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Posts Tagged ‘Endoprothese’

E-Health – Digitalisierung im Gesundheitswesen – Apps und Live-Veranstaltungen


Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist nicht mehr aufzuhalten. Große Firmen und kleinere Startups, meist von Main-Playern im Gesundheitssektor finanziell unterstützt, drängen auf den Markt. Fitness-APPs gibt es an jeder Ecke, auf jedem Armband, auf Smartphones und Uhren.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat aktuell 10 Gesundheits-APPs verschiedener Hersteller zugelassen, die es auf Rezept gibt.
Viele niedergelassene Ärzte haben inzwischen Video-Sprechstunden eingeführt, natürlich in 2020 auch ‚Corona‘ getrieben.
Auf Grund nicht erlaubter Präsenzveranstaltungen in 2020, konnten viele Informationsveranstaltungen von Kliniken und Endoprothetik-Zentren zur Patienten-Aufklärung bei Gelenkersatz nicht stattfinden.
Inzwischen werden solche Veranstaltungen vermehrt digital angeboten.

Als digitale Gesundheitsanwendung in Form einer App – speziell für Coxarthrose (Hüftarthrose) – ist bereits Vivira vorläufig zugelassen.
Für eine weitere App vom Startup alley wird die Zulassung noch im ersten Halbjahr erwartet. Bei dieser App geht es um einen kompletten Behandlungspfad für Patienten mit Knie- und Hüft-Arthrose (Gon- und Coxarthrose).
Mit einigen Partnerkliniken ist diese App aktuell im Live-(Test)-Betrieb, siehe weiter unten am Beispiel des GK-Bonn.
Ich hatte übrigens durch sehr frühen Kontakt zu diesem Startup die Möglichkeit, die Entwicklung der Anwendung in Teilen zu begleiten und mich von dem Mehrwert für Patienten zu überzeugen.
Wer sich informieren möchte, was mit der App auf Rezept alles möglich ist und wie diese Betroffenen helfen kann, dem sei das Online-Video-Patienten-KolloquiumDigitale Chancen für die Behandlung von Knie- und Hüftarthrose“ am 20.01.2021 des Uni-Klinikums Bonn ans Herz gelegt. Die 90-Minütige Veranstaltung hat drei Themen-Blöcke:

  • Die digitale Sprechstunde: per Video zur Diagnose? (Dr. Jansen)
  • Wie für Sie gemacht: Prothesenplanung in 3D (Dr. Randau)
  • Potenziale digitaler Medizinprodukte: Die alley App begleitet bei der Behandlung von Hüft- und Kniearthrose (Dr. Latz)

Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos. Hier der direkte Link zur Video-Veranstaltung.


Dr. Holger Haas

Eine weitere digitale hochspannende Video-Veranstaltung findet am 10.2.2021 statt. Diese ist allerdings exklusiv nur für die Mitglieder der privaten Facebook-Gruppe ‚TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)‘ zugänglich. Nachfolgend die Details:

VIDEO-WEBINAR „Das schmerzhafte Kunstgelenk“ am 10.02.2021 von 18:00 – 21:00 Uhr von und mit Dr. med. Holger Haas, Chefarzt Allgemeine Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin GK-Bonn, Endoprothetik-Zentrum der Maximalversorgung.
Bei Berichten über hervorragende Behandlungsergebnisse besteht ein regelrechter Wettkampf: nach schneller, besser und schöner…

Viele Betroffene wissen jedoch auch über unerfreuliche Erfahrungen und Schmerzen zu berichten.
Es ist das Ziel dieses Webinars, Licht in das Dunkel zu bringen und über Beschwerdeursachen und die möglichen Maßnahmen zur weiteren Abklärung bzw. Behandlung aufzuklären.
was ist ein gutes Ergebnis nach einer Prothesenimplantation?
 wie lange halten Prothesen?
Schmerzen nach Prothesen und deren Ursachen
wodurch lockern sich Prothesen?
wie geht es weiter, wenn ich Schmerzen habe?
Die Infektion als schwere Komplikation
Was das Webinar nicht leisten kann:
Eine persönliche oder individuelle Abklärung von Beschwerden ist im Rahmen dieses Webinars nicht möglich. Dies bleibt einer persönlichen ärztlichen Untersuchung und Beratung vorbehalten.
Was das Webinar leisten soll:
Betroffene sollen umfänglich aufgeklärt sein, um ihre Situation besser einschätzen zu können und bei Ihrem Arzt bzw. Ärztin die richtigen Fragen stellen zu können. Interessierte können sich noch besser über das große Gebiet der Endoprothetik aufklären lassen und so für ihre Entscheidung für oder gegen eine Prothese weitere Informationen gewinnen.

Wie könnt Ihr teilnehmen?
Eine Teilnahme ist nur als Facebook-Nutzer und Mitglied der TEPFIT-Gruppe möglich. Wer Interesse hat, einfach in Facebook eine Mitgliedsanfrage für die TEPFIT-Gruppe stellen, auf Veranstaltung gehen und anmelden, wie dort beschrieben (Name und eMail-Adresse sind dazu notwendig).

Ihr habt während der Live-Veranstaltung die Möglichkeit per Chat-Funktion direkt Eure Fragen zu stellen, die Dr. med. Holger Haas nach seinem Vortrag gerne beantwortet – allerdings ohne Gewähr, dass alle Fragen berücksichtigt werden können.


alley in der Praxis im GK-Bonn
Das Bonner Gemeinschaftskrankenhaus geht im Übrigen auch den Weg der digitalen Offensive und arbeitet mit der bereits o.g. Kölner Firma alley und deren Patienten-App zusammen. Seit April 2020 kommt die App alley zur Behandlung von Menschen mit Hüft- und Kniearthrose im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn zum Einsatz. Damit gehörte es nicht nur im Bonner Raum, sondern auch bundesweit zu den ersten Anwendern von alley und hat die Anwendung in ihrer Entwicklung maßgeblich geprägt. Dr. med. Holger Haas, Chefarzt Allgemeine Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin, erklärt:

Als Klinik ist uns daran gelegen, Patientinnen und Patienten bei allen Fragen im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung aktiv zu begleiten, auch wenn sie längere Zeit auf ihren OP-Termin warten müssen. Mit alley ist genau das möglich. App und Care Management helfen uns, die individuelle Situation unserer Patientinnen und Patienten besser zu verstehen und darauf einzugehen. Gerade mit zeitlichem Abstand von der Erstuntersuchung tauchen zudem oft Fragen auf, die dann durch die App oder im direkten Kontakt beantwortet werden können. Damit wird auch die Betreuung der Patienten durch die niedergelassenen Ärzte im Vorfeld der Operation hervorragend unterstützt.

Im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn kam alley bereits im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 zum Einsatz. „alley hat in dieser kritischen Lage der Klinik geholfen, unsere Patienten effektiv auf ihre Behandlung vorzubereiten und die anstrengende Phase des Wartens zu überbrücken“, betont Dr. Haas. Seine Erfahrungen sind in die Entwicklung der App eingeflossen.
Innerhalb der ersten Monate der Zusammenarbeit nutzten mehr als 100 Patienten alley als Begleitung und zur Vorbereitung auf ihre OP. Die Corona-Krise gab dem Angebot zusätzlichen Schub, da aufgrund der unsicheren Pandemie-Lage viele terminierte OPs verschoben werden mussten und niemand sicher sagen konnte, wann es wieder Eingriffe geben würde. Über das Dashboard hatten die Ärzte die Möglichkeit, anhand der Schmerzprotokolle ihrer Patienten Dringlichkeiten festzulegen und die Medikation aus der Ferne im Blick zu behalten. Die Patienten wurden über das alley Care Management regelmäßig kontaktiert, in das Terminmanagement des Krankenhauses eingebunden, erhielten auf sie zugeschnittene Übungen zum Aufbau und Erhalt der Grundmobilität. Beide Seiten blieben fachlich und persönlich in Kontakt. Diese Erfahrungen konnten im pandemiegeprägten Jahresverlauf fortgesetzt werden.

Das Gemeinschaftskrankenhaus Bonn und Dr. Holger Haas haben die Entwicklung von alley von Anfang an mit Passion und Expertise begleitet. Nach der erfolgreichen Pilotphase soll alley dauerhaft Teil des Klinikalltags in der Orthopädie des Gemeinschaftskrankenhauses Bonn werden. Dafür wird das Dashboard auf die klinikspezifischen Bedürfnisse hin angepasst und in das Krankenhaus-Informationssystem (KIS) eingebunden. Gleichzeitig wird alley in das Aufnahmecenter integriert, so dass Patienten vom Erstkontakt mit der Klinik an auf das alley Care Management zugreifen können.

Ausblick
Es wird auf jeden Fall spannend sein zu sehen, wie schnell die Digitalisierung im Gesundheitswesen die nächsten Jahre fortschreitet und wo die Grenzen des Sinnvollen liegen. Dabei spielt natürlich auch die Akzeptanz der Anwender eine große Rolle und die Frage, ob und in welchem Umfang sich die ältere Generation darauf einlässt. Ein sehr großen Augenmerk muss dabei von allen Seiten unbedingt auf die Sicherheit der Daten gelegt und die Verwendung und Speicherung absolut transparent gemacht werden.
Weitere Schritte der Digitalisierung wird es auch bei Diagnosen durch künstliche Intelligenz geben.
Auch hier positioniert sich das GK-Bonn sehr innovativ und ist über das KnorpelKompetenzNetzwerk eine einjährige Probe-Partnerschaft mit dem Wiener Start-Up Unternehmen ImageBiobsy Lab eingegangen.
Dieses junge Unternehmen beschäftigt sich mit der künstlichen Intelligenz in der medizinischen Bildgebung und hat sich hier schon frühzeitig auf die Diagnose bei Arthrosen der Hüft- und Kniegelenke spezialisiert.
Es bleibt spannend und interessant!

Das Pandemie-Jahr 2020 – der etwas andere Rückblick

Das Jahr 2020 wird als das Pandemie-Jahr in die Geschichte eingehen mit massiven Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens wie Ökonomie, Sport, Privatleben, Medizin/Gesundheit und Psyche, um nur einige zu nennen.

Medizin/Gesundheit
Für alle, die eine geplante Gelenkersatz-OP terminiert hatten, kam es ggf. zu Aufschiebungen und Termin-Absagen. Reine Endoprothtik-Zentren hatten es dabei etwas besser als solche, die an eine Klinik mit Komplettversorgung angeschlossen sind. Dort musste die Intensivbetten-Kapazität hochgehalten werden. So hatte z.B. die endogap Garmisch-Partenkirchen bis September ein Drittel weniger Gelenk-Operationen als im Jahr davor, wie mir der Chef Dr. Christian Fulghum mitgeteilt hat. Aber auch für alle Betroffenen, deren geplante OP stattfand, gab es Probleme und Einschränkungen in der Nachsorge. Fitness-Studios waren teilweise geschlossen, in Reha-Kliniken gab es entsprechende Hygiene-Auflagen und Physio-Therapie-Termine waren auf Grund der reduzierten Behandlungen noch viel schwerer zu bekommen, als sonst.

Privatleben und Ökonomie
Natürlich kam es auch zu massiven Einschränkungen im privaten Bereich, je nach Lebenssituation. Keine Schule, kein Kindergarten, Home-Office, Kurzarbeit und Umsatzeinbrüche. Letztere bei dem einen oder anderen einhergehend mit finanziellen Problemen, die trotz gigantischer Finanz-Maßnahmen des Staates, einfach nicht bei jedem rechtzeitig oder überhaupt angekommen sind. Hinterher wissen immer alle, wie man es hätte vielleicht besser machen können – leider konnte man die Pandemie nicht üben.
Darunter natürlich auch die rücksichtslosen Covidioten, Verschwörungstheoretiker, rechten Hetzer, Querdenker und Reichsbürger. So gerne ich die Errungenschaften der Sozialen Medien schätze und selbst nutze, zeigt sich jedoch hier deren Schwäche. Alle diejenigen, die sich nur noch dort informieren und seriöse Medien überhaupt nicht kennen (wollen), tun sich unglaublich schwer, Tatsachen von Schwachsinn zu unterscheiden. Wenn es dann noch dem Präsidenten einer Weltmacht gelingt, 74 Millionen Bürger mit Hetze auf Minderheiten und permanenten Lügen hinter sich zu scharen, zeigt sich unabhängig von der Pandemie wie wichtig es wäre, dass es in der Schule ein Medien-Kompetenz-Pflichtfach geben sollte. Denn leider zeigen sich auch in unserem Land diese Tendenzen in einigen Bundesländern, in denen ein Viertel der Wähler rechten Spinnern, Lügnern und Hetzern nach dem Maul reden.

Sport und Psyche
Alle Sporttreibenden, die ohnehin ihren Individualsport im Freien ausüben, wie Radfahren, Laufen, Wandern, Nordic Walking, hatten relativ wenig Einschränkungen. Alle Vereins- und Mannschaftssportler hingegen waren die meiste Zeit zum Nichtstun verdammt.

Dad- and Daughter-Challenge 2020

Wohl dem, der hier flexibel genug sein konnte, seine sportliche Aktivität den Regeln der Pandemie anzupassen oder Profisportler ist. Denn Sport und Bewegung sind extrem wichtig für Körper und Geist und damit für das psychische Wohlbefinden. Und ja, in den Wintermonaten, die Dank Klimaerwärmung in den meisten Teilen Deutschlands nur kurz und auch selten sehr kalt sind, bedarf es auf Grund der kurzen Tage natürlich noch mehr Kampf gegen den inneren Schweinehund, um sich nach Draußen aufzuraffen. Online-Workout-Programme zu Hause sind zwar eine Option, aber zumindest für mich persönlich eher spaßfrei.

Mein persönliches 2020 privat und sportlich
Für meine Familie und mich hat sich glücklicherweise nicht so viel geändert. Ich bin ganz normal in mein Büro gefahren und habe dort meist ganz alleine auf gut 60 qm gesessen und gearbeitet. Meine liebe Frau hat u.a. für ein gemütliches Zuhause, die kulinarische Versorgung und das Wohlfühlambiente gesorgt. Zudem haben wir die glückliche Situation zwar stadtnah aber direkt in der Natur zu wohnen. 50 Meter hinter dem Haus kann ich tagelang durch Feld, Wald und Flur des Taunus wandern, laufen, biken oder spazieren gehen. Und falls uns das zu langweilige wird, hüpfen wir mal schnell nach Oberbayern an unseren geliebten Tegernsee. Wir haben wirklich keinen Anlass über die Corona-Situation zu jammern, sondern akzeptieren diese einfach. Natürlich fehlen uns auch ab und an das Feiern und die gemeinsamen Stunden mit unseren liebsten Freunden, Konzertbesuche, Stadt- und Weinfeste oder, wie jetzt wieder aktuell, ein schöner Restaurantbesuch. Mir ist allerdings auch klar, dass dies je nach Lebenssituation leider nicht alle so entspannt sehen können.

Sportlich war 2020 das Jahr, in dem ich nach meiner Revision-OP 2018 wirklich absolut keinerlei Einschränkungen mehr hatte. Am Ende standen über 1000 schmerzfreie Lauf- und Wander- und Gehkilometer auf dem Tacho, dazu noch 400 MTB-Kilometer. Beim Laufen liegen die Kilometerzeiten durch mein neues ‚Langsamlaufen‘ zwar 30 % über denen zu meinen besten Doppel-TEP Halbmarathon-Zeiten, aber das ist für mich absolut in Ordnung. Es war mir sogar möglich, einen 5 km Pandemie-Laufwettkampf, den Midsummer-Run in Wiesbaden, für einen guten Zweck in einer für mich recht ordentlichen Zeit zu absolvieren. Sehr schön war auch, dass ich zusammen mit meiner Tochter auf Grund ihres geschlossenen Fitness-Studios, eine Dad- and Daughter-Challenge starten konnte.
Lediglich meinen Tischtennis-Sport musste ich seit April 2020 nahezu auf null reduzieren und damit auch auf die schönen gemeinsamen Stunden mit meinen TT-Freunden nach einem Punktspiel verzichten.

Ausblick 2021
Lasst uns für 2021 alle optimistisch bleiben und vor allen Dingen Rücksicht auf andere nehmen.
Lasst uns alle die Corona-Regeln befolgen, gebt dem Virus möglichst wenig Verbreitungschancen und weist die Impfgegner, Coronaleugner und Verschwörungstheoretiker in Eurem Umfeld in die Schranken und lasst Euch bitte selbst impfen sobald es möglich ist.
Dann bin ich sicher, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit gelassen auf die zwei Pandemie-Jahre zurückblicken und uns alle freuen, wieder wie gewohnt leben zu können, die demokratischen Freiheiten zu genießen, unbeschränkt Reisen zu können und vielleicht trotzdem die eine oder andere ‚alte‘ Verhaltensweise zu überdenken. Vielleicht ist es wie bei der Reha und dem Aufbautraining nach einem Gelenkersatz: ‚Weniger ist mehr!‘

Sport mit TEP, Kostendruck in der Endoprothetik und konservative Therapien

Vergangene Woche gab es eine Online-Pressekonferenz (PK) der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) anlässlich des 22. AE-Kongresses vom 2. bis 4. Dezember 2020 in Düsseldorf „Endoprothetik im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Innovation“.
In der einstündigen PK gab es drei wirklich sehr interessante Themenblöcke:

  • Corona-Pandemie: Wie kommen Arthrose-Patienten gut durch diese Zeit? Und wann muss spätestens operiert werden? Ein Update der konservativen Möglichkeiten
    Priv.-Doz. Dr. Stephan Kirschner, MBA
    Vizepräsident der AE, Direktor der Klinik für Orthopädie der St. Vincentius- Kliniken, Karlsruhe
  • Sport mit Hüft- und Knieprothese – Ist die Angst vor einer Lockerung oder einem Implantatbruch noch berechtigt?
    Professor Dr. med. Carsten Perka
    Generalsekretär der AE, Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Hüft- und Knieprothesen: Ziel ist lebenslange Haltbarkeit – Was Materialien, OP-Robotik, 3-D-Prothesen und weitere Innovationen heute dazu beitragen können
    Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller
    Präsident der AE, Ärztlicher Direktor des Herzogin Elisabeth Hospitals Braunschweig, Chefarzt der Orthopädischen Klinik

Im ersten Themenblock werden ausführlich die konservativen Therapien bei Arthrose besprochen.
Im zweiten Themenblock geht es darum, dass Sport und Bewegung mit einer TEP ausdrücklich erwünscht sind.
Der dritte Themenblock beschäftigt sich mit der Problematik des Kostendrucks, ganz besonders auch bei den spezialisierten Endoprothetik-Zentren, teils zu Lasten der Qualität der Implantate und der Innovationen.

Allen drei Bereiche wurden zwar hier im Blog und auch auf unserer Mut zur neuen Hüfte! bereits thematisiert.
Aber es ist wesentlich authentischer, wenn man diese Informationen direkt von den medizinischen Fachleuten hört und sieht. Ich kann diese einstündige, wirklich kurzweilige PK, jedem Interessierten und/oder Betroffenen nur ans Herz legen.
Die Pressemappe mit den Wortbeiträgen kann hier direkt als PDF heruntergeladen werden.
Die Aufzeichnung der Online-PK gibt es hier. Allerdings ist dort eine Anmeldung mit Name und eMail-Adresse nötig, was aber nach Rücksprache mit der AE auch für ‚Nicht-Presseleute‘ durchaus erlaubt und gewünscht ist.

Kostendruck verhindert lebenslange Haltbarkeit von Implantaten

Fr, 20. November 2020 3 Kommentare

Wenn die Ausführungen des nachfolgenden Artikels der DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ENDOPROTHETIK E.V. korrekt sind – und daran besteht kein Zweifel – müssten eigentlich alle Patienten und Mediziner auf die Barrikaden gehen. Weil Fallpauschalen z.B. für eine endoprothetische Versorgung zu niedrig sind, wird Patienten nicht das für sie beste Implantat eingesetzt und/oder nicht die beste OP-Methode angewandt. Das ist ein Skandal.
Weiterhin wird ausgeführt, dass auch die teure und personalintensive Zertifizierung zum Endoprothetikzentrum nach EndoCert außerhalb des Budgets läuft. Das mag übrigens auch ein Grund sein, warum einige Kliniken, die weit mehr als die geforderte Anzahl von Fallzahlen pro Jahr haben, sich nicht zertifizieren lasen.
Aber lesen Sie selbst den kompletten nachfolgend verlinkten Artikel.

Hüft- und Knieprothesen: Ziel ist lebenslange Haltbarkeit – Doch Kostendruck gefährdet Fortschritt

Freiburg/Düsseldorf, November 2020 – Hüft- und Knieprothesen ermöglichen Millionen von Menschen mit schwerer Arthrose Schmerzfreiheit und Mobilität. Doch die Standzeit der Implantate ist begrenzt. Patienten unter 70 Jahren, die ein Implantat erhalten, müssen damit rechnen, dass es mindestens einmal ausgetauscht werden muss. Ziel ist jedoch die lebenslange Haltbarkeit der ersten Prothese. Auf dem Weg dorthin spielen die Güte des Prothesenmaterials, die Implantationstechnik sowie die zertifizierte Prozessqualität der Klinik eine bedeutende Rolle. Doch die damit verbundenen höheren Kosten – etwa für OP-Robotik mehr

Sport mit Hüftprothese erwünscht

Do, 12. November 2020 1 Kommentar

Fortschritte in der Endoprothetik erlauben deutlich mehr Bewegung
Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE) – 12.11.2020

Freiburg – Yoga, Ballett, Skifahren: Der Anteil an Patienten mit einer Hüftprothese, die sportlich aktiv sein wollen, steigt. Doch wieviel Sport ist erlaubt, ohne dass die Betroffenen erhöhte Lockerungsraten oder Komplikationen wie ein Auskugeln ihres Kunstgelenks befürchten müssen? Die gute Nachricht: In der Hüftendoprothetik ermöglichen innovative Prothesenmaterialien, vielfältige Implantatmodelle und differenzierte, schonende OP-Techniken mittlerweile einen deutlich aktiveren Lebensstil. Dies sagt die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) im Vorfeld ihrer 22. Jahrestagung, die vom 2. bis 4. Dezember 2020 stattfindet. Patienten sollten vor dem Eingriff die gewünschten Sportarten mit ihrem Operateur besprechen. So könnte gezielt das bestmögliche Verfahren im Hinblick auf die zukünftigen Belastungen ausgewählt werden.

Sabine und Peter beim langsamen Lauf mit insgesamt drei Hüft-TEPs – Okt 2020 – Foto: Inia Herrchen

Regelmäßige, moderate Bewegung kann vielen Krankheiten vorbeugen und verbessert Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Zudem hilft sie bei der Therapie zahlreicher Erkrankungen und Beschwerden. „Deshalb empfehlen wir unseren Patienten mit Ersatzgelenk heute tägliche körperliche Aktivität von mindestens einer Stunde“, sagt Universitäts-Professor Dr. med. Carsten Perka, Generalsekretär der AE und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskelettale Chirurgie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Charité Berlin. Dies gilt umso mehr, da 27 Prozent der Erwachsenen während der Corona-Pandemie zugenommen haben (1).

Doch dieser Ansatz ist neu: „In der Vergangenheit ist man davon ausgegangen, dass sportliche Betätigung zu vorzeitigem Materialverschleiß und anderen Problemen bei der Prothese führt“, sagt Perka. Verschleißpartikel etwa könnten eine Entzündungsreaktion rund um das Implantat mit Lockerung auslösen. Dann muss das Kunstgelenk vorzeitig ausgetauscht werden. Ärzte rieten ihren Patienten deshalb früher, das künstliche Gelenk möglichst nur zurückhaltend zu belasten. „Viele Patienten haben sich deshalb eher zu wenig bewegt“, so Perka. Doch diese Empfehlung sei überholt: „Die Endoprothetik hat sich in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt. Gerade die Hüftprothesen tolerieren heute deutlich mehr Aktivität.“

In der Hüftendoprothetik erlaubt etwa die heute bevorzugte Verwendung von modernem hochvernetztem Polyethylen oder neuartigen Mischkeramiken als Pfannenersatz einen deutlich aktiveren Lebenswandel, ohne dass erhöhte Lockerungsraten und Komplikationen befürchtet werden müssen. „Hochvernetztes Polyethylen zeigt ebenso wie die Keramik im Belastungs-Simulator extrem geringe Abriebraten“, so Perka. „Von daher können wir davon ausgehen, dass eine angemessene sportliche Betätigung das Risiko für eine abriebinduzierte Lockerung nicht ansteigen lässt.“ (2, 3)

„Aktivitäten, die zu einer gleichmäßigen, wenn auch intensiven Belastung der Prothese führen, wie langsames Joggen, Fahrradfahren, Ski-Langlauf, – sogenannte „Low-Impact“-Sportarten –, sind deshalb sicher unproblematisch“, führt Perka weiter aus. Dies gilt auch für alpines Skifahren. Man sollte es jedoch schon vor der Operation beherrscht haben, so der Orthopäde und Unfallchirurg. „Denn hier ist es wichtig, zu jedem Zeitpunkt die muskuläre Kontrolle über das Hüftgelenk zu behalten. Um sicher zu gehen, empfehlen wir auch, Pisten unter dem Schwierigkeitsniveau vor der Operation auszuwählen.“

Aber auch für Sportarten, die einen maximalen Bewegungsumfang erfordern, gibt es mittlerweile Lösungen. Denn Yoga, Ballett oder auch Rudern gehen mit einem erhöhten Risiko des Ausrenkens des Prothesenkopfes – einer sogenannten Luxation – einher. „Hier können wir heute einen Operationszugang auswählen, der die besonders belasteten Gewebestrukturen rund um das Gelenk intakt lässt“, so Perka. „Weitere Sicherheit gibt uns das Einsetzen eines extra großen Kunstgelenkkopfes.“ Erst wenige Jahre auf dem Markt sind auch Gelenkpfannen mit einer sogenannten tripolaren Gelenkpaarung („double mobility“). Durch diese Kombination führen selbst extreme Gelenkstellungen nicht zu einem Ausrenken der Prothese. „Hier müssen wir noch Langzeitdaten abwarten, ob diese neuen Gelenkpaarungen auch unter intensivster mechanischer Belastung gleich gute Langzeitergebnisse wie Hüftprothesen mit einer normalen Kopf-Inlay-Situationen erzielen“, räumt Perka ein. „Sicherlich sind sie aber schon jetzt eine gute Option für ältere Patienten mit Interesse an Yoga oder Dehnungsübungen oder für Patienten mit koordinativen Einschränkungen.“

„Wir müssen unsere Empfehlungen hinsichtlich der sportlichen Betätigung nach Implantation einer Hüftprothese anpassen und moderaten Sport nun nicht nur eindeutig erlauben, sondern empfehlen“, fasst Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, AE-Präsident und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig zusammen.

Mit folgenden wichtigen Ausnahmen: Sogenannte „Stop-and-Go-Sportarten“ wie Ballsportarten, extreme Ausdauerbelastungen und Sportarten mit intensivem Körperkontakt können die Haltbarkeit der Hüftprothese nach wie vor erheblich verkürzen.

Quellen:

(1) Virtuelles Expertengespräch zur FORSA-Studie „Veränderung von Lebensstil und Ernährung während der Corona-Pandemie“ mit Professor Hans Hauner am 16.10.20, ab Minute: 12.24: https://www.youtube.com/watch?v=FKFaDVfXN8U

(2) In Vorbereitung: J Clin Medicine, Recommendations for Patients with High Return to Sports Expectations after TKA remain controversial,

Tu-Lan Vu-Han, Clemens Gwinner, Carsten Perka and Sebastian Hardt

(3) In Vorbereitung: AOTS, Recommendations for Return to Sports After Total Hip Arthroplasty are Becoming Less Restrictive as Implants Improve, Tu-Lan Vu-Han, MD PhD et al.

Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. verfolgt als unabhängiger Verein seit 1996 das Ziel, die Lebensqualität von Patienten mit Gelenkerkrankungen und -verletzungen nachhaltig zu verbessern und deren Mobilität wiederherzustellen. Mit ihren Expertenteams bestehend aus führenden Orthopäden und Unfallchirurgen organisiert sie die Fortbildung von Ärzten und OP-Personal, entwickelt Patienteninformation und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die AE ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU).

Anspruch auf erweiterte Therapien nach Gelenkersatz

Regelmäßig gibt es Diskussionen in unserer geschlossenen TEPFIT-Facebook-Gruppe, wie, ob, wie lange und welche Therapien nach einem Gelenkersatz von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Es scheint einige Ärzte zu geben, die z.B.: keine Rezepte für Physiotherapie ausstellen, aus Angst ihr Budget zu belasten.

Auf den Seiten der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wird die Diagnoseliste für Patienten mit besonderem Verordnungsbedarf in ihrer jeweils gültigen Fassung veröffentlicht. In der verlinkten Nachricht werden kurz die aktuellen Erweiterungen skizziert und am Ende die letzte Fassung vom 1.1.2020 als PDF-Datei komplett zum Download bereitgestellt.

Die aktuelle Fassung 2020 gibt es auch hier zum Download.

Auf Seite 14 dieses Dokumentes wird ausdrücklich das Vorhandensein einer Gelenkprothese als Voraussetzung für den besonderen Verordnungsbedarf genannt. Der verschreibende Arzt muss nur den korrekten ICD-10-Schlüssel angeben, damit diese Sonderbehandlung jenseits des Regelbudgets abgerechnet werden kann und zwar bis zu sechs Monate nach dem Akutereignis, also der OP.

Im Zweifelsfall unbedingt den verschreibenden Doc darauf ansprechen und nicht locker lassen.

Und wer noch mehr Lust auf medizinische Abkürzungen und die Erklärung der Diagnosegruppen/Indikationsschlüssel (Stand 2020) hat – im Falle des Gelenkersatzes EX2, EX3, SB2 und LY2 – wird hier fündig.

Auf die Bremse, um dann wieder Gas zu geben

Mo, 6. Juli 2020 1 Kommentar

Pacemaker beim Slowjogging

Als Sportler seit Kindesbeinen kannte ich eigentlich immer nur eine Maxime: Vollgas geben, um sportlich weiter zu kommen und dabei stets alle sportlichen und körperlichen Reserven zu mobilisieren. Wer braucht als 20- oder 30-jähriger schon Regeneration? Ich hatte zudem das große Glück, mal von meinen allseits bekannten angeborenen Hüftproblemen abgesehen, von Verletzungen komplett verschont geblieben zu sein. So hatte mich zwar die erste Hüft-OP im Alter von 39 etwas ausgebremst, aber nicht lange. Nach der zweiten mit 51 kam es noch besser. Hüftseitig komplett wieder hergestellt mit zwei gleichlangen Beinen und perfekt arbeitenden künstlichen Gelenken ausgestattet, fühlte ich mich wieder wie in der alten Zeit und konnte dann nochmals sportlich richtig durchstarten für knapp 8 Jahre. Triathlon, Halbmarathon, 25-35 Laufkilometer die Woche, MTB, Ski-Langlauf im Winter und Tischtennis sowieso. Klar war, dass würde nicht ewig so weiter gehen. Zum einen wegen des fortschreitenden Alters zum anderen wegen nicht unendlich haltbarer künstlicher Gelenke. So kam es dann im April 2018 zu der erwarteten Zäsur: Komplett-Austausch des 21 Jahre alten künstlichen Gelenkes auf der linken Seite. Details hierzu gibt es sehr ausführlich unter der Rubrik Revision.
Mal von den ersten postoperativen Tagen abgesehen, in denen wenig bis sehr wenig ging, reifte zügig mein Plan, direkt mit der erlaubten Vollbelastung in der Reha natürlich wieder Vollgas zu geben. Aber hier hatte ich die Rechnung dann doch ohne den Wirt, bzw. in meinem Fall ohne Physiotherapeuten und ohne meinen Körper gemacht. Ich lernte sehr schnell: Viel hilft jetzt in dieser Situation nicht viel. So startet ich ab Juni 2018 meinen Bremsvorgang, hörte auf die Fachleute und arbeitete mich ganz langsam Schritt für Schritt nach vorne; konnte nach einem Jahr erstmals ohne Walking-Stock-Unterstützung eine kleine Strecke Laufen im Sinne von ganz langsam Joggen. Neben sehr vorsichtigem kleinen und langsamen Laufeinheiten, maximal zwei- bis dreimal pro Woche und maximal 3 – 4 Kilometer, habe ich stetig Muskelaufbau- und Stabi-Übungen eingebaut.

Midsummerrun 2020 in Wiesbaden

Selbst Hobby-Läufer werden nur müde lächeln, wenn ich meine 9-10 Minuten pro Laufkilometer hier postuliere. Aber wie heißt es so schön: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.
Wichtig war mir vor allen Dingen währen der sehr langen Aufbauphase eines: Auf keinen Fall etwas riskieren und keine meiner Aktivitäten sollte während oder danach irgendwelche Schmerzen oder auch nur ein kleines Zwicken erzeugen.
Ich hatte mir dann schon fast leicht übermütig vorgenommen, am zweiten Jahrestag meiner Revision, quasi als Belohnung für meine ungewohnte Zurückhaltung, einen kleinen Sprinttriathlon zu absolvieren ohne dabei das Lauftempo besonders steigern zu wollen. Hier machte dann Corona einen Strich durch die Rechnung. Da traf es sich gut, dass mit einem speziellen Konzept der Midsummerrun im Juni in Wiesbaden für einen guten Zweck stattfinden konnte.
Und siehe da, ich konnte dort, trotz der sehr moderaten und stets langsamen Trainingsläufe unerwartet, zumindest für meine Verhältnisse, Gas geben. Mein kleines Ziel, 5 Kilometer unter 45 Minuten zu laufen, konnte ich mit 39,20 Minuten sehr locker unterbieten. Das bedeutete eine Kilometerzeit von 8:11, auf dem letzten Kilometer sogar 7:15 Minuten pro Kilometer und ich hatte noch etwas Luft oben und war keineswegs ausgepowert im Zieleinlauf.
Mein Fazit: Bei mir hat sich meine Langsamkeit, mein Bremspedal, für mehr als zwei Jahre sehr positiv ausgewirkt. Viel hilft unter bestimmten Voraussetzungen eben nicht viel, wie mein Physio Marius Topf, dabei stets unterstützt von den Fachärzten, während meiner Reha immer wieder gebetsmühlenartig gepredigt hat. Heute bin ich ihm sehr dankbar dafür.

Zweiter Jahrestag der Komplett-Revision – Dankbarkeit und Freude pur

Sa, 18. April 2020 1 Kommentar

Freude pur – Laufen durch Raps-Feldern

Zweiter Jahrestag
Am Samstag, den 25.04.2020, jährt sich meine Komplett-Revisions-OP zum zweiten Mal. Wer mein Revisions-Tagebuch kennt, kennt auch meinen langen Weg und meinen Optimismus, dass alles danach wieder fast so werden würde wie vorher. Natürlich war ich mir trotzdem weder am 25.04.2018, meinem OP-Tag, noch die Tage und Wochen danach wirklich sicher, dass es auch so funktionieren würde. Trotz des sehr großen Vertrauens in meine Operateure und in meine eigene Konstitution, war der Ausgang anfangs mehr als ungewiß. Dafür war die auf keinen Fall alltägliche Revisions-OP einfach zu komliziert und der optimale Ausgang sehr stark von der großen Erfahrung des OP-Teams und bestimmt auch von einem Quäntchen Glück abhängig.
Aber als mir am Tag nach der OP der Chefarzt der endogap – Garmisch-Partenkirchen, Dr. Christian Fulghum und kurze Zeit später auch mein Hauptoperateur, Dr. Rolf Schipp, erklärten, dass alles nach Plan gelaufen sei, gewann bei mir sofort die große Zuversicht Oberhand. Wohl wissend, dass einerseits der Weg lang und steinig werden, andererseits aber auch (fast) nur noch von meiner eigenen Einstellung und meiner Vernunft, keinesfalls zu früh zu übertreiben, abhängig sein würde.

Mit dieser Maxime begann ich meinen Rekonvaleszenz-Marathon und kann heute, exakt zwei Jahre nach meiner letzten Narkose freudig und sehr dankbar sagen: „Es hat sich wirklich gelohnt!“

7,11 km langsam aber mit 220 Höhenmetern

Ca. 4 Monate Post-OP begann ich wieder ganz vorsichtig mit Mountainbiken auf flachen und einfachen Strecken. Walken, Wandern und längere Strecken Gehen waren nach 5 Monaten schmerzfrei möglich. Ohne Walkingstöcke und mit einem runden Gangbild allerdings erst nach fast einem Jahr. Nicht vergessen werde ich dabei meinen ersten richtigen Lauf (Joggen) im November 2018 – noch mit Walkingstock-Unterstützung – und nach gut 10 Monaten, im Februar 2019, meinen ersten kurzen Lauf ohne Stöcke.

Freude pur
In exakt einer Woche, zwei Jahre Post-OP, wäre jetzt um diese Uhrzeit gleich der Start zu meinem ingesamt dritten Neroman (Cross-Sprinttriathlon) gewesen, der natürlich in Corona-Zeiten abgesagt wurde. Aber wer weiß wozu es gut ist. Vielleicht hätte ich mich trotz der sehr überschaubaren Streckenlängen doch (noch) überlastet. Stattdessen habe ich mir dafür meinen längsten Lauf seit meiner OP und vermutlich langsamsten Lauf ever geschenkt: 7,11 Km mit 220 Höhenmetern in 1 Stunde und 10 Minuten.
Ich bin einfach nur glücklich und meinen Medizinern unendlich dankbar. Freude pur eben!

Fazit
Auch jenseits von 60 Jahren ist es möglich, nach einer komplizierten TEP-Revisions-Operation den Alltag in allen Lagen problemlos zu meistern und wieder völlig schmerzfrei, nahezu ohne Einschränkungen, seinem Sport nachzugehen (Laufen, MTB, Schwimmen, Tischtennis, Wandern, Ski-Langlauf). Alles sicher etwas langsamer, ohne Höchstleistungen und dafür wertschätzender als in jungen Jahren.
Garantien gibt es für das Gesamtergebnis leider keine. Aber sehr erfahrene Operateure, gute Physiotherapeuten, ein intaktes privates Umfeld und eine gehörige Portion Selbstdisziplin, gepaart mit ein paar Prozent Glück, machen es möglich, 100% Gesamtzufriedenheit zu erreichen.

Alter und Revision-TEPs schützen vor Torheiten nicht

Mi, 5. Februar 2020 4 Kommentare

Schon Anfang 2018 hatte ich vor meiner Revisons-OP den zarten Gedanken, vielleicht nach der OP, wenn genug Zeit verstrichen ist, zum 3. Mal am Neroman in Wiesbaden teilzunehmen. Hatte ich die Premiere doch ziemlich exakt ein Jahr nach meiner letzten Hüft-TEP Operation (rechts) im Jahr 2009. Diesen Gedanken hatte ich aber dann bereits am 26.4.2018 – einen Tag nach der Revision-OP – schnell ad acta gelegt. Beim betrachten des Röntgenbildes und dem Anblick der Metall-Konstruktionen in meinem linken Oberschenkel, schien die Idee verrückt und unrealistisch. Wer mein Revisions-Tagebuch verfolgt hat, weiß wie langwierig und schwierig die vollständige Genesung und der langsame Aufbau meiner körperlichen Fitness war. Es hat gut ein Jahr gedauert, bis ich ohne Walking-Stöcke völlig problemlos lange Strecken ohne ein gefühltes und sichtbares leichtes Einknicken auf der operierten Seite gehen konnte. Ab dieser Zeit habe ich dann wieder – sehr besonnen und ganz langsam – mit kurzen vorsichtigen Laufeinheiten begonnen. Innerhalb der letzten 12 Monate kamen somit durchschnittlich sehr moderate 5,5 Laufkilometer pro Woche, immer in langsamen Tempo und mit kurzen Schrittlängen, zusammen. Ich war einfach nur froh, mich wieder absolut schmerzfrei laufend in der Natur bewegt zu können. Ich ertappte mich allerdings das eine oder andere Mal dabei, dass ich mich erneut in den ersten Wochen dieses Jahres mit dem Gedanken Neroman in Wiesbaden beschäftigte. Am 23.01.2020 habe ich mich dann tatsächlich auch angemeldet und werde, wenn alles nach Plan läuft, auf den Tag genau zwei Jahre nach meiner Revisions-OP meinen 3. Neroman absolvieren. Ich werde aber nichts erzwingen und auf gar keinen Fall meine Laufumfänge erhöhen oder versuchen schnell(er) zu laufen. Das gelenkschonende Schwimm- und Radtraining werde ich natürlich etwas intensivieren.
Allerdings kämpfe ich, während ich diese Zeilen schreibe mit Schmerzen im ISG links, die bis in den Oberschenkel ziehen. Diese kamen aus heiterem Himmel und hatte ich tatsächlich noch nie in meinem ganzen Leben, trotz dreier Hüft-TEP OPs und dauerhafter sportlicher Betätigung.
Sollte ich das nicht zeitnah in den Griff bekommen, wird es schwierig mit meinem oben beschrieben Ziel.
Neben dieser kleinen sportlichen und ungeplanten ISG-Herausforderung, plane ich 2020 mein TEPFIT- und Endoprothesen-Netzwerk zu vergrößern und mit einem eigenen Podcast-Kanal für meine aktuellen Leser, neuen Zuhörer und hoffentlich vielen neuen Interessierten an den Start zu gehen. Neben unserem TEPFIT-YouTube-Kanal wird dies eine weitere Informations-Quelle für Betroffene sein, sich rund um Arthrose, Gelenk-Probleme, OP-Vermeidung, Tipps vor und nach einer OP und aktuellen Fragen, die mir täglich begegnen, bequem im Auto, auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder wo auch immer sonst, rein auditiv zu informieren. Das Intro so oder so ähnlich gibt es schon mal hier zum reinhören.

KnorpelKompetenzNetzwerk e.V.
Vor gut eineinhalb Jahren wurde unter Federführung des GK-Bonn und deren Chefärzte Dr. Holger Haas und Dr. Jochen Müller-Stromberg der Verein KnorpelKompetenzNetzwerk e.V. gegründet, der sich als Bindeglied zwischen optimaler Behandlung und Patient versteht.

Dr. Müller-Stromberg führt dazu aus:

Im KnorpelKompetenzNetzwerk ist eine Gruppe von erfahrenen, besonders geschulten Ärzten und Therapeuten zusammengeführt, die untereinander abgestimmt agieren, eine optimierte Kommunikation führen und sich dabei dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis sowie den geltenden Leitlinien verpflichtet sehen.
Durch die enge Verzahnung der Mitglieder haben die Patienten kurzfristig Zugriff auf fundierte Beurteilungen ihrer Gesundheitssituation im Sinne einer Zweitmeinung.
Durch das Netzwerk erhält der Patient neben einer objektiven Beratung kurzfristig die notwendige, wissenschaftlich anerkannte Therapie, um die oft schwerwiegenden Folgen einer im Frühstadium verzögerten Therapie zu vermeiden.
Das Netzwerk steht offen für verschiedene Berufsgruppen, um alle notwendigen Kompetenzen zu bündeln. Neben Orthopäden und Unfallchirurgen sollen weitere Ärzte mit spezieller Qualifikation einbezogen werden. Dabei muss auch eine ernährungs- und sportmedizinische Beratung erfolgen. Mit der Einbindung von Physiotherapeuten und Sportmedizinern wird der zentrale Aspekt einer gezielten körperlichen Aktivität für die Behandlung und Prävention von Erkrankungen des Gelenkknorpels betont.
Die Beratung und Behandlung eines Patienten mit Knorpelschaden bzw. beginnender Arthrose ist trotz aller vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse stets individuell auf diesen Patienten abzustimmen.

Die Satzung des Vereines kann hier heruntergeladen werden.
Der Verein finanziert sich größtenteils aus Spenden. Mit einem schriftlichen Antrag an den Vorstand können auch Nicht-Mediziner Mitglied werden. Diese Chance habe ich wahrgenommen und bin hocherfreut, dass meine Mitgliedschaft ab 1. Februar 2020 bestätigt wurde. Ich werde versuchen, im Rahmen meiner „nichtmedizinischen“ Möglichkeiten und aus Sicht der Betroffenen, aktiv mitzuwirken und auch die eine oder andere Spende zu akquirieren. Ausführliche Informationen gibt es auf der Vereins-Webseite.
Ich finde diese Initiative ganz hervorragend. Bietet sie doch aus meiner Sicht Möglichkeiten, Kompetenzen zur Erforschung der Knorpelzüchtung und Knorpelregeneration zu bündeln, um in absehbarer Zeit hier neue Behandlungsmöglichkeiten für Arthrose-Betroffene zu schaffen und bereits heute, den oft vernachlässigten Ansatz einer ganzheitlichen Therapie anzubieten.

Zurück im wohldosierten Sportlerleben – mein ganz persönlicher Rückblick 2019

Hiking zum Wasserfall im Jonkershoek Nature Reserve

Meine regelmäßigen Leser wissen, dass mein Revisions-Jahr 2018 ein schwieriges Jahr war, mit zumindest im April noch ungewissem Ausgang. Ein Jahr später, im April 2019 war das so gut wie vergessen. Seit Frühjahr diesen Jahres ist es mir wieder völlig schmerzfrei und problemlos möglich, meine sportlichen Aktivitäten wie Biken, Laufen, Wandern, Tischtennis und kurz vor der Schneeschmelze im Frühjahr noch eine Ski-Langlaufeinheit zu absolvieren. Alles wohl dosiert und besonders beim Laufen mit kurzen (max. 5 km) und sehr langsamen Einheiten.

So kamen 2019 immerhin 1,8 Mio Schritte mit einer Distanz von 1.600 Kilometern zusammen, von denen ich 2018 bei meinen Crutch-Walking-Versuchen nur träumen konnte. Auf das Laufen entfielen davon zwar nur knapp 280 km – waren es in den Jahren 2010-2012 doch jeweils noch über 1000 Laufkilometer – aber das ist Geschichte und ich bin glücklich, dass ich überhaupt wieder absolut schmerzfrei und ohne jegliche Beschwerden laufen kann. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich im Sommer dieses Jahres auch ein eMTB getestet und war doch sehr angenehm überrascht. Die Dokumentation meines Selbstversuches lest Ihr hier.

Sport und Bewegung, sogar mit Tochter bei Traumwetter

Eine schöne Abwechslung war auch der nunmehr fünfte Südafrika-Urlaub Anfang des Jahres mit meiner Liebsten und besten Freuden. Es ist einfach gut für Körper und Geist, wenn man statt eines meist grauen und dunklen Januars in unseren Breitengraden, den Hochsommer mit Licht und Wärme an der südlichen Spitze Afrikas genießen kann. Dort war ich übrigens auch 80 Kilometer zu Fuß unterwegs.

Genauso schön – zumindest bei bayerisch blau-weißem Wetter – wenn auch meist zu kurz, waren die Auftank-Tage am Tegernsee, die ich mir dieses Jahr auch einige Male nur über das Wochenende mit einer hohen Aktivitätsdichte gegönnt habe. Praktisch auch, dass ein alter Bekannter, der bereits in der Erstauflage unseres Buches „Mut zur neuen Hüfte!“ mitgewirkt hat, seinen Lebensmittelpunkt an den Tegernsee verlegt hat. Der Diplom-Sportlehrer, Certified RolferTM und Faszienexperte Markus Roßmann betreibt in Bad Wiessee zusammen mit seiner lieben Frau Sylke eine Gesundheits- und Friseur-Lounge. Wir haben uns dieses Jahr bereits mehrere Male getroffen und auch zusammen ein Video „TEPFIT trifft Faszie“ gedreht.

Unsere Facebook-TEPFIT Gruppe ist 2019 erneut um knapp über 800 Mitglieder gewachsen, fast 6000 Beiträge und 120.000 Kommentare wurden hinterlassen und die ‚Views‘ dieses Blogs haben die 300.000er Marke überschritten. Außerdem wurden dieses Jahr 12 neue Video-Clips zusammen mit meiner lieben Mitautorin Heidi Rauch für unseren TEPFIT-Youtube-Kanal produziert.

In Kapstadt mit meiner Liebsten im Januar 2019

Die Weihnachtstage, Silvester und Neujahr verbringen wir wie jedes Jahr traditionsgemäß mit vielen Freunden am traumhaften Tegernsee. Bisher leider noch weitestgehend schneelos, aber das wird schon noch – schließlich sind für die Weihnachtstage Schneefälle angesagt.

Und was steht 2020 auf meinem Plan?
Zum einen unterstütze ich gerade ein spannendes Projekt eines Startups im Bereich „Digital Health“ für Betroffene mit Hüftarthrose – dazu gibt es hier Anfang Januar weitere Details. Zum anderen spiele ich mit dem zugegebenermaßen leicht verrückten Gedanken, Ende April 2020 zum dritten Mal am Neroman in Wiesbaden teilzunehmen, den ich zum ersten Mal 2009 absolviert habe. Mal schauen, ob es was wird. Ansonsten werde ich auch 2020 meine Freizeit nach wie vor mit meiner Liebsten, meinen Freunden, mit viel Bewegung und Sport, ab und an mit einem guten Glas Wein und hoffentlich gesund verbringen.

In diesem Sinne Euch allen ein paar friedliche, geruhsame oder noch besser bewegungsreiche Weihnachtstage und einen guten und vor allen Dingen gesunden Start ins Jahr 2020.

 

Kellertreppeneffekt – Perversion des Kostendrucks bei Implantaten

So, 24. November 2019 1 Kommentar

Der gesunde Menschenverstand geht logischerweise davon aus, dass die zertifizierten Endoprothetikzentren neben qualifizierten und erfahrenen Operateuren, sowie optimierten Abläufen, auch die jeweils aktuell besten Implantate für die Patienten bereit halten. Dabei sollten sie aus einer Vielzahl von Modellen das jeweils für den Patienten optimale Implantat auswählen können. Schließlich gibt es Unterschiede bei den Gleitpaarungen, Legierungen und Längen, die je nach Alter, Lebenserwartung und Aktivität des Patienten ausgewählt und zum Einsatz kommen sollten. Der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller erläutert: „Der Preisunterschied zwischen der Standardversorgung und der abrieb­festeren Lösung könne bis zu 1.000 Euro betragen.“ (Den vollständigen Artikel aus dem Ärzteblatt gibt es hier)
„Die Fallpauschalen für Hüft- und Knieprothesen unterscheiden nicht nach hochwertigen oder weniger hochwertigen Materialien, modernen oder länger auf dem Markt befindli­chen Implantaten, ebenso wenig wie nach jungen und alten Patienten“, so der Orthopäde und Unfallchirurg weiter.

Fabrikneu aussehender Schaft mit Keramik-Kopf nach 21 Dienstjahren

Der Erstattungsbetrag orientiere sich vielmehr am Mittelwert der Kosten aller einkaufen­den Kliniken. „Dies führt langfristig dazu, dass man eine schwarze Null nur erwirtschaften kann, wenn man weniger Sachkosten einsetzt als im Durchschnitt. Ein gefährlicher Keller­treppeneffekt“, warnt Heller in dem Artikel.
Das Problem dabei ist, dass gerade die auf Endoprothetik spezialisierten Fachkliniken die Unterfinanzierung für hochwertige Implantate nicht anderweitig ausgleichen können.
Ich halte das für einen unhaltbaren Zustand. Auf das Problem hatte bereits vor fast drei Jahren Dr. Holger Haas, Chefarzt Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie am GK in Bonn anlässlich seines Vortrages zum Thema „Gelenkersatz: Extrem erfolgreich aber nicht ohne Risiken“ (letzter Absatz) hingewiesen, nicht ohne zu betonen, dass die anerkannten Versorgungseinrichtungen trotzdem zumindest bisher das hochwertige Material einsetzen.
Geändert hat sich bis heute nichts. Hier ist dringend die Politik gefragt. Patienten, Ärzte, Ärztekammern und alle sonstigen Interessenvertreter sollten sich zusammentun, um auf den Zustand intensiv medial aufmerksam und dem Gesundheitsministerium Druck zu machen – zumal dies von den Kostenträgern absolut zu kurz gedacht ist.
Die vermeintliche Kostenersparnis ist durch früher notwendige Revisions-OPs volkswirtschaftlicher Unsinn.

Beide oben genannten Ärzte (Haas und Heller) haben übrigens einen weiteren interessanten Presse-Artikel bei der DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie) veröffentlicht. Dabei geht es um die Eigentumsrechte an explantierten Medizinprodukten. Wussten Sie, dass Sie als Patient das Recht haben, sich die ausgebauten Implantate aushändigen zu lassen? Die Hintergründe und warum das wichtig sein kann, erfahren Sie im hier verlinkten Presseartikel.
Ich habe selbstverständlich bei meiner Revision-OP im April letzten Jahres die „antiken Stücke“, die mich 21 Jahre sehr gut begleitet haben, ausgehändigt bekommen. (Siehe auch hier Kapitel 2 meines Revisionstagebuches inkl. Fotos vom „Altmetall mit Keramik„).

Die Komplett-Revision der Hüfte in 12 Kapiteln

Sa, 5. Oktober 2019 7 Kommentare

Nachdem ich knapp 10 Jahre lang mit meinen beiden künstlichen Hüftgelenken sportlich richtig Gas geben konnte, stand im April 2018 die notwendige Komplett-Revision der 21 Jahre alten TEP auf dem OP-Plan. Komplett hieß in meinem Fall, alle zementierten Komponenten entfernen (Pfanne und Schaft) und versuchen, eine natürlich größere, aber dafür nicht einzementierte Revisionsprothese einzusetzen. Wie schon bei der letzten OP (rechte Seite in 2008) vertraute ich hier auf das bewährte und hervorragende Team der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen. Die nachfolgenden Kapitel zeigen den langen und teils auch beschwerlichen Weg zurück zur Normalität und auch zum Sport.

Das komplette Tagebuch (41 Seiten) kann auch hier als ePDF mit allen Links und Videos heruntergeladen und somit ganz bequem auf einem Tablet oder PC offline gelesen werden.

Motivation, Zeit, fehlendes Ziel und Ausreden

Sa, 27. Juli 2019 1 Kommentar

Nach einigen schönen, leider nur sehr kurzen Aufenthalten an meinem geliebten Tegernsee ist mir wieder einmal richtig bewußt geworden, wie sehr eine wunderschöne Umgebung gepaart mit arbeitsfreier Zeit meiner Motivation zu sportlicher Betätigung extrem förderlich ist.

Biken am Berg und Biberbiotop am Tegernsee

Obwohl ich jetzt einige Male nur von Freitag- bis Sonntagabend im Tegernseer Tal war, habe ich mich jeden Tag laufend, bikend und schwimmend bewegt. Zurück im Arbeitsalltag fällt es mir inzwischen deutlich schwerer, spät abends noch einen kleinen Lauf zu machen, ins Fitness-Studio zu gehen oder im Schwimmbad Bahnen zu ziehen, obwohl es jetzt im Sommer sehr lange hell ist. Meine Selbstreflexion hat dabei Folgendes zu Tage gefördert:
Zum einen ist es mit fortschreitendem Alter für mich scheinbar schwerer, nach einem meist langen Arbeitstag die Komfortzone abends zu verlassen – immer öfter ziehe ich das gute Glas Wein auf der Abendterrasse oder auf der gemütlichen Couch vor.
Zum anderen verbringe ich durch meine TEPFIT-, Blog-, Buch- und Social-Media-Aktivitäten vor allen Dingen abends mehr Zeit vor dem Bildschirm, Smartphone oder Tablet, als noch vor einigen Jahren.
An den Wochenenden steigt dann mein Aktivitätslevel wieder deutlich an. Auch wenn ich sicherlich weit aktiver bin als die große Mehrheit der Bevölkerung in unserem Lande, bin ich nicht wirklich mit mir zufrieden. Zu oft ertappe ich mich dabei, dass mein tagsüber gefasster Vorsatz, mich abends noch im Studio oder im Wald sportlich zu betätigen, in der Ausrede mündet, dass es doch schon zu spät, zu dunkel oder zu regnerisch sei.
Rückblickend auf die letzten Jahre ist allerdings zusätzlich ein wichtiger Antrieb zum Training weggefallen – nämlich das Ziel, auf einen Wettkampf hinzuarbeiten. Als Sportler war ich es Jahrzehnte lang gewohnt zu trainieren, um meine sportlichen Ziele zu erreichen. Früher, um möglichst erfolgreich jedes Wochenende als Spitzenspieler in der Regionalliga Tischtennis zu spielen oder Einzelmeisterschaften zu gewinnen, in den letzten Jahre, um mich auf Triathlon- und Halbmarathon-Wettkämpfe vorzubereiten. Nach meiner komplizierten Revision im Frühjahr 2018 hatte ich noch die große Herausforderung vor Augen, körperlich wieder völlig fit zu werden. Dies ist mir gelungen bei gleichzeitigem Wegfall der Zielsetzung.

Baden und Freiwasser-Schwimmen im Tegernsee

Um meine „neue“ Revionshüfte nicht zu stark zu belasten, obwohl ich das Gefühl habe, ich könnte es problemlos, suche ich noch den Spagat zwischen moderater sportlicher Betätigung bei gleichzeitigem Training für eine echte Herausforderung im Bereich des Ausdauersportes, die ggf. auch in einem Wettkampf mündet. Als wirklich gelenkschonende Ausdaueraktivität kommt im Prinzip nur Radfahren (für mich MTB) oder Kachelnzählen (Schwimmen) in Frage. Ersteres ist während einer Arbeitswoche eigentlich nur im Sommer möglich, Letzteres geht zwar immer, ist mir aber auf Dauer zu öde. Zudem ist es bei beiden Sportarten schwierig, Wettkämpfe zu bestreiten, zumindest im Hobbysport-Bereich. Somit bleibt eigentlich nur mental an mir zu arbeiten und meine Motivation aus dem körperlichen Wohlbefinden nach sportlicher Betätigung zu schöpfen – verbunden mit dem Ziel, so fit und gesund zu bleiben, dass ich nach meinem Arbeitsleben in wenigen Jahren neben der dann vorhandenen Zeit noch die körperliche Fähigkeit besitze, z.B. eine Alpenüberquerung zu Fuß und/oder mit dem Bike zu planen, mich intensiver mit anspruchsvollerem Bergwandern und im Winter neben Ski-Langlauf z.B. mit Schneeschuhwandern zu beschäftigen.
Nun bin ich allerdings auch erstmal auf Ende September gespannt, ob denn der Jahres-Kontroll-Termin in der endogap (der letzte war Anfang Oktober 2018) meine gefühlte komplette Wiederherstellung auch radiologisch bestätigt und meine Knochen im Oberschenkel und Becken mit dem Revisions-Implantat inzwischen quasi eine Einheit geworden sind. Natürlich auch verbunden mit der Hoffnung, dass meine rechte, inzwischen auch 11 Jahre alte Hüft-TEP, ebenfalls noch tadellos sitzt.

Der mündige und aufgeklärte Online-Patient – eine Herausforderung für Betroffene und Ärzte

Sa, 11. Mai 2019 2 Kommentare

Es ist so herrlich einfach: Mal eben schnell einen medizinischen Fachbegriff oder eine Krankheit in eine Suchmaschine eingeben und schon weiß man besser Bescheid als jeder Arzt. Dieser Trend wird durch gesetzlich inzwischen erlaubte Online-Sprechstunden unterstützt. Kurz mit dem Facharzt einen kleinen Video-Chat aufsetzen und schon steht die Diagnose fest, die man sich ja vorher ohnehin bereits „ergoogelt“ hatte.

In Wirklichkeit ist die Recherche im Netz aber alles andere als einfach. Gilt es doch, seriöse Seiten von reinen Werbeseiten, Fachinformationen von Falschinformationen und aktuelle Artikel von längst überholten, zu unterscheiden. Bei der Suche nach Krankheiten und Beschwerden besteht zudem die Gefahr, dass man eher geneigt ist, den beschriebenen schlimmsten Szenarien der eigenen Symptome Glauben zu schenken, als den harmlosen.
Doch wie kann man die Online-Möglichkeiten nutzen, ohne in die genannten Fallen zu tappen?
Eines vorweg, es kostet in jedem Fall Zeit.
Als erstes sollte man immer das Impressum lesen. Ein Impressum ist für alle Webseitenbetreiber verpflichtend. Wenn dieses fehlt oder unvollständig ist, sollte die Internetseite direkt aussortiert werden. Danach ggf. den Betreiber der Seite im Netz recherchieren. Wenn man sich immer noch unsicher ist, kann man auch prüfen, was andere bereits zu der Seite oder der Firma im Netz geschrieben haben. Auch Seiten mit auffallend vielen Rechtschreibfehlern oder merkwürdigen Formulierungen können ein Indiz für unseriöse Angebote sein.
Es gibt auch im Internet einige hilfreiche Tipps, wie man Falschmeldungen (Fake News) entlarven kann. Die Seite des SWR bietet einen guten Leitfaden an.
In Fall der Medizin-Seite mit dem wohlklingenden Namen „Leading Medicine Guide“, die mich zu diesem Artikel veranlasst hat, war es trotzdem nicht ganz so einfach auf den ersten Blick und ohne größeren Zeitaufwand zu erkennen, dass hier keinesfalls unabhängige Qualitätskriterien dazu geführt haben, Kliniken und Ärzte als herausragende Experten dort aufzuführen, sondern Zahlungen von mindestens 5.500,00 EUR pro Jahr. Allenfalls der im Impressum genannte Betreiber, der „Deutsche Verlag für Gesundheitsinformation GmbH“, kann einem vielleicht stutzig werden lassen, sowie das goldene eigene ausgegebene Zertifikat. Beide genannten Seiten sind sehr professionell gestaltet und wirken dadurch seriös und fachkompetent. Die zwei zusammengehörenden Seiten einer Firma, machen übrigens keinen Hehl daraus, Dienstleistungen für Ärzte und Kliniken zu verkaufen, um diese im Suchmaschinen-Ranking nach vorne zu bringen. Mann muss sich allerdings erst das 5-minütige, etwas versteckte Werbevideo anschauen, um ab Minute 4 zu erfahren, wie hoch die Kosten dafür sind – und wer macht das schon?
Die 10 genannten Aufnahmekriterien klingen zunächst auch ganz plausibel und vernünftig. Wenn man dann aber weiterliest und erfährt, dass nur 7 von 10 Kriterien (Stand Mai 2019) erfüllt sein müssen, ergibt sich eine ganz andere Wahrnehmung.

Eine Aufnahme in den „Expertenkreis“ ist damit ohne nachfolgende sehr wichtige drei Kriterien möglich
– „Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung“
– „Beherrschung moderner diagnostischer und operativer Verfahren“
– „evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)“

wenn stattdessen eher unwichtige Kriterien wie z.B.:
– „Ärzte- und Kollegenakzeptanz“
– „Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)“
– „Leitende berufliche Position“
nachgewiesen werden. Das sagt eigentlich schon alles über diese Web-Seite und die Expertenliste aus.

Update 26.9.2020: In der aktuellen Webseiten-Fassung der Aufnahmekriterien wurde der Passus, dass nur 7 von 10 Kriterien erfüllt sein müssen, einfach gestrichen. Ob nur für die Aussenwirkung oder generell, ist schwer zu überprüfen. Die Änderung/Anpassung des Textes fand nach meinen Recherchen im September oder Oktober 2019 statt.
Anm: Alte Webseiten-Versionen kann man über das Webarchiv suchen und finden.

Zur dem oben genannten Verlag gehören übrigens noch weitere 17 (in Worten siebzehn) Portale spezieller medizinischer Fachrichtungen, die alle das „…guide“ im Namen führen und designtechnisch jeweils etwas anders aufbereitet sind, so dass diese nicht direkt in Zusammenhang gebracht werden, es sei denn man schaut in jedes Impressum oder es fallen einem die gleichen Bilder mit den seriös dreinschauenden Gesichtern auf.
Es zwar nicht ganz  auszuschließen ist, dass das eine oder andere dort veröffentlichte Thema auch sinnvolle Informationen enthält, jedoch fällt dem aufmerksamen Leser auf, dass nie ein Datum der Veröffentlichung angegeben wird und meist auch keine Quellenangabe. Allenfalls anhand einiger dort genannter Zahlen kann man das Alter der Artikel ablesen. Z.B. lesen wir dort von 250.000 endoprothetischen Versorgungen pro Jahr (Hüfte und Knie), lt. seriöser EPRD-Quelle waren es 2016 ca. 440.000.

Das inzwischen weitestgehend aufgehobene Werbeverbot für Mediziner macht es für die Betroffenen aber auch für Ärzte nicht einfacher. Gilt es doch auch hier, seriöse und sachliche Information ohne Verkaufsangebote von eben weniger seriösen mit versteckter oder auch offene Werbung zu unterscheiden. Professionell in Studio-Qualität erstellte Youtube-Videos sind leider auch hier kein fachliches Qualitätsmerkmal.
Last but not least sieht vielleicht auch der eine oder andere Mediziner die Notwendigkeit, bei einer rein profitorientierten Werbeplattform mitzumachen, um sich nicht von Patienten fragen zu lassen, warum denn gerade er nicht auf einem „sogenannten Expertenportal“ vertreten ist. Ich bin mir allerdings sicher, dass die Mehrzahl der wirklich anerkannten Fachärzte dieser Versuchung widerstehen werden.
Am Ende ist es wie immer im Leben: Am besten den gesunden Menschenverstand walten lassen und bei medizinischen Ratschlägen und Wunderheilungsversprechen misstrauisch sein.
Keine schlechte Quelle für Informationen können Selbsthilfegruppen, egal ob real oder im Netz, sein. Bei letzteren gelten natürlich die gleichen vorstehend genannten Kriterien. Wenn so eine Gruppe gut geführt ist, mit Fachleuten besetzt ist und eine notwendige Größe hat, die für ein gewisses Maß an Selbstregulierung sorgt, kann man sich dort durchaus zu medizinischen Themen informieren und austauschen. Ein qualifizierter Arztbesuch ist dadurch selbstverständlich keinesfalls zu ersetzen.

In dem mir bekannten medizinischen Umfeld, seien zum Thema „Arthrose und künstliche Gelenke“ stellvertretend zwei Gruppen/Foren genannt:

Beide genannten Gruppen und Foren bemühen sich intensiv um sachliche Informationen, die durch eine größere Anzahl von Experten (Medizinern, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern, etc.), die auch namentlich bekannt sind, fachlich unterstützt und begleitet werden.

Als orthopädische und chirurgische Webseiten mit validen Fachinformationen seien nachfolgende genannt, wobei die ersten drei eingetragene Vereine sind und am Aufbau der letzten zwei genannten Organisationen maßgeblich beteiligt waren.

Natürlich sind auch Portale der Krankenkassen eine praktikable Anlaufstelle, um Kliniken und Fachärzte zu finden!

Fazit: Sinne schärfen beim Surfen!

Revision Dank endogap nach einem Jahr körperlich und mental abgeschlossen

Mi, 24. April 2019 2 Kommentare

Kapitel 12 – Mit diesem letzten Kapitel schließe ich nun mein Revisionstagebuch bis auf das noch folgende Nachwort ab. Exakt ein Jahr ist die Revisions-OP nun her und ich denke weder an die neue Revisions-TEP noch spüre ich diese im Alltag! Das Leben und auch der Sport hat mich wieder.

Freude pur beim ersten Lauf ohne Stöcke nach der Revision

Nach den wundervollen Urlaubstagen Anfang Januar 2019 in Südafrika zog naturgemäß wieder der Arbeitsalltag in mein Leben ein. An einem Wochenende Anfang Februar habe ich es dann zum ersten Mal gewagt, einige wenige Kilometer, drei um genau zu sein, ohne Stöcke zu Laufen (Joggen) – und zwar sehr, sehr langsam und mit kleinen Schrittlängen. Trotzdem ist das Glücksgefühl nach so langer Zeit kaum zu beschreiben. In den vier Folgewochen bin ich dann insgesamt knapp 20 km langsam und vorsichtig gelaufen, davon einige sogar in kurzen Hosen, da Mitte/Ende Februar schon mal kurz der Frühling ausgebrochen war. Meine längste Einheit war 5 km in „sagenhaften“ 50 Minuten.
Ansonsten einige Tischtennis-Liga Spiele und meine täglichen Übungen wie gehabt.

Es folgte eine Woche Sportpause wegen einer Erkältung und dann ein kurzes Wochenende am geliebten Tegernsee. Ich war voller Hoffnung, dass ich es noch kurz vor Ende der Saison schaffen würde, meine Langlaufbretter nach langer Zeit wieder zu testen. Auch wenn tagsüber die Temperaturen bei sonnigen 15-18 Grad (plus) lagen, war es in den Tälern bei Kreuth doch nachts noch recht frostig und die Loipen, nach über zwei Meter Schnee in diesem Winter, wirklich überraschend gut in Schuss.
Am 23.3.2019 war es dann soweit. Ich konnte bei herrlichen Bedingungen vormittags lockere vier Testkilometer im klassischen Langlaufstil absolvieren. Immer noch mit dem nötigen Respekt vor dem großen Metallgestänge in meinem linken Oberschenkel. Aber bis auf einen Mini-Muskelkater am nächsten Tag (Oberschenkel-Innenseite), war alles perfekt. Keine Schmerzen während oder danach.

Morgens Winterlanglauf und mittags Sommer-MTB

Mittags anschließend bei sommerlichen Temperaturen eine 12 km MTB-Genuss-Runde eingestreut und tags darauf dann nochmals lockere 14 km auf dem Mountain-Bike absolviert. Außer kleinen Problemen an den Stellen, an denen sich mein Körper mit dem schmalen Sportsattel verbindet (war schließlich das erste Biken seit 6 Monaten), alles tipptopp! Jetzt fehlt nur noch ein Monat zum „Revision-OP-Jahrestag“. Auf Grund meiner guten Verfassung und absoluten Schmerzfreiheit muss ich zugeben, dass ich sehr stark am Überlegen war, ob ich mich für den Sprint-Cross-Triathlon (500 m Schwimmen, 20 km MTB und 5 km Laufen) rund um den Wiesbadener Neroberg Ende April 2019 anmelden sollte. Dieser Wettkampf wäre dann ziemlich genau ein Jahr nach der OP, so wie schon 2009 nach der letzten OP (rechte Seite) gewesen. Doch ich habe mich dann selbst wie folgt überredet: „Der Wettkampf ist nicht wirklich wichtig. Wichtig ist, dass ich weiß, ich würde das schaffen. Denn 500 Meter Schwimmen sind natürlich kein Problem, 20 km MTB habe ich schon einige Male nach der OP absolviert und 5 km am Stück gelaufen bin ich auch bereits zweimal.“ Die Vernunft hat dieses Mal (noch) gesiegt. Nach dieser Entscheidung Ende März bin ich dann das erste Mal wieder meine Pfingstborn-Hausrunde (5 km, 125 Hm) langsam gelaufen bei sommerlichen 20 Grad.
Im April folgten dann erneut vier Tage Tegernsee-Aufenthalt mit Zeit und Muße für die eigene Fitness und den Outdoor-Sport. Wie gehabt etwas Laufen und Mountain-Biken. Einen Schlechtwettertag nutzte ich, um in meiner „alten“ Reha-Wirkungsstätte Medical Park St. Hubertus das mir bekannte Medizinisch Technische Training (kurz MTT) zu absolvieren. Von einem Physiotherapeuten, der bei meiner ersten Reha im Medical Park 2008 auch schon dort war, ließ ich meinen Laufstil auf dem Laufband analysieren. Er hat dabei exakt das erkannt, was ich ganz bewusst versuche: Mit kleinen flachen Schrittlängen möglichst wenig Belastung auf die Gelenke einwirken zu lassen. Er meinte, dies sei ideal, um die das Kunstgelenk umgebenden Knochen nach und nach an etwas größere Belastungen zu gewöhnen. Schön, wenn ein Fachmann das eigene Trainings-/Laufkonzept bestätigt. Ich praktiziere hier im Prinzip das Slow-Jogging, vielleicht ganz leicht abgewandelt, da ich geringfügig schneller unterwegs bin. Wichtig ist hierbei, auf dem Mittelfuß, bzw. dem ganzen Fuß aufzukommen.
Unverhofft und positiv überrascht hat mich eine ganz andere Nachricht: Der Diplom-Sportlehrer, anerkannte Faszienexperte und Certified RolferTM Markus Roßmann hat seine Zelte in Erding abgesprochen und eine eigene Gesundheits-Lounge am Tegernsee eröffnet. Hätte er das doch bloß schon ein Jahr früher getan! Ich wäre nach meiner OP sicherlich Stammgast dort gewesen. Aber wenigstens habe ich jetzt eine ideale Anlaufstelle, um eventuelle Dysbalancen oder Beschwerden meines Bewegungsapparates behandeln zu lassen, sofern diese denn mal auftreten oder ich auch nur das Gefühl haben sollte.

MTB, Laufen und Wandern mit Tochter bei Traumwetter am Tegernsee an Ostern

Kurz vor Ostern hatte ich mit meiner Mannschaft noch unser letztes Liga-Tischtennisspiel bestritten, mit dem wir unsere sehr erfolgreiche Meisterschafts-Saison abgeschlossen haben. Alle von mir absolvierten Spiele waren in Bezug auf die Hüfte absolut problemlos und völlig beschwerdefrei. Tags darauf dann noch eine weitere kleine Slow-Jogging Einheit (4 km) bei kühlem, aber sonnigem Aprilwetter.
Eine Woche vor meinem Revision-OP-Jahrestag (25.04.2019) durfte ich mich erneut auf weitere fünf supersonnige Ostertage mit meiner Familie am geliebten Tegernsee freuen. Viereinhalb Aktiv-Tage bei Traumwetter standen auf dem Programm. Insgesamt 42 MTB-, 7 Lauf- und 7,5 Wanderkilometer liegen nun hinter mir. Es war alles perfekt und absolut schmerzfrei.
Die Urlaubstage habe ich auch genutzt, um selbst mehr über Faszien zur erfahren und mit dem oben bereits erwähnten Markus Roßmann ein Interview zum Thema „TEPFIT trifft Faszie“ zu führen – mit vielen Tipps und Infos zum Faszientraining mit künstlichen Gelenken. Das knapp zehn Minuten lange Video gibt es hier.
Nachdem ich das Revisionstagebuch nun exakt ein Jahr geführt habe, ist für mich das Kapitel Revisions-OP fast abgeschlossen. Danke an alle meine Leser, die sich durch die insgesamt 12 Kapitel durchgekämpft haben, vielleicht habt Ihr ja auch noch Kraft für mein Nachwort.
Wenn ich dem einen oder anderen aufzeigen konnte, dass eine Komplett-Revision nicht das Ende der Tage ist, dann hat mein Tagebuch sein Ziel erreicht.
Der allergrößte Dank gebührt natürlich dem hervorragenden Operations-Team der endogap in Garmisch-Partenkirchen unter der Federführung meines Hauptoperateurs Dr. Rolf Schipp und deren Chefarzt Dr. Christian Fulghum, sowie meiner lieben Frau Doro, die mich in den ersten Wochen nach der OP als Pflegefall grandios umsorgt hat. Ohne die vorstehend genannten Personen hätte auch mein eigener eiserner Wille, die vollständige Genesung und Sportfähigkeit zu erreichen, nur sehr wenig genützt. Last, but not least gehört natürlich auch ein Quäntchen Glück dazu, nicht zu den deutschlandweit 2-3% Prozent zu gehören, bei denen bei der Hüft-OP leider nicht alles glatt läuft!