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Posts Tagged ‘Motivation’

Dem Winterblues entkommen

Wissenschaftlich betrachtet ist der Winterblues eine „saisonal abhängige Depression“, kurz SAD oder auch Winterdepression genannt. Die einfache Ursache: Fehlendes Tageslicht.
Es ist November, passend und pünktlich begrüßt einem der Blick nach draußen, zumindest in Deutschland, meist mit Nieselregen, Nebel oder Hochnebel und nasser Kälte – trotz Klimawandel. Für einen Großteil der werktätigen Bevölkerung gibt es in der Woche für gut drei Monate keine arbeitsfreie Zeit mit Tageslicht.

Immer noch mehr Tageslicht als zuhause

Da fällt Sport und Bewegung im Freien naturgemäß schwer und meist etwas reduzierter aus. Die Motivation lässt bei vielen nach. Zu verlockend ist es ist doch, es sich zuhause auf der Couch gemütlich zu machen. Im Vorteil ist derjenige, der wie ich, noch einen Mannschaftssport in der Halle betreibt. Da gibt es keine Ausreden, schließlich warten ja die Team-Kollegen. Und natürlich, wie immer in der Winterjahreszeit, nimmt man sich vor, wieder verstärkt ins Fitness-Studio zu gehen und/oder gar mal eben schnell einen Vertrag für selbigen zu unterzeichnen, der meist zu teuer ist und viel zu wenig genutzt wird. Die Motivation sinkt schnell und geht zunehmend gegen null.
Aber wir kommt man raus aus der Motivationsfalle und bekämpft dem Winterblues? Hier spreche ich nicht diejenigen an, die ohnehin ganzjährig für Wettkämpfe trainieren und bei jedem Wetter, egal ob dunkel, kalt, regnerisch oder schneiend mit mehrstrahligen Halogen-Stirnlampen in Wald, Feld und Flur zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, sondern alle anderen, die ihren Sport und ihre Bewegung nur als Hobby ohne feste Trainingszeiten betreiben.
Als erstes sollte man sich keinen Stress machen. Wenn man mal keine Lust hat, dann einfach ohne Reue nichts tun und sich einen festen Vorsatz für den nächsten Tag fassen.
Allgemein werden mindestens 150 Minuten Sport und Bewegung pro Woche empfohlen – mehr ist natürlich besser. Zweieinhalb Stunden hat man aber mit Sicherheit am Wochenende Zeit, um sich bei Tageslicht in Freien zu bewegen. Auch ein strammer Spaziergang oder leichter und lockerer Lauf im Nebel kann seine Reize haben. Tageslicht ist besonders wichtig für Körper und Geist und der Bekämpfung der SAD – das weiß auch die Apotheken-Umschau. Auch eine Mittagspause kann man statt in der Kantine für einen Gang ins Freien nutzen. Suchen Sie sich Gleichgesinnte. Verabreden Sie sich. Zu zweit oder in einer Gruppe macht alles viel mehr Spaß und ein gewisser Gruppenzwang schadet in diesem Fall überhaupt nichts.
Bei einem Spaziergang in der Natur liefert auch ein bedeckter Wintertag eine Tageslicht-Dosis von bis zu 4.000 Lux. Wer im Winter zuhause bleibt und dadurch zu wenig Tageslicht erhält, hat eine sehr viel geringere Vitamin-D-Konzentration im Blut als Menschen, die sich viel im Freien aufhalten. Tageslicht regt die Atmung und den Kreislauf an und die Lichteinwirkung fördert die Durchblutung und den Stoffwechsel. D.h.: Auch alle, die sich als Hallensportler in der Woche genug bewegen, sollten trotzdem spätestens am Wochenende raus. Aber natürlich ist Sport, Bewegung oder Krafttraining „Inhouse“ immer noch viel besser, als überhaupt nichts zu machen. Auch wenn dabei kein Vitamin D an die Haut kommt, fühlt man sich nach einer Sporteinheit einfach besser. Es werden die müden Geister geweckt und das psychische Wohlbefinden gesteigert, weil der Körper Hormone wie Endorphin, Serotonin und Dopamin ausschüttet. Das macht uns glücklicher. Übrigens lassen sich auch aus profanen Alltagstätigkeiten kleine Bewegungs- und Kraft-Workouts gestalten. Der Sportorthopäde Dr. Georg Kaupe beschreibt das ganz gut in seinem Blog-Beitrag „Wechsel-Strom“, der mit folgendem Zitat endet:
„Egal was Sie tun, tun sie es bewusst und mit Phantasie! Gestern ist vorbei. Was morgen passiert wissen wir nicht! Heute haben Sie es in der Hand!“
Im diesem Sinne: Haltet gemeinsam mit mir durch, der nächste Frühling kommt bestimmt!

Die Komplett-Revision der Hüfte in 12 Kapiteln

Sa, 5. Oktober 2019 2 Kommentare

Nachdem ich knapp 10 Jahre lang mit meinen beiden künstlichen Hüftgelenken sportlich richtig Gas geben konnte, stand im April 2018 die notwendige Komplett-Revision der 21 Jahre alten TEP auf dem OP-Plan. Komplett hieß in meinem Fall, alle zementierten Komponenten entfernen (Pfanne und Schaft) und versuchen, eine natürlich größere, aber dafür nicht einzementierte Revisionsprothese einzusetzen. Wie schon bei der letzten OP (rechte Seite in 2008) vertraute ich hier auf das bewährte und hervorragende Team der endogap – Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen. Die nachfolgenden Kapitel zeigen den langen und teils auch beschwerlichen Weg zurück zur Normalität und auch zum Sport.

Das komplette Tagebuch (41 Seiten) kann auch hier als ePDF mit allen Links und Videos heruntergeladen und somit ganz bequem auf einem Tablet oder PC offline gelesen werden.

Motivation, Zeit, fehlendes Ziel und Ausreden

Sa, 27. Juli 2019 1 Kommentar

Nach einigen schönen, leider nur sehr kurzen Aufenthalten an meinem geliebten Tegernsee ist mir wieder einmal richtig bewußt geworden, wie sehr eine wunderschöne Umgebung gepaart mit arbeitsfreier Zeit meiner Motivation zu sportlicher Betätigung extrem förderlich ist.

Biken am Berg und Biberbiotop am Tegernsee

Obwohl ich jetzt einige Male nur von Freitag- bis Sonntagabend im Tegernseer Tal war, habe ich mich jeden Tag laufend, bikend und schwimmend bewegt. Zurück im Arbeitsalltag fällt es mir inzwischen deutlich schwerer, spät abends noch einen kleinen Lauf zu machen, ins Fitness-Studio zu gehen oder im Schwimmbad Bahnen zu ziehen, obwohl es jetzt im Sommer sehr lange hell ist. Meine Selbstreflexion hat dabei Folgendes zu Tage gefördert:
Zum einen ist es mit fortschreitendem Alter für mich scheinbar schwerer, nach einem meist langen Arbeitstag die Komfortzone abends zu verlassen – immer öfter ziehe ich das gute Glas Wein auf der Abendterrasse oder auf der gemütlichen Couch vor.
Zum anderen verbringe ich durch meine TEPFIT-, Blog-, Buch- und Social-Media-Aktivitäten vor allen Dingen abends mehr Zeit vor dem Bildschirm, Smartphone oder Tablet, als noch vor einigen Jahren.
An den Wochenenden steigt dann mein Aktivitätslevel wieder deutlich an. Auch wenn ich sicherlich weit aktiver bin als die große Mehrheit der Bevölkerung in unserem Lande, bin ich nicht wirklich mit mir zufrieden. Zu oft ertappe ich mich dabei, dass mein tagsüber gefasster Vorsatz, mich abends noch im Studio oder im Wald sportlich zu betätigen, in der Ausrede mündet, dass es doch schon zu spät, zu dunkel oder zu regnerisch sei.
Rückblickend auf die letzten Jahre ist allerdings zusätzlich ein wichtiger Antrieb zum Training weggefallen – nämlich das Ziel, auf einen Wettkampf hinzuarbeiten. Als Sportler war ich es Jahrzehnte lang gewohnt zu trainieren, um meine sportlichen Ziele zu erreichen. Früher, um möglichst erfolgreich jedes Wochenende als Spitzenspieler in der Regionalliga Tischtennis zu spielen oder Einzelmeisterschaften zu gewinnen, in den letzten Jahre, um mich auf Triathlon- und Halbmarathon-Wettkämpfe vorzubereiten. Nach meiner komplizierten Revision im Frühjahr 2018 hatte ich noch die große Herausforderung vor Augen, körperlich wieder völlig fit zu werden. Dies ist mir gelungen bei gleichzeitigem Wegfall der Zielsetzung.

Baden und Freiwasser-Schwimmen im Tegernsee

Um meine „neue“ Revionshüfte nicht zu stark zu belasten, obwohl ich das Gefühl habe, ich könnte es problemlos, suche ich noch den Spagat zwischen moderater sportlicher Betätigung bei gleichzeitigem Training für eine echte Herausforderung im Bereich des Ausdauersportes, die ggf. auch in einem Wettkampf mündet. Als wirklich gelenkschonende Ausdaueraktivität kommt im Prinzip nur Radfahren (für mich MTB) oder Kachelnzählen (Schwimmen) in Frage. Ersteres ist während einer Arbeitswoche eigentlich nur im Sommer möglich, Letzteres geht zwar immer, ist mir aber auf Dauer zu öde. Zudem ist es bei beiden Sportarten schwierig, Wettkämpfe zu bestreiten, zumindest im Hobbysport-Bereich. Somit bleibt eigentlich nur mental an mir zu arbeiten und meine Motivation aus dem körperlichen Wohlbefinden nach sportlicher Betätigung zu schöpfen – verbunden mit dem Ziel, so fit und gesund zu bleiben, dass ich nach meinem Arbeitsleben in wenigen Jahren neben der dann vorhandenen Zeit noch die körperliche Fähigkeit besitze, z.B. eine Alpenüberquerung zu Fuß und/oder mit dem Bike zu planen, mich intensiver mit anspruchsvollerem Bergwandern und im Winter neben Ski-Langlauf z.B. mit Schneeschuhwandern zu beschäftigen.
Nun bin ich allerdings auch erstmal auf Ende September gespannt, ob denn der Jahres-Kontroll-Termin in der endogap (der letzte war Anfang Oktober 2018) meine gefühlte komplette Wiederherstellung auch radiologisch bestätigt und meine Knochen im Oberschenkel und Becken mit dem Revisions-Implantat inzwischen quasi eine Einheit geworden sind. Natürlich auch verbunden mit der Hoffnung, dass meine rechte, inzwischen auch 11 Jahre alte Hüft-TEP, ebenfalls noch tadellos sitzt.

Revision Dank endogap nach einem Jahr körperlich und mental abgeschlossen

Mi, 24. April 2019 2 Kommentare

Kapitel 12 – Mit diesem letzten Kapitel schließe ich nun mein Revisionstagebuch bis auf das noch folgende Nachwort ab. Exakt ein Jahr ist die Revisions-OP nun her und ich denke weder an die neue Revisions-TEP noch spüre ich diese im Alltag! Das Leben und auch der Sport hat mich wieder.

Freude pur beim ersten Lauf ohne Stöcke nach der Revision

Nach den wundervollen Urlaubstagen Anfang Januar 2019 in Südafrika zog naturgemäß wieder der Arbeitsalltag in mein Leben ein. An einem Wochenende Anfang Februar habe ich es dann zum ersten Mal gewagt, einige wenige Kilometer, drei um genau zu sein, ohne Stöcke zu Laufen (Joggen) – und zwar sehr, sehr langsam und mit kleinen Schrittlängen. Trotzdem ist das Glücksgefühl nach so langer Zeit kaum zu beschreiben. In den vier Folgewochen bin ich dann insgesamt knapp 20 km langsam und vorsichtig gelaufen, davon einige sogar in kurzen Hosen, da Mitte/Ende Februar schon mal kurz der Frühling ausgebrochen war. Meine längste Einheit war 5 km in „sagenhaften“ 50 Minuten.
Ansonsten einige Tischtennis-Liga Spiele und meine täglichen Übungen wie gehabt.

Es folgte eine Woche Sportpause wegen einer Erkältung und dann ein kurzes Wochenende am geliebten Tegernsee. Ich war voller Hoffnung, dass ich es noch kurz vor Ende der Saison schaffen würde, meine Langlaufbretter nach langer Zeit wieder zu testen. Auch wenn tagsüber die Temperaturen bei sonnigen 15-18 Grad (plus) lagen, war es in den Tälern bei Kreuth doch nachts noch recht frostig und die Loipen, nach über zwei Meter Schnee in diesem Winter, wirklich überraschend gut in Schuss.
Am 23.3.2019 war es dann soweit. Ich konnte bei herrlichen Bedingungen vormittags lockere vier Testkilometer im klassischen Langlaufstil absolvieren. Immer noch mit dem nötigen Respekt vor dem großen Metallgestänge in meinem linken Oberschenkel. Aber bis auf einen Mini-Muskelkater am nächsten Tag (Oberschenkel-Innenseite), war alles perfekt. Keine Schmerzen während oder danach.

Morgens Winterlanglauf und mittags Sommer-MTB

Mittags anschließend bei sommerlichen Temperaturen eine 12 km MTB-Genuss-Runde eingestreut und tags darauf dann nochmals lockere 14 km auf dem Mountain-Bike absolviert. Außer kleinen Problemen an den Stellen, an denen sich mein Körper mit dem schmalen Sportsattel verbindet (war schließlich das erste Biken seit 6 Monaten), alles tipptopp! Jetzt fehlt nur noch ein Monat zum „Revision-OP-Jahrestag“. Auf Grund meiner guten Verfassung und absoluten Schmerzfreiheit muss ich zugeben, dass ich sehr stark am Überlegen war, ob ich mich für den Sprint-Cross-Triathlon (500 m Schwimmen, 20 km MTB und 5 km Laufen) rund um den Wiesbadener Neroberg Ende April 2019 anmelden sollte. Dieser Wettkampf wäre dann ziemlich genau ein Jahr nach der OP, so wie schon 2009 nach der letzten OP (rechte Seite) gewesen. Doch ich habe mich dann selbst wie folgt überredet: „Der Wettkampf ist nicht wirklich wichtig. Wichtig ist, dass ich weiß, ich würde das schaffen. Denn 500 Meter Schwimmen sind natürlich kein Problem, 20 km MTB habe ich schon einige Male nach der OP absolviert und 5 km am Stück gelaufen bin ich auch bereits zweimal.“ Die Vernunft hat dieses Mal (noch) gesiegt. Nach dieser Entscheidung Ende März bin ich dann das erste Mal wieder meine Pfingstborn-Hausrunde (5 km, 125 Hm) langsam gelaufen bei sommerlichen 20 Grad.
Im April folgten dann erneut vier Tage Tegernsee-Aufenthalt mit Zeit und Muße für die eigene Fitness und den Outdoor-Sport. Wie gehabt etwas Laufen und Mountain-Biken. Einen Schlechtwettertag nutzte ich, um in meiner „alten“ Reha-Wirkungsstätte Medical Park St. Hubertus das mir bekannte Medizinisch Technische Training (kurz MTT) zu absolvieren. Von einem Physiotherapeuten, der bei meiner ersten Reha im Medical Park 2008 auch schon dort war, ließ ich meinen Laufstil auf dem Laufband analysieren. Er hat dabei exakt das erkannt, was ich ganz bewusst versuche: Mit kleinen flachen Schrittlängen möglichst wenig Belastung auf die Gelenke einwirken zu lassen. Er meinte, dies sei ideal, um die das Kunstgelenk umgebenden Knochen nach und nach an etwas größere Belastungen zu gewöhnen. Schön, wenn ein Fachmann das eigene Trainings-/Laufkonzept bestätigt. Ich praktiziere hier im Prinzip das Slow-Jogging, vielleicht ganz leicht abgewandelt, da ich geringfügig schneller unterwegs bin. Wichtig ist hierbei, auf dem Mittelfuß, bzw. dem ganzen Fuß aufzukommen.
Unverhofft und positiv überrascht hat mich eine ganz andere Nachricht: Der Diplom-Sportlehrer, anerkannte Faszienexperte und Certified RolferTM Markus Roßmann hat seine Zelte in Erding abgesprochen und eine eigene Gesundheits-Lounge am Tegernsee eröffnet. Hätte er das doch bloß schon ein Jahr früher getan! Ich wäre nach meiner OP sicherlich Stammgast dort gewesen. Aber wenigstens habe ich jetzt eine ideale Anlaufstelle, um eventuelle Dysbalancen oder Beschwerden meines Bewegungsapparates behandeln zu lassen, sofern diese denn mal auftreten oder ich auch nur das Gefühl haben sollte.

MTB, Laufen und Wandern mit Tochter bei Traumwetter am Tegernsee an Ostern

Kurz vor Ostern hatte ich mit meiner Mannschaft noch unser letztes Liga-Tischtennisspiel bestritten, mit dem wir unsere sehr erfolgreiche Meisterschafts-Saison abgeschlossen haben. Alle von mir absolvierten Spiele waren in Bezug auf die Hüfte absolut problemlos und völlig beschwerdefrei. Tags darauf dann noch eine weitere kleine Slow-Jogging Einheit (4 km) bei kühlem, aber sonnigem Aprilwetter.
Eine Woche vor meinem Revision-OP-Jahrestag (25.04.2019) durfte ich mich erneut auf weitere fünf supersonnige Ostertage mit meiner Familie am geliebten Tegernsee freuen. Viereinhalb Aktiv-Tage bei Traumwetter standen auf dem Programm. Insgesamt 42 MTB-, 7 Lauf- und 7,5 Wanderkilometer liegen nun hinter mir. Es war alles perfekt und absolut schmerzfrei.
Die Urlaubstage habe ich auch genutzt, um selbst mehr über Faszien zur erfahren und mit dem oben bereits erwähnten Markus Roßmann ein Interview zum Thema „TEPFIT trifft Faszie“ zu führen – mit vielen Tipps und Infos zum Faszientraining mit künstlichen Gelenken. Das knapp zehn Minuten lange Video gibt es hier.
Nachdem ich das Revisionstagebuch nun exakt ein Jahr geführt habe, ist für mich das Kapitel Revisions-OP fast abgeschlossen. Danke an alle meine Leser, die sich durch die insgesamt 12 Kapitel durchgekämpft haben, vielleicht habt Ihr ja auch noch Kraft für mein Nachwort.
Wenn ich dem einen oder anderen aufzeigen konnte, dass eine Komplett-Revision nicht das Ende der Tage ist, dann hat mein Tagebuch sein Ziel erreicht.
Der allergrößte Dank gebührt natürlich dem hervorragenden Operations-Team der endogap in Garmisch-Partenkirchen unter der Federführung meines Hauptoperateurs Dr. Rolf Schipp und deren Chefarzt Dr. Christian Fulghum, sowie meiner lieben Frau Doro, die mich in den ersten Wochen nach der OP als Pflegefall grandios umsorgt hat. Ohne die vorstehend genannten Personen hätte auch mein eigener eiserner Wille, die vollständige Genesung und Sportfähigkeit zu erreichen, nur sehr wenig genützt. Last, but not least gehört natürlich auch ein Quäntchen Glück dazu, nicht zu den deutschlandweit 2-3% Prozent zu gehören, bei denen bei der Hüft-OP leider nicht alles glatt läuft!

Vom Blog über zwei Bücher zum 3. TEPFIT-Treffen in Berlin

Was 2011 mit diesem Blog begann, hat sich in den letzten sieben Jahren prächtig weiterentwickelt. In den Jahren 2012 und 2014 sind die Bücher ‚Mut zur neuen Hüfte!‘ und ‚Mut zum neuen Knie!‘ erschienen – das erste inzwischen in der zweiten Auflage. 2015 wurde die geschlossene Facebook-Gruppe ‚TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie)‘ gegründet, die in Kürze das 3000. Mitglied feiern wird.

Teilnehmer des 2. TEPFIT Workshops 2018 in Hagen

Damit reifte dann auch der Entschluss, die Mitglieder der virtuellen Facebook-Gruppe in einem realen Treffen zusammenzubringen. Das erste Treffen im November 2016 in der Nähe von München war damit aus der Taufe gehoben.
Im April 2019 findet nun bereits das dritte TEPFIT-Treffen (Workshop) mit einem erneut sehr interessanten Programm in Berlin statt. Drei hochkarätige Impulsvorträge renommierter Fachärzte der Charité am Vormittag, sowie Yoga und Zumba für TEP-Träger am Nachmittag, bilden die Programm-Säulen. Für ein ausgewogenes Rahmenprogramm mit gemeinsamen Abend ist natürlich ebenfalls gesorgt.
Wer Interesse hat, kann sich unter nachfolgendem Link ausführlich informieren und natürlich auch gleich verbindlich anmelden!
Ein paar ‚Live‘-Eindrücke vom letzen Treffen gibt es rechts mit dem TEPFIT-Trailer 2018 und natürlich in unserem YouTube-Kanal!

Die letzten 5-10 Prozent fehlen noch – Glücksgefühle in der endogap

Mo, 1. Oktober 2018 3 Kommentare

Kapitel 9 – Die Revisions-OP ist seit gut fünf Monaten Geschichte. Auch wenn ich zeitweise das Gefühl habe, alles ist perfekt, gibt es doch immer wieder Phasen und Situationen, die mich die schwierige Revision-OP spüren lassen. Auch an den letzten 5-10 Prozent muss noch hart gearbeitet werden.

Die letzten Wochen waren geprägt vom Arbeitsalltag mit eingebauten Physio-Therapieeinheiten, Fitness-Studio einmal pro Woche abends und 1-2 ausführlicheren Sporteinheiten am Wochenende. Immer abwechselnd MTB und Laufen/Gehen mit Trekkingstöcken im Gelände. Die Highlights waren dabei einige größere problemlose MTB-Strecken mit bis zu 25 km, sowie an meinem Geburtstag endlich meine komplette MTB-Taunushausrunde mit insgesamt 20 km und 330 hm. Flankiert wird das alles von täglichen Einbein-Übungen mit dem operierten Bein als Standbein und tiefen Kniebeugen mit Festhalten an der Sprossenwand oder einem Geländer. Seit ca. 3 Wochen gelingt es mir auch immer besser aus der Seitenlage das operierte Bein nach oben anzuheben.

Wanderung auf den Wallberg – 5 Monate Post-OP

Es gibt Tage, da kommt es mir persönlich beim normalen Gehen so vor, als wäre alles zu 100% in Ordnung. Auch die Selbstkontrolle an Spiegeln oder Glastüren bestätigt dies. Dann sind aber auch wieder Tage dabei, an denen ich immer noch nach längerer Zeit einen leichten ‚Hink‘-Gang habe. Meine im letzten Kapitel geäußerte Hoffnung, mich bei der Städtetour in Bremen komplett ohne Trekking-Stöcke bewegen zu können, ließ sich nur teilweise erfüllen. Es standen allerdings am Ende der zwei Tage auch 20 Geh-Kilometer auf dem Zähler.

Aktuell kommt mir der zweiwöchige Urlaub am Tegernsee wirklich sehr gelegen. Das erste Mal seit der stationären Reha habe ich wieder richtig viel Zeit, an der eigenen Fitness und der 100%-igen Wiederherstellung zu arbeiten. Das sonnige Spätsommerwetter lässt auch alle Outdoor-Aktivitäten zu. Biken, Wandern und Spazierengehen stehen auf dem Programm, sowie Kraft- und Fitness-Training im Medical Park Bad Wiessee in den noch kühlen Vormittags-Stunden. Dort gibt es die hervorragende Möglichkeit, gegen einen wirklich sehr fairen Preis, eine 10er-Karte zu erwerben, mit der man genau dort weitermachen kann, wo man nach der stationären Reha aufgehört hat: Also ausgiebig MTT mit Schwimmbadnutzung.

Am 27.09.2018 konnte ich mich dann über das Erreichen meines selbst gesteckten Zieles freuen: Fünf Monate und 3 Tage nach meiner Revision konnte ich problemlos ohne irgendwelche Beschwerden den Tegernseer Hausberg – den Wallberg – bis zu Bergstation (1620 Meter) erwandern. Dies sind 800 Höhenmeter auf 6,5 Km, was einer durchschnittlichen Steigung von etwas über 12% entspricht. Natürlich bergauf durch zwei Bergwanderstöcke unterstützt und bergab die Kabinenbahn nehmend. Die weiteren 100 Höhen-Meter bis zum Gipfelkreuz nehme ich mir für nächstes Jahr vor, wenn genügend seitliche Stabilität auch für die Bergab-Passagen vorhanden ist.

Aber es bleibt dabei: Trotz recht intensivem Training, regelmäßigen Stabilitätsübungen und sportlichen sowie bewegungstechnischen Erfolgen, sind das muskuläre Defizit und die mangelnde seitliche Stabilität noch sichtbar, wie nachfolgendes Video vom 28.9.2018 deutlich beweist.

 

Glücksgefühle in der endogap
Am 01.10.2018, also genau 159 Tage nach meiner OP im April, fand mein Kontroll-Termin in der endogap statt.
Ich war sehr gespannt, ob sich mein eigenes Gefühl, dass der Heilungsprozess wirklich sehr gut verlaufen ist, bzw. noch verläuft, auch diagnostisch bestätigt. Zu meiner großen Freude und Erleichterung ist genau dies der Fall.

links April 2018 – rechts Okt 2018 – Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der endogap – Garmisch-Partenkirchen (Vergrößern durch anklicken)

Auf nebenstehendem Röntgenbild ist sehr gut zu sehen, dass sich die Osteolysen (Knochendefekte), die im linken Bild am Schaft deutlich durch die dunklen Stellen zu erkennen sind, sich auf dem rechten Bild schon hervorragend regeneriert haben. Außerdem ist der Knochenspalt – entstanden durch den Wagner-Zugang (Siehe Erläuterung in Kapitel 2) -, der auf dem linken Bild (oberhalb der unteren Cerclage) deutlich zu sehen ist, auf dem rechten Bild schon zusammengewachsen. Lt. meinem Operateur und leitenden Arzt der endogap, Dr. Rolf Schipp, ist diese schnelle Regeneration des Knochens eher ungewöhnlich und dauert normalerweise deutlich länger!
Zu meiner großen Freude und Zufriedenheit, habe ich jetzt auch grünes Licht, mein Krafttraining mit Gewichten angemessen zu erhöhen. Dr. Schipp zu mir wörtlich: „Da kann jetzt nix mehr passieren, das ist fest eingewachsen!“
Auf meine Frage, ob es denn irgendwann wieder möglich sei, kleinere Einheiten zu Laufen (Joggen), wenn meine letzten Muskeldefizite ausgeglichen sind, meinte er, ich solle es einfach versuchen mit kurzen Strecken auf nicht allzu hartem Untergrund. Das nehme ich mir aber jetzt frühestens für das Frühjahr 2019 vor.

Den Schwung und die positive Energie aus dem Kontroll-Besuch in der endogap werde ich jetzt die restlichen Urlaubstage noch nutzen, um mein Fitness-Training moderat zu steigern und an den bevorstehenden Sonnentagen noch einige größere Bike-Runden zu unternehmen!

Das nächste und vielleicht letzte Kapitel meiner Revisionsgeschichte folgt erst, wenn alle noch bestehenden Muskeldefizite vollständig ausgeglichen sind – und das kann noch dauern!

 

Stationäre Reha beendet – Aber der Weg ist noch lang

Sa, 21. Juli 2018 3 Kommentare

Kapitel 7 – Die stationäre Reha hat am 13.7.2018, exakt 11 Wochen und 1 Tag nach der Revision-OP, geendet. Der Weg bis zum einwandfreien Gangbild, geschweige denn bis zu vollständigen Wiederherstellung, ist noch sehr lang und erfordert Ausdauer und Disziplin.

Ich habe mir das ‚Weniger ist Mehr‘ Prinzip zu Herzen genommen und versucht, die Balance zwischen Be- und Entlastung zu finden, nachdem mir das nun wirklich jeder nahe gelegt hat, vom Physiotherapeut bis zu allen Chefärzten!
Die letzten drei Wochen der stationären Reha waren daher gezeichnet von sehr moderatem Training im Wasser, im MTT, von täglichen physiotherapeutischen Behandlungen und längeren Ruhephasen. Beim MTT beschränkte ich mich neben regelmäßigem Ergometertraining (auch immer moderat, max. 5 km mit langsam steigernden Wattzahlen bis max. 120 Watt) auf reines Stabilitätstraining nur mit Körperkraft (ohne Gewichte).

AntiGravity-Laufband

Im Wasser bin ich maximal 400 Meter pro Tag geschwommen und habe zusätzlich auch hier Stabilitätsübungen gemacht, z.B. mit der ‚Schwimm-Nudel‘! Wie das geht? Mit beiden Füßen etwa hüftbreit mittig auf die Nudel stellen und dann, ohne dass ein Teil der Füße den Boden berührt, vorwärts gehen, am besten ohne sich am Rand festzuhalten. Mehrmals wöchentlich hatte ich zusätzlich Einzel- und Gruppen-Training im Wasser. Zwischen meinen täglichen Anwendungen hatte ich immer längere Ruhephasen eingeplant und diese auch mit schwerem Herzen eingehalten. Man darf auch die täglichen 3-4 Laufkilometer inkl. Treppenstufen nicht vergessen, die einfach nur durch die ganz normalen Wege zur Physio, zum Essen, zum Schwimmbad und zum MTT zusammenkamen. Einen Aufzug für die 4 Stockwerke des St. Hubertus hatte ich übrigens auch von innen gesehen!

Das Highlight schlechthin war für mich persönlich das AntiGravity-Laufband. Hier lässt sich exakt einstellen, mit welchem Prozentsatz des Körpergewichtes man sich beim Laufen belastet. Ziel dabei ist, sich nur so stark zu belasten, dass man ein absolut rundes Laufbild hat. Gestartet wurde mit 50%, am Ende der Reha war ich dann immerhin auf 65%. Den Versuch, mit Schmerzmittel den Schmerz beim normalen Abdrücken des operierten Beines beim Gehen zu unterdrücken und damit vielleicht aus dem Schmerzgedächtnis zu löschen, habe ich nach 5 Tagen aufgegeben. Die gewünschte Wirkung wurde einfach nicht erzielt.

Nachdem ich zunächst auf Anraten eines Therapeuten die Gehhilfen gegen NW-Stöcke zumindest zeitweise getauscht hatte, habe ich auch das nach ein paar Tagen sein gelassen, da ich tatsächlich nur mit zwei Gehhilfen ein absolut sauberes Gangbild hatte. Auch die Gangschule hat mir das nochmals entsprechend bestätigt!

Sehr positiv verlief meine selbst initiierte Ultraschall-Untersuchung, die von einer sehr emphatischen und gründlichen Oberärztin durchgeführt wurde. Entgegen meinen Befürchtungen, es könnte sich noch ein größerer innerer Bluterguss gebildet haben, war die Sonographie absolut unauffällig und damit auch meine kleine Schrecksekunde vor Reha-Beginn ohne Folgen.
Ansonsten hat mir eine ‚Physio-Folterknechtin‘, Extrembergsteigerin in der Freizeit, meinen psoas major (großen Hüftbeuger) so bearbeitet, dass ich noch drei Tage etwas davon hatte. War aber kein Problem.
Die Abschluss-Untersuchung war auch positiv: Meine Blutwerte (besonders der HB- und der Entzündungswert) waren alle wieder im Normbereich. Zudem hatte ich seit der OP im April 2018 noch knapp sechs Kilogramm abgenommen – davon zwei während der stationären Reha.

Also alles eigentlich prima, oder?
Für mich persönlich noch nicht ganz. Ich kann eben ohne zwei Gehhilfen noch nicht rund Laufen/Gehen, da der quasi ärztlich verordnete 8-wöchige Muskelschwund nicht in vier Wochen aufgeholt werden konnte.
Nach der ersten Woche wieder im Job – alles übrigens absolut problemlos – sind meine weiteren Genesungsschritte schon fest geplant. Neben zweimal Physio pro Woche, werde ich ab nächster Woche (KW 30) ins Physio FIT-Zentrum in Viersen für zunächst 12 Wochen gehen. Dort kann ich das MTT-Training der Reha eins zu eins fortführen. Im übrigen trifft es sich sehr gut, dass ab 1.11.2018 der Medical Park Borussia Mönchengladbach eröffnet. Dort werde ich mit Sicherheit bis zum Frühjahr 2019 Stammgast sein.
Ich bin tatsächlich – mit leichter Ungeduld – gespannt, wann ein absolut rundes Gangbild bei mir wieder Einzug hält.
Ihr erfahrt es als Erste hier in diesem Blog – vielleicht in Kapitel 8!