Meine Frau ist zunächst sehr skeptisch: Diese wenigen Millimeter sollen die Schmerzen eines halben Jahres einfach beseitigen?
Ich konnte mir das schon eher vorstellen, schließlich hatte ich Jahre zuvor eine ähnliche Erfahrung mit wenigen Millimetern Ausgleich in meinen Laufschuhen gemacht.
Da danach ein Wochenende bei Freunden mit vielen Gehkilometern anstand, war die Bewährungsprobe bereits in Sichtweite. Zusätzlich wurden dann noch entsprechende Einlagen verschrieben, die in normalen Schuhen getragen werden sollen.

Das Ergebnis
Hier das verblüffende Ergebnis: Meine Frau konnte mit diesen kleinen geklebten Schaumstoffkissen unter den Fußsohlen über 10 Stadt-Kilometer in zwei Tagen absolut schmerzfrei zu Fuß bewältigen. Statt aufwendiger und teurer Apparatemedizin, haben hier ein geschultes Auge und jahrelange Erfahrung, gepaart mit entsprechender exzellenter Ausbildung, sowie ein 6,00 EUR teures Paar Perlotten ein Problem behoben, welches vorher ein halbes Jahr lang durch aufwendige technische Untersuchungen und mehrere Stunden bei diversen Fachärzten nicht einmal ansatzweise diagnostiziert wurde.
Inzwischen sind vier Wochen vergangen, meine Frau trägt sowohl die Einlagen regelmäßig, wie auch zu Hause barfuß die Perlotten. Die massiven Schmerzen in der Hüfte und im Oberschenkel sind seitdem einfach dauerhaft verschwunden und meine Frau kann wieder mit Freude an Bewegung und Sport denken.

Was ist das Fazit?
Als Patient mit Problemen am Bewegungsapparat sollte man eine erste Geräte-Diagnose zunächst hinterfragen und ggf. eine Arzt aufsuchen, der das Fach der manuellen Medizin beherrscht. Diese findet man eher unter Sportmedizinern. Wer im Raum Köln-Bonn wohnt, kennt ja nun bereits einen.
Einige gute Sportmediziner bieten Ihre Leistungen nur privatärztlich an. Sofern man gesetzlich versichert ist und es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, sollte einem eine gründliche manuelle Untersuchung ggf. ein paar Euro Wert sein. Es kann eine sehr gute Investition in die eigene Gesundheit und Schmerzfreiheit sein.

EndoFit Wochenende in Bonn – Bewegung und Sport mit Gelenkersatz – 3.-5. Mai 2019

Fr, 1. Februar 2019 1 Kommentar

Dr. Holger Haas

Aktualisierung vom 22.02.2019
Das detaillierte und sehr umfangreiche 3-Tages Programm steht inzwischen fest und kann hier ‚downgeloadet‚ werden.

Artikel vom 01.02.2019
Die Sehnsucht, sich nach einer Gelenkersatz-Operation endlich wieder sportlich und vor allen Dingen schmerzfrei zu betätigen, ist bei vielen Betroffenen sehr groß. Oft wieder dieser Wunsch allerdings von der Angst begleitet, etwas falsch zu machen und damit dem künstlichen Gelenk zu schaden. Das EndoFit-Programm, ursprünglich von der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen vor einigen Jahren ins Leben gerufen, findet nun zum erstem Mal (fast) in der Mitte Deutschlands, nämlich in Bonn, statt.
Dies ist eine sehr gute Gelegenheit für alle, die in der näheren oder oder weiteren Umgebung von Bonn zu Hause sind, etwas für die eigene Fitness zu tun und das Rüstzeug für den selbstbestimmten Weg zurück in ein aktives und bewegtes Leben zu erhalten.
Dr. Holger Haas – Chefarzt Allgemeine Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin des Gemeinschafts-Krankenhauses Bonn, St. Petrus – fasst nachfolgend in einem persönlichen Anschreiben das Programm und das Ziel dieses Wochenendes zusammen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

denken, kommunizieren und mobil zu sein, macht das Leben aus. Dies gilt auch und gerade für Menschen, die durch die Implantation einer Endoprothese ihre Mobilität zurückgewonnen haben. Aber es gehört Zutrauen und manchmal Mut dazu, wieder körperlich aktiv zu werden. Dabei wollen wir Sie unterstützen: Unser Team von Physiotherapeuten, Ärzten und Betreuern wird Sie mit einem abwechslungsreichen Wochenendprogramm auf dem Weg zurück in ein sportlich aktives Leben begleiten. Dabei kommen die Information und der Erfahrungsaustausch nicht zu kurz. In Fachvorträgen werden Sie über aktuelle Aspekte der Endoprothetik informiert, gepaart mit zahlreichen sportlichen Aktivitäten und Medizinchecks. Es erwartet Sie ein speziell zugeschnittenes Trainingskonzept für Gelenkersatz-Träger.

Wir würden uns sehr freuen, Sie hier in Bonn zu unserem ersten endofit-Wochenende begrüßen zu können!

Chefarzt Dr. med. Holger Haas mit dem gesamten Team

Den Flyer mit allen Details zur Anmeldung, Kosten, Veranstaltungsort, Ansprechpartner und den begleitenden Fachleuten gibt es hier.

Natürlich unterstütze ich gerne diese Veranstaltung. Nicht ohne Grund heißt meine Webseite „Endoprothese und Sport“!

Viel Endoprothese und wenig Sport – mein 2018

Bei der Abschluss-Visite mit Dr. Chris Fulghum

Das nun fast abgelaufene Jahr 2018 war sicherlich das sportärmste aber zugleich körperlich für mich herausforderndste Jahr seit Bestehen dieses Blogs. Stand 2018 doch ganz im Zeichen meiner Komplett-Revision der inzwischen arg in die Jahre gekommenen linken, zementierten Hüft-TEP. Galt es für mich zunächst noch am Jahresanfang, mein gelockertes Hüftgelenk noch so beweglich wie möglich zu halten (siehe Aufwärmphase), begann ab April dann der lange Weg zurück ins normale und gegen Ende des Jahres auch wieder sportliche Leben. Der Überschriftsteil ‚Viel Endoprothese‘ ist dabei übrigens durchaus in doppeltem Sinne gemeint. Zum einen, dass dieses neue Stück aus Titan, Keramik und Polyethylen mein Leben und meine Lebensweise in 2018 sehr stark (viel) bestimmt hat und zum anderen meint ‚viel‘ eben auch eine wirklich sehr große Revisions-Endoprothese, wie in der Aufnahme leicht im Vergleich zur rechten TEP zu sehen ist. Während ich diese Zeilen schreibe ist es erst ganz wenige Wochen her, dass ich fast nichts mehr von dieser OP spüre und meine muskulären Defizite zu nahe 100 Prozent wieder ausgeglichen sind. Dass dies überhaupt möglich war und ist, verdanke ich natürlich dem herausragenden Team der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen mit Dr. Christian Fulghum an der Spitze und meinem hervorragenden und revisionserfahrenen Operateur Dr. Rolf Schipp, der die ‚RoboCop‘-TEP, wie ich sie inzwischen fast liebevoll nenne, gemeinsam mit dem ebenfalls sehr erfahrenen Dr. Florian Wolpert – dem ich übrigens meine rechte TEP aus 2008 verdanke – in dreistündiger harter Arbeit ‚hineingezimmert‘ hat.

Revisionshüfte mit Wagnerzugang – mit freundlicher Genehmigung der endogap durch Dr. Christian Fulghum

An dieser Stelle nochmals mein herzlichster Dank dafür an mein Ärzte-Team. Mein Dank gilt aber auch meinen Physiotherapeuten der Medical-Park-Klinik St. Hubertus in Bad Wiessee, in der ich meine vierwöchige Reha absolviert habe, der Physiotherapie am See in Gmund, die mich während der 6 Wochen Teilbelastung vor der Reha betreut hat und meiner lieben Frau, die mich als Pflegefall mit zwei ständigen Gehhilfen in den ersten 8 Wochen verständnis- und liebevoll um- und versorgt hat. Das komplette Auf -und Ab der Wiederherstellung meiner körperlichen Leistungsfähigkeit kann ja auch hier im Blog unter der Rubrik ‚Revision‘ in bisher 10 Kapiteln ausführlich nachgelesen werden, wobei es noch ein oder zwei weitere Kapitel geben wird.
Mit echten sportlichen Aktivitäten, wenn man mal von regelmäßigem Fitness- und Aufbautraining, sowie Walking mit Stöcken absieht, habe ich vor ca. 4 Wochen wieder begonnen. Ich habe die letzten drei Tischtennis-Ligaspiele der Vorrunde mit meinem Team erfolgreich und absolut schmerzfrei absolviert.

Damit ist mein sportlicher Ausblick auf 2019 geprägt von Optimismus und der Gewissheit, dass ich spätestens ab Frühjahr wieder etwas intensiver mit Ausdauersport starten kann. Geplant sind hier abwechselnd MTB-Einheiten (die ich übrigens ganz vorsichtig auch schon im Oktober dieses Jahres absolviert habe), Nordic-Cross-Training (Cross-Shaper) und kleine, lockere und kürzere Laufeinheiten, nachdem mir Dr. Schipp bei der 6-Monatskontrolle hierfür vorsichtig grünes Licht gegeben hat.

Meine liebste Doro und ich 2015 am Bloubergstrand bei Kapstadt

Darüberhinaus freue ich mich im Januar auf wunderschöne Wochen in Südafrika mit meiner Liebsten und unseren besten Freunden (übrigens als Wiederholungstäter schon zum 5. Mal in diesem traumhaften Land) und im April 2019 auf den nunmehr 3. TEPFIT-Workshop seit Bestehen unserer geschlossenen Facebook-Gruppe TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie). Dieses Mal wird es an wechselnden Locations in Berlin mit hochinteressanten Vorträgen und einem Aktiv-Programm für Betroffene stattfinden. Zur Anmeldung mit allen Informationen geht es hier.

Des Weiteren planen meine Mitautorin der beiden ‚Mutmach-Bücher‘ ‚Mut zur neuen Hüfte!‘ und ‚Mut zum neuen Knie!‘ Heidi Rauch und ich, 2019 regelmäßig in loser Folge kleine Video-Clips für unseren TEPFIT-YouTube-Kanal zu erstellen. Darin zeigen wir kleine aber effektive Übungen für die Stabilisation und den Muskelaufbau nach Hüft- oder Knie-OPs, die sich jederzeit und überall in den Alltag integrieren lassen. Den Anfang hat bereits Heidi Rauch gemacht mit ihrem ‚Einbein-Übungsvideo‘.
Wenn es Euch gefällt, abonniert einfach unseren YouTube-Kanal.

Ich wünsche meinen treuen Lesern und Abonnenten ein schönes, friedliches Weihnachtsfest und ein gesundes, bewegungsreiches, sportliches und schmerzfreies Jahr 2019.

 

Stationäre Reha beendet – Aber der Weg ist noch lang

Sa, 21. Juli 2018 3 Kommentare

Kapitel 7 – Die stationäre Reha hat am 13.7.2018, exakt 11 Wochen und 1 Tag nach der Revision-OP, geendet. Der Weg bis zum einwandfreien Gangbild, geschweige denn bis zu vollständigen Wiederherstellung, ist noch sehr lang und erfordert Ausdauer und Disziplin.

Ich habe mir das ‚Weniger ist Mehr‘ Prinzip zu Herzen genommen und versucht, die Balance zwischen Be- und Entlastung zu finden, nachdem mir das nun wirklich jeder nahe gelegt hat, vom Physiotherapeut bis zu allen Chefärzten!
Die letzten drei Wochen der stationären Reha waren daher gezeichnet von sehr moderatem Training im Wasser, im MTT, von täglichen physiotherapeutischen Behandlungen und längeren Ruhephasen. Beim MTT beschränkte ich mich neben regelmäßigem Ergometertraining (auch immer moderat, max. 5 km mit langsam steigernden Wattzahlen bis max. 120 Watt) auf reines Stabilitätstraining nur mit Körperkraft (ohne Gewichte).

AntiGravity-Laufband

Im Wasser bin ich maximal 400 Meter pro Tag geschwommen und habe zusätzlich auch hier Stabilitätsübungen gemacht, z.B. mit der ‚Schwimm-Nudel‘! Wie das geht? Mit beiden Füßen etwa hüftbreit mittig auf die Nudel stellen und dann, ohne dass ein Teil der Füße den Boden berührt, vorwärts gehen, am besten ohne sich am Rand festzuhalten. Mehrmals wöchentlich hatte ich zusätzlich Einzel- und Gruppen-Training im Wasser. Zwischen meinen täglichen Anwendungen hatte ich immer längere Ruhephasen eingeplant und diese auch mit schwerem Herzen eingehalten. Man darf auch die täglichen 3-4 Laufkilometer inkl. Treppenstufen nicht vergessen, die einfach nur durch die ganz normalen Wege zur Physio, zum Essen, zum Schwimmbad und zum MTT zusammenkamen. Einen Aufzug für die 4 Stockwerke des St. Hubertus hatte ich übrigens auch von innen gesehen!

Das Highlight schlechthin war für mich persönlich das AntiGravity-Laufband. Hier lässt sich exakt einstellen, mit welchem Prozentsatz des Körpergewichtes man sich beim Laufen belastet. Ziel dabei ist, sich nur so stark zu belasten, dass man ein absolut rundes Laufbild hat. Gestartet wurde mit 50%, am Ende der Reha war ich dann immerhin auf 65%. Den Versuch, mit Schmerzmittel den Schmerz beim normalen Abdrücken des operierten Beines beim Gehen zu unterdrücken und damit vielleicht aus dem Schmerzgedächtnis zu löschen, habe ich nach 5 Tagen aufgegeben. Die gewünschte Wirkung wurde einfach nicht erzielt.

Nachdem ich zunächst auf Anraten eines Therapeuten die Gehhilfen gegen NW-Stöcke zumindest zeitweise getauscht hatte, habe ich auch das nach ein paar Tagen sein gelassen, da ich tatsächlich nur mit zwei Gehhilfen ein absolut sauberes Gangbild hatte. Auch die Gangschule hat mir das nochmals entsprechend bestätigt!

Sehr positiv verlief meine selbst initiierte Ultraschall-Untersuchung, die von einer sehr emphatischen und gründlichen Oberärztin durchgeführt wurde. Entgegen meinen Befürchtungen, es könnte sich noch ein größerer innerer Bluterguss gebildet haben, war die Sonographie absolut unauffällig und damit auch meine kleine Schrecksekunde vor Reha-Beginn ohne Folgen.
Ansonsten hat mir eine ‚Physio-Folterknechtin‘, Extrembergsteigerin in der Freizeit, meinen psoas major (großen Hüftbeuger) so bearbeitet, dass ich noch drei Tage etwas davon hatte. War aber kein Problem.
Die Abschluss-Untersuchung war auch positiv: Meine Blutwerte (besonders der HB- und der Entzündungswert) waren alle wieder im Normbereich. Zudem hatte ich seit der OP im April 2018 noch knapp sechs Kilogramm abgenommen – davon zwei während der stationären Reha.

Also alles eigentlich prima, oder?
Für mich persönlich noch nicht ganz. Ich kann eben ohne zwei Gehhilfen noch nicht rund Laufen/Gehen, da der quasi ärztlich verordnete 8-wöchige Muskelschwund nicht in vier Wochen aufgeholt werden konnte.
Nach der ersten Woche wieder im Job – alles übrigens absolut problemlos – sind meine weiteren Genesungsschritte schon fest geplant. Neben zweimal Physio pro Woche, werde ich ab nächster Woche (KW 30) ins Physio FIT-Zentrum in Viersen für zunächst 12 Wochen gehen. Dort kann ich das MTT-Training der Reha eins zu eins fortführen. Im übrigen trifft es sich sehr gut, dass ab 1.11.2018 der Medical Park Borussia Mönchengladbach eröffnet. Dort werde ich mit Sicherheit bis zum Frühjahr 2019 Stammgast sein.
Ich bin tatsächlich – mit leichter Ungeduld – gespannt, wann ein absolut rundes Gangbild bei mir wieder Einzug hält.
Ihr erfahrt es als Erste hier in diesem Blog – vielleicht in Kapitel 8!