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Posts Tagged ‘Endoprothetik’

Anspruch auf erweiterte Therapien nach Gelenkersatz

Regelmäßig gibt es Diskussionen in unserer geschlossenen TEPFIT-Facebook-Gruppe, wie, ob, wie lange und welche Therapien nach einem Gelenkersatz von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Es scheint einige Ärzte zu geben, die z.B.: keine Rezepte für Physiotherapie ausstellen, aus Angst ihr Budget zu belasten.

Auf den Seiten der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wird die Diagnoseliste für Patienten mit besonderem Verordnungsbedarf in ihrer jeweils gültigen Fassung veröffentlicht. In der verlinkten Nachricht werden kurz die aktuellen Erweiterungen skizziert und am Ende die letzte Fassung vom 1.1.2020 als PDF-Datei komplett zum Download bereitgestellt.

Die aktuelle Fassung 2020 gibt es auch hier zum Download.

Auf Seite 14 dieses Dokumentes wird ausdrücklich das Vorhandensein einer Gelenkprothese als Voraussetzung für den besonderen Verordnungsbedarf genannt. Der verschreibende Arzt muss nur den korrekten ICD-10-Schlüssel angeben, damit diese Sonderbehandlung jenseits des Regelbudgets abgerechnet werden kann und zwar bis zu sechs Monate nach dem Akutereignis, also der OP.

Im Zweifelsfall unbedingt den verschreibenden Doc darauf ansprechen und nicht locker lassen.

Und wer noch mehr Lust auf medizinische Abkürzungen und die Erklärung der Diagnosegruppen/Indikationsschlüssel (Stand 2020) hat – im Falle des Gelenkersatzes EX2, EX3, SB2 und LY2 – wird hier fündig.

Laufeinstieg nach Hüft-TEP OP

So, 7. Juni 2020 2 Kommentare

Chefarzt Dr. Christian Fulghum – endogap Garmisch-Partenkirchen

Die Frage, ab wann darf und kann man nach einem Ersatz des Hüftgelenkes (Hüft-TEP) wieder in den Sport und ganz besonders mit dem Laufen einsteigen, wird oft gestellt und auch von Fachleuten hin und wieder unterschiedlich beantwortet. Auch in diesem Blog wurde das schon thematisiert.

Ich möchte daher die Frage eines Mitglieds unserer TEPFIT-Gruppe zum Anlass nehmen, die eindeutige und klare Antwort des Chefarztes Dr. Christian Fulghum der endogap in Garmisch-Partenkirchen, eine der Kliniken für Gelenkersatz in Deutschland, hier zu präsentieren.

Ein TEPFIT-Mitglied hat gefragt, ob er 13 Wochen nach dem Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes wieder mit dem Laufen anfangen kann.
Nachfolgend die Original-Antwort von Dr. Christian Fulghum:

Die (nehme ich an) zementfreie Hüfte ist durch den Operateur zunächst nur im Knochen „verklemmt“ – zwar primär stabil, aber nicht eingewachsen. Über den Zeitraum mehrerer Monate nach der Operation wird aus der Verklemmung durch Anwachsen von Knochenzellen ein fester Verbund, der dann in der Regel dauerhaft besteht. Wird durch ständige größere Krafteinwirkung, z.B. Joggen, in dem sensiblen Zeitraum des Einwachsens dieser wichtige Prozess gestört, kommt es anstatt zur Knochenbildung zur Bildung von Bindegewebe zwischen Implantat und Knochen, da dieses den einwirkenden hohen Kräften besser widerstehen kann. Das Implantat bleibt dann dauerhaft von Bindegewebe ummantelt – und das entspricht einer Frühlockerung, die sich auch später nicht mehr umbilden kann. Also: Auch wenn’s frühzeitig so gut geht, nicht die Geduld verlieren sich über die guten Fortschritte freuen und sechs Monate mit dem Joggen warten. Dann wird es umso schöner und das dann auch auf lange Zeit ….

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Der Heilungsprozess sollte also tunlichst nicht gestört werden durch zu großen dauerhaften Impact auf das neue künstliche Gelenk in den ersten 6 Monaten. Das gilt natürlich auch für alle andere Sportarten, die im Hüftgelenk für dauerhafte Erschütterung sorgen, wie Tennis, Tischtennis, Badminton, Squash, Reiten, MTB-Downhill, etc. Eine Frühlockerung sollte keinesfalls riskiert werden.

Das nachfolgende Video, auch wenn es von einem Implantat-Hersteller erstellt wurde, zeigt die Einheilungsphasen (Primär- und Sekundärstabilität) ebenfalls sehr anschaulich. Darin ist zwar die Rede davon, dass bereits nach 3 Monaten die Sekundärstabilität erreicht ist, aber ich vertraue hier eher auf die Aussage eines absoluten Spezialisten auf dem Gebiet der Endoprothetik, als den Versprechen eines Herstellers – zumal die Einheilungsdauer auch von der Vitalität des Knochens abhängig ist und durchaus variieren kann. Mit sechs Monaten ist man daher auf der sichern Seite.

Kellertreppeneffekt – Perversion des Kostendrucks bei Implantaten

So, 24. November 2019 1 Kommentar

Der gesunde Menschenverstand geht logischerweise davon aus, dass die zertifizierten Endoprothetikzentren neben qualifizierten und erfahrenen Operateuren, sowie optimierten Abläufen, auch die jeweils aktuell besten Implantate für die Patienten bereit halten. Dabei sollten sie aus einer Vielzahl von Modellen das jeweils für den Patienten optimale Implantat auswählen können. Schließlich gibt es Unterschiede bei den Gleitpaarungen, Legierungen und Längen, die je nach Alter, Lebenserwartung und Aktivität des Patienten ausgewählt und zum Einsatz kommen sollten. Der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller erläutert: „Der Preisunterschied zwischen der Standardversorgung und der abrieb­festeren Lösung könne bis zu 1.000 Euro betragen.“ (Den vollständigen Artikel aus dem Ärzteblatt gibt es hier)
„Die Fallpauschalen für Hüft- und Knieprothesen unterscheiden nicht nach hochwertigen oder weniger hochwertigen Materialien, modernen oder länger auf dem Markt befindli­chen Implantaten, ebenso wenig wie nach jungen und alten Patienten“, so der Orthopäde und Unfallchirurg weiter.

Fabrikneu aussehender Schaft mit Keramik-Kopf nach 21 Dienstjahren

Der Erstattungsbetrag orientiere sich vielmehr am Mittelwert der Kosten aller einkaufen­den Kliniken. „Dies führt langfristig dazu, dass man eine schwarze Null nur erwirtschaften kann, wenn man weniger Sachkosten einsetzt als im Durchschnitt. Ein gefährlicher Keller­treppeneffekt“, warnt Heller in dem Artikel.
Das Problem dabei ist, dass gerade die auf Endoprothetik spezialisierten Fachkliniken die Unterfinanzierung für hochwertige Implantate nicht anderweitig ausgleichen können.
Ich halte das für einen unhaltbaren Zustand. Auf das Problem hatte bereits vor fast drei Jahren Dr. Holger Haas, Chefarzt Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie am GK in Bonn anlässlich seines Vortrages zum Thema „Gelenkersatz: Extrem erfolgreich aber nicht ohne Risiken“ (letzter Absatz) hingewiesen, nicht ohne zu betonen, dass die anerkannten Versorgungseinrichtungen trotzdem zumindest bisher das hochwertige Material einsetzen.
Geändert hat sich bis heute nichts. Hier ist dringend die Politik gefragt. Patienten, Ärzte, Ärztekammern und alle sonstigen Interessenvertreter sollten sich zusammentun, um auf den Zustand intensiv medial aufmerksam und dem Gesundheitsministerium Druck zu machen – zumal dies von den Kostenträgern absolut zu kurz gedacht ist.
Die vermeintliche Kostenersparnis ist durch früher notwendige Revisions-OPs volkswirtschaftlicher Unsinn.

Beide oben genannten Ärzte (Haas und Heller) haben übrigens einen weiteren interessanten Presse-Artikel bei der DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie) veröffentlicht. Dabei geht es um die Eigentumsrechte an explantierten Medizinprodukten. Wussten Sie, dass Sie als Patient das Recht haben, sich die ausgebauten Implantate aushändigen zu lassen? Die Hintergründe und warum das wichtig sein kann, erfahren Sie im hier verlinkten Presseartikel.
Ich habe selbstverständlich bei meiner Revision-OP im April letzten Jahres die „antiken Stücke“, die mich 21 Jahre sehr gut begleitet haben, ausgehändigt bekommen. (Siehe auch hier Kapitel 2 meines Revisionstagebuches inkl. Fotos vom „Altmetall mit Keramik„).

Die Komplett-Revision der Hüfte in 12 Kapiteln

Sa, 5. Oktober 2019 6 Kommentare

Nachdem ich knapp 10 Jahre lang mit meinen beiden künstlichen Hüftgelenken sportlich richtig Gas geben konnte, stand im April 2018 die notwendige Komplett-Revision der 21 Jahre alten TEP auf dem OP-Plan. Komplett hieß in meinem Fall, alle zementierten Komponenten entfernen (Pfanne und Schaft) und versuchen, eine natürlich größere, aber dafür nicht einzementierte Revisionsprothese einzusetzen. Wie schon bei der letzten OP (rechte Seite in 2008) vertraute ich hier auf das bewährte und hervorragende Team der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen. Die nachfolgenden Kapitel zeigen den langen und teils auch beschwerlichen Weg zurück zur Normalität und auch zum Sport.

Das komplette Tagebuch (41 Seiten) kann auch hier als ePDF mit allen Links und Videos heruntergeladen und somit ganz bequem auf einem Tablet oder PC offline gelesen werden.

Motivation, Zeit, fehlendes Ziel und Ausreden

Sa, 27. Juli 2019 1 Kommentar

Nach einigen schönen, leider nur sehr kurzen Aufenthalten an meinem geliebten Tegernsee ist mir wieder einmal richtig bewußt geworden, wie sehr eine wunderschöne Umgebung gepaart mit arbeitsfreier Zeit meiner Motivation zu sportlicher Betätigung extrem förderlich ist.

Biken am Berg und Biberbiotop am Tegernsee

Obwohl ich jetzt einige Male nur von Freitag- bis Sonntagabend im Tegernseer Tal war, habe ich mich jeden Tag laufend, bikend und schwimmend bewegt. Zurück im Arbeitsalltag fällt es mir inzwischen deutlich schwerer, spät abends noch einen kleinen Lauf zu machen, ins Fitness-Studio zu gehen oder im Schwimmbad Bahnen zu ziehen, obwohl es jetzt im Sommer sehr lange hell ist. Meine Selbstreflexion hat dabei Folgendes zu Tage gefördert:
Zum einen ist es mit fortschreitendem Alter für mich scheinbar schwerer, nach einem meist langen Arbeitstag die Komfortzone abends zu verlassen – immer öfter ziehe ich das gute Glas Wein auf der Abendterrasse oder auf der gemütlichen Couch vor.
Zum anderen verbringe ich durch meine TEPFIT-, Blog-, Buch- und Social-Media-Aktivitäten vor allen Dingen abends mehr Zeit vor dem Bildschirm, Smartphone oder Tablet, als noch vor einigen Jahren.
An den Wochenenden steigt dann mein Aktivitätslevel wieder deutlich an. Auch wenn ich sicherlich weit aktiver bin als die große Mehrheit der Bevölkerung in unserem Lande, bin ich nicht wirklich mit mir zufrieden. Zu oft ertappe ich mich dabei, dass mein tagsüber gefasster Vorsatz, mich abends noch im Studio oder im Wald sportlich zu betätigen, in der Ausrede mündet, dass es doch schon zu spät, zu dunkel oder zu regnerisch sei.
Rückblickend auf die letzten Jahre ist allerdings zusätzlich ein wichtiger Antrieb zum Training weggefallen – nämlich das Ziel, auf einen Wettkampf hinzuarbeiten. Als Sportler war ich es Jahrzehnte lang gewohnt zu trainieren, um meine sportlichen Ziele zu erreichen. Früher, um möglichst erfolgreich jedes Wochenende als Spitzenspieler in der Regionalliga Tischtennis zu spielen oder Einzelmeisterschaften zu gewinnen, in den letzten Jahre, um mich auf Triathlon- und Halbmarathon-Wettkämpfe vorzubereiten. Nach meiner komplizierten Revision im Frühjahr 2018 hatte ich noch die große Herausforderung vor Augen, körperlich wieder völlig fit zu werden. Dies ist mir gelungen bei gleichzeitigem Wegfall der Zielsetzung.

Baden und Freiwasser-Schwimmen im Tegernsee

Um meine „neue“ Revionshüfte nicht zu stark zu belasten, obwohl ich das Gefühl habe, ich könnte es problemlos, suche ich noch den Spagat zwischen moderater sportlicher Betätigung bei gleichzeitigem Training für eine echte Herausforderung im Bereich des Ausdauersportes, die ggf. auch in einem Wettkampf mündet. Als wirklich gelenkschonende Ausdaueraktivität kommt im Prinzip nur Radfahren (für mich MTB) oder Kachelnzählen (Schwimmen) in Frage. Ersteres ist während einer Arbeitswoche eigentlich nur im Sommer möglich, Letzteres geht zwar immer, ist mir aber auf Dauer zu öde. Zudem ist es bei beiden Sportarten schwierig, Wettkämpfe zu bestreiten, zumindest im Hobbysport-Bereich. Somit bleibt eigentlich nur mental an mir zu arbeiten und meine Motivation aus dem körperlichen Wohlbefinden nach sportlicher Betätigung zu schöpfen – verbunden mit dem Ziel, so fit und gesund zu bleiben, dass ich nach meinem Arbeitsleben in wenigen Jahren neben der dann vorhandenen Zeit noch die körperliche Fähigkeit besitze, z.B. eine Alpenüberquerung zu Fuß und/oder mit dem Bike zu planen, mich intensiver mit anspruchsvollerem Bergwandern und im Winter neben Ski-Langlauf z.B. mit Schneeschuhwandern zu beschäftigen.
Nun bin ich allerdings auch erstmal auf Ende September gespannt, ob denn der Jahres-Kontroll-Termin in der endogap (der letzte war Anfang Oktober 2018) meine gefühlte komplette Wiederherstellung auch radiologisch bestätigt und meine Knochen im Oberschenkel und Becken mit dem Revisions-Implantat inzwischen quasi eine Einheit geworden sind. Natürlich auch verbunden mit der Hoffnung, dass meine rechte, inzwischen auch 11 Jahre alte Hüft-TEP, ebenfalls noch tadellos sitzt.

Hüftgelenkersatz und die Rückkehr zum Sport

Gerne stelle ich einen Artikel aus der-niedergelassene-arzt.de zur Verfügung. Darin geht es ausführlich um die Rückkehr zum Sport nach Gelenkersatz. Der Artikel wurde von Prof. Dr. med. Christian H. Siebert, Klinik für Orthopädie und Sporttraumatologie Paracelsus Klinik Hannover Langenhagen veröffentlicht

Es wird die sich mit den Jahren geänderten Haltung der Fachärzte zu erlaubten Sportarten dargelegt und verschiedene Aspekte des körperlichen Wohlbefindens durch Sport mit Gelenkersatz beleuchtet.
Gleichwohl wird festgestellt, dass es noch keine wirklich evidenten Studien gibt, wie sich verschiedene Sportarten auf die Haltbarkeit des Gelenkes wirklich auswirken….mehr

Viel Endoprothese und wenig Sport – mein 2018

Sa, 15. Dezember 2018 2 Kommentare

Bei der Abschluss-Visite mit Dr. Chris Fulghum

Das nun fast abgelaufene Jahr 2018 war sicherlich das sportärmste aber zugleich körperlich für mich herausforderndste Jahr seit Bestehen dieses Blogs. Stand 2018 doch ganz im Zeichen meiner Komplett-Revision der inzwischen arg in die Jahre gekommenen linken, zementierten Hüft-TEP. Galt es für mich zunächst noch am Jahresanfang, mein gelockertes Hüftgelenk noch so beweglich wie möglich zu halten (siehe Aufwärmphase), begann ab April dann der lange Weg zurück ins normale und gegen Ende des Jahres auch wieder sportliche Leben. Der Überschriftsteil ‚Viel Endoprothese‘ ist dabei übrigens durchaus in doppeltem Sinne gemeint. Zum einen, dass dieses neue Stück aus Titan, Keramik und Polyethylen mein Leben und meine Lebensweise in 2018 sehr stark (viel) bestimmt hat und zum anderen meint ‚viel‘ eben auch eine wirklich sehr große Revisions-Endoprothese, wie in der Aufnahme leicht im Vergleich zur rechten TEP zu sehen ist. Während ich diese Zeilen schreibe ist es erst ganz wenige Wochen her, dass ich fast nichts mehr von dieser OP spüre und meine muskulären Defizite zu nahe 100 Prozent wieder ausgeglichen sind. Dass dies überhaupt möglich war und ist, verdanke ich natürlich dem herausragenden Team der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen mit Dr. Christian Fulghum an der Spitze und meinem hervorragenden und revisionserfahrenen Operateur Dr. Rolf Schipp, der die ‚RoboCop‘-TEP, wie ich sie inzwischen fast liebevoll nenne, gemeinsam mit dem ebenfalls sehr erfahrenen Dr. Florian Wolpert – dem ich übrigens meine rechte TEP aus 2008 verdanke – in dreistündiger harter Arbeit ‚hineingezimmert‘ hat.

Revisionshüfte mit Wagnerzugang – mit freundlicher Genehmigung der endogap durch Dr. Christian Fulghum

An dieser Stelle nochmals mein herzlichster Dank dafür an mein Ärzte-Team. Mein Dank gilt aber auch meinen Physiotherapeuten der Medical-Park-Klinik St. Hubertus in Bad Wiessee, in der ich meine vierwöchige Reha absolviert habe, der Physiotherapie am See in Gmund, die mich während der 6 Wochen Teilbelastung vor der Reha betreut hat und meiner lieben Frau, die mich als Pflegefall mit zwei ständigen Gehhilfen in den ersten 8 Wochen verständnis- und liebevoll um- und versorgt hat. Das komplette Auf -und Ab der Wiederherstellung meiner körperlichen Leistungsfähigkeit kann ja auch hier im Blog unter der Rubrik ‚Revision‘ in bisher 10 Kapiteln ausführlich nachgelesen werden, wobei es noch ein oder zwei weitere Kapitel geben wird.
Mit echten sportlichen Aktivitäten, wenn man mal von regelmäßigem Fitness- und Aufbautraining, sowie Walking mit Stöcken absieht, habe ich vor ca. 4 Wochen wieder begonnen. Ich habe die letzten drei Tischtennis-Ligaspiele der Vorrunde mit meinem Team erfolgreich und absolut schmerzfrei absolviert.

Damit ist mein sportlicher Ausblick auf 2019 geprägt von Optimismus und der Gewissheit, dass ich spätestens ab Frühjahr wieder etwas intensiver mit Ausdauersport starten kann. Geplant sind hier abwechselnd MTB-Einheiten (die ich übrigens ganz vorsichtig auch schon im Oktober dieses Jahres absolviert habe), Nordic-Cross-Training (Cross-Shaper) und kleine, lockere und kürzere Laufeinheiten, nachdem mir Dr. Schipp bei der 6-Monatskontrolle hierfür vorsichtig grünes Licht gegeben hat.

Meine liebste Doro und ich 2015 am Bloubergstrand bei Kapstadt

Darüberhinaus freue ich mich im Januar auf wunderschöne Wochen in Südafrika mit meiner Liebsten und unseren besten Freunden (übrigens als Wiederholungstäter schon zum 5. Mal in diesem traumhaften Land) und im April 2019 auf den nunmehr 3. TEPFIT-Workshop seit Bestehen unserer geschlossenen Facebook-Gruppe TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie). Dieses Mal wird es an wechselnden Locations in Berlin mit hochinteressanten Vorträgen und einem Aktiv-Programm für Betroffene stattfinden. Zur Anmeldung mit allen Informationen geht es hier.

Des Weiteren planen meine Mitautorin der beiden ‚Mutmach-Bücher‘ ‚Mut zur neuen Hüfte!‘ und ‚Mut zum neuen Knie!‘ Heidi Rauch und ich, 2019 regelmäßig in loser Folge kleine Video-Clips für unseren TEPFIT-YouTube-Kanal zu erstellen. Darin zeigen wir kleine aber effektive Übungen für die Stabilisation und den Muskelaufbau nach Hüft- oder Knie-OPs, die sich jederzeit und überall in den Alltag integrieren lassen. Den Anfang hat bereits Heidi Rauch gemacht mit ihrem ‚Einbein-Übungsvideo‘.
Wenn es Euch gefällt, abonniert einfach unseren YouTube-Kanal.

Ich wünsche meinen treuen Lesern und Abonnenten ein schönes, friedliches Weihnachtsfest und ein gesundes, bewegungsreiches, sportliches und schmerzfreies Jahr 2019.

 

Vom Blog über zwei Bücher zum 3. TEPFIT-Treffen in Berlin

Was 2011 mit diesem Blog begann, hat sich in den letzten sieben Jahren prächtig weiterentwickelt. In den Jahren 2012 und 2014 sind die Bücher ‚Mut zur neuen Hüfte!‘ und ‚Mut zum neuen Knie!‘ erschienen – das erste inzwischen in der zweiten Auflage. 2015 wurde die geschlossene Facebook-Gruppe ‚TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)‘ gegründet, die in Kürze das 3000. Mitglied feiern wird.

Teilnehmer des 2. TEPFIT Workshops 2018 in Hagen

Damit reifte dann auch der Entschluss, die Mitglieder der virtuellen Facebook-Gruppe in einem realen Treffen zusammenzubringen. Das erste Treffen im November 2016 in der Nähe von München war damit aus der Taufe gehoben.
Im April 2019 findet nun bereits das dritte TEPFIT-Treffen (Workshop) mit einem erneut sehr interessanten Programm in Berlin statt. Drei hochkarätige Impulsvorträge renommierter Fachärzte der Charité am Vormittag, sowie Yoga und Zumba für TEP-Träger am Nachmittag, bilden die Programm-Säulen. Für ein ausgewogenes Rahmenprogramm mit gemeinsamen Abend ist natürlich ebenfalls gesorgt.
Wer Interesse hat, kann sich unter nachfolgendem Link ausführlich informieren und natürlich auch gleich verbindlich anmelden!
Ein paar ‚Live‘-Eindrücke vom letzen Treffen gibt es rechts mit dem TEPFIT-Trailer 2018 und natürlich in unserem YouTube-Kanal!

Sportlich unterwegs mit neuer Hüftprothese

Moderne Implantatmaterialien erlauben mehr Aktivität – Freiburg, November 2018

Der Anteil an Patienten, die auch mit einem künstlichen Hüftgelenk sportlich aktiv sein wollen, nimmt immer weiter zu. Tatsächlich erlauben moderne Materialpaarungen für den Ersatz von Hüftpfanne und Hüftkopf mittlerweile einen aktiveren Lebenswandel. Der Grund: sie erzeugen bei Belastung deutlich weniger Abriebpartikel – bisher eine der Hauptursachen für eine Lockerung des Implantats. Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. empfiehlt daher heute allen Patienten mit Hüftprothese, regelmäßig moderaten Sport, etwa Schwimmen oder Radfahren, zu betreiben…. hier der komplette Artikel mit Sportarten-Empfehlungen als PDF-Download

Deutsches Endoprothesenregister (EPRD) veröffentlicht den Jahresbericht 2017

Deutsches Endoprothesenregister (EPRD) veröffentlicht seinen Jahresbericht 2017

Titan-Schaft mit Keramik-Kopf (Baujahr 1997) nach dem Ausbau im April 2018.

Nachdem, längst überfällig, 2012 endlich der Startschuss für das deutsche Endoprothesenregister gefallen war, hat es sich nach holprigem Start trotz der Freiwilligkeit zur Datenübermittlung recht gut entwickelt. Immerhin gab es lt. Bericht im Jahre 2017 eine Abdeckungsquote von 63% und Ende 2018 wird das Register ca. eine Million erfasste Fälle dokumentiert haben.

Anm.: Bei geschätzten 400.000 Hüft- und Knie-Endoprothesen pro Jahr müssten eigentlich seit 2012 knapp drei Millionen Fälle dokumentiert sein. Andere Länder sind da wesentlich weiter.

Viele der im Bericht veröffentlichten Zahlen und Fakten sind auf jeden Fall für Betroffene interessant.

Weitere Details dazu, sowie aktuelle TEPFIT-Themen und interessante Ideen zur Physiotherapie gibt es hier!

Auch vergleichsweise unspektakuläre und kleine Übungen sind sehr effizient

Mo, 22. Oktober 2018 4 Kommentare

Kapitel 10 – Eigentlich wollte ich mit dem 10. Beitrag mein Revision-Tagebuch abschließen, habe mich aber dazu entschieden, Euch an meinen kleinen und eher unspektakulären Trainings-Einheiten und Übungen, mit denen man stetig weitere kleine Fortschritte erzielt, teilhaben zu lassen. Es muss nicht immer das „Hammer-Power-Training“ sein.

MTB-Runde um den Tegernsee – September 2018

Nach meinem sehr positiv verlaufenen Kontrollbesuch in der endogap nach gut fünf Monaten (siehe Kapitel 9), hatte ich das große Glück, noch eine ganze Woche Traumwetter am Tegernsee genießen und für Outdoor Aktivitäten nutzen zu können! Am Ende der gesamten zwei Wochen standen knapp 100 MTB-Kilometer, 35 Wanderkilometer und jeden zweiten Tag MTT-Training im Medical-Park in Bad Wiessee auf meinem Aktivitäten-Tacho. Dieses Pensum hat mich, wie erhofft, wirklich sehr weit nach vorne gebracht. Aber wie soll man das im Berufsalltag in dieser Intensität bewerkstelligen?

Ich habe mir von meinem Physiotherapeuten einige wenige effektive Übungen zeigen lassen, die sich überall im Alltag und auch im Büro integrieren lassen und diese mit weiteren, mir bekannten Übungen ergänzt. Als sehr effektiv hat sich dabei das Treppenstufen- oder auch Hockertraining erwiesen. Einfach mit dem operierten Bein auf die erste Treppenstufe stellen – später auch auf die zweite – und dann ganz langsam das nicht operierte Bein auf der dritten (später vierten) Stufe aufsetzen und danach ebenso langsam wieder in die Ausgangsposition zurückstellen. Wenn diese Übung am Anfang überhaupt nicht oder nur sehr schnell mit Ausweichbewegungen funktioniert, bitte unbedingt mit der gegenüberliegenden Hand an einem Geländer oder Stock genau so viel abstützen, dass diese Übung komplett rund und vor allen Dingen langsam und kontrolliert erfolgen kann. Das Ganze je nach Kraft 3 x 10 oder 3 x 15-mal wiederholen. Nach einiger Zeit wird das Geländer zunehmend überflüssig. In Ermangelung einer Treppenstufe kann man auch einen tiefen Hocker und nach einer Zeit einen Stuhl nehmen. Wie gesagt, unspektakulär, aber sehr effektiv! Ebenso einfach und effektiv ist auch Folgendes: Immer konsequent versuchen aus dem Sitzen aufzustehen und auch wieder hinzusetzen, ohne sich mit den Armen abzustützen – und zwar auch von niedrigen Sitzpositionen wie Toilette, Couch, Sessel, Bettrand oder auch einem Ferrari, falls zufällig vorhanden. Ganz am Anfang wird das besonders aus tiefen Positionen nicht immer gehen, aber nach und nach auf jeden Fall. Man muss sich aber wirklich dazu zwingen. Bitte mal darauf achten, wie oft man am Tag mit Armunterstützung aufsteht und sich wieder hinsetzt. Da kommen locker einige Dutzend „Sit-ups“ und „Sit-downs“ zusammen. Diese Art des Aufstehens und Hinsetzens ist natürlich auch für jeden „Gesunden“ besser.
Was man auch immer im Alltag einplanen kann, ist der Einbeinstand und das Stehen auf Zehenspitzen, beides sehr gut für die Stabilisation. Zusätzlich kann man dann abends und morgens im Bett liegend die zwei- und später einbeinige Brücke machen und/oder seitlich liegend, dass operierte Bein gestreckt nach oben abheben.
Gerade auch diese letzten beiden Übungen konnte ich nach meiner Revision anfangs bestenfalls mit einigen wenige Zentimetern Spiel ausführen. Aber hier gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein!
Übrigens sind einige der erwähnten Übungen im Buch ‚Mut zur neuen Hüfte!!‚ im Kapitel „Die neun goldenen HOP-HIP-Regeln“ zu finden. Einen kleinen Auszug gibt es hier kostenlos zur Veranschaulichung als Download!

Mein Fazit:
Auch mit kleinen Einheiten und Übungen im Alltag kann man im Laufe der Zeit viel erreichen. Wenn dann noch am Wochenende oder Abends die eine oder andere Outdoor- oder Studiotrainingseinheit dazu kommt, geht es beständig und stetig aufwärts.
Wie lange es insgesamt bei mir persönlich gedauert hat, bis das letzte muskuläre Defizit Geschichte war, erfahrt Ihr dann hoffentlich im nächsten Kapitel!

 

Stationäre Reha beendet – Aber der Weg ist noch lang

Sa, 21. Juli 2018 3 Kommentare

Kapitel 7 – Die stationäre Reha hat am 13.7.2018, exakt 11 Wochen und 1 Tag nach der Revision-OP, geendet. Der Weg bis zum einwandfreien Gangbild, geschweige denn bis zu vollständigen Wiederherstellung, ist noch sehr lang und erfordert Ausdauer und Disziplin.

Ich habe mir das ‚Weniger ist Mehr‘ Prinzip zu Herzen genommen und versucht, die Balance zwischen Be- und Entlastung zu finden, nachdem mir das nun wirklich jeder nahe gelegt hat, vom Physiotherapeut bis zu allen Chefärzten!
Die letzten drei Wochen der stationären Reha waren daher gezeichnet von sehr moderatem Training im Wasser, im MTT, von täglichen physiotherapeutischen Behandlungen und längeren Ruhephasen. Beim MTT beschränkte ich mich neben regelmäßigem Ergometertraining (auch immer moderat, max. 5 km mit langsam steigernden Wattzahlen bis max. 120 Watt) auf reines Stabilitätstraining nur mit Körperkraft (ohne Gewichte).

AntiGravity-Laufband

Im Wasser bin ich maximal 400 Meter pro Tag geschwommen und habe zusätzlich auch hier Stabilitätsübungen gemacht, z.B. mit der ‚Schwimm-Nudel‘! Wie das geht? Mit beiden Füßen etwa hüftbreit mittig auf die Nudel stellen und dann, ohne dass ein Teil der Füße den Boden berührt, vorwärts gehen, am besten ohne sich am Rand festzuhalten. Mehrmals wöchentlich hatte ich zusätzlich Einzel- und Gruppen-Training im Wasser. Zwischen meinen täglichen Anwendungen hatte ich immer längere Ruhephasen eingeplant und diese auch mit schwerem Herzen eingehalten. Man darf auch die täglichen 3-4 Laufkilometer inkl. Treppenstufen nicht vergessen, die einfach nur durch die ganz normalen Wege zur Physio, zum Essen, zum Schwimmbad und zum MTT zusammenkamen. Einen Aufzug für die 4 Stockwerke des St. Hubertus hatte ich übrigens auch von innen gesehen!

Das Highlight schlechthin war für mich persönlich das AntiGravity-Laufband. Hier lässt sich exakt einstellen, mit welchem Prozentsatz des Körpergewichtes man sich beim Laufen belastet. Ziel dabei ist, sich nur so stark zu belasten, dass man ein absolut rundes Laufbild hat. Gestartet wurde mit 50%, am Ende der Reha war ich dann immerhin auf 65%. Den Versuch, mit Schmerzmittel den Schmerz beim normalen Abdrücken des operierten Beines beim Gehen zu unterdrücken und damit vielleicht aus dem Schmerzgedächtnis zu löschen, habe ich nach 5 Tagen aufgegeben. Die gewünschte Wirkung wurde einfach nicht erzielt.

Nachdem ich zunächst auf Anraten eines Therapeuten die Gehhilfen gegen NW-Stöcke zumindest zeitweise getauscht hatte, habe ich auch das nach ein paar Tagen sein gelassen, da ich tatsächlich nur mit zwei Gehhilfen ein absolut sauberes Gangbild hatte. Auch die Gangschule hat mir das nochmals entsprechend bestätigt!

Sehr positiv verlief meine selbst initiierte Ultraschall-Untersuchung, die von einer sehr emphatischen und gründlichen Oberärztin durchgeführt wurde. Entgegen meinen Befürchtungen, es könnte sich noch ein größerer innerer Bluterguss gebildet haben, war die Sonographie absolut unauffällig und damit auch meine kleine Schrecksekunde vor Reha-Beginn ohne Folgen.
Ansonsten hat mir eine ‚Physio-Folterknechtin‘, Extrembergsteigerin in der Freizeit, meinen psoas major (großen Hüftbeuger) so bearbeitet, dass ich noch drei Tage etwas davon hatte. War aber kein Problem.
Die Abschluss-Untersuchung war auch positiv: Meine Blutwerte (besonders der HB- und der Entzündungswert) waren alle wieder im Normbereich. Zudem hatte ich seit der OP im April 2018 noch knapp sechs Kilogramm abgenommen – davon zwei während der stationären Reha.

Also alles eigentlich prima, oder?
Für mich persönlich noch nicht ganz. Ich kann eben ohne zwei Gehhilfen noch nicht rund Laufen/Gehen, da der quasi ärztlich verordnete 8-wöchige Muskelschwund nicht in vier Wochen aufgeholt werden konnte.
Nach der ersten Woche wieder im Job – alles übrigens absolut problemlos – sind meine weiteren Genesungsschritte schon fest geplant. Neben zweimal Physio pro Woche, werde ich ab nächster Woche (KW 30) ins Physio FIT-Zentrum in Viersen für zunächst 12 Wochen gehen. Dort kann ich das MTT-Training der Reha eins zu eins fortführen. Im übrigen trifft es sich sehr gut, dass ab 1.11.2018 der Medical Park Borussia Mönchengladbach eröffnet. Dort werde ich mit Sicherheit bis zum Frühjahr 2019 Stammgast sein.
Ich bin tatsächlich – mit leichter Ungeduld – gespannt, wann ein absolut rundes Gangbild bei mir wieder Einzug hält.
Ihr erfahrt es als Erste hier in diesem Blog – vielleicht in Kapitel 8!

 

 

Mini-Rückschlag und zähe Reha-Fortschritte – Ist weniger doch mehr?

Fr, 29. Juni 2018 2 Kommentare

Kapitel 6 – Aus der kleinen Schrecksekunde wurden drei Tage Ungewissheit mit starken Schmerzen. Die Erklärung lieferte nach Ultraschall und Röntgen der Orthopäden vor Ort.

Keine Besserung der Schmerzen über Nacht trotz Schmerzmittel. Tagsüber Muskelbehandlung, Wärme und ein heißes Bad. Am 3. Tag war ich doch etwas besorgt und habe mir z.B. ausgemalt, dass sich eine Cerclage geöffnet haben könnte. Also direkt früh zur Orthopädie-Praxis vor Ort – Termine sind in Bayern, warum auch immer, überhaupt kein Problem – und ohne Wartezeit zum Fachorthopäden. Dieser machte, nach meiner kurzen Schilderung des kompletten Sachverhaltes, zunächst ein Ultraschall und danach auch ein Röntgenbild. Die gute Nachricht: Auf dem Röntgenbild alles genau so, wie fünf Tage zuvor. Die etwas Schlechtere lieferte die Ultraschalluntersuchung: Es ist ein kleines Hämatom ungefähr in der Mitte des Oberschenkels, direkt am Knochen, sichtbar. Die Erklärung des Orthopäden: Es könnte sich eine Verklebung oder eine kleine Naht gelöst haben, die dann etwas eingeblutet hat. Mein Operateur Dr. Schipp bestätigt diese Möglichkeit per Telefonat. Leider kann dieses Hämatom durchaus gut zwei bis drei Wochen ein Problem bereiten. Doch bereits am nächsten Tag, ist der Schmerz nur noch leicht zu spüren. Also einfach nochmals schnell ins Schwimmbad ‚gecrutched‘ und 600 Meter Kraulen absolviert. Abends dann ca. zwei Stunden ohne Gehhilfen stehend verbracht. Alles absolut problemlos.

Somit war ich optimistisch, dass das kleine ‚Problemchen‘ mein Reha-Programm nicht sonderlich beeinflussen würde.

Mein Zimmer

Montag, den 18.6.2018, nun endlich der Reha-Start und die lang ersehnte Aufnahme im Medical Park Bad Wiessee, St. Hubertus!
Um es kurz zu machen: Aufnahme schnell, zügig, freundlich und kompetent. Zimmer und Bad sehr geräumig und mit allem ausgestattet, was man benötigt (TV-Flat-Screen, Minibar, Schreibtisch, Sessel, Terrasse mit Liegestuhl).
Ebenso freundlich die Aufnahmegespräche bei den Schwestern und zwei Fachärzten.
Am nächsten Tag begannen dann die Therapie-Termine, die von mir in Abstimmung mit dem Stationsarzt noch nachjustiert wurden. So konnte ich ihn z.B. leicht davon überzeugen, dass die Motorschiene keinen Sinn mehr macht, zumal die Anfangseinstellung 70 Grad war. Ebenso habe ich den Lymphomat (eine Art automatische Lymphdrainage) streichen lassen, da ich weder Wasser noch Schwellungen im Oberschenkel habe. Dadurch, dass man das Medizinisch Technische Training, kurz MTT genannt, nach einer ersten Einweisung – die übrigens durch den gleichen Physiotherapeuten wie vor zehn Jahren stattgefunden hat – zu einer beliebigen Zeit zwischen 8:00 und 18:00 Uhr absolvieren kann, ließ es sich immer gut in den Tagesplan integrieren. Neben dem Stationsarzt, haben sich bei mir sowohl die Oberärztin wie auch die Chefärztin in der ersten Woche vorgestellt und sich dabei auch ausreichend Zeit für ein Gespräch genommen.
Die nächsten Tage waren geprägt von ‚Wiederherstellungsterminen‘ von früh morgens bis zum späten Nachmittag.

Selbstverständlich wurde auch mein Trainings-Programm zu Muskelkräftigung und Stabilität angepasst und erweitert. Neben bekannten Trainingseinheiten auf unterschiedlichen Wackelbrettern, seitlichem Beinstrecker, Ergometer, etc., konnte ich erstmals selbst das TRX®-Training (ein dreidimensionales Training, das alltagsnahe sowie sportartspezifische Bewegungsmuster ermöglicht) kennenlernen. Neben dem Muskel- und Stabilitätstraining bin ich täglich zwischen 300 und 500 Meter im Schwimmbad gekrault und habe danach noch meine Wasser-Geh-Übungen absolviert, teils selbstständig, teils mit Therapeuten. Dazu kamen täglich fünf Radkilometer (Ergometer zwischen 80 und 110 Watt) und ca. vier Geh-Kilometer (Crutch-Walking), fast ausschließlich durch die Wege in der Einrichtung selbst. Besonders ‚cool‘ übrigens das ‚Anti-Gravity-Laufband‘, auf dem man mit einem frei einstellbaren Prozentsatz des eigenen Körpergewichtes Gehen oder Laufen kann. Dabei wird man zusätzlich von allen Seiten gefilmt und kann auf dem Monitor direkt erkennen, wo eventuell Defizite sind, bzw. die Bewegung nicht korrekt ausgeführt wird. Ich war davon überzeugt, dass ich das beschriebene Pensum in Korrelation zu meiner körperlichen Fitness wohl dosiert absolvierte, zumal ich mich abends stets wohlgefühlt habe und niemals einen Muskelkater verspürte oder etwa stark erschöpft war.

TRX-Training

Trotzdem bin ich nach neun Tagen Therapie- und Aufbauprogramm noch unzufrieden, da mir ohne Gehhilfen einfach kein rundes Gangbild gelingt. Bei der Belastung des operierten Beines spüre ich bei jedem Schritt (ohne Gehhilfen) ein Schmerz im Oberschenkel, der mich eine Ausweichbewegung machen lässt. Da der Schmerz genau an der Stelle aufritt, in der das Hämatom (vor nunmehr zwei Wochen) diagnostiziert wurde (siehe Kleine Schrecksekunde), bin ich mir nicht sicher, ob mein Muskeldefizit oder eben der Bluterguss dafür verantwortlich sind. Meine Physiotherapeuten meinen, dass meine Muskulatur sehr verhärtet und verspannt sei. Nach einer 40-minütigen physiotherapeutischen Muskellockerung hatte ich das erste Mal einen etwas verminderten Schmerz an der besagten Oberschenkel-Stelle. Ich solle deshalb weniger trainieren und meiner Muskulatur mehr Ruhe gönnen. Genau in dieser Ruhezeit schreibe ich jetzt den Blog-Artikel. Zusätzlich habe ich mit den Ärzten eine erneute Ultraschall-Kontrolle vereinbart, um festzustellen, ob das Hämatom noch vorhanden, bzw. sichtbar ist. Auch habe ich im Arztgespräch angesprochen, ob ich vielleicht doch nochmals einige Tage Schmerzmittel nehmen sollte, um den Schmerz aus dem Schmerzgedächtnis zu verbannen. Diese Idee quittierte mein Doc leicht augenzwinkernd: „Wenn Sie aktuell keinerlei Schmerzmittel nehmen, ist das ja Meckern auf hohem Niveau!“. Möglicherweise hatte er damit ja sogar recht und ich sollte mich tatsächlich mal 3-4 Tage auf die Einnahme von Schmerzmitteln einlassen, um danach gemeinsam mit den Ärzten zu entscheiden, wie es am besten weitergehen soll.
Vielleicht sollte ich in den nächsten Tagen wirklich kein Krafttraining mehr für die Beine machen, sondern nur Training für den Oberkörper, Dehnübungen und leichtes Ergometer-Training bei sehr niedriger Wattzahl, neben den bereits feststehenden Terminen für Wärmetherapie, Fußdynamik und der Gangschule – auch wenn es verdammt schwer fällt.

Vielleicht ist ‚weniger doch mehr‘?

Vollbelastung mit Muskelaufbau endlich in Reichweite

Mi, 13. Juni 2018 7 Kommentare

Krauleinheit im Freibad – Rottach-Egern

Kapitel 5 – Nachdem die letzten Wochen geprägt waren von Geduld und Abwarten, ob der 8 Wochen Teilbelastung, ist ein Ende in Sicht: In wenigen Tagen beginnt die stationäre AGM (Anschlussgesundheitsmaßnahme) mit dem ärztlichen Auftrag meines Operateurs, in der ersten Woche die Gehhilfen ‚wegzutrainieren‘.

Die zurückliegenden 14 Tage sind eher unspektakulär verlaufen. Wie bisher wechselten sich tägliche ‚Crutch-Walking‘ Einheiten mit Physiotherapie und Ruhephasen ab. Vor einer Woche habe ich jedoch eine kleine zweite Stufe der Wiederherstellungsaktivitäten gestartet: Bin ich doch bisher insgesamt dreimal zum Sport-Freibad hin- und zurückgelaufen (insgesamt 2,5 km), um dort meine Bahnen zu ziehen. In Summe immerhin fast 2,5 Kraul-Kilometer plus Aqua-Jogging zum ‚Auslaufen‘. Den Kraul-Beinschlag habe ich bei meinem Bahnenziehen dabei natürlich noch recht vorsichtig ausgeführt, um die Muskel am operierten Bein nicht zu überreizen.

Vorgestern, am 11.6.2018, endlich der ersehnte Kontrolltermin in der endogap – Klinik für Gelenkersatz und Garmisch-Partenkirchen bei meinem Operateur Dr. Rolf Schipp. Er ist mit dem aktuellen Röntgenbild zufrieden. Alles sieht perfekt aus und das Implantat befindet sich immer noch exakt an der richtigen Position (kein Nachrutschen und keine Dezentrierung oder Ähnliches), was bei komplexen Revisions-OPs dieser Art nicht selbstverständlich ist. Zudem ist bereits in dem Knochenspalt, der durch den Wagnerzugang (Siehe Erläuterung in Kapitel 2) entstanden ist, zu erkennen, dass der Heilungsprozess, die körpereigene Reparatur dieses Defektes, begonnen hat. Fast euphorisch konnte ich somit direkt nach der Kontrolle mit ärztlicher Erlaubnis ins Vierpunkt ‚Crutch-Walking‘ übergehen. Kleine Tests am Folgetag mit ‚Nordic Walking Stöcken‘ und dem ‚Cross-Shaper‘ verliefen allerdings noch negativ!

Futuristische Eingangshalle endogap – Klinikum GAP

AHB, bzw. Reha-TIPP für Arbeitnehmer
Nachfolgend ein paar Tipps für alle, die mit der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wg. ihrer AHB oder Reha in der Wunscheinrichtung nach einer OP zu kämpfen haben.
Bei Ablehnungen oder auf sich wartenden Bescheiden ist, wie oft im Leben, Eigeninitiative und Hartnäckigkeit gefragt. Dies beginnt schon mit dem Sozialdienst im Krankenhaus, der die AHB bereits einige Wochen vor dem feststehenden OP-Termin direkt mit der Wunscheinrichtung vereinbaren kann. In diesem Fall gibt es generell kein Problem mit der Kostenübernahme durch die Rentenversicherung. Hier einfach den Sozialdienst einige Wochen vor der OP anrufen. AHBs ganz zeitnah im Anschluss an eine OP sind in der Regel deshalb komplikationslos, weil die Reha-Einrichtung direkt mit der DRV abrechnen kann. Ungleich schwieriger wird es, wenn die AHB, die dann AGM (Anschlussgesundheitsmaßnahme) heißt, aus medizinischen Gründen wie bei mir erst ca. 8 Wochen nach der OP stattfinden soll. Hier stellt auch der Sozialdienst des Krankenhauses den angepassten Antrag (AGM statt AHB), aber das geht dann erst an die Deutsche Rentenversicherung, die diese Maßnahme genehmigen muss und dann (hoffentlich) direkt mit der Wunsch-Rehaeinrichtung Kontakt aufnimmt.
Dieses Verfahren ist mehr als zäh. Bei mir hat es exakt 6 Wochen ab Antragstellung durch den Sozialdienst des Krankenhauses gedauert, bis ich meine Wunsch-Reha genehmigt hatte. Dazwischen lagen in Summe fast sechs Stunden Telefonwarteschleifen mit nerviger Musik bei der DRV, unzählige Mails, Telefonate, falsche Bescheide, nicht angekommene Bescheide und dann am Schluss endlich, nur durch eindringliche telefonische Überzeugungskraft meinerseits, eine mündliche positive Aussage (die Telefonmitarbeiter dürfen nämlich den Inhalt des Bescheides eigentlich nicht mitteilen) und fast zeitgleich, statt Zustellung des Bescheides per Post, eine ebenfalls eingeforderte Zustellung per Fax. Der Bescheid per Post ist übrigens bis heute noch nicht angekommen. Sehr lobend möchte ich ausdrücklich den Sozialdienst der endogap erwähnen, der mich bei meinen Bemühen nach Kräften unterstützt hat (telefonisch und per Mail), sowie die Reha-Klinik Medical Park St. Hubertus in Bad Wiessee. Nachdem ich um ca. 10:00 Uhr morgens endlich das Genehmigungs-Fax der DRV in meinen Händen hatte, habe ich dieses per Mail einige Minuten später an die zentrale Reservierung des Medical Parks gesandt. Bereits knapp sechs Stunden später hatte ich die Zusage für meinen Wunschtermin 18.6.2018, ebenfalls per Mail. Schneller geht es kaum!

PNF – Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation
Schon mal etwas von Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, kurz PNF genannt, gehört?
Nein, ich auch nicht bis vor einigen Tagen. Da bei meinem letzten Physio-Termin meine ‚Stamm‘-Physiotherapeutin Julia in Urlaub weilte, nahm sich ihr Kollege Uwe meiner Revision-Hüfte an. Außer dass er meine nicht ganz so lockeren Adduktoren kräftig und erfolgreich bearbeitet hat, haben wir über einige Themen der Physiotherapie geplaudert und kamen dabei auch auf Nervenschädigungen zu sprechen, wie sie leider vereinzelt bei Hüfte-OPs auftreten können. Auch ich hatte vor meiner komplizierten Revisions-OP etwas Angst davor. Meiner Aussage, dass in Falle von größeren Nervenschädigungen, diese praktisch nicht mehr zu reparieren seien, widersprach mir Uwe unter Hinweis auf PNF, um mir diese Therapie dann zu erläutern und mit dem Beispiel eines Schlaganfall-Patienten zu belegen. Hier war es mit der PNF-Therapie gelungen, das Gehen, dass vorher nur mit einem Vierfuß-Gehstock möglich war, nach einiger Zeit ohne zu schaffen.
Die PNF-Therapie darf nur von speziell dafür weitergebildeten Physiotherapeuten durchgeführt werden.
Ein spannendes Thema, dass ich in jedem Fall weiterverfolgen werde.

Kleine Schrecksekunde
War ich vielleicht zu euphorisch nach der endogap-Kontrolle am Montag? Kurz vor meinem letzten Physio-Termin zwei Tage später bei Julia, in meiner Lieblings-Physiotherapie-Praxis am See, hatte ich bei einer Belastung des operierten Beines bei einem ganz normalen Schritt in der Wohnung wie aus heiteren Himmel ein sehr schmerzhaftes ‚Schnalzen‘ eines Oberschenkelmuskels.

Physiotherapie am See: Oben, einer der großzügigen Therapie-Räume, links das Team mit Robin, Julia und Uwe, rechts dürfen natürlich unsere Buch-Flyer auf dem Tresen nicht fehlen

In der Folge quittierte der Muskel mit ‚Zumachen‘ und Schmerzen bei Belastung. Gut, dass zwei Stunden später eine komplette Physiotherapie-Stunde bei Julia anstand, in der sie meine Oberschenkelmuskulatur akribisch – auch mit Wärmeunterstützung – bearbeitete und lockerte, um die Verhärtungen herauszubekommen. Das ist ihr auch gelungen.
Wer eine gute Physiotherapie-Praxis mit sehr kompetenten und empathischen Therapeuten im Tegernseer Tal sucht, ist hier wirklich bestens aufgehoben.
Trotzdem scheint mein Muskel jetzt irgendwie beleidigt zu sein und quittiert jeden Schritt, auch mit Gehhilfen, noch mit Schmerzen und ich bewege mich aktuell wie kurz nach der OP!
Julia hat mir noch feuchte Wärme für zu Hause verordnet. Bewegen soll ich aber das Bein auch in jedem Fall, um die Durchblutung anzuregen! Bin gespannt wie sich das morgen früh nach der Nachtruhe anlässt.
Ihr erfahrt es natürlich hier – im nächsten Kapitel.

TEPFIT-Club und TEPFIT-YouTube-Kanal

TEPFIT Workshop 2018 in Hagen

Alle, die sich zu Themen im Zusammenhang mit Arthrose, Verhalten vor oder nach einer Gelenks-OP, mögliche sportliche Betätigungen, OP-Vermeidung und alternative Heilmethoden informieren und austauschen möchten, sei unser TEPFIT-Club empfohlen.

Ebenfalls steigender Beliebtheit erfreut sich unser TEPFIT-YouTube-Kanal. Hier werden regelmäßig in unterschiedlichen zeitlichen Abständen Informations-Videos rund um künstliche Gelenke, Bewegung, Sport und Tipps dazu veröffentlicht. Auch unsere realen TEPFIT-Treffen und -Workshops sind dort filmisch aufbereitet zu finden. Am besten den YouTube-Kanal einfach abonnieren, um kein neues Video zu verpassen.