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Manuelle Medizin versus Apparatemedizin

Mo, 2. September 2019 1 Kommentar

Leider ist heute die allgemeine Neigung jegliche Art von Beschwerden – und ganz besonders Gelenkbeschwerden, bzw. Probleme mit dem Bewegungsapparat – statt mit manueller Medizin (ausführliche Anamnese, Untersuchung und Diagnose), mit Technik zu erschlagen. Es wird geröntgt und ultrageschallt, es werden MRTs und/oder CTs verschrieben und wenn dies noch nicht reicht, das ganze nochmal von vorne mit Kontrastmitteln. Woran das liegt ist klar: Es werden diese Untersuchungen von den Krankenkassen prima und wesentlich besser vergütet, als wenn sich ein Arzt Zeit nimmt für eine manuelle Untersuchung. Aktuell hat die Presse gerade über die einfache Zusatzeinnahme-Quelle Kontrastmittel berichtet.
Meiner Ansicht nach muss in Bezug auf die Geräte-Medizin in einigen medizinischen Fachbereichen endlich ein Umdenken stattfinden.
Natürlich gibt es Krankheitsbilder, die zwingend eine radiologische Untersuchung nötig machen und es ist gut, dass es diese Möglichkeiten gibt und jedem zur Verfügung stehen. Aber es ist schlecht, dass sich viele Ärzte immer mehr auf diese Diagnostik verlasen, statt den Menschen in seiner Gesamtheit zu betrachten. Vermutlich werden bereits im Studium und im praktischen Jahr die Weichen falsch gestellt, ohne dass ich das belegen kann.

Wie effektiv der Ansatz der manuellen Medizin in den richtigen Händen sein kann, möchte ich mit einem persönlichen Beispiel belegen.

Dr. Georg Kaupe – Bonn

Die Ausgangslage
Eine sportliche und jung gebliebene Sechzigjährige – nämlich meine liebe Frau – hat seit ein bis zwei Jahren mal mehr und mal weniger leichte Beschwerden im Hüftbereich und im ISG. Im Frühjahr dieses Jahres wurden diese allerdings so stark, dass teilweise nur noch wenige Meter schmerzfreies Gehen möglich waren. Die Schmerzen breiteten sich von der Hüfte bis weit in den Oberschenkel hinein aus.
Dies zog sich über einige Wochen, teilweise mit der Einnahme von Schmerzmitteln, hin, bis ein kleiner Ärzte-Marathon gestartet wurde. Es wurden die Hüften und die Wirbelsäule geröntgt ohne wirklichen Befund, bis auf die altersgemäßen Abnutzungserscheinungen. Es wurde Physiotherapie verschrieben, was ich per se schon mal sehr gut finde, aber in ihrem Fall leider nicht geholfen hat.
Ich bin ein vehementer Verfechter von physiotherapeutischen Behandlungen. Habe ich diese doch nach meinen Gelenk-OPs immer selbst gerne und stets erfolgreich in Anspruch genommen.
Da einer meine Frau behandelnden Orthopäden meinte, leichte Arthroseanzeichen auf einem der Hüft-Röntgenbilder gesehen zu haben, wollte er dies noch mit einem Arthro-MRT (MRT mit Kontrastmittel ins Hüftgelenk) absichern. Ich habe in meinem Leben nun wirklich viele Hüft-Röntgenbilder gesehen auf Grund meiner eigenen Gelenkprobleme, durch meine Aktivitäten hier in diesem Blog, in der TEPFIT-Gruppe und im Rahmen der Recherchen für unsere Mutmach-Bücher „Mut zur neuen Hüfte!!“ und „Mut zum neuen Knie!“
Auch als Nicht-Mediziner ist für mich zu erkennen, dass die radiologisch sichtbaren minimal vorhandenen Abnutzungserscheinungen, eigentlich nicht diese massiven Schmerzen verursachen können und deshalb ein Arthro-MRT, bei dem in ein gesundes Gelenk Kontrastmittel gespritzt wird, wenig sinnvoll ist. Meine Liebste entscheidet sich nach einigen Überlegungen gegen diese Untersuchung. Doch wie kann das Problem angegangen und gelöst werden?
Ich nehme Kontakt zu meinem befreundeten Facharzt der Orthopädie Dr. Georg Kaupe in Bonn auf, der seine Behandlungsmethoden auf seiner Praxisseite wie folgt beschreibt:

Als Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin kombiniere ich klassische und alternative Therapiemethoden. Die ganzheitliche Sichtweise ist die Basis meines Behandlungskonzeptes.
Meine anerkannten Zusatzbezeichnungen sind Akupunktur, Chirotherapie und Sportmedizin. Zu einem gründlichen Behandlungskonzept gehört auch die Analyse Ihrer Lebensumstände.
Ich versuche allen Patienten und gerade Kindern mehr Freude an gesunder Bewegung zu vermitteln. Sinnvolle Bewegungskonzepte können das Körperbewußtsein enorm steigern und viele Beschwerden in Vorfeld minimieren.
Neben der Therapie mit unseren Patienten ist die Physiotherapie eine weitere wesentliche Säule zum dauerhaften Behandlungserfolg. Deshalb arbeite ich eng mit diversen Sportwissenschaftlern und Physiotherapeuten zusammen.

Wir vereinbaren einen Termin in seiner Praxis. Vorher gibt er noch den Tipp, meine Frau sollte eine Knochendichtemessung durchführen lassen, da Osteoporose auch oft für diese unspezifischen Beschwerden verantwortlich sein können.

Der Untersuchungstag
Mit diesem Messergebnis kommen wir Anfang August nun in Bonn an. Dr. Georg Kaupe möchte keine Röntgenbilder sehen und kommentiert das Messergebnis der Knochendichtemessung meiner Frau mit den Worten: „Du hast ja Knochen wie ein Bär!“.
Er beginnt nun mit einer eingehenden ‚Ganzkörper‘-Untersuchung durch sichten, bewegen und bestimmte Druckpunkte ertasten und setzen.
Danach schließt sich eine Ganganalyse an. Diese wird natürlich auch durch Technik unterstützt. Die Bodenplatten, über die meine Frau barfuß gehen soll, zeichnen das Gangbild auf (3D-Ganganalyse). Dr. Kaupe kann damit direkt Fehlstellungen der Füße und Dysbalancen im Bewegungsablauf erkennen. Dies ist auch hier der Fall: Meine Frau hat Fußfehlstellungen, so seine Diagnose.
Doch was wird er nun empfehlen, bzw. was sind seine Therapiemaßnahmen?
Er nimmt ein paar Perlotten (kleine Schaumstoffkissen, nur wenige Millimeter dick) aus seinem Fundus und klebt diese als Akutmaßnahme an einer bestimmten Stelle unter beide Füße. Meine Frau ist zunächst sehr skeptisch: Diese wenigen Millimeter sollen die Schmerzen eines halben Jahres einfach beseitigen?
Ich konnte mir das schon eher vorstellen, schließlich hatte ich Jahre zuvor eine ähnliche Erfahrung mit wenigen Millimetern Ausgleich in meinen Laufschuhen gemacht.
Da danach ein Wochenende bei Freunden mit vielen Gehkilometern anstand, war die Bewährungsprobe bereits in Sichtweite. Zusätzlich wurden dann noch entsprechende Einlagen verschrieben, die in normalen Schuhen getragen werden sollen.

Das Ergebnis
Hier das verblüffende Ergebnis: Meine Frau konnte mit diesen kleinen geklebten Schaumstoffkissen unter den Fußsohlen über 10 Stadt-Kilometer in zwei Tagen absolut schmerzfrei zu Fuß bewältigen. Statt aufwendiger und teurer Apparatemedizin, haben hier ein geschultes Auge und jahrelange Erfahrung, gepaart mit entsprechender exzellenter Ausbildung, sowie ein 6,00 EUR teures Paar Perlotten ein Problem behoben, welches vorher ein halbes Jahr lang durch aufwendige technische Untersuchungen und mehrere Stunden bei diversen Fachärzten nicht einmal ansatzweise diagnostiziert wurde.
Inzwischen sind vier Wochen vergangen, meine Frau trägt sowohl die Einlagen regelmäßig, wie auch zu Hause barfuß die Perlotten. Die massiven Schmerzen in der Hüfte und im Oberschenkel sind seitdem einfach dauerhaft verschwunden und meine Frau kann wieder mit Freude an Bewegung und Sport denken.

Was ist das Fazit?
Als Patient mit Problemen am Bewegungsapparat sollte man eine erste Geräte-Diagnose zunächst hinterfragen und ggf. eine Arzt aufsuchen, der das Fach der manuellen Medizin beherrscht. Diese findet man eher unter Sportmedizinern. Wer im Raum Köln-Bonn wohnt, kennt ja nun bereits einen.
Einige gute Sportmediziner bieten Ihre Leistungen nur privatärztlich an. Sofern man gesetzlich versichert ist und es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, sollte einem eine gründliche manuelle Untersuchung ggf. ein paar Euro Wert sein. Es kann eine sehr gute Investition in die eigene Gesundheit und Schmerzfreiheit sein.

E-Mountainbiken – der neue Sex des Alters?

Fr, 28. Juni 2019 2 Kommentare

Nachdem man hier in der Tegernseer-Bergwelt zu gefühlt 90% nur eMTBs sieht und einige Bekannte und Freunde von mir regelrecht nach ihren ersten Fahrten ins Schwärmen kamen, wollte ich das selbst einmal ausprobieren.

Eines gleich vorweg: Alle meine Vorurteile und Vorbehalte gegen elektrisch unterstütztes Mountainbiken – unhandlich, unsportlich, viel zu schwer, ist wie Moped fahren, konditionell nicht fordernd, kann ‚echten Kerlen‘ keinen Spaß machen – haben sich in Luft aufgelöst.

Rossignol e-Track Trail

Kurz zu Technik: Ich hatte mir ein Rossignol E-Track Trail-Bike mit dem überall hervorragend getesteten Shimano e8000 MTB drive Motor (250 Watt) ausgeliehen. Technik-Freaks entnehmen bitte die exakten Daten dem obigen Link. Die erste Überraschung beim Anheben und Schieben: Es fühlt sich nicht sehr schwer an. Lt. meinem Verleiher liegt das Gewicht bei ca. 17,5 kg. Eine exakte Gewichtsangabe habe ich tatsächlich nirgends gefunden. Die nächste Überraschung dann beim Fahren, ohne den Motor zu bemühen. Mit seinen neun Gängen läßt sich das Bike ganz problemlos auf einer ebenen Strecke bewegen, fast wie ein normales MTB. Die 27,5 Plus Bereifung – ein Mittelweg zwischen Fat-Bike und normalen Reifen – sorgt für Komfort und Grip auf Schotterwegen. Einen Test des Mountainbike-Magazins dazu findet Ihr hier. Wer mehr über den Shimano-Motor wissen möchte, dem sei der verlinkte Testvergleich empfohlen. Und wer sich genau wie ich fragt: „Rossignol, die können doch nur Ski?“, dem sei kurz erklärt, dass Rossignol erst einen finnischen Bike-Zubehör-Hersteller und dann 2017 die renommierte US-Bike-Firma ‚Felt Bicycles‘ gekauft hat.
Ideal für alle, die nach oder vor ihren Hüft- oder Knie-Operationen oder einfach mangels Beweglichkeit ihr Bein nicht mehr problemlos über die normale Sattelhöhe schwingen können oder wollen, ist der elektrisch verstellbare Sattel, bzw. Sattelstütze. Per Knopfdruck kann diese in der Höhe verstellt werden. Auf den Trails werden es die ambitionierten Biker zu schätzen wissen, dass sie den Sattel beim Bergabfahren zur besseren Kontrolle während der Fahrt absenken können.

Blick oberhalb von Buch auf Bad Wiessee

Nun zu meinem Fahrtest:
Da dies mein erster eMTB-Versuch war, habe ich mich die ersten 1-2 km auf normalem geraden Terrain zunächst mit dem Bike und den Funktionen vertraut gemacht. Das würde ich jedem empfehlen, der so ein eBike zum ersten Mal fährt. Wer kaum oder wenig MTB-Erfahrung hat, sollte diese Eingewöhnungsphase natürlich entsprechend ausdehnen. Der Shimano-Antrieb hat 3, bzw. 4 Stufen: Eco, Trail, Boost und Off. Auf ebener Strecke wählt man entweder Eco oder Off (Ausschalten des Motors). Sobald man sich in welligem und hügeligen Terrain befindet, ist der Modus Trail eine gute Wahl. Links schaltet man am Lenker wie gewohnt von Gang 1 bis Gang 9 unabhängig vom gewählten Modus und der Motor entfaltet sehr intuitiv in Abhängigkeit von den Pedaliergewohnheiten des Fahrers seine Leistung. Je aggressiver man in die Pedale tritt, desto mehr Zusatz-Power stellt der e8000 zur Verfügung. Das leichte ‚Heulgeräusch‘ des Antriebs ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Mit der Zeit konnte ich aber damit auch gut abschätzen, wieviel Leistung der Motor gerade abgibt. Bei 25 km/h schaltet sich der Motor generell ab, da dies so vorgeschrieben ist. Mein Verleiher hat mir augenzwinkernd verraten, dass man diese Abriegelung auch ausschalten könnte, was natürlich nicht erlaubt ist. Nun zu meiner gewählten Test-Strecke: Ich habe mir, für alle die die herrliche Gegend am Tegernsee kennen, eine Tour ausgesucht, die ich natürlich auch mit meinem normalen MTB schon öfters gefahren bin, um einen echten Vergleich zu haben.

Streckenkarte eMTB-Test

Die Strecke ging von Rottach-Egern nach Kreuth, weiter über die Klamm und dann zur Schwarzen Tenn, bzw. Klein-Bucher-Alm (1050 Meter) hoch. Dann weiter über Bauer in der Au, nach Bad Wiessee und zurück nach Rottach-Egern. Insgesamt 36 Kilometer mit knapp 500 Höhenmeter. Siehe nebenstehende Karte (Darauf fehlt allerdings die Strecke von Abwinkl zurück nach Rottach-Egern, da ich in unserem Lieblings-Fischerei-Bistro eine kurze Jausen-Pause gemacht habe).
Größtenteils sind die Steigungen mäßig und auch ohne ‚e‘ zu bewältigen. Allerdings gibt es einen ca. 600 Meter langen Streckenabschnitt, kurz vor der Schwarzen Tenn von Bad Wiessee kommend, mit 20% Steigung. Diesen konnte ich bisher mit meinem normalen MTB-Fully noch nie treten. Da ich allerdings von der anderen Seite kam, musste ich zum Bergauftest erstmal die 20% auf dem Schotterweg hinabfahren. Auch dies ließ sich Dank der absenkbaren Sattelstütze, der breiten 27,5 Plus-Reifen und der kräftig zupackenden aber trotzdem prima zu dosierenden Scheibenbremsen problemlos bewältigen. Unten angekommen, kurz drehen und dann der Steigungstest. Mit dem Modus Trail beginnend, habe ich dann ganz schnell auf Boost umgeschaltet. Und was jetzt passierte war einfach der Hit: Als ob man plötzlich in ein Schleppseil eingehakt wird, gibt es einen gewaltigen Schub nach vorne und man kann diese Steigung mit über 12 km/h spielend bewältigen. Später habe ich dann den Boost noch einige Male getestet. Mäßige Steigungen (bis 10 %) sind mit entsprechendem eigenen Krafteinsatz gut und gerne mit 20 km/h hinaufzuradeln. Spaß und Fun pur – nur Fliegen ist schöner. Ich war nur froh auf meiner Tour gestern keinen normalen Biker bergauf überholen zu müssen. Es wäre mir etwas peinlich gewesen. Beim Zurückschalten von Boost auf Trail wird man übrigens ebenso jäh gebremst. Man hat das Gefühl, als ob ein Bremsfallschirm zündet. Nach einigen Metern hat man sich aber wieder daran gewöhnt.

Mein persönliches Fazit:
Das eMTB spielt auf steilen bis sehr steilen Strecken sein Potenzial aus. Man kann trotz Antriebsunterstützung sehr sportlich und durchaus auch konditionell fordernd große Strecken mit vielen Höhenmetern bei unglaublich viel Fahrspaß bewältigen. Für Hüft- und Kniegeschädigte kommt noch der unschätzbare Vorteil dazu, dass man den Krafteinsatz, der auf Hüfte und Knie beim Pedalieren wirkt, perfekt dosieren kann ohne dafür bestimmte Strecken meiden zu müssen. Der Sportorthopäde Dr. Georg Kaupe, der hier seine eigene neue Erfahrung aus medizinischer Sicht beschreibt, bemerkt dazu treffend:

„Es handelt sich hier um ein hocheffektives Ergometertraining im Freien. Durch zahlreiche Programme und Übersetzungen ist immer ein gelenkschonendes aerobes Training gewährleistet und jeder Berg wird zur Freude und nicht zur Qual.“

In flachem Gelände ist aus meiner Sicht für den sportlich ambitionierten Fahrer ein eBike nicht notwendig und bringt zudem wenig Gewinn an Fahrspaß. Allenfalls die Reichweite ist dank höherer Durchschnittsgeschwindigkeit etwas größer. Dafür würde ich persönlich allerdings kein Geld ausgeben. Apropos Geld: Für ein gutes eMTB-Fully mit entsprechendem High-End-Antrieb und hochwertigen Komponenten muss man mit ca. 4000,00 EUR bis 5000,00 EUR recht tief in die Tasche greifen. Ein Hardtail ist für ca. 500,00 EUR weniger zu haben.
Ich selbst werde mir trotz des riesengroßen Fun-Effektes vorerst kein eMTB zulegen, denn an meinem Hauptwohnsitz im Rhein-Main-Gebiet und im Taunus benötige ich es wirklich (noch) nicht und an meinem geliebten Tegernsee würde es zu oft in der Garage stehen. Mit großer Sicherheit werde mir aber für Bergtouren noch einige Male so ein Bike ausleihen bei überschaubaren Kosten. 55,00 EUR Leihgebühr pro Tag (45,00 EUR für 3 Stunden), das Hardtail für 10,00 EUR weniger. Die Fünf-Tagespreise liegen umgerechnet bei 40,00 EUR, bzw. 32,00 EUR pro Tag. Damit könnte ich mehr als 100 Tage lang das eMTB fahren, bevor sich ein Kauf rechnen würde – und ich kann dabei immer das neueste Modell ausprobieren.
Wer nach dem Lesen des Beitrags auf den Geschmack gekommen ist, dem kann ich nur raten, es einfach mal unvoreingenommen auszuprobieren, aber unbedingt dabei auf ein hochwertiges E-Mountainbike achten.
Ich bin mir fast sicher, dass in einigen wenigen Jahren das geflügelte Wort: „Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?“ neu definiert werden muss.
Ich werde mich jetzt erst einmal eine Runde auf mein gutes Scott G-Zero Pro MTB-Fully ganz ohne elektrischen Antrieb schwingen und während der Fahrt schwitzend vom gestrigen E-Mountainbiken träumen.

Revision Dank endogap nach einem Jahr körperlich und mental abgeschlossen

Mi, 24. April 2019 2 Kommentare

Kapitel 12 – Mit diesem letzten Kapitel schließe ich nun mein Revisionstagebuch ab. Exakt ein Jahr ist die Revisions-OP nun her und ich denke weder an die neue Revisions-TEP noch spüre ich diese im Alltag! Das Leben und auch der Sport hat mich wieder.

Freude pur beim ersten Lauf ohne Stöcke nach der Revision

Nach den wundervollen Urlaubstagen Anfang Januar 2019 in Südafrika zog naturgemäß wieder der Arbeitsalltag in mein Leben ein. An einem Wochenende Anfang Februar habe ich es dann zum ersten Mal gewagt, einige wenige Kilometer, drei um genau zu sein, ohne Stöcke zu Laufen (Joggen) – und zwar sehr, sehr langsam und mit kleinen Schrittlängen. Trotzdem ist das Glücksgefühl nach so langer Zeit kaum zu beschreiben. In den vier Folgewochen bin ich dann insgesamt knapp 20 km langsam und vorsichtig gelaufen, davon einige sogar in kurzen Hosen, da Mitte/Ende Februar schon mal kurz der Frühling ausgebrochen war. Meine längste Einheit war 5 km in „sagenhaften“ 50 Minuten.
Ansonsten einige Tischtennis-Liga Spiele und meine täglichen Übungen wie gehabt.

Es folgte eine Woche Sportpause wegen einer Erkältung und dann ein kurzes Wochenende am geliebten Tegernsee. Ich war voller Hoffnung, dass ich es noch kurz vor Ende der Saison schaffen würde, meine Langlaufbretter nach langer Zeit wieder zu testen. Auch wenn tagsüber die Temperaturen bei sonnigen 15-18 Grad (plus) lagen, war es in den Tälern bei Kreuth doch nachts noch recht frostig und die Loipen, nach über zwei Meter Schnee in diesem Winter, wirklich überraschend gut in Schuss.
Am 23.3.2019 war es dann soweit. Ich konnte bei herrlichen Bedingungen vormittags lockere vier Testkilometer im klassischen Langlaufstil absolvieren. Immer noch mit dem nötigen Respekt vor dem großen Metallgestänge in meinem linken Oberschenkel. Aber bis auf einen Mini-Muskelkater am nächsten Tag (Oberschenkel-Innenseite), war alles perfekt. Keine Schmerzen während oder danach.

Morgens Winterlanglauf und Mittags Sommer-MTB

Mittags anschließend bei sommerlichen Temperaturen eine 12 km MTB-Genuss-Runde eingestreut und tags darauf dann nochmals lockere 14 km auf dem Mountain-Bike absolviert. Außer kleinen Problemen an den Stellen, an denen sich mein Körper mit dem schmalen Sportsattel verbindet (war schließlich das erste Biken seit 6 Monaten), alles tipptopp! Jetzt fehlt nur noch ein Monat zum „Revision-OP-Jahrestag“. Auf Grund meiner guten Verfassung und absoluten Schmerzfreiheit muss ich zugeben, dass ich sehr stark am überlegen war, ob ich mich für den Sprint-Cross-Triathlon (500 m Schwimmen, 20 km MTB und 5 km laufen) rund um den Wiesbadener Neroberg Ende April 2019 anmelden sollte. Dieser Wettkampf wäre dann ziemlich genau ein Jahr nach der OP, so wie schon 2009 nach der letzten OP (rechte Seite) gewesen. Doch ich habe mich dann selbst wie folgt überredet: „Der Wettkampf ist nicht wirklich wichtig. Wichtig ist, dass ich weiß, ich würde das schaffen. Denn 500 Meter Schwimmen sind natürlich kein Problem, 20 km MTB habe ich schon einige Male nach der OP absolviert und 5 km am Stück gelaufen bin ich auch bereits zweimal.“ Die Vernunft hat dieses Mal (noch) gesiegt. Nach dieser Entscheidung Ende März bin ich dann das erste Mal wieder meine Pfingstborn-Hausrunde (5 km, 125 Hm) langsam gelaufen bei sommerlichen 20 Grad.
Im April folgten dann erneut vier Tage Tegernsee-Aufenthalt mit Zeit und Muße für die eigene Fitness und den Outdoor-Sport. Wie gehabt etwas Laufen und Mountain-Biken. Einen Schlechtwettertag nutzte ich, um in meiner „alten“ Reha-Wirkungsstätte Medical Park St. Hubertus das mir bekannte Medizinisch Technische Training (kurz MTT) zu absolvieren. Von einem Physiotherapeuten, der bei meiner ersten Reha im Medical Park 2008 auch schon dort war, ließ ich meinen Laufstil auf dem Laufband analysieren. Er hat dabei exakt das erkannt, was ich ganz bewußt versuche: Mit kleinen flachen Schrittlängen möglichst wenig Belastung auf die Gelenke einwirken zu lassen. Er meinte, dies sei ideal, um die das Kunstgelenk umgebenden Knochen nach und nach an etwas größere Belastungen zu gewöhnen. Schön, wenn ein Fachmann das eigene Trainings-/Laufkonzept bestätigt. Ich praktiziere hier im Prinzip das Slow-Jogging, vielleicht ganz leicht abgewandelt, da ich geringfügig schneller unterwegs bin. Wichtig ist hierbei, auf dem Mittelfuß, bzw. dem ganzen Fuß aufzukommen.
Unverhofft und positiv überrascht hat mich eine ganz andere Nachricht: Der Diplom-Sportlehrer, anerkannte Faszienexperte und Certified RolferTM Markus Roßmann hat seine Zelte in Erding abgesprochen und eine eigene Gesundheits-Lounge am Tegernsee eröffnet. Hätte er das doch bloß schon ein Jahr früher getan! Ich wäre nach meiner OP sicherlich Stammgast dort gewesen. Aber wenigstens habe ich jetzt eine ideale Anlaufstelle, um eventuelle Dysbalancen oder Beschwerden meines Bewegungsapparates behandeln zu lassen, sofern diese denn mal auftreten oder ich auch nur das Gefühl haben sollte.

MTB, Laufen und Wandern mit Tochter bei Traumwetter am Tegernsee an Ostern

Kurz vor Ostern hatte ich mit meiner Mannschaft noch unser letztes Liga-Tischtennisspiel bestritten, mit dem wir unsere sehr erfolgreiche Meisterschafts-Saison abgeschlossen haben. Alle von mir absolvierten Spiele waren in Bezug auf die Hüfte absolut problemlos und völlig beschwerdefrei. Tags darauf dann noch eine weitere kleine Slow-Jogging Einheit (4 km) bei kühlem, aber sonnigem Aprilwetter.
Eine Woche vor meinem Revision-OP-Jahrestag (25.04.2019) durfte ich mich erneut auf weitere fünf supersonnige Ostertage mit meiner Familie am geliebten Tegernsee freuen. Viereinhalb Aktiv-Tage bei Traumwetter standen auf dem Programm. Insgesamt 42 MTB-, 7 Lauf- und 7,5 Wanderkilometer liegen nun hinter mir. Es war alles perfekt und absolut schmerzfrei.
Die Urlaubstage habe ich auch genutzt, um selbst mehr über Faszien zur erfahren und mit dem oben bereits erwähnten Markus Roßmann ein Interview zum Thema „TEPFIT trifft Faszie“ zu führen – mit vielen Tipps und Infos zum Faszientraining mit künstlichen Gelenken. Das knapp zehn Minuten lange Video gibt es hier.
Nachdem ich das Revisionstagebuch nun exakt ein Jahr geführt habe, ist für mich das Kapitel Revisions-OP abgeschlossen. Danke an alle meine Leser, die sich durch die insgesamt 12 Kapitel durchgekämpft haben.
Wenn ich dem einen oder anderen aufzeigen konnte, dass eine Komplett-Revision nicht das Ende der Tage ist, dann hat mein Tagebuch sein Ziel erreicht.
Der allergrößte Dank gebührt natürlich dem hervorragenden Operations-Team der endogap in Garmisch-Partenkirchen unter der Federführung meines Hauptoperateurs Dr. Rolf Schipp und deren Chefarzt Dr. Christian Fulghum, sowie meiner lieben Frau Doro, die mich in den ersten Wochen nach der OP als Pflegefall grandios umsorgt hat. Ohne die vorstehend genannten Personen hätte auch mein eigener eiserner Wille, die vollständige Genesung und Sportfähigkeit zu erreichen, nur sehr wenig genützt. Last, but not least gehört natürlich auch ein Quäntchen Glück dazu, nicht zu den deutschlandweit 2-3% Prozent zu gehören, bei denen bei der Hüft-OP leider nicht alles glatt läuft!

Hüftgelenkersatz und die Rückkehr zum Sport

Gerne stelle ich einen Artikel aus der-niedergelassene-arzt.de zur Verfügung. Darin geht es ausführlich um die Rückkehr zum Sport nach Gelenkersatz. Der Artikel wurde von Prof. Dr. med. Christian H. Siebert, Klinik für Orthopädie und Sporttraumatologie Paracelsus Klinik Hannover Langenhagen veröffentlicht

Es wird die sich mit den Jahren geänderten Haltung der Fachärzte zu erlaubten Sportarten dargelegt und verschiedene Aspekte des körperlichen Wohlbefindens durch Sport mit Gelenkersatz beleuchtet.
Gleichwohl wird festgestellt, dass es noch keine wirklich evidenten Studien gibt, wie sich verschiedene Sportarten auf die Haltbarkeit des Gelenkes wirklich auswirken….mehr

Geiz ist geil – Gesundheit, Fitness und ein langes Leben zum Nulltarif?

Es scheint sich mehr und mehr in unserer Gesellschaft zu verfestigen, dass für die eigene Gesundheit gefälligst andere zu sorgen haben – und zwar umfassend und kostenlos. Wer sind die anderen? Der Staat, die Krankenkassen, die Sportvereine, ehrenamtliche Selbsthilfegruppen und nicht zuletzt eine geschlossene Facebook-Gruppe, wie „TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)“ mit bald 3000 Mitgliedern. Zudem wird wie selbstverständlich erwartet, dass hunderte oder tausende von perfekt produzierten Fitness- oder medizinischen Hilfe-Videos in Youtube kostenlos konsumiert werden können. Hier sei auch exemplarisch unser TEPFIT-Youtube-Kanal erwähnt oder der inzwischen mit einer großen Reichweite agierende Kanal Video-Visite von Dr. Tobias Weigl. Woher kommt es, dass die Meisten viel Geld in PS-starke teure Autos oder in Smartphones jenseits der 1000,00 EUR-Marke investieren, aber nicht bereit sind, für Gesundheit und gesunde Ernährung nur ein Bruchteil davon auszugeben?

Yoga – Foto: AndiP auf Pixabay

Wieso werden eher teure Gebühren für Bezahl-TV, Video- und Musik-Streamingdienste monatlich entrichtet, als Mitgliedschaften in einem Sportverein oder Fitness-Studio zu bezahlen?

Alle wollen möglichst lange leben und dabei gesund bleiben, aber nichts oder nur wenig dafür investieren.

Was sind die Gründe? Liegt es an der 24-Stunden Verfügbarkeit des Internets immer und überall und des damit einhergehenden viel zu hohen Medien-Konsums, der a) keine Zeit mehr für Bewegung und Sport in der Gemeinschaft lässt und b) natürlich auch mit Mobilfunkkosten weit höher als eine Vereinsmitgliedschaft zu Buche schlägt? Ist die Politik schuld, die das Gesundheitsbewusstsein nicht fördert und medial unterstützt, dafür aber inflationär irgendwelche unsinnigen Lebensmittel-Siegel erfindet? Wieso besteht die Werbezeit auch im öffentlich-rechtlichen TV zu 80% aus Medikamenten- und Arzeneimittel-Spots, die unverkäuflich wären, wenn Sport, Bewegung und gesunde, vitaminreiche Ernährung gelebt würde?
Ein Monatsbetrag in einem Sportverein mit vielfältigen Angeboten kostet, wenn er teuer ist, maximal 15 EUR, also 50 Cent pro Tag. Trotzdem haben besonders in Städten die Vereine mit Mitgliederschwund zu kämpfen. Selbst Fitness-Studios, in denen man fast rund um die Uhr trainieren kann, gibt es für ein Euro pro Tag. Das ist vielen scheinbar zu teuer. Aber für einen Becher Coffee to go in umweltschädlichem Plastik werden gerne 3,00 EUR bis 4,00 EUR ausgegeben.

Für hochkarätige Gesundheitsveranstaltungen mit einem von Fachleuten begleitetem und ausgearbeiteten Programm, die zum Selbstkostenpreis angeboten werden, melden sich trotz einer exakt definierten und potenziellen Zielgruppe von 3000 Mitgliedern, die sich täglich viral intensiv austauschen, kaum ein Dutzend (0,3 Prozent) Personen an. Selbst Chefärzte von renommierten Kliniken, die speziell für Patienten mit künstlichen Gelenken, Seminare für den Wiedereinstieg in den Sport zusammen mit Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern zu wirklich moderaten Kosten anbieten, haben damit zu kämpfen, genug Anmeldungen zu erhalten, damit sich der Aufwand überhaupt lohnt – und das bei jährlich etwa 400.000 neuen potenziellen ‚Kunden‘.

Ab und zu träume ich den Gedanken, von den Mitgliedern unserer geschlossenen TEPFIT-Gruppe einen Monatsbeitrag von 0,50 oder 1,00 EUR zu erheben. Das wären ca. 1,5 bzw. 3 Cent pro Tag. Es wäre wirklich interessant zu wissen, wieviele am Ende noch in dieser Gruppe übrig blieben.
Ich bin übrigens ganz fest davon überzeugt, dass der Mehrwert, den diese Gruppe bietet, viel mehr als 1,00 EUR pro Monat wert ist. Aber das liegt auch vielleicht daran, dass ich weiß, wieviel Aufwand unser Admin-Triumvirat mit der Gruppe hat und wie stark sich im Hintergrund auch die medizinischen Fachleute in der Gruppe engagieren.

Fest steht, dass die ‚Geiz ist geil‘-Mentalität rasant um sich greift und in allen Bereichen immer präsenter wird: Vermeintliche Billig-Schnäppchen im Internet, die dem qualifizierten Fachhandel schaden; Last-Minute-Urlaube ‚all inclusive‘ weit weg, statt die traumhaften Landschaften und Reiseziele vor der Haustüre zu besuchen; sich über nicht artgerechte Tierhaltung echauffieren aber im Supermarkt abgepacktes Billigfleisch kaufen, statt zum Metzger des Vertrauens zu gehen.

Aber was hat das eigentlich alles mit ‚Endoprothese und Sport‘ zu tun? Viel, sehr viel!
Schließlich kostet eine Gelenkersatz-OP die Solidargemeinschaft ca. 10.000,00 EUR pro Fall. Macht bei 400.000 OPs pro Jahr schlappe 4 Milliarden Euro, jährlich – ohne die Rehabilitationskosten und den mehrwöchigen Ausfall als Arbeitskraft. Da ist es selbstverständlich die Pflicht jedes einzelnen alles dafür zu tun, dass das Ergebnis auch super wird, zumal Deutschland beim Thema AHB (Anschlussheilbehandlung), finanziert durch die Rentenversicherung oder Krankenkasse, durchaus Vorreiter in Europa ist. Dafür sollten die Betroffenen spätestens im Anschluss eigenes Geld in die Hand nehmen, um nach dem ‚Anschub-Sponsoring‘ durch die Solidargemeinschaft, selbst für sich Verantwortung zu übernehmen. Dazu zählen wie schon oben erwähnt auch Gesundheits-Workshops, Sport- und Fitness-Angebote, gesunde Ernährung und täglich ausreichend Bewegung. Das letztgenannte ist zwar tatsächlich zum Nulltarif zu haben – mal von gutem Schuhwerk abgesehen -, am Ende des Tages ist aber ein gewisser Aufwand an Geld und Zeit unabdingbar. Hier ist ganz dringend ein Umdenken in der breiten Masse notwendig. Nur so kann auch dem seit Jahren steigendem BMI der Gesamtbevölkerung entgegengewirkt werden. Besonders kritisch ist hierbei die Verdreifachung der adipösen Jugendlichen seit den 90er Jahren.

Neun Monate nach Komplett-Revisions-OP, wenige Mini-Downs, viele Maxi-UPs

So, 3. Februar 2019 2 Kommentare

Kapitel 11 – In den letzten drei Monaten ging es ständig und stetig weiter bergauf mit meiner vollständigen Wiederherstellung. Dazwischen gab es kleine, teils unerklärliche, teils selbst verschuldete Rückschläge. Zum Glück immer nur von sehr kurzer Dauer.

Nach dem Herbsturlaub (siehe Kapitel 10) war zunächst einmal Arbeitsalltag angesagt mit etwas weniger Zeit für die eigenen sportlichen und rehabilitativen Aktivitäten. Aber nach insgesamt fast 4 Monaten Auszeit durch OP, Reha und Urlaub war dies durchaus auch wohltuend, wenngleich es dann Ende Oktober erneut für 10 Tage an den Tegernsee ging, um nochmals intensiv zu trainieren.

Wanderung mit Hu(e)nd(chen) zur Wildbachütte entlang der Rottach

MTT, Schwimmen und Aqua-Jogging im Medical-Park Bad Wiessee, Bergwandern, Cross-Shaping und viel Spazierengehen. Durch einer der genannten Aktivitäten hatte ich einen kleinen Rückschlag zu verkraften. Der Grund dürfte eine 8 km lange Wanderung zur Wildbachhütte und zurück gewesen sein. Weil ich Nachbars Hund dabei hatte, bin ich mit nur einem Treckingstock gewandert. Dies hat zumindest bergab für eine starke einseitige Belastung gesorgt, die mir tatsächlich ca. 1 Woche Schmerzen im Oberschenkel und oberhalb des Knies des operierten Beines bescherte. Genau in dieser Zeit besuchte mich zu meiner Freude und ganz überraschend Dr. Andreas Berger, Oberarzt in der endogap, am Tegernsee und war besorgt über meinen auf Grund der Schmerzen aktuell schlechten Gang. Doch genauso plötzlich wie die Beschwerden gekommen waren, waren diese nach einer Woche zum Glück komplett verschwunden. Wieder zu Hause in Wiesbaden, konnte ich dann problemlos das erste Tischtennis-Training, sowie ein Liga-Punktspiel bestreiten.

Wintersonne und Lauftraining ohne Schnee

Genau 7 Monate nach der OP wagte ich meinen ersten kompletten Lauf (Joggen) ohne Gehpausen mit Stockunterstützung.
Ich nenne das liebevoll Slow-Stick-Jogging. Freude pur, endlich wieder in der ‚Lauf-Spur‘. In den nächsten Wochen folgten dann weitere TT-Punktspiele und Training. Alles super und bestens wenn, ja wenn ich eines Morgens keine Brötchen geholt hätte.
Auf einem regennassen Fliesenboden beim Verlassen der Bäckerei habe ich mich krachend hingelegt und bin natürlich auf dem Knie des frisch operierten Beines gelandet.
Schürfwunden und blaue Flecken waren die Folge und dann abends leichte Schmerzen im Oberschenkel, die sich eher wie ein Muskelkater anfühlten. Zwei Tage später dann aus heiterem Himmel und unerklärlich plötzlich starke Schmerzen nach dem Aussteigen aus dem Auto im operierten Bein vom Oberschenkel bis zum Knie. Am nächsten Tag von Schmerzen keine Spur mehr und das allgemeine Befinden besser denn je. Daraufhin gleich 200 Treppenstufen in einem Kaufhaus-Parkhaus hoch gelaufen (Laufschritt) und tags darauf eine weitere Slow-Stick-Jogging Einheit mit gut 4 km absolviert. Galt es ab jetzt diese Fitness und absolute Schmerzfreiheit über Weihnachten und bis zum ersehnten Südafrika-Urlaub im Januar 2019 zu erhalten. Eigentlich wollte ich zwischen Weihnachten und Silvester wieder auf die Langlaufbretter steigen, aber mangels Schnee, blieb es bei Slow-Stick-Jogging und ausgiebigen Spaziergängen. Der Schnee kam danach wirklich zu genüge, aber eben erst am Tag unserer Abreise vom Tegernsee.

Hiking zum Wasserfall im Jonkershoek Nature Reserve

Am 12. Januar dann endlich unsere lang ersehnte und inzwischen fünfte Reise nach Südafrika. Entspannte 16 Tage Kapstadt und Western Cape lagen vor uns. Neben reichlich Armmuskeltraining durch dauerndes Heben und Senken eines vollen oder fast leeren Glases hervorragenden südafrikanischen Weines, standen natürlich auch viele sportliche Aktivitäten auf dem Programm. Besonders das Naturreservat Jonkershoek in Stellenbosch und die Umgebung von Montagu luden dabei zum Wandern, neudeutsch Hiking, ein. Eine anspruchsvolle Wanderung zu einem Wasserfall und eine eher einfache Wanderung entlang des Keisierivier zu den Hot Springs bei über 30 Grad sorgten für jede Menge Spaß und Schweiß.
Im Anschluss ging es dann an die Küste nach De Kelders an der Whale Route, in die Nähe des wesentlich bekannteren Hermanus. Diese Region ist vor allen Dingen durch die Walbeobachtung in den entsprechenden Zeiten (Oktober/November) direkt vor der Küste berühmt. Hier standen eher kleinere Unternehmungen in der Umgebung auf dem Programm, bei denen aber auch täglich fast immer 8-10 Lauf(Geh)-Kilometer zusammen kamen.

Video-Drehort – Klippen von De Kelders

Alles ohne jegliche Probleme. Auf den Klippen von De Kelders ist dann auch einer meiner Youtube TEPFIT-Video-Clips entstanden. In den letzten fünf Tagen in Kapstadt wurde erneut alles, was möglich war, zu Fuß erledigt. Insgesamt bin ich neun Monate nach der OP hochzufrieden und sehe meinem Vorhaben, ein Jahr nach der OP im April 2019 ganz langsam und wohldosiert wieder mit leichtem Joggen (ohne Stöcke) bei kleinen Umfängen anzufangen, sehr optimistisch entgegen. Ob es wirklich klappt, erfahrt Ihr dann im 12. und letzten Kapitel meines Revisions-Tagebuches.

Jetzt freue ich mich erst einmal auf das bald kommende Frühjahr, um endlich wieder in kurzen Hosen meinen Outdoor-Aktivitäten nachgehen zu können und auf unser 3. TEPFIT-Treffen in Berlin am 6. April.
Einige Plätze gibt es noch. Für weitere Infos und Anmeldung einfach hier klicken.

EndoFit Wochenende in Bonn – Bewegung und Sport mit Gelenkersatz – 3.-5. Mai 2019

Fr, 1. Februar 2019 1 Kommentar

Dr. Holger Haas

Aktualisierung vom 22.02.2019
Das detaillierte und sehr umfangreiche 3-Tages Programm steht inzwischen fest und kann hier ‚downgeloadet‚ werden.

Artikel vom 01.02.2019
Die Sehnsucht, sich nach einer Gelenkersatz-Operation endlich wieder sportlich und vor allen Dingen schmerzfrei zu betätigen, ist bei vielen Betroffenen sehr groß. Oft wieder dieser Wunsch allerdings von der Angst begleitet, etwas falsch zu machen und damit dem künstlichen Gelenk zu schaden. Das EndoFit-Programm, ursprünglich von der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen vor einigen Jahren ins Leben gerufen, findet nun zum erstem Mal (fast) in der Mitte Deutschlands, nämlich in Bonn, statt.
Dies ist eine sehr gute Gelegenheit für alle, die in der näheren oder oder weiteren Umgebung von Bonn zu Hause sind, etwas für die eigene Fitness zu tun und das Rüstzeug für den selbstbestimmten Weg zurück in ein aktives und bewegtes Leben zu erhalten.
Dr. Holger Haas – Chefarzt Allgemeine Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin des Gemeinschafts-Krankenhauses Bonn, St. Petrus – fasst nachfolgend in einem persönlichen Anschreiben das Programm und das Ziel dieses Wochenendes zusammen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

denken, kommunizieren und mobil zu sein, macht das Leben aus. Dies gilt auch und gerade für Menschen, die durch die Implantation einer Endoprothese ihre Mobilität zurückgewonnen haben. Aber es gehört Zutrauen und manchmal Mut dazu, wieder körperlich aktiv zu werden. Dabei wollen wir Sie unterstützen: Unser Team von Physiotherapeuten, Ärzten und Betreuern wird Sie mit einem abwechslungsreichen Wochenendprogramm auf dem Weg zurück in ein sportlich aktives Leben begleiten. Dabei kommen die Information und der Erfahrungsaustausch nicht zu kurz. In Fachvorträgen werden Sie über aktuelle Aspekte der Endoprothetik informiert, gepaart mit zahlreichen sportlichen Aktivitäten und Medizinchecks. Es erwartet Sie ein speziell zugeschnittenes Trainingskonzept für Gelenkersatz-Träger.

Wir würden uns sehr freuen, Sie hier in Bonn zu unserem ersten endofit-Wochenende begrüßen zu können!

Chefarzt Dr. med. Holger Haas mit dem gesamten Team

Den Flyer mit allen Details zur Anmeldung, Kosten, Veranstaltungsort, Ansprechpartner und den begleitenden Fachleuten gibt es hier.

Natürlich unterstütze ich gerne diese Veranstaltung. Nicht ohne Grund heißt meine Webseite „Endoprothese und Sport“!