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Physiotherapie – die oft unterschätzte Kraft des Heilens

So, 20. Oktober 2019 2 Kommentare

In Deutschland ist seit geraumer Zeit endlich eine Diskussion in Gang gekommen, die den Direktzugang zum Physiotherapeuten fordert, also ohne ärztliches Rezept. Dies ist bereits in 40 Ländern weltweit möglich. Siehe Artikel aus der Apotheken-Umschau von vor einem Jahr. Geändert hat sich seitdem leider nichts.
Aus meiner Sicht liegen die Vorteile für Patienten auf der Hand: reduzierte Wartezeiten und weniger Verordnungen von Medikamenten. Außerdem würden Ärzte entlastet und insgesamt die gesamtgesellschaftlichen Kosten, durch Verringerung von aufwendiger Diagnostik und bildgebenden Verfahren, reduziert – so zumindest die Erfahrung aus anderen Ländern.
Unbestritten ist natürlich, dass dabei Budget- und Haftungsfragen geklärt werden müssen, etwa wenn eine Falschbehandlung erfolgt.
Die weiteren Gegenargumente, dass Physiotherapeuten zu wenig diagnostische Kompetenz haben und daher Fehldiagnosen getroffen werden könnten, kann ich zwar teilweise nachvollziehen, aber Fehldiagnosen von Ärzten sind beileibe auch keine Seltenheit.
Mit politischem Willen und konstruktiver Zusammenarbeit aller beteiligten Verbände und Krankenkassen, sollte es auch in Deutschland möglich sein, einen einfachen Zugang zur Physiotherapie zu etablieren.

Physiotherapeutin Julia Geidner – Behandlung 2018

Ich selbst kann bis auf ganz wenige Ausnahmen nur von positiven Erfahrungen mit Physiotherapeuten berichten. Durch meine sportlichen Aktivitäten und ingesamt drei Hüft-Operationen habe ich über lange Jahre viele Physiotherapeuten (weibliche und männliche) kennengelernt in verschiedenen Bundesländern (NRW, Bayern, Hessen). Allen war eines gemein: Sehr engagiert, kompetent und auf den Patienten eingehend. Stellvertretend für alle sei Julia (Foto) genannt, die mich in meiner schwierigen Situation nach der Revisions-OP 2018 in der 6-wöchigen Warte- und Teilbelastungszeit bis zu stationären Reha perfekt behandelt hat – mit viel Empathie und großer Expertise.
Und wenn ich mal wirklich nicht zufrieden war mit meinem Therapeuten, was auch einige wenige Male vorgekommen ist, habe ich diesen gewechselt – genauso, wie ich mich auch nicht scheue, bei Unzufriedenheit einen anderen Arzt aufzusuchen.

Zum Schluss noch einen Hinweis aus eigener Erfahrung: Physiotherapie kann nicht immer nur sanft erfolgen. Es kann durchaus auch mal schmerzhaft und anstrengend sein, wenn sich der Behandler im Abstimmung mit dem Patienten an Bewegungsgrenzen herantastet oder versucht, besonders tief liegende Muskeln zu lockern. Hier ist mitunter soviel Druck notwendig, dass dabei auch schon mal ein blauer Fleck nach der Behandlung entstehen kann. Ich erwähne das deshalb, weil in meiner Facebook-Gruppe „TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)“ genau diese Diskussion vor kurzem stattfand und sich darüber ausgelassen wurde, was das für unmögliche Physiotherapeuten seinen, die den Patienten ja geradezu verletzen. Im Übrigen steht es jedem Patienten frei, die Behandlung abbrechen zu lassen, wenn es zu unangenehm wird.

Physiotherapeuten leisten einen wirklich wertvollen Beitrag zur vollständigen Genesung nach operativen Eingriffen, sowie bei allgemeinen Beschwerden des Bewegungsapparates, der leider zu oft unterschätzt wird.

Prehabilitation: Das richtige Training vor dem Eingriff

Für die Operation fit werden
Prehabilitation: Das richtige Training vor dem Eingriff
Von uns wird schon lange propagiert, möglichst fit in eine notwendige OP zu gehen. Auch in unseren Büchern ‚Mut zur neuen Hüfte!!‚ und ‚Mut zum neuen Knie!‚ weisen wir eindringlich darauf hin!
SWR-Wissen greift genau dieses Thema auf, auch mit einem Info-Video- und -Audio!
(SWR2 Impuls. Von Dorothea Brummerloh. Online: Anja Braun & Ralf Kölbel. Stand: 14.5.2018)

Operationen schlauchen den Körper – die Bettruhe danach schwächt die Muskeln. Um dem vorzubeugen, gibt es die Prehabilitation: Fitness-Training vor dem Eingriff – eine konsequente Weiterentwicklung der Rehabilitation.
Aktive Patienten verkraften die Nebenwirkungen einer Operation besser. Das ist bei Eingriffen wegen Brust-, Darm- und Prostatakrebs sowie Leukämie schon belegt. Die vorbeugende Bewegung fördert die Genesung. Doch auch große orthopädische Operationen wie ein Hüftgelenksersatz schlauchen den Körper. Prehabilitation soll das verhindern…. mehr